reinGezappt!: Sky - Formel-1 Verlust für 2011?

Geschrieben von: Roland Schäfges.

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Ausgabe 3: Sonderausgabe von "reinGezappt!". Sky könnte die Formel 1 Rechte abgeben. Aber zu welchem Preis?

reinGezappt!: Sky - Formel-1 Verlust für 2011?

von Roland Schäfges

Sonderausgabe von "reinGezappt!". Sky könnte die Formel 1 Rechte abgeben. Aber zu welchem Preis?

THEMA: "Keine Formel 1 mehr bei Sky 2011" (Artikel in der Stuttgarter Zeitung - 28. September 2010)

| Mayen (!NS!DE-RAC!NG) - Liebe Rennsportfreunde, jetzt müsst ihr stark sein.

„Keep Racing“... auf diesen Satz von Jacques Schulz freuen sich Formel 1 Fans in jeder Sky-Übertragung. Seit 15 Jahren....

2011 könnte es kein „Keep Racing“ mehr geben. Sky denkt tatsächlich darüber nach, die zweitbedeutsamste Sportart der Welt aus dem Programm zu nehmen. Die boomende Formel 1 mit sieben deutschen Fahrern. Mit einem Mercedes-Benz Werksteam und dem ebenfalls sich im Sendegebiet befindlichen Sauber-Team.

Sky verfolgt seit Jahren die Strategie des Wachstums. Wachstum muss man fördern. Jedes Unternehmen kann sich nur über Wachstum weiterentwickeln. Aber man muss, gerade als Fernsehsender mit Abonnenten, sich auch mit den Beweggründen beschäftigen, wieso die aktuellen Kunden ein Abo besitzen.

Der Autor dieser Zeilen ist sich sicher. Sollte der Supergau vieler Motorsportfans 2011 passieren, wird dies auch die Sky-Zentrale in München bemerken. Und das nicht mit gerade erfreut. Die ca. 750.000 Fans pro Rennen werden sich natürlich, und das tue ich selbst gerade auch, fragen: Wieso zahle ich jeden Monat einen ordentlichen zweistelligen Betrag an dieses (...) Unternehmen?

Ich weiß es NICHT mehr!!! Ein Rechteverlust wäre für mich, wie der Tod meines besten, sehr kranken Freundes.  Auf der einen Seite ist man froh, dass er es hinter sich hat, er nicht mehr leiden muss und dennoch weint man um seinen lieb gewonnen Freund, welchen man seit 15 Jahren gekannt, geschätzt, verflucht und geliebt hat.

Sie finden dies einen makaberen Gedanken? Ich bin kein Poet und kein Politiker. Ich bin Journalist und schreibe was ich denke.


Rückblick auf die Anfänge:

1996, in Silverstone fing alles an. Privatvorstellung für  Leo Kirch und seine Investoren. Alle waren begeistert. Wow, Damon Hill gegen Jacques Villeneuve und Schumacher, der jedoch eher mit dem Wagen kämpfte als um die WM. Alles auf sechs verschiedenen Kanälen. Datenkanäle, Cockpitkameras und eigene Kameras in den Boxen. Premium-TV was jeder sah. Wow, es war die Geburt des ersten „Digitalen Fernsehens“ (DF1) in Deutschland.

1999 fusionierte man mit dem 1991 gegründeten PREMIERE zu Premiere World. „Your personal TV“ war das Motto. Ja, es war „mein persönliches Fernsehen“. 2002 folgte das Jahr, was ich im Rückblick intensiver betrachten hätte müssen. Olympia auf 6 Kanälen inkl. Interaktiver Anwendungen, Live Boxen in allen Formen, die Fußball Bundesliga auf „Kick“, Italien über Spanien bis England, Champions League, NBA, NHL, IndyCar, Golf und die Formel 1 in Perfektion auf 6 hochwertigen produzierten Feeds.  

Kurzum: Es war DAS größte Jahr in der Geschichte des digitalen Fernsehens. Vielleicht oder ganz sicher nicht Finanziell. Aber es war für mich das gefühlt beste Jahr.

2003 folgte ein Absturz. Aber es war der Anfang von Ende. Premiere World gibt es nicht mehr. Premiere gibt es nicht mehr. Heute gibt es Sky.

Mit dem Markenname „Sky“ lebte eine ganze Generation von TV-Junkies eine Illusion. Die Illusion das es besser werden könnte, dass es schöner werden könnte, dass es hochwertiger werden könnte... Es kommt aktuell genau andersherum


2011 könnten wir also die Formel 1 verlieren. Wieso....?  Zum Saisonende enden die TV-Rechte an der Formel 1. “Uns bewegt die Frage: Womit legen wir im Neukundengeschäft zu?”, sagt Sky-Vorstand Carsten Schmidt gestern in einem Interview mit den Stuttgartern Nachrichten. Die Königsklasse des Motorsports zählt scheinbar nicht mehr dazu – auch deshalb, weil RTL mit seiner Formel-1-Berichterstattung in den Augen der Münchener eine (zu) starke Konkurrenz darstellt. “Die Formel 1 ist als Abo-Grund ein geringer”, sagt Schmidt, “deshalb steht sie bei uns auf dem Prüfstand.”

Kein Jacques Schulz mehr? Keine Werbefreiheit mehr? Kein Zapping mehr bei den Rennen? Dieses Szenario ist leider wahrscheinlicher, als unwahrscheinlich.

Sky fehlt es an Geld. Eine Kapitalerhöhung brachte nicht den gewünschten Erfolg. Die Zuschauerzahlen verbessern sich nur mühsam. Ebenso und dies ist ein wichtiger Faktor, wird die Formel BMW eingestellt. Eine von BMW gesponserte Dauerwerberennsportsendung. Dafür soll Sky laut FOM die GP3 zeigen. Da gibt es jedoch keine großzügigen Produktionskostenzuschüsse.

Die Formel One Management, verkörpert durch Bernie Ecclestone favorisiert einen Fünfjahresvertrag. Sky will bestenfalls wieder drei Jahre.

Ich stimme dem Sky-Vorstand absolut zu, dass die Formel 1 aus Betriebswirtschaftlichen Gründen kaum eine Wichtigkeit mehr besitzt. Aber man wird eine ganze Gruppe von Kunden komplett verlieren. Die Gruppe der Rennsport interessierten Menschen. Die Gruppe der Motorsportler. Man riskiert mit dieser Taktik ca. eine halbe Million Abos.

Sky spricht von Premium-TV. Sky spricht von Exklusivität. Exklusivität kann man auch durch Qualität erzeugen. Wäre die Formel 1 Übertragung deutlich aufwendiger produziert, würde dies auch deutlich mehr Fans vor den Fernseher bringen. Die Formel 1 und ihre Töchter hat jedoch ein deutliches Schattenleben bei Sky.

Hinter den Kulissen ist derzeit viel Dynamit. Sky hat sich selbst demontiert. Man hätte sich nicht nur auf Wachstum konzentrieren sollen, sondern vor allem auch die Frage stellen müssen. Wie mache ich meine aktuellen Kunden glücklich. Sollte die Formel 1 Bombe explodieren, ist es für mich nur noch eine Frage der Zeit bis der gesamte Sender fällt.
Filme gibt es heute an jeder Straßenecke und im Internet. Die iPad Lösung ist zwar innovativ aber kurzfristig gedacht, vor allem wenn das inhaltliche Angebot nicht passt. Die Bundesliga wird auch in fünf Jahren nicht mehr Zuschauer bei Sky anlocken und HDTV Sender starten derzeit wöchentlich und in Deutschland gibt es mehr Free-TV Sender als in Italien und England (beides Länder mit eigenen Sky-Angeboten) zusammen.

Bei der NASCAR hat die Fans auch ziemlich heftig an den Kopf gestoßen. Bestandskunden hat man. Bestandskunden haben sich meist wegen einer Sache locken lassen. Er wird nicht bleiben, wenn sein Programm nicht mehr kommt.  

Fakt ist derzeit eines: Sollte Motorsport sprich Formel 1 inkl. den Rahmenserien bei Sky verschwinden, wäre das Sportprogramm nicht mehr nur ein „kranker“ Mann sondern es würde auf die Intensivstation verlegt werden müssen. Golf, Westling (die drei Wochen Wimbledon vergessen wir lieber direkt mal) und NBA.TV (Nachts) sind ja mit Sicherheit kein Premium Anspruch und quantitativ absolut unbefriedigten. Das müsste auch alles der Vorstand wissen. Ebenso gibt es einige mögliche Nachfolger

Sport1+, Entertain von T-Home, ESPN oder Servus.TV bzw. der Pay-TV Ableger RedBull.TV könnten übernehmen. Aber das ist eine ganz eigene Baustelle.

Die ersten Foren Quellen derzeit vor Wut über. Die Frage ist und bleibt nach den aktuellen Aussagen des Herrn Schmidt. Sturm im Wasserglas oder der Anfang vom Ende?

Sky hat es jetzt in der Hand. Man muss ein Zeichen setzen. Sollte man die Formel 1 Aufgeben, wäre dies der endgültige Schlag ins Gesicht gegen alle Bestandskunden. „Ihr seit uns nichts Wert.“ Hoffe sehr, dass Sky nicht so blöd ist. Auch wen die Formel 1 betriebswirtschaftlich kaum Geld bringt und sehr viel kostet.

Ich verspreche dran zu bleiben und eine Stellungnahme von Sky zu bekommen. Keep Racing

Wertung: Dieses "Verhalten" bekommt von der Redaktion von !NS!DE-RAC!NG eine Bewertung von 0 Ausrufezeichen - ungenügend - Note 6!

Fazit: Sky ist in Not. Sky hat viele Probleme. Sky hat aber auch ein paar Kunden. Sehr viele davon Nutzen die Formel 1 auf Sky. Bei allen wirtschaftlichen Bedenken finde ich, dass ein Formel 1 Rechteverlust der Anfang von Ende werden könnte. Viele Menschen könnte ihre Abos aufkündigen und Sky den Todesstoß versetzen.


Herzlichst ihr Medienkolumnist
Roland Schäfges, Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.

Roland Schäfges ist seit frühester Kindheit (seit 1993) ständiger Beobacher der Grand Prix Szene und des Motorsports. Er hat ein Privatarchiv mit unzähligen Stunden Rennsportvideomaterial  von 1970 bis heute.  Der ausgebildete Mediengestalter arbeitet seit 2005 fürs Fernsehen und ist seit 2006 ebenso Motorsportjournalist, weshalb er Gast bei vielen Rennen ist und daher auch viele Rennfahrer und Journalisten persönlich recht gut kennt.

 


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