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Serie: Formel-1 - Lotus im Portrait: 3. Lotus nach Chapman

Geschrieben von: Michael Zeitler.

Serien: Formel-1 - Lotus im Portrait: 3. Lotus nach Chapman

von Michael Zeitler

Nach dem Tod von Colin Chapman wurde es bei Lotus undurchsichtiger bei den Besitzverhältnissen.

| Enstone (!NS!DE-RAC!NG) - Nach dem Tod von Colin Chapman wechselten die Besitzer bei Lotus, wie manche ihre Unterwäsche wechseln. Dabei muss man wie Colin Chapman auch selbst immer, stets das F1-Team von der Lotus-Gruppe trennen, die Straßenautos herstellte. Wilde Gerüchte, was denn mit Lotus passieren wird, schossen wie Pilze aus dem Boden. Ein glaubhaftes Gerücht war, dass das F1-Team an den japanischen Automobilkonzern Toyota gehen würde. Toyota besaß zu dieser Zeit bereits 24% an der Lotus-Gruppe und liebäugelte mit einem F1-Einstieg. Die Pläne wurden sogar so konkret, dass ein eigener Turbomotor gebaut wurde.

Toyota bekam aber kalte Füße, also war das Team weiterhin im Besitz der Familie Chapman. Witwe Hazel Chapman hielt sich zwar aus dem operativen Geschäft weitestgehend heraus, keine schwerwiegenden Entscheidungen wurden allerdings ohne ihre Zustimmung gefällt. Finanzdirektor Fred Bushell übernahm ebenfalls einen Minderheitsanteil an Lotus. Bushell bekam es allerdings relativ schnell mit der Justiz zu tun, weil er ebenso in den DeLorean-Skandal verwickelt wurde und offenbar auch wusste, wohin das Geld verschwunden war. 1983 beendete er daher die Zusammenarbeit mit Lotus, 1992 wanderte er wegen des Verfahrens gegen ihn in den Knast. Der Kontakt zur Familie Chapman riss aber nie ab: Als er wieder aus dem Gefängnis entlassen wurde, wurde er Direktor beim Classic Team Lotus.

Bereits 1988 gab es konkrete Gerüchte über einen Verkauf des Lotus-Teams. Hazel Chapman soll angeblich mit EuroBrun über einen Verkauf des Rennstalls verhandelt haben, jedoch erst einmal davon abgesehen haben. Damals lagen die jüngsten Erfolge durch Ayrton Senna nicht lange zurück – das machte Hoffnungen, auch wenn man seit dem Tod von Colin Chapman WM-Titelchancen erfolglos hinterher hechelte. Die Situation bei Lotus wurde aber vor allem finanziell immer auswegloser und so blieb Hazel Chapman nur eine einzige Möglichkeit: Ein Verkauf des Teams. Bei den Interessenten war Chapman sehr wählerisch: Sie verkaufte das Team an ein Trio, von dem zwei bereits bei Lotus gearbeitet haben. Damit wollte Hazel Chapman sicher gehen, dass das Team gewissenhaft weitergeführt wurde, weil sie davon ausgehen konnte, dass das Duo eine gewisse Leidenschaft für Lotus entwickelt hat.

Gemeint sind damit Peter Collins und Peter Wright. Collins begann seine Rennkarriere bei Pat Burke Racing als Manager 1975. Damals setzte man einen Lola Chevrolet in der australischen Formel-5000 ein und Warwick konnte den Neuseeland GP gewinnen. Er wurde als Ingenieur bei Lotus angeheuert, doch Chapman sah in Collins keine besonderen Fähigkeiten, also musste er bald wieder gehen. Er ging zu ATS, wurde dann Manager bei Williams und gelangte dort zu Ruhm. Ende 1985 verließ er Williams mit der Absicht ein eigenes Team zu gründen. Beim Stechen um den Kauf des Toleman-Teams zog er gegen Benetton den Kürzeren. Collins wurde bei Benetton aber immerhin Teamchef. Bis Ende 1989 blieb er dort, dann holte Benetton den schillernden und dubiosen Mode-Mann Flavio Briatore an Bord. Mit dem wurde sich Collins nicht grün, Briatore gewann das Tauziehen und Collins verließ Benetton wieder. Er spannte mit Wright zusammen und übernahm Lotus. Wight kannte er von Lotus, denn der Brite kam nach wenigen Jahren bei BRM in den 70er Jahren als Konstrukteur zu Lotus und setzte viele revolutionäre Chapman-Ideen in die Tat um, darunter den Ground-Effect 1978. Ebenfalls an Bord holte man den Deutschen Horst Schübel. Er sollte für vier Millionen Dollar 50% des Teams kaufen, doch mehr als eine halbe Million überwies er nie ans Team. Schübel hatte ein eigenes Rennteam, das in der deutschen Formel-3 mit Bernd Schneider und einem Dallara VW 1987 den Titel holen konnte. Von 1990 bis 1995 war man außerdem mit Opel und Alfa Romeo in der DTM vertreten, gewann dabei vier Rennen (alle mit Alfas Romeo, drei mit Christian Danner als Fahrer). Schübel war bald wieder von Lotus weg, mit ihm auch das deutsche Mitbringsel, nämlich Rennpilot Michael Bartels.

Collins und Wright, die beiden Peters, führten das Team bis Ende 1994 alleine weiter, kamen dann aber auch ans Ende ihres Lateins. Verhandlungen mit Peter Hall und Guy Edwards zum Verkauf des Teams versandeten, das Interesse von Ron Dennis und Nigel Mansell war eher sekundär. Und so wurde das Lotus-Team zerstückelt: Das Pacific-Team übernahm zumindest Teile des Teams und David Hunt den Namen. Hunt ist der jüngere Bruder des ehemaligen F1-Weltmeisters James Hunt. David war als Rennfahrer weit weniger erfolgreicher: Von 1981 bis 1990 kämpfte er sich von der Formel-Ford zwar bis zur Formel-3000 nach oben, konnte dabei aber nicht wirklich überzeugen und brauchte beispielsweise auch viele Jahre in der britischen Formel-3, obschon er für bekannte Teams wie Jordan oder DPR unterwegs war. Hunt versuchte den Namen Lotus in der Folge immer wieder in die Formel-1 zurückzubringen. Immer wieder konnte er dafür das Interesse von Proton wecken, meistens aber versandeten die Projekte, die speziell Ende der 90er Jahre mit Übernahmeplänen von Arrows und Prost sehr konkreter Züge annahmen.

2010 verkaufte Hunt den Namen Team Lotus an Tony Fernandes, der den Namen Lotus bereits 2010 in die Formel-1 zurückgebracht hat. Gemeinsam mit S.M. Nasarudi (er besitzt Naza Motors, ebenfalls ein Autokonzern in Malaysia) und Kamarudin Meranun gründete Fernandes auf Basis des Litespeed-Teams ein neues Lotus-Team, das zunächst auch die Unterstützung der Familie Chapman und Proton hatte.

Inzwischen hat Proton mit der Lotus-Gruppe aber ein eigenes F1-Projekt entwickelt: Man übernahm 50% des Renault-Teams, mit der Option auf mehr für die Zukunft. 2010 ist man nur Titelsponsor, aus F1-rechtlichen und damit finanziellen Gründen heißt das Chassis weiterhin Renault, obschon der Autohersteller nur noch als Motorenlieferant auftritt. Die Lotus-Gruppe ist seit 1996 im Besitz von Proton, nachdem die Malaysier die Marke von Romano Artioli gekauft haben.  Der Italiener war einer der größten Ferrari-Händler des Welt, handelte aber auch mit Suzukis. 1987 traten Ferruccio Lamborgini und Paolo Stanzani mit der Idee an Artioli heran, die Bugatti-Marke zu kaufen. Das passierte auch und Artioli erstand 1993 auch die Lotus-Marke von General Motors. Im September 1995 ging Bugatti jedoch Konkurs und im Zuge des Insolvenzverfahrens verkaufte Artioli Lotus an Proton, 1996 erst zu 63,75%, ab 2003 dann zu 100%. Bugatti wurde 1998 von Volkswagen gekauft. General Motors kaufte die Lotus-Gruppe übrigens 1986 von Hazel Chapman.

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