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Serie: Formel-1 - Teamchefs bei Renault/Benetton/Toleman: 7. Flavio Briatore

Geschrieben von: Michael Zeitler.

Serie: Formel-1 - Teamchefs bei Renault/Benetton/Toleman: 7. Flavio Briatore

von Michael Zeitler

Flavio Briatore war jahrelang bei Benetton und Renault Teamchef. Mit ihm gab es auch die größten Erfolge des Rennstalls, aber auch die dicksten Skandale.

| Enstone (!NS!DE RAC!NG) - Dass Flavio Briatore so aus der Formel-1 scheidet, hätte man sich zwar denken können, geglaubt hätte es aber trotzdem keiner. Zumal man eigentlich schon sagen konnte, dass der Italiener den Tanz am Rande der Legalität im Griff hatte. Und er hatte F1-Boss Bernie Ecclestone als engen Freund. Gemeinsam mit ihm besitzt er seit einigen Jahren sogar einen eigenen Fußballverein, Queen Park Rangers, ein Viertligist in England.

Tatsächlich war die Manipulationsaffäre um den Singapur GP 2008 das letzte Kapitel in Briatores Karriere, die zwar keine blütenweiße Weste vorweisen kann, dafür aber einige Erfolge. Briatore tat auch in seiner Art als Spaßvogel dem GP-Sport unglaublich gut. Einen solchen Typen wie Briatore, vielleicht mit ein bisschen mehr Fairness und Sportlichkeit bespickt, wären durchaus willkommen. Um was ging es in der Manipulationsaffäre? Renault-Pilot Nelson Piquet Junior brachte nicht wirklich die Leistung, die sich die Teamleitung um Briatore von ihm erhoffte. Also wurde der Brasilianer unter Druck gesetzt, denn für 2009 hatte er noch keinen Vertrag. Piquet Junior, dessen Vater Nelson Piquet Senior bereits in den frühen 90er Jahren unter Briatore bei Benetton fuhr, wurde so in einen unfassbaren Plan eingeschmiedet. Der Plan sah vor, dass Piquet Junior zu einer vereinbarten Runde in die Wand fahren sollte und zwar so, dass ein Safety Car ausgelöst werden würde. Teamkollege Fernando Alonso, ganz klar das Zugpferd bei Renault, sollte zu diesem Zeitpunkt bereits getankt haben und somit nach vorne gespült werden und das Rennen gewinnen. Genau so kam es auch. Die Manipulation flog erst auf, als Piquet Junior fast genau ein Jahr später bei Renault rausgeworfen wurde und er Briatore daraufhin bei der FIA anzeigte. Briatore bekam ein lebenslanges Berufsverbot im Motorsport. Will sich dagegen aber vor einem Gericht zur Wehr setzen.

Schon 2006 sah es so aus, als würde die Karriere von Briatore sich dem Ende zuneigen: Damals diagnostizierten Ärzte bei einer Routineuntersuchung einen Tumor in der rechten Niere. Zwar wurde Briatore erfolgreich operiert und wieder gesund, trotzdem kündigte er damals den baldigen Ausstieg aus der F1-Szene an. Er war für Ende 2008 angepeilt. Denn Briatore wollte sein Leben nun vollständig genießen. Aber er erkannte: Die Formel-1 und die Glamour-Welt drum herum ist für ihn der Genuss des Lebens. Und als Briatore auch noch seinen Schützling Alonso von McLaren Mercedes zurückholen konnte, gab es keinerlei Beweggründe mehr für einen vorzeitigen Ausstieg. Trotzdem endete im September 2009 die F1-Karriere Briatores nach 20 Jahren zumindest vorzeitig.

Geboren wurde Flavio Briatore am 12. April 1950 in Italien. Zunächst verdiente sich Briatore seine ersten Pfennige bei Gelegenheitjobs. So arbeitete er beispielsweise als Skilehrer, denn seine Eltern waren zwar nicht arm, aber auch nicht wohlhabend. Später spezialisierte er sich auf Versicherungen und wurde Versicherungsagent. Briatore schloss sich mit dem Bau- und Finanzunternehmer Attilio Dutto zusammen und gründete sein eigenes Unternehmen. Damit beginnt aber auch das erste dunkle Kapitel im Leben des Flavio Briatore: Dutto kam unter mysteriösen Umständen bei einer Autobombenexplosion im März 1979 ums Leben. Weil der Verkauf des Unternehmens von Dutto von Briatore abgewickelt wurde, allerdings nicht ganz nachvollziehbar und weil Briatore auch bei einigen Insolvenzen von Holdingunternehmen eine undurchsichtige Rolle spielte, wurde Briatore zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt.

Die trat der Graukopf nie an: Er verließ seinen Posten an der Mailänder Börse und ging ins Exil in die Karibik. Statt ins Gefängnis also auf eine Trauminsel. Aber Briatore legte nicht die Beine hoch und ließ sich bräunen (auch wenn’s so aussieht), er arbeitete hart weiter. Zuvor lernte er an der Börse bereits den Chef der Modemarke Benetton, Luciano Benetton kennen. Briatore sorgte für einen großen Aufstieg der Marke Benetton in Amerika. Als die Haftstrafen verjährten, kehrte Briatore 1989 nach Italien zurück.

Inzwischen hatte sich einiges geändert: Benetton hatte sich im Stechen gegen Peter Collins durchgesetzt und sich das Toleman-F1-Team gekauft. Weil Briatore in den USA ein großes Händchen im Management bewiesen hat, suchte Benetton nach einer neuen Aufgabe für Briatore. Er wurde schnell fündig: Hinter Collins wurde er als Teammanager für das eigene F1-Team eingesetzt. Damit war Briatore in der Umgebung der Reichen und Schönen, genau da wo er hinwollte. Genau da? Nein noch nicht ganz. Noch war nämlich Peter Collins in der Hierarchie im Benetton-F1-Team über ihm. Das musste Briatore ändern und das dauerte auch nicht lange. Johnny Herbert müsste als Opfer des internen Machtkampfes herhalten. Der Brite wurde trotz seines schweren F3000-Unfalls von Collins für Benetton verpflichtet. Briatore stellte sich quer. Es kam zu einem großen Hin und Her und letztlich gewann Briatore. Collins und Herbert mussten gehen. Dass Herbert nicht der wahre Grund für den Zwist war, wurde spätestens dann klar, als er Ende 1994 ins Team zurückkehrte. Unter Briatore als Teamchef.

Als Teamchef von Benetton zeigte er tatsächlich ein großes Geschick im Management. Zuvor hatte er noch keine Erfahrungen im Motorsport, aber er baute sich schnell sein eigenes Team um ihn herum auf. Michael Schumacher wurde als Fahrer verpflichtet, Rory Byrne als Super-Techniker neben Pat Symonds gestärkt durch Ross Brawn. Das Team fuhr sich Schritt für Schritt an die Spitze, beim Belgien GP gewann Schumacher das erste Rennen unter Briatore. Schin 1994 kämpfte man um den WM-Titel – und setzte sich auch durch, gegen Damon Hill und Williams. Der WM-Titel trug allerdings eindeutig die Handschrift von Briatore. Denn er bewegte sich am Limit der Legalität und soll nicht selten über das Ziel hinausgeschossen sein. Um weitere Skandale zu verhindern (die F1 war nach dem Tod von Ayrton Senna schon gebeutelt genug), wurde Briatore und Benetton aber nie richtig bestraft. So soll Benetton illegal eine Traktionskontrolle in Verwendung gehabt haben, auch die Tankanlage soll manipuliert gewesen sein. Beim Boxenstopp von Jos Verstappen in Deutschland kam es deshalb zu einem heftigen Brand, bei dem sich Verstappen aber nur leicht verletzte. Und dann gab es ja auch noch den Skandal um die Disqualifikation von Schumi beim Großbritannien GP, Stichwort: „Ich habe die schwarze Flagge nicht gesehen.“

Briatore arbeitete konsequent und mit allen Mitteln für den Erfolg des Benetton-Teams. Als Partner hatte er in Tom Walkinshaw einen ebenfalls ominösen und mysteriösen Geschäftsmann gefunden, der allerdings seit Jahren als Fahrer und Teambesitzer mit dem Motorsport vertraut war. Mit dem Schotten stieg Briatore auch als Großteilhaber im finanziell angeschlagenen Ligier-Team ein – um es auszubeuten. Briatore ging es nämlich um die Renault-Motoren, die deutlich besser waren als die Ford-Cosworth-Aggregate und die auch von Williams verwendet wurden. Ligier bekam die Mugen-Honda-Motoren, dafür sorgte Briatore durch einen Teilkauf des ebenfalls angeschlagenen Minardi-Teams. Briatore hatte also in mehreren Rennställen die Finger Mitte der 90er Jahre. Mit den Renault-Motoren fiel Schumacher die Titelverteidigung 1995 nicht schwer.

Danach kam aber die schwierige Phase, denn das Dream-Team zerfiel. Jean Todt, seit 1993 Rennleiter bei Ferrari, wollte ein neues Traumteam bei Ferrari aufbauen. Er lockte ein Gros der Benetton-Mannschaft (Schumacher, Brawn, Byrne) zu Ferrari. Benetton hatte große Probleme in den folgenden Jahren, konnte nicht mehr um den Titel mitreden. Als Ende 1997 auch noch Renault den Ausstieg aus der Formel-1 erklärte, ging auch die Ära Briatore bei Benetton zu Ende, zumindest vorerst. Briatore aber fand schnell eine neue Anstellung: Er stieg bei der Supertec-Firma ein, welche die alten Renault-Motoren wartete und an einige F1-Teams belieferte. Etwa Benetton, Williams oder BAR. Renault entschloss sich ziemlich schnell zur werksseitigen Rückkehr in die Formel-1. Mit Briatore wurde der Plan ausgetüftelt, das Benetton-Team zu kaufen und in Renault umzubenennen. Mit Briatore als großen Mann an der Spitze. So kam es auch. Ab 2001 war Briatore wieder Teamchef bei Benetton, das ab 2002 voll im Besitz von Renault war und dementsprechend auch umbenannt wurde.

Briatore brachte das Team wieder schrittweise nach vorne. Er holte sich mit Fernando Alonso einen neuen aufstrebenden jungen Fahrer. Mit dem Spanier gewann er 2005 und 2006 wieder zwei WM-Titel. Briatore wurde noch mehr zum Party-Löwen an den Rennstrecken und brachte immer wieder neue Top-Modells als neue Freundinnen mit ins Fahrerlager. Er machte nebenher auch ein eigenes Spielcasino auf und wurde auch Fahrermanager einiger junger Piloten. Fahrer, die bei Renault fuhren, mussten früher oder später als Manager Briatore akzeptieren, sonst gab es Ärger, siehe Jarno Trulli etwa. Die Management-Firma leitete Briatore zusammen mit Bruno Michel, der auch Organisator der GP2-Meisterschaft wurde. Renault lieferte dort prompt unter Mécachrome (auch für den Bau der F1-Motoren zuständig) die Einheitsmotoren. Weil Briatore mit allem Erfolg hatte, wurde er auch immer wieder als Nachfolger für F1-Boss Bernie Ecclestone ins Gespräch gebracht. Aber dazu kam es nie, spätestens seit Crashgate 2008 ist er für einen solchen Posten ungeeignet.

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