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Serie: Formel-1 - Welche Nationen kommen als nächstes? 5. Estland

Geschrieben von: Michael Zeitler.

Serie: Formel-1 - Welche Nationen kommen als nächstes? 5. Estland

von Michael Zeitler

Estland hat eine eigene Formel-Historie, die schon viele Fahrer hervorgebracht hat. Sten Pentus ist derzeit die Hoffnung Estlands, auch endlich mal einen in die Formel-1 zu kriegen.

| Moskau (!NS!DE-RAC!NG) - Estland:

Fahrer, der an der Formel-1 klopft: Sten Pentus: Die Formel-World-Series-by-Renault fährt auf einem ähnlichen Niveau, wie die GP2. Und weil der Meister noch einen F1-Test für Renault gewinnt, ist die Serie durchaus attraktiv für Nachwuchsfahrer. Man kann sich darüber streiten, ob Sten Pentus mit seinen 28 Jahren noch ein Nachwuchsfahrer ist, aber Fakt ist, dass Pentus derzeit in dieser Serie mit zu den besten gehört: Der Fortec-Fahrer ist derzeit auf Rang drei in der Gesamtwertung, hinter Mikhail Aleshin (Carlin) und Daniel Ricciardo (Tech 1), einem der Red-Bull-F1-Testfahrer. Dabei hätte es für Pentus noch besser kommen können: Im Winter absolvierte er einen GP2-Test für Racing Engineering, wie auch im Jahr zuvor, als er auch für DPR testete. Racing Engineering, eines der besten GP2-Teams anno 2010, entschied sich gegen eine Verpflichtung von Pentus. Überhaupt legte sich Pentus nicht auf die faule Haut: Er flüchtete aus dem kalten Estland und fuhr in Neuseeland in der Formel-Toyota für Giles Motorsport. Er erreichte einen soliden vierten Platz in der Gesamtwertung.

Die guten Ergebnisse, die Pentus derzeit in der WSbR einfährt, machen Hoffnungen, dass es Pentus noch in die Formel-1 schaffen kann – wenn er dazu das nötige Budget sammeln kann. Dass er Talent hat, zeigt auch die Tatsache, dass Pentus einer der Esten ist, die es schaffen, sich vom nationalen Rennfahrer zum internationalen Rennfahrer hochzuarbeiten. Lange sah es nicht danach aus: Obschon er 2000 und 2001 Meister der baltischen Formel-4 wurde, blieb er noch bis 2003 in der Formel-Baltic. Dafür entwickelt er sich dort durch Tourenwagenrennen zu einem Allrounder.

Den ersten Anlauf, in Europa Fuß zu fassen, scheiterte: 2004 fuhr er relativ erfolglos in der deutschen Formel-BMW, kehrte danach wieder in die Formel-Baltic zurück. 2007 und 2008 fuhr er aber in verschiedenen Formel-Renault-Serien und stieg 2009 in die WSbR auf, der höchsten Formel-Renault-Serie. Mit dem malaysischen Mofaz-Team begann er die Saison recht ordentlich, schwächelte danach aber gewaltig. Sein wahres Talent lässt Pentus erst 2010 zeigen. Das muss er aber auch: Die Zeit drängt, will er wirklich noch in die Formel-1. Die Erfolge sprechen derzeit für ihn.

Andere aktuelle Nachwuchsfahrer aus Estland: Sten Pentus ist nicht der einzige Este, der derzeit im internationalen Formel-Sport aktiv ist: Tõnis Kasemets versucht sich derzeit aber in den Vereinigten Staaten: 2001 begann er in der amerikanischen Formel-2000, 2004 stieg er in die Formel-Atlantik auf. 2005 wurde er mit drei Rennsiegen bereits Vizemeister, damals unterwegs mit einem Swift Toyota, der von Dan Cobb Racing eingesetzt wurde. Für Rocketsports stieg er durch diesen Erfolg 2006 in die IndyCar-Serie auf, bestritt aber nur fünf Rennen. Er wechselte danach auf Sportwagen, kehrte 2008 zusätzlich aber in die Formel-Atlantik zurück. 2009 fuhr er für Polestar wieder eine volle Saison in der Formel-Atlantik und erreichte den fünften Rang im Klassement. In dieser Saison fährt er in der Indy-Light-Serie, so etwas wie die GP2 der IndyCar. Er fährt für das PBIR-Team. Kasemets ist also weiterhin in Nachwuchsserien unterwegs, auch wenn er mit 36 Jahren schon zu den Routeniers zählt. Für eine F1-Karriere ist das freilich zu alt.

Für die Formel-1 sollte man sich aber den Namen Kevin Korjus merken: Er fährt derzeit in der europäischen Formel-Renault, der Nachwuchsserie der Formel-World-Series-by-Renault, für die Pentus unterwegs ist. Zuvor war Korjus in den Formel-Renault-Serien des Nordens unterwegs, wo er sein Talent bereits aufblitzen ließ. Richtig stark ist Korjus aber 2010: In den Fahrzeugen, die vom Barazi-Epsilon-Team konstruiert wurden, das zuletzt auch in der Formel-Superleague aktiv war, gewann er bereits drei von vier Rennen und führt damit die Meisterschaft deutlich an. Korjus fährt für das Korainen-Bros-Team aus Finnland.

Neben Korjus fährt auch Karl Oskar Liiv in der europäischen Formel-Renault, für MP. Er zeigte bislang weniger starke Rennen. Liiv fuhr bereits im Vorjahr erste Rennen für MP in der europäischen Formel-Renault. Der nächste, der in diese Serie kommen könnte, ist Johannes Moor. Der 17-Jährige fährt derzeit in anderen Formel-Renault-Serien im Norden Europas. Für TT liegt er derzeit in der schwedischen und nordeuropäischen Formel-Renault auf Rang fünf in der Gesamtwertung. Antti Rammo sammelte in beiden Serien bisher noch keine Punkte. Er fährt für das P1-Team, das auch in der Formel-World-Series-by-Renault unterwegs ist und dem ehemaligen Brabham-F1-Mechaniker Roly Vincini.

Martin Laur ist 2010 bislang ohne Cockpit. Zuletzt fuhr Laur 2009 in der Formel-Baltic für die Scuderia Nordica. Meister wurde dort letztes Jahr Erko Vallbau, ebenfalls aus Estland. Der MKE-Fahrer fuhr schon von 2002 bis 2007 in dieser Serie, anfangs noch mit einem Estonia, inzwischen mit einem Bowman VW. Auch ohne Cockpit 2010 ist Teet Nurmeoja, der im Vorjahr noch Vizemeister in der Formel-Baltic für ProRex Racing war. Raivo Tamm fuhr die letzten drei Jahre in der finnischen und österreichischen Formel-3, hat bislang für die laufende Saison ebenfalls noch kein Cockpit, wie auch Tõnis Vanaselja, der letztes Jahr noch in der nordeuropäischen Formel-Renault unterwegs war.

Fahrer aus Estland – Ein Blick in die Historie: Rennfahrer gibt es in Estland schon seit Jahrzehnten. Der Grund, das bis heute es kein Este in die Formel-1 geschafft hat, liegt eher an der Weltpolitik: In Zeiten des Kalten Krieges fuhr der Osten seine eigenen Serien. Das begann mit kleineren Nachwuchs-Formeln, bis hin zur Formel-3, Formel-2 und schließlich auch zur sovietischen Formel-1. Erst nach 1990 schafften es immer mehr Esten auch in den Westen. Bis dahin dominierten sie neben den Russen aber die Rennserien im Osten. Einige wurden daher zur Berühmtheit. Ein paar Fakten zu ausgewählten Fahrer in der estischen Renngeschichte:

Juri Adamson fuhr beispielsweise 1971 und 1972 mit einem Estonia, einem (wie der Name bereits verrät) in Estland gefertigten Rennwagen, in der sovietischen Formel-4. Dabei erreichte er 1971 immerhin einen dritten Platz in der Gesamtwertung, allerdings hinter seinen Landsmännern Mati Reintamm und dem Meister Peep Lansso. Trotz seines Titelgewinns blieb Lansso ansonsten recht unauffällig. Mati Reintamm fuhr dagegen auch 1972 noch einmal in der gleichen Serie, war aber wie Adamson deutlich schlechter. Sein Bruder Jukk Reintamm war ebenfalls Rennfahrer: Er war von 1972 bis 1974 in der Formel-Vostock unterwegs, ebenfalls eine Rennserie im damaligen Ostblock. 1973 erreichte er als Gesamt-6. seine beste Platzierung.

In der Formel-Vostock waren auch Fahrer aus dem Osten Deutschland unterwegs. Die Serie war also durchaus angesehen. Bester Este 1973 war Henri Saarm als Fünfter. Saarm fuhr in der gleichen Saison auch in der Formel-3-Serie der DDR in Deutschland und war auch 1972 in der Formel-Vostock aktiv. 1972 war aber nicht er, sondern Enn Griffel (Platz sechs) bester Este in der Formel-Vostock:  Er erreichte in einem Estonia Wartburg Rang acht. In den folgenden Jahren steigerte er sich sogar noch, sodass er die Meisterschaft 1974 auf Platz vier beenden konnten. Sein unumstritten größter Erfolg war aber der Titelgewinn in der sovietischen Formel-3 1969. Mit seinem Estonia Wartburg gewann Griffel insgesamt drei der vier Rennen!

Auch Toivo Asmer fuhr in Estland Formel-Rennen. Sein Sohn Marko Asmer schaffte es sogar nach Europa, weil er in einer anderen Zeit fuhr. Aber auch die Karriere von Marko Asmer ist inzwischen eingeschlafen. Dabei war Asmer der bisher erste Este, der mit der F1-WM zumindest in Berührung kam: 2008 wurde Asmer als Testfahrer bei BMW Sauber verpflichtet. 2007 holte er sich mit Hitech noch den Titel in der britischen Formel-3. Aber dann ging es bergab: Bei BMW Sauber kam er kaum zu testen und im Fisichella-Team in der GP2 fuhr er hinterher. Seit 2009 steht Asmer ohne Cockpit da. Sein Vater Toivo Asmer verkündete im April 2010, dass eine Fortsetzung der Karriere seines Sohnes unrealistisch sei. Es fehlt einfach an Sponsoren. Solche Sorgen hatte Asmer Senior noch nicht. Als er noch Rennen fuhr, war das eine deutlich billigere Angelegenheit. Toivo Asmer war vor allem in den 80er Jahren aktiv. Der Höhepunkt war Platz drei in der Gesamtwertung der Formel-Easter 1988.

Damals fuhren zwei weitere Esten ebenfalls in der Formel-Easter. Einer davon war Toomas Napa: 1982 fuhr Napa erstmals in der Formel-Easter und wurde Gesamt-4., 1984 erneut. Dabei gewann er sogar ein Rennen. 1985 legte er noch einen drauf: Zwei Rennsiege und Vizemeister, geschlagen nur von Ulli Melkus aus Deutschland. Seinen größten Erfolg gab es aber in einer anderen Rennserie: 1987 wurde er Meister der sovietischen Formel-3. Bei allen vier Rennen stand er dabei mit seinem Estonia auf dem Podest, dreimal ganz in der Mitte. Seine letzte Formel-Saison bestritt Napa mit 37 Jahren 1990: Er holte sich den Titel in der baltischen Formel-4. Mit dem gleichen Esttec-Rennwagen fuhr er auch in der finnischen Formel-3, hatte dort aber weniger Erfolge.

Vizemeister in der baltischen Formel-4 wurde damals ebenfalls ein Este: Väinö Pentus. Marek Kiisa wurde damals Gesamt-3. Kiisa fährt 2010 in der österreichischen Formel-Renault für die Scuderia Nordica. Er belegt nach zwei Rennen den siebten Platz in der Gesamtwertung.

Ein weiterer Este aus der Rennsportgeschichte ist Kalju Berting. 1971 und 1972 fuhr er in der sovietischen Formel-4, wurde 1972 mit einem Podestplatz Gesamt-4. Endel Untera war damals als bester Este Gesamt-3, mit zwei Siegen. Toomas Putmaker fuhr damals ebenfalls in der gleichen Serie.

Viele Esten tummelten sich auch 1987 in der sovietischen Formel-3: Urmas Haamer wurde Gesamt-20., Vladimir Krivodub wurde sogar Gesamt-3., vor Lembits Tamsars; Avo Soots kam auf Gesamtrang sechs, Raul Sarap auf Rang elf, Leo Jazzels auf 17, Ilmar Pardane auf 26.

Madis Laiv fuhr 1971 in der Formel-Vostock, Urmas Pilds fuhr 1988 in der Formel-Easter und 1989 in der Formel-Mondial, eine Serie, die etwa auf Formel-Atlantik-Niveau angesiedelt wurde. Nach Europa schaffte es Urmas Põld: Er fuhr 1991 für Fred Goddard in der britischen Formel-3 mit einem Ralt Alfa Romeo, 1992 mit einem estischen Team in der Formel-Opel-Lotus. Erfolg hatte er aber nicht. Meelis Telliskivi fuhr 1999 mit einem Estonia VW in der finnischen Formel-4, aber ebenfalls ohne Erfolg.

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