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Serie: Formel-1 - WM Red Bull: 2. Team-Geschichte

Geschrieben von: Michael Zeitler.

Serie: Formel-1 - WM Red Bull: 2. Team-Geschichte

von Michael Zeitler

Das Red-Bull-Team wurde ursprünglich von der Familie Stewart gegründet und dominierte über Jahre die britische Formel-3.

| Milton Keynes (!NS!DE-RAC!NG) - Seit 2005 gibt es in der Formel-1 ein Team namens Red Bull. In Wahrheit ist der Rennstall aber schon deutlich älter, denn Red Bull ging aus dem früheren Jaguar-Team hervor, das wiederum aus dem Stewart-Team hervorging. In der Formel-1 tritt das Team aus Milton Keynes seit 1997 an, aber bereits seit 1988 existiert das Team. Und der Grundstock reicht sogar ins Jahr 1986 zurück: Damals gründete Gary Evans sein eigenes Team, das in der Formel-3000, der heutigen GP2, an den Start ging – unter anderem war Evans selbst einer der Fahrer. 1988 verkaufte Evans sein etwa 10-Mann starkes Team an Paul Stewart.

Paul Stewart ist der Sohn des dreimaligen F1-Champions Jackie Stewart. Aus dem Schatten des Schotten konnte Paul Stewart nie wachsen, aber er versuchte sich als Rennfahrer – mit dem Geld und dem Namen des Vaters. Jackie war es auch, der Paul Sponsoren verschaffte, damit dieser sein eigenes Rennteam Paul Stewart Racing gründen konnte. Stewart fuhr lange Zeit noch für sein eigenes Team, 1988 bis 1990 in der britischen Formel-3, von 1991 bis 1993 in der internationalen Formel-3000. Daneben verpflichtete das Team aber auch andere Fahrer – und kam auch zu einigen Erfolgen: Insgesamt 119 Rennsiege und 12 Meisterschaften konnte der Rennstall gewinnen, in der Formel-Vauxhall-Lotus, der britischen Formel-3 und der internationalen Formel-3000. Besonders in der britischen Formel-3 war man phasenweise unschlagbar: Gil de Ferran 1992, Kelvin Burt 1993, Jan Magnussen 1994, Ralph Firman 1996, Johnny Kane 1997 und Mario Haberfeld 1998 holten den Titel.

In der Formel-3000 kam das Team aber nie zu großen Erfolgen: 1993 gewann Gil de Ferran erst das erste Rennen für PSR, zwei weitere Siege durch den gleichen Fahrer folgten 1994. Bereits 1995 war man allerdings wieder erfolglos unterwegs. Die mangelnden Erfolge in der Formel-3000 kamen deswegen zustande, weil die Planungen des Teams längst schon einen Schritt weiter waren: Die Formel-1 wurde ins Visier genommen. Mit 28 Jahren beendete Paul Stewart Ende 1993 auch seine aktive Karriere, widmete sich fortan nur noch dem Management des Teams. Ein Aufstieg zum F1-Fahrer blieb Stewart verwehrt, auch wenn es zwischenzeitlich Verhandlungen mit Minardi gab.

Das Team umfasste beim Einstieg in die Formel-3000 bereits 45 Mann und war 1989 nach Milton Keynes gezogen, wo das Red-Bull-Team noch heute stationiert ist. Dazu erwarb man noch die Überreste des Ikuzawa-Teams, einen Rennstall der letztlich nicht zustande kam. Drahtzieher war der ehemalige F2-Pilot Ikuzawa, dessen Team in der heutigen Formel-Nippon mit acht Siegen noch auf Rang acht der ewigen Bestenliste steht. Ikuzawa holte sich Peter Windsor als Manager an Bord und Enrique Scalabroni als Designer. Der Argentinier versuchte sich an einer revolutionären Konstruktion, die sich als Spinnerei entpuppte und das Projekt letztlich auch zum Scheitern brachte. Paul Stewart kaufte sich die brauchbaren Reste zusammen. Noch viel wichtiger war aber die Unterstützung des amerikanischen Autohersteller Ford, die man sich sichern konnte – beziehungsweise, die sich Jackie Stewart sichern konnte. Aber auch Jackie übernahm im F1-Team eine Rolle im Management.

Fallweise eruierte man auch die Möglichkeit, das Arrows-Team zu kaufen. Aber man wollte lieber ein Team von Grund auf neu bauen. Und mit dem F3000-Team hatte man auch eine gute Basis. In der Formel-3 ließ man das Team übrigens weiterlaufen. Der erste Stewart Ford F1-Bolide wurde von Alan Jenkins konstruiert, doch man hatte 1997 und 1998 noch viel Mühe in der Formel-1. Zwar gelang Rubens Barrichello beim Monaco GP 1997 ein sensationeller zweiter Platz, doch der war eher den starken Bridgestone-Reifen geschuldet, während die Topteams mit Goodyear-Walzen unterwegs waren.

Stewart konnte nicht lang vom Erfolg zerren. Als auch die Saison 1998 nicht so recht lieg, gab es zwei Entlassungen: Jan Magnussen wurde als Fahrer entlassen, obschon er bei seinem letzten Rennen seinen ersten Punkt erzielen konnte. Gerüchte über Alkoholmissbrauch machten die Runde. Viel entscheidender – denn fahrerisch setzte sich Barrichello sowieso als Nummer eins durch – war aber der Wechsel des Technikchefs. Jenkins wurde gegen Gary Anderson ausgetauscht, der sich gleich an die Konstruktion des Rennwagens für 1999 machte – und der wurde ein voller Erfolg: Immer wieder war Barrichello der Favoritenschreck, sammelte Podestplätze und Punkte, sowie Sympathiepunkte, nachdem er bei seinem Heimrennen in Brasilien bis zum Motorschaden führte. Den ersten Sieg des Teams – und bis in die Ära Red Bull war es auch der letzte Sieg – sicherte sich dann ausgerechnet sein Teamkollege Johnny Herbert beim Regen-Chaosrennen auf dem Nürburgring. Stewart wurde in der Konstrukteurswertung Vierter, vor etablierten Teams wie Williams.

Ende des Jahres wurde das Team verkauft, weil Paul Stewart sich zwischenzeitlich zurückgezogen hat. Ford übernahm die komplette Kontrolle über das Team und setzte einen Teamchef aus eigenen Reihen ein: Wolfgang Reitzel. Paul Stewart kehrte für die Saison 2000 wieder als Manager zurück, aber nur für ein halbes Jahr. Danach verschwand er wieder um einen ganz anderen Kampf zu bestreiten, als der auf der Rennstrecke: Den Kampf gegen den Krebs. Paul Stewart war Sieger, taucht seither aber nur noch als Besucher im F1-Paddock auf.

Ford nannte das Team in Jaguar um, um der Mannschaft einen gewissen Mythos zu verleihen. In der Formel-1 tauchte der Name Jaguar davor nur einmal auf: Clemente Biondetti bastelte sich für den Italien GP 1950 einen Boliden aus einem Ferrari und einem Jaguar und nannte den Rennwagen Ferrari-Jaguar. Der Italiener kam aber nicht ins Ziel. Schon viel mehr Mythos hatte Jaguar beim 24-Stundenrennen von Le Mans, das man acht Mal gewinnen konnte. Jaguar ist eine britische Automarke, die 1922 gegründet wurde, und damals zum Ford-Konzern gehörte. Seit drei Jahren ist sie im Besitz der indischen Tata-Gruppe.

Man benannte die Automarke nach der Raubkatze, die schon bei den Maya einen Mythos hatte. So gibt es Gemälde, in denen Gottheiten in Jaguar-Gestalt abgebildet wurden. In der Formel-1 blieb die Jaguar-Katze aber zahm:  Bis zum Verkauf des Teams Ende 2004 holte man nur zwei Podestplätze, beides waren dritte Plätze von Eddie Irvine (Monaco 2001, Italien 2002). Dabei hatte das Projekt so ambitioniert begonnen: Mit Irvine, immerhin der aktuelle Vizemeister 2000, holte man sich einen Topfahrer, später holte man immer wieder große Namen ins Team: 2001 wurde Bobby Rahal Teamchef. Der US-Amerikaner ist in Amerika eine Legende, gewann drei Mal das amerikanische Pendant der Formel-1, die IndyCar. Bei seinem letzten Titel 1992 war er der erste Meister der Serie, der gleichzeitig Teamchef war. In der IndyCar hat er bis heute seinen eigenen Rennstall, der zuletzt schwierige Zeiten durchlebte, sich 2010 aber zumindest wieder beim Indy 500 präsentieren soll. Rahal fuhr auch zwei F1-WM-Rennen, beide 1978 für Wolf. Sein Sohn Graham Rahal fährt aktuell in der IndyCar und rückt 2011 ins Topteam Ganassi auf.

Rahal bekam bei Jaguar als Partner auch noch den dreimaligen F1-Weltmeister Niki Lauda zur Seite. Doch zwei starke Männer funktionierten nicht: Bei der Personalie Adrian Newey wurden sich beide nicht einig. Newey sollte für 2002 eigentlich als Stardesigner verpflichtet werden, doch Rahal und Lauda zogen nicht an einem Strang und Newey blieb bei McLaren. Rahal unterschätzte aus der IndyCar-Serie wohl die Bedeutung genialer Techniker in der Formel-1. Im August 2001 wurde Lauda Teamchef, nachdem Jaguar aber krallenlos blieb, wurde auch Lauda im November 2002 ausgehebelt.

Auch unter Laudas Nachfolger John Hogan wollte sich keine Besserung einstellen. Als die Kosten immer mehr ins Uferlose wucherten, während parallel dazu Ford außerhalb der Formel-1 das Wasser bis zum Hals stieg, war der F1-Ausstieg am Ende der Saison 2004 die logische Konsequenz. Die Motorenfirma Cosworth wurde an Kevin Kalkhoven und Gerald Forsythe verkauft, beide IndyCar-Teamchefs. Das Jaguar-Team wechselte ebenfalls den Besitzer: Ford trat die Mannschaft an einen österreichischen Dosenverkäufer mit geschmacklich gewöhnungsbedürftigen, flüssigen Inhalt ab – das Red-Bull-Team war geboren.

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