Jahresrückblick: 1965 (Formel-1-WM)

 

Jahresrückblick: 1965 (Formel-1-WM)

von Michael Zeitler

Jim Clark dominierte die Saison 1965 und leistete sich sogar einen Ausflug nach Indianapolis.

| Enstone (!NS!DE-RAC!NG) - Mit dem 1. Januar 1965 begann nicht nur das Kalenderjahr 1965, sondern auch die F1-Saison 1965. Und das, obschon die Saison 1964 erst fünf Wochen zurücklag! Aus diesem Grund, aber auch, weil 1965 die letzte Saison nach der 1,5-Liter-Formel-1 war, verzichteten die Teams auf große Neuerungen bei den Boliden. Auch die Fahrer blieben im Großen und Ganzen dieselben.

Jim Clark war der Top-Favorit auf den Titel. Der Schotte unterlag im Titelkampf 1964 mit viel Pech und weil Ferrari die Grenzen des Reglements hin und her verschoben, wie sie wollten, knapp John Surtees. Schon im Quali zum Südafrika GP 1965 fuhr Clark aber wieder vor Surtees auf Pole Position. Das Rennen dominierte Clark nach Belieben und von Start bis Ziel. Er ließ sich sogar nicht beirren, als die Rennleitung die schwarz-weiß-karierte Flagge eine Runde früher als geplant schwenkte. Clark fuhr noch eine Runde weiter und gewann vor Surtees und BRM-Pilot Graham Hill. Mike Spence, Clarks Teamkollege, wurde nach zwei Fahrfehlern nur Vierter statt Zweiter. In der WM führte nun also Clark (9), vor Surtees (6) und Hill (4). Bei den Konstrukteuren führte Lotus (9), vor Ferrari (6) und BRM (4).

Stranger Terminkalender
Das zweite Saisonrennen ließ fünf Monate auf sich warten! Damit war das zweite Saisonrennen deutlich weiter weg vom Saisonauftakt, als das Saisonfinale 1964. Zwischen den beiden Rennen standen die Motoren aber selten still. Schon eine Woche nach dem Rennen in Südafrika fand ein zweites F1-Rennen dort statt, allerdings außerhalb der Meisterschaft. Deshalb reisten auch viele F1-Veteranen wieder zurück nach Europa. Es gewann daher ein Außenseiter: Paul Hawkins auf einem Brabham Climax.

Besser besucht waren die vier weiteren Rennen, die vor dem Monaco GP stattgefunden haben. Etwa das Race of Champions in Brands Hatch, das Mike Spence im Lotus gewinnen konnte. Teamkollege und WM-Leader Clark gewann den Sizilien GP vor beiden Ferraris von Surtees und Lorenzo Bandini. In Goodwood folgte ein weiterer Clark-Sieg, während Jackie Stewart in Silverstone die BRDC International Trophy im BRM gewinnen konnte. Für den Schotten war es der erste F1-Sieg, wenn auch außerhalb der Meisterschaft.

Clark in Indy statt in Monaco
Die Erfolge bei den Nicht-WM-Rennen sorgten bei Lotus für eine gewisse Sicherheit. Clark versuchte seine WM-Führung in Monaco daher nicht zu verteidigen und blieb dem Rennen fern. Er legte sich allerdings auch nicht auf die faule Haut, sondern fuhr beim Indy 500 mit, dem legendärsten IndyCar-Rennen im Kalender. Lotus baute dafür einen extra Boliden, den man auch an Privatiers und andere Teams verscherbelte, aber eben auch werksseitig einsetzte. Statt ein Auto für die Formel-1 zu bauen, das nur eine Saison lang eingesetzt werden darf, legte man also die Ressourcen auf die IndyCar, der amerikanischen Formel-1. Lotus trat dort gegen Chassishersteller wie Brawner Hawk, Watson (schon siegreich, als das Indy 500 von 1950 bis 1960 noch zur F1-Fahrermeisterschaft gerechnet wurde), Gerhardt, Halibrand, Vollstedt, BRP, Huffaker, Lola, Kurtis Kraft (ebenfalls siegreich zwischen ’50 und ’60), Ferguson, Brabham und Kuzma (ebenfalls siegreich, als das Rennen zur F1-Fahrer-Meisterschaft zählte) an – mit Erfolg: Clark gewann das Rennen, vor Parnelli Jones, der ebenfalls einen Lotus einsetzte, und Mario Andretti, der einen Brawner Hawk für Dean Van Lines fuhr.

Die Organisatoren in Monaco waren natürlich wenig erfreut darüber, dass der Meisterschaftsführende mit Abwesenheit glänzte. Man legte sich deshalb mit dem Lotus-Team an, was dieses mit dem kompletten Teamrückzug aus Monaco bestrafen. Ferrari und BRM rieben sich natürlich die Hände – es war eine einmalige Chance, in der WM Boden gut zu machen. Die Fans stellten sich auf ein spannendes Rennen ein, weil der Dominator fehlte. Stattdessen dominierte aber wieder ein Team, BRM. Trotzdem wurde das Rennen spannend, teilweise auch dramatisch. Hill und Stewart führten das Rennen sicher an, bis Hill beim Überrunden von Bob Anderson einen Fehler machte und auf Rang fünf zurückfiel. Stewart übernahm die Führung nur kurz, hatte dann einen Dreher und fiel auf Rang vier zurück! Jack Brabham führte nun das Rennen an, nachdem er die zwei Ferraris überholen konnte. Ein Motorenproblem warf Brabham allerdings aus dem Rennen und nun führte Lorenzo Bandini im Ferrari. Hill zeigte aber, wie man in Monaco überholen kann und holte sich die Führung und damit den Sieg zurück – in Clark-Manieren. Ein Drama ereignete sich noch in Runde 79, als Paul Hawkins mit seinem privaten Lotus ins Hafenbecken stürzte. Er blieb aber unversehrt.

Hill gewann also das Rennen vor Bandini und Stewart, womit sich Hill auch die Führung in der Meisterschaft sicherte: Hill (13), Clark, Surtees (je 9). Konstrukteurs-WM: BRM (13), Ferrari (12), Lotus (9). Es folgte der Belgien GP, wo es erneut politische Zankereien gab. Die Organisatoren wollten nämlich nur für die großen sechs Teams Antrittsgeld bezahlen, was zu einem Protest im Freien Training führte. Bis zum Qualifying konnte jedoch ein Kompromiss gefunden werden und das Rennen um die Pole war spannend wie selten zuvor. Hill sicherte sich dabei vor Clark die Pole Position. Im Rennen war Clark aber schnell vorne, weil Hill im Regen Probleme hatte und auf Rang fünf zurückfiel. Clark gewann vor Stewart und Bruce McLaren im Cooper Climax. Damit führte Clark die WM auch wieder an: Clark (18), Hill (15), Stewart (11).

Clark mit Siegen zurück
Beim Frankreich GP feierte Clark wieder einen Start-und-Ziel-Sieg. Sein größter Rivale Graham Hill hatte im Qualifying allerdings auch einen Unfall nach Getriebeproblemen und qualifizierte sich nur als 13. Seine Aufholjagd endete auf Rang fünf. Hills Teamkollege Stewart wurde vor Surtees Zweiter. Clark hatte in der Meisterschaft wieder ein 10-Punkte-Polster: Clark (27), Stewart, Hill (17); bei den Konstrukteuren führte Lotus (27) knapper vor BRM (25) und Ferrari (16).

Clark zum Ersten, Clark zum Zweiten und Clark zum Dritten. Auch beim Heim-Rennen in Großbritannien war Clarks Sieg nie gefährdet, aber auch lange nicht mehr so dominierend, wie zuvor noch in Frankreich. Dass Richie Ginther seinen Honda am Start in Führung brachte, war eine Eintagsfliege, beziehungsweise Ein-Runden-Fliege, denn in der zweiten Runde führte Clark bereits wieder. Hill konnte ihm allerdings gut folgen und verlor das Rennen nur um drei Sekunden. Die Briten feierten ihre Helden, denn mit Surtees auf der drei, Spence auf der vier und Stewart auf der fünf waren fünf Briten beim Heimrennen vorne! In der Meisterschaft lagen vier Briten vorne: Clark (36), Hill (23), Stewart (19) und Surtees (17); Konstrukteurs-WM: Lotus (36), BRM (31), Ferrari (20).

Beim Holland GP holte sich Ginther mit dem Honda die Pole Position. Im Rennen fand aber erst Hill, dann auch Clark und der Rest schnell den Weg vorbei am US-Amerikaner. Clark überholte dann auch Hill, der im Rennen schwächelte und auch noch hinter Dan Gurney im Brabham Climax und Teamkollege Stewart zurückfiel. Stewart holte für BRM die Kastanien wenigstens noch einigermaßen aus dem Feuer und überholte Gurney noch. Er wurde hinter Clark Zweiter.

Beim Deutschland GP holte sich Clark mit dem Sieg souverän den Titel. Er siegte vor Hill und Gurney.

Rest-Programm
Als nächstes stand der Mittelmeer-GP auf dem Programm, der allerdings nicht Teil der bereits entschiedenen Meisterschaft war. Erwähnenswert ist das Rennen trotzdem, aus zwei Gründen: Erstens wurde Clark auf der Strecke vom Schweizer Jo Siffert geschlagen, der in einem Brabham BRM des Rob-Walker-Teams fuhr, zweitens hatte Clarks Teamkollege Mike Spence einen Horrorunfall, den er aber unverletzt überstand – er hatte wohl mehr als nur einen Schutzengel.

Nach der Niederlage in Enna war Clark beim Italien GP, dem letzten F1-Rennen in Europa 1965, wieder auf Siegeskurs, hatte danach aber Probleme mit der Benzinpumpe und schied aus. Das Glück des Tüchtigen, dass das Pech erst dann kommt, wenn alles bereits in trockenen Tüchern ist. Stewart und Hill feierten einen Doppelsieg für BRM, wobei Stewart mit diesem Sieg seine Form bestätigte und Hill teamintern immer mehr den Rang ablief. Auch in Amerika hatte Clark Probleme und schied mit einem Motorschaden aus. Dieses Mal gewann Stewart. Die Motorenprobleme zwangen Clark auch in Mexiko zum Aufgeben. Beim Kampf um den Sieg gab es zum Schluss noch einmal einen Paukenschlag, als Ginther mit seinem Honda gewinnen konnte!

Im Dezember fand noch einmal ein GP statt, der nicht zur Meisterschaft zählte, allerdings trotzdem wichtig war: Es war der Rand GP in Südafrika, der mit der 3-Liter-Regel stattfand, die 1966 in der F1-Meisterschaft Einzug gehalten hat. Jack Brabham, der während der Saison bereits das Cockpit fallweise Denny Hulme überließ, gewann das Rennen vor Peter de Klerk in einem zweiten Brabham Climax, sowie Hawkins im Lotus.

WM-Endstand:
1. Jim Clark (GBR) 54 (Lotus Climax)
2. Graham Hill (GBR) 40 (BRM)
3. Jackie Stewart (GBR) 33 (BRM)
4. Dan Gurney (USA) 25 (Brabham Climax)
5. John Surtees (GBR) 17 (Ferrari)
6. Lorenzo Bandini (ITA) 13 (Ferrari)
7. Richie Ginther (USA) 11 (Honda)
8. Mike Spence (GBR) 10 (Lotus Climax)
9. Bruce McLaren (NZL) 10 (Cooper Climax)
10. Jack Brabham (AUS) 9 (Brabham Climax)
11. Denny Hulme (NZL) 5 (Brabham Climax)
12. Jo Siffert (SUI) 5 (Brabham BRM)
13. Jochen Rindt (AUS) 4 (Cooper Climax)
14. Pedro Rodriguez (MEX) 2 (Ferrari)
15. Ronnie Bucknum (USA) 2 (Honda)
16. Richard Attwood (GBR) 2 (Lotus BRM)

Konstrukteurs-WM:
1. Lotus Climax 54
2. BRM 45
3. Brabham Climax 27
4. Ferrari 26
5. Cooper Climax 14
6. Honda 11
7. Brabham BRM 5
8. Lotus BRM 2

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