Jahresrückblick: 1969 (Formel-1-WM)

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Jahresrückblick: 1969 (Formel-1-WM)

von Michael Zeitler

1969 hatte das Tyrrell-Team einen großen Anteil an der Matra-Konstrukteurs-WM. Fahrerisch wurde auch Tyrrell-Pilot Jackie Stewart recht überlegen Weltmeister.

| Brackley (!NS!DE-RAC!NG) - Die neue F1-Saison begann am 1. März beim Südafrika Grand Prix. Über den Winter hatte sich einiges getan, vor allem auch im Motorenbereich. Denn 1969 gelang Ford Cosworth mit dem berühmten DFV-Motor der absolute Durchbruch. Nicht umsonst wurde Tyrrell mit dem Motor Weltmeister, der noch über 10 Jahre später Fahrzeuge zum Sieg trieben. Auch das Brabham-Team wechselte auf die Ford-Motoren, womit die F1-Laufbahn des australischen Repco-Motors beendet war.

Bei den Fahrern gab es ebenfalls einige Wechsel: Jochen Rindt wurde als neuer Teamkollege von Graham Hill von Lotus verpflichtet, dessen Platz bei Brabham wurde von Jacky Ickx eingenommen, der zuvor für Ferrari fuhr. Die Italiener traten nur mit einem Auto für den Neuseeländer Chris Amon an. Für das Rennen in Südafrika im Speziellen kamen natürlich auch wieder eine Reihe von Lokalmatadoren, die am WM-Lauf teilnehmen, dazu setzte Lotus beispielsweise einen dritten Wagen für US-Star Mario Andretti ein.

Das Jahr 1969 war auch das Jahr, in dem erstmals größere Flügel auf den F1-Boliden gesteckt wurden. Das führte immer wieder zu Unfällen. Unfallfrei blieb Jack Brabham im Kyalami-Quali. Und So holte sich der Australier in seinem Brabham Ford BT26A die Pole Position beim Auftaktrennen, vor Rindt, der damit gleich mal Hill in die Schranken wies. Brabham blieb zwar noch am Start vorne, aber ein motivierter Jackie Stewart, der sich im Matra Ford bereits am Start auf Rang zwei schob, griff Brabham noch in der ersten Runde an und zog vorbei. Die Mühe hätte sich Stewart aber sparen können, denn schon nach sieben Runden brach ein Flügel am Auto von Brabham. Der dadurch notwendige Boxenstopp warf Brabham weit zurück. Rindt war nun in der Verfolgerposition. Hill wendete das teaminterne Duell und passierte Rindt, konnte Stewart aber auch nicht mehr angreifen. Und so siegte Stewart vor Hill und Denny Hulme im McLaren Ford. Dementsprechend hieß auch der WM-Stand nach einem von elf Rennen so: Stewart (9), Hill (6), Hulme (4); bei den Konstrukteuren führte Matra (9) vor Lotus (6) und McLaren (3).

Stewart gewann auch das nicht zur WM zählende Rennen in Brands Hatch, während Brabham eines in Silverstone gewann. Erst danach gab es mit dem Spanien GP wieder einen Meisterschafts-Lauf. Das Rennen gewann zwar wieder Stewart, der damit seinen zweiten Saisonsieg feierte, aber der Schotte hatte auch durchaus Glück: Denn Pole-Mann Jochen Rindt ging ursprünglich auch in Führung. Erst in Runde 20 verlor er die Führung, nach dem der Heckflügel seines Lotus Ford brach und Rindt heftig crashte. Der Österreicher zog sich leichte Verletzungen und eine gebrochene Nase zu. Der neue Führende war nun Chris Amon mit seinem Ferrari. Aber auch der Neuseeländer hatte nicht das nötige Glück: Trotz einer Führung von über einer halben Minute konnte er das Rennen nicht gewinnen, weil in der 57. Runde sein V12-Ferrari hochging. Typisch für Amon, der bis heute als einer der besten F1-Fahrer gilt, die aber nie ein Rennen gewinnen konnten. Stewart erbte damit den Sieg. Bruce McLaren konnte in seinem Eigenbau die Ehre Neuseelands einigermaßen retten und wurde noch Zweiter, vor Jean-Pierre Beltoise im Matra Ford. Stewarts WM-Führung war damit schon nach zwei Läufen komfortabel: Stewart (18), McLaren (8), Hulme (7); die Konstrukteurs-WM: Matra (18), McLaren (10), Lotus (6).

Und Stewart war nicht zu bremsen: Beim folgenden Grand Prix im Fürstentum von Monaco holte er sich erneut die Pole Position. Wegen der schweren Unfälle durch die mächtigen Flügeln (Rindt kurierte sich noch aus und wurde in Monaco durch Richard Attwood vertreten), wurden diese prompt verboten. Dieses Mal war es aber Stewart, der Pech hatte: Ein Defekt an der Antriebswelle stoppte ihn in Führung liegend. Hill holte sich dadurch den Sieg, vor Piers Courage im Brabham Ford und Jo Siffert im Lotus. Hill kam damit bis auf drei Zähler an Stewart heran: Stewart (18), Hill (15), McLaren (10); Bei den Herstellern: Matra (18), Lotus (15), McLaren (12).

Beim Holland GP brachte Lotus einmal mehr ein revolutionäres Design hervor: Einen Allrad-Antrieb. Lotus war nicht das einzigste Team, das dieses Konzept verfolgte. Auch Matra und McLaren arbeiteten an einer solchen Antriebslösung. Lotus war aber das erste Team, das einen Allrad-Wagen in der WM einsetzte. Alle drei Teams bekamen Unterstützung von Ferguson. Die Firma baute schon Anfang der 60er Jahre Allrad-Rennwagen. Ein Ferguson konnte 1961 sogar bei einem nicht zur WM zählenden F1-Rennen gewinnen. In der WM war der Erfolg nicht ganz so bahnbrechend.

Die Konstrukteure des Lotus Ford 63 waren Lotus-Chef Colin Chapman persönlich, sowie Maurice Philippe, der nicht nur Rennwagenkonstrukteur bei Lotus, Parnelli und Tyrrell war, sondern auch Flugzeuge baute. Für Lotus war der Allrad-Antrieb kein neu erfundenes Rad: Schon beim Indy 500 ein Jahr zuvor setzte man einen Allrad-Lotus ein. Joe Leonard stellte den Boliden daraufhin auch sofort auf die Pole Position, konnte die aber nicht zum Sieg nutzen. Während der Allrad in den Ovalen tatsächlich einen Vorteil brachte, war der Erfolg in der Formel-1 überschaubar. Die Lotus-Fahrer fuhren meistens mit dem Vorgängermodell aus der Vorsaison und nur Matra brachte einmal einen Fahrer in die Punkte: Johnny-Servoz Gavin profitierte durch viele Ausfälle und holte sich beim Kanada GP einen WM-Punkt – den einzigen eines Allrad-F1-Autos. Die Teams verwarfen die Idee wieder und 1983 wurde der Allrad auch offiziell verboten.

Rindt fuhr in Holland auf Pole, vor Stewart und Hill. Am Start übernahm Hill vor Stewart und Rindt die Führung. Hill verlor aber bald die Plätze gegen Stewart und Rindt – die beiden Lotus-Fahrer fielen sogar noch weiter zurück und so fuhr Stewart einen ungefährdeten Sieg ein. Jo Siffert im dritten Lotus Ford und Amon im Ferrari belegten die weiteren Podestplatzierungen. Die WM-Wertung sah danach so aus: Fahrer: Stewart (27), Hill (15), Siffert (13); Konstrukteure: Matra (27), Lotus (21), McLaren (15).

In Frankreich fuhr Stewart einen ungefährdeten Start-und-Ziel-Sieg ein. Jack Brabham brach sich den Knöchel bei Testfahrten und war deshalb nicht nach Frankreich gekommen, Jochen Rindt plagten ebenfalls gesundheitliche Probleme, weshalb er sein Rennen schon vorzeitig beendete. Hinter Stewart sicherte Teamkollege Jean-Pierre Beltoise das Feld ab, Jacky Ickx wurde im Brabham Ford Dritter. Stewart hatte damit schon 20 Punkte Vorsprung: Stewart (36), Hill (16), Siffert und McLaren (13); bei den Herstellern führte Matra ebenso deutlich: Matra (36), Lotus (22), McLaren (18).

Beim Großbritannien GP fuhr Rindt auf Pole Position. Er war 1969 einer der besten Qualifier. WM-Leader Stewart lauerte aber schon direkt hinter ihm. Im Rennen konnte sich Rindt lange gegen Stewart zu Wehr setzen. Beide lieferten ein einwandfreies Duell, das leider einmal mehr durch einen gebrochenen Flügel bei Rindt beendet wurde. Rindt musste an die Box, der Sieg für Stewart war damit frei. Am Ende gewann er sogar mit einer Runde Vorsprung auf Ickx und McLaren. Stewart führte damit freilich auch weiter die WM an: Stewart (45), McLaren (17), Hill (16); Konstrukteurs-WM: Matra (45), Lotus (25), McLaren (20).

Der Deutschland GP wurde durch einen schweren Unfall im Vorfeld überschattet: Beim Training verstarb der Deutsche Gerhard Mitter tödlich. Er fuhr in einem privat eingesetzten BMW (von der Dornier-Firma) aus der Formel-2. Wegen der Länge der Strecke waren die F2-Renner damals auf dem Nürburgring erlaubt. Mitter begann in den 50er Jahren mit dem Rennsport und hatte eine motorsportlich vielseitige Begabung: Als er in der Formel-Junior fuhr, baute er sich seinen Formel-Renner selbst. Mitter war für Porsche bei den Sportwagen und vor allem bei Bergrennen äußerst erfolgreich. Dazu fuhr er auch bei F1-Rennen, zahlreiche davon jedoch außerhalb der WM. Beim Unfall selbst half alles Talent nichts: Nach einem Aufhängungsschaden verlor er ein Rad und verunglückte tödlich.

Wegen des Unfalls zogen sich viele F2-Teams wieder zurück, allen voran natürlich BMW. Das hatte ein kleines Starterfeld zur Folge, denn ohnehin fehlte beispielsweise Ferrari. Die Scuderia wollte eine schöpferische Pause einlegen, nachdem das Jahr bis dahin richtig schlecht verlief. Beim Heim-GP in Italien wollte man nämlich stärker aufgestellt sein. Darüber hinaus fehlte weiterhin auch Jack Brabham; einen zweiten Fahrer setzte das Team nicht ein. BRM war zwar wieder dabei, nachdem man zuletzt in Frankreich noch gefehlt hatte. Intern gab es nämlich Umstrukturierungen, denn das Reg Parnell Racing Team wurde geschlossen, einige Mitarbeiter schlossen sich aber BRM an. Aber John Surtees wollte den BRM im Rennen nicht fahren, weil das Auto zu unsicher war.

Das Rennen startete Stewart vor Ickx von der Pole Position aus. Letzterer versaute aber den Start und so übernahm Stewart vor Jo Siffert im privaten Lotus Ford und Rindt die Führung. So unspektakulär das klingt, der Start war trotzdem ein Knaller: Mario Andretti, der mit einem dritten Werks-Lotus wieder ab Start war, crashte und zog dabei auch Vic Elford mit in den Crash. Dessen privater McLaren Ford überschlug sich und blieb auf dem Dach liegen und in den Bäumen hängen! Andretti zog ihn zwar aus dem Wrack, trotzdem brach er sich den Arm.

Das Rennen ging weiter und Ickx machte seinen verpatzten Start wieder gut. Position für Position kämpfte er sich wieder nach vorne. Und tatsächlich war er bald wieder auf Platz 2 zu finden. Schnell schloss er auch die Lücke zu Stewart. Und Ickx kam vorbei. Der Sieg vor Stewart und McLaren war beeindruckend. Beeindruckend auch: Nur vier Autos schafften es ins Ziel! Zwar verlor Stewart das Rennen, aber in der WM hatte er immer noch alles im Griff: Stewart (51), Ickx (22), McLaren (21); Bei den Herstellern führte weiter Matra (51) vor Brabham und Lotus (je 28).

Die WM war also schon so gut wie entschieden, auch wenn andere Fahrer langsam stärker wurden. Ickx gewann nämlich auch das nicht zur WM zählende Rennen im Oulton Park. Und für den Italien GP holte sich Rindt einmal mehr die Pole Position. Das Rennen war die übliche Windschattenschlacht mit zahlreichen Führungswechseln. Insgesamt sechs Fahrer konnten Führungskilometer verbuchen: Stewart, Rindt, Beltoise, Courage, Hulme und Hill. Stewart holte sich am Ende den Sieg, der bedeutend war: Denn durch die zahlreichen Führungswechsel hatte der Sieg freilich einen großen Wert. Und außerdem machte Stewart damit den Titelgewinn perfekt – obschon noch drei Rennen ausstanden! Aber Stewart konnte nicht mehr vom Thron gestoßen werden: Stewart (60), McLaren (24), Ickx (22); Konstrukteurs-WM: Matra (60), Lotus (34), Brabham (30).

Die restliche Saison hatte damit natürlich an Wert verloren. In Kanada holte sich Ickx einen weiteren Sieg von der Pole Position aus. Nur in den ersten beiden Runden führte Rindt, danach konnte sich Ickx die Führung wieder zurückerobern. Beim USA GP siegte dann aber Rindt von der Pole aus. Hill hatte einen schweren Unfall, als sich sein Bolide überschlug, er aus dem Auto geworfen wurde und sich beide Beine brach. Das Saisonfinale in Mexiko gewann schließlich noch Denny Hulme im McLaren Ford.



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