reinGezappt!: Kabel 1 - Meine Meinung zur GT Masters

Geschrieben von: Roland Schäfges.

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Ausgabe 4: Kabel 1 zeigte die ADAC GT Masters Live. Zum Finale 2010 analysiert Roland Schäfges die Sendung und zeigt das es noch viel zu verbessern gibt.

reinGezappt!: Kabel 1 - Meine Meinung zur GT Masters

von Roland Schäfges

Kabel 1 zeigte die ADAC GT Masters Live. Zum Finale 2010 analysiert Roland Schäfges die Sendung und zeigt, dass es noch viel zu verbessern gibt.

THEMA: "ADAC GT Masters - Saisonfinale Live" (Kabel 1 am 2. und 3. Oktober 2010)

Jan Stecker mit Christopher Mies am Nürburgring| Mayen (!NS!DE-RAC!NG) - „Von mir war's das dann, machen Sie es gut, tschüss und bye bye“ - sind dies die letzten Worte des Rainer Braun als Live-Kommentator einer Top-Rennserie?

Lieber Leser, ich begrüße Sie damit zur vierten Ausgabe meiner Medienkolumne auf inside-racing.de

In meiner aktuellen Ausgabe will ich mich zur GT Masters bei Kabel 1 äußern. Einer Rennserie, welche für mich nicht nur „eine Liga“ über der DTM steht. Traumhafte Rennwagen im packenden Duell mit Spitzenfahrern. Alle namhaften deutschen Tourenwagen- und Sportwagenpiloten welche nicht in der DTM unterwegs sind (ok, dort fahren ja auch kaum mehr Deutsche) sind hier anzutreffen.

Anfangen möchte ich dabei mit dem Offensichtlichen und damit direkt mit dem von mir sehr geschätzten Rainer Braun. Einer wahrhaft echten Kommentatorenlegende. Ich habe in meinem Berufsleben dafür zu wenig erreicht um große Kritik zu üben. Jedoch erlebte ich eine interessante Entwicklung. Ich lernte über den Unitymedia Speedtalk und im Fahrerlager der GT Masters den Menschen Rainer Braun immer mehr schätzen und überdachte zeitgleich seine Leistung als Kommentator.

Der Fall einer Legende?

Rainer Braun (mitte) u.a. mit Klaus Ludwig (rechts) im SpeedtalkIn erwähnter Runde ist er mit seinem Fachwissen, seiner Erfahrung und seinen Kontakten einer der absoluten Top-Experten. Man glaubt was er sagt und stellt fest, dass er oft Recht hat.
Die „Hallo Fahrerlager“ Buchserie ist das Beste was es in der deutschen Motorsportliteratur aktuell zu kaufen gibt. Historisch relevante Geschichten spannend für die Nachwelt erzählt.

Im Live-Kommentar jedoch sind mir allein beim letzten Rennen viele Patzer aufgefallen. Langes Nachdenken über Fahrernamen und Besetzungen. Einige merkbare Irritationen und Verwechslungen und sogar einen kleinen Ausrutscher („Ich weiß nicht, ob das richtig ausgesprochen ist - lach nicht so blöd“) gegenüber einer sich in der Kommentatorenkabine befindlichen Person. Nachteilhaft in dieser Situation war vor allem, dass der Zuschauer nicht wusste, wen Braun in diesem Moment meinte.  Auch da man im TV kein Lachen aus dem Hintergrund vernommen hat. Zur Aufklärung: In der Kabine sitzt in der Regel seine Frau Britta und meist eine weitere Person.

Jetzt kommt aber das große Hallo. Die teilweise nicht idealen Momente im Kommentar lagen jedoch nicht immer an Rainer Braun. Kabel 1 hat einen entscheidenden Fehler gemacht, als es um die Kommentatorenbesetzung für 2010 ging. Man hätte dem erfahrenen Journalisten, der vom Prinzip eine ideale Wahl war, einen (GT Masters erfahrenen) Co-Kommentator zur Seite setzen sollen.  Klaus Ludwig wäre z.B. bei fast jeden Rennen vor Ort gewesen. Ebenso fanden sich im GT Masters Fahrerlager einige andere namhafte Experten.

Gerade im Motorsport ist es Usus neben einem „fragenden“ Journalisten einen Experten zu setzen, der immer die passenden Antworten hätte. Siehe nur das Traumpaar Schulz / Surer bei Sky und der Formel 1. Ein Kult-Duo...
Braun musste sich Fragen stellen und sie sich selbst beantworten. Er musste 60 Minuten lang einen "Alleinunterhalter" spielen. Er musste den Überblick behalten und keiner konnte seine Verwechslungen mit offenem Mikrophon kommentieren oder korrigieren.  Kabel 1 hat somit einen der renommiertesten Motorsportjournalisten unseres Landes ziemlich alt aussehen lassen. Früher bei 3sat, ja da war Braun meist auch alleine, aber die Situation war doch irgendwie eine andere. Hätte er in dieser Saison einen Experten gehabt, wären interessante Dialoge möglich gewesen und witzige Gespräche. Chance vertan.

Immer schon so...
Wer die alten 3sat Kommentare kennt (und ich habe mich bewusst nochmals mit diesen wegen dieser Analyse auseinandergesetzt), weiß dass es für Braun nichts Ungewöhnliches ist, dass er mal Fahrernamen und Autos verwechselt. Es hat auch nichts mit schlechter Vorbereitung zu tun. Es gibt kaum einen TV Journalisten mit besserem Archiv, fundierterem Fachwissen und einer solch exakten Vorbereitung.
Vielmehr ist es eher dieses große Archiv im Kopf des beliebten Kommentators, das ihm manchmal einen Streich spielt. Ebenso darf man sein mittlerweile recht hohes Alter für  einen Live-Kommentator nicht vergessen.

Zusammengefasst hat dies den bald 70-Jährigen eben auch zum Kult-Kommentator gemacht. Rainer Braun ist ein Original. Er ist kein „Schönwetterkommentator". Er sagt was er denkt...

Und damit möchte ich nochmals an das Zitat vom Anfang erinnern. Für Braun wars das... leider. Im persönlichen Gespräch hat mir Rainer Braun anvertraut, dass dies seine letzte Saison als Motorsportjournalist war. Nach 50 Jahren im Einsatz! Unglaublich! Eine Legende geht also in Rente. Schade, dass dies im TV nicht entsprechend gewürdigt wurde. Es sei den, er hat es sich insgeheim doch anders überlegt?

„Niemals geht man so ganz“ heißt eine rheinische Lebensweisheit. Und vielleicht  gilt das auch für Braun. Sollte er sein „Versprechen“ einhalten, wünsche ich ihm alles Gute und sage Danke für interessante, letzte 20 TV-Stunden bei Kabel 1 im Jahr 2010.

Falsch eingesetzt?
Lina van de Mars (rechts) wirkte falsch eingesetztVon einer Legende zu einer eher unbekannten Person in einer Motorsportübertragung - Lina van de Mars.

Ich weiß nicht, was ich von ihr halten soll. Ihr „Finale ohooooo“ zum Beispiel beim Auftakt des letzten ADAC Masters Magazin oder auch ihre Unkenntnis zur Startposition von Meisterschaftskandidaten Christopher Mies („der steht irgendwo bei Startplatz 5 oder 6“) zeigen genau das Gegenteil von Braun. Eine scheinbar unvorbereitete Person. Scheinbar, dabei ist die ausgebildete KFZ-Mechanikerin doch eigentlich genau drin in der Materie Auto.

Auch wenn ihr Moderationsstil recht erfrischend wirkt, ihre Fragen gelegentlich unkonventionell, teils gar frech sind und Sie ein sehr sympathischer Mensch ist, passt Sie irgendwie nicht in das Format der Sendung. Als Tuningengel wirkt sie für mich sehr authentisch (siehe Tuning TV, Der Checker oder Die Autoprofis). Ebenso in einem (Musik)Szene oder Motorbike Magazin. Jedoch nicht in die größte deutsche Sportwagenmeisterschaft. Wenn, hätte man ihr einen expliziten technischen Bereich zuteilen sollen. Dies hätte zum Typ Lina van de Mars gepasst.

Ihre Vorgängerinnen sind Personen wie Maren Braun, die Tochter von Rainer, oder Christa Haas, der Grande Dame der Motorsportübertragung des ZDF. Kritisch, spontan, unnachgiebig und teils mit nervend genauer Analyse. Fragen Sie mal bei Norbert Haug nach, wie das in den 90er Jahren war. Das alles fehlt irgendwie bei Lina van de Mars. Sie hat ihren Job gut gemacht, ohne Frage. Aber eine fachlichere Auseinandersetzung mit der GT Masters hätte ihr sehr gut gestanden. Sie wirkte mir leider über die ganze Saison irgendwie nicht richtig in ihrer Position.

Lob für den Mut von Kabel 1
Legendentreffen für Kabel 1Überzeugt hat Jan Stecker. Der erfahrene „Bergische Jung“ ist eine erfahrene und damit sichere Nummer im Sportfernsehen. Egal ob amerikanischer Sport, Boxen oder eben Motorsport. Jan Stecker war immer eine solide und staatsmanische Größe. So auch am Wochenende. Witzig und sehr sachlich führte er durch die Rennübertragungen.

Zusammengefasst war es eine sehr mutige Entscheidung von Kabel 1 die ADAC GT Masters Live zu übertragen. Noch mutiger war es, es im nächsten Jahr ebenso zu tun.
Kabel 1 tritt damit irgendwie die Nachfolge von VOX 1996 an. Damals war es auch eine große Überraschung, dass ein Sender der damals noch recht frischen zweiten Generation der Privatsender ein solches Sportevent zeigte.  

Die Zutaten haben gestimmt. Die Mischung jedoch nicht! Der Vorbericht war mindestens 15 min zu kurz. Eine klare Analyse gab es ebenso nicht. Das die Formel 3 nicht live Übertragen wurde, sehe ich ebenso als nachteilig an. Man hatte die Chance eine wunderschöne Live-Übertragung von jeweils 3 Stunden zu etablieren vertan. Man hätte Lina van de Mars eindeutiger in den technischen Bereich einsetzen sollen. Jan Stecker wäre als Host ideal gewesen. Dazu Rainer Braun im Kommentar mit einem Experten, welche auch im Vor- und Nachbericht hätte zu Wort kommen können. Die ganze Sendung hätte gediegener präsentiert werden sollen und weniger chaotisch.

Ebenso fehlten meist interessante Einspielfilme à la 3Sat in den 90er Jahren, als Volker Titze und sein Team (darunter Burkard Bechtel und Aris Donzelli) fast schon künstlerisch von der DTM berichteten.

Die ADAC GT Masters ist für mich sportlich in diesem Jahr an der DTM vorbei gegangen. Kabel 1 hat eine tolle Chance vertan, sich nachhaltig in die Köpfe der Motorsportfans zu etablieren.

Dies haben auch die Quoten dokumentiert. In der Regel sahen zuletzt, in Idealfall, knapp über eine viertel Million Zuschauer zu, die Marktanteile lagen zwischen 2,8 und 5,3 Prozent in der Zielgruppe und damit klar unter dem Senderschnitt.

Die Rennsportübertragung wirkte leider ein wenig verloren zwischen Disney Filmparade und einem US Spielfilm. Das GT Masters Magazin am Sonntagabend ging vollkommen verloren.

Die deutschen Sender müssen lernen den Motorsport, ähnlich dem amerikanischen Vorbild, als „the greatest show in the world“ zu verstehen. Eine „Big Show“ zu zeigen und die Rennserie als „gigantisch“ zu präsentieren. Ebenso hat es Kabel 1 verpasst die großen Emotionen der Sieger und Verlierer zu zeigen.

Siegerehrung, Nationalhymne, Parc Fermé  Grid Girls, Sektdusche und Boxenfunk in der Ehrenrunde. Alles Elemente die in der Formel 1 und auch in der NASCAR sehr gut ankommen. Die großen Emotionen wollten einfach nicht rüber kommen. Gerade am Ende einer Saison versteht es z.B. Sky oder auch RTL immer sehr schön, in einem mehrminütigen Videoclip die Szenen der Saison unterlegt von toller Musik emotional zu vertiefen. Wehmut auf das Jahr zu legen und die Vorfreude aufs kommende Jahr zu generieren.

Man muss Kabel 1 für den Mut loben. Man hat eine solide Leistung abgeliefert. Ich will fair sein und es mit einem der neuen Formel 1 Teams vergleichen. Man musste im ersten Jahr viele Erfahrungen sammeln und lernen, dass noch viel Luft nach oben war.

2011 wird, nein muss vieles besser werden. Wer kommentieren wird, vermag ich nicht zu raten. Für die GT Masters und für Kabel 1 kann ich nur hoffen, dass es eine Person ist, die ihr Handwerk versteht.  Vielleicht sollte man mal bei Burkard Bechtel anfragen...

Wertung: Solide Leistung, vor allem für einen Einsteiger. Es gab im Kommentar einige Fehler. Die Sendung war zu kurz und es fehlte an emotionalen Elementen und Hintergrundfilmen. 3 1/2 Ausrufezeichen!

Fazit: Kabel 1 operierte am eigenen, jedoch nicht am möglichen Limit. Braun war früher leider besser und die Sendung selbst wirkte eher hektisch, chaotisch und unvorbereitet. Die Rennen war spannend und die Entscheidung die Serie zu zeigen sehr mutig. Alles in allem war es eine Solide Leistung von Kabel 1. 2011 wird es womöglich besser. Lassen wir den Newcomerbonus gelten.


Herzlichst ihr Medienkolumnist
Roland Schäfges, Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.

Roland Schäfges ist seit frühester Kindheit (seit 1993) ständiger Beobacher der Grand Prix Szene und des Motorsports. Er hat ein Privatarchiv mit unzähligen Stunden Rennsportvideomaterial  von 1970 bis heute.  Der ausgebildete Mediengestalter arbeitet seit 2005 fürs Fernsehen und ist seit 2006 ebenso Motorsportjournalist, weshalb er Gast bei vielen Rennen ist und daher auch viele Rennfahrer und Journalisten persönlich recht gut kennt.

 


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