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Serie: Formel-1 - WM Red Bull: 5. Meistermacher Adrian Newey

Geschrieben von: Michael Zeitler.

Serie: Formel-1 - WM Red Bull: 5. Meistermacher Adrian Newey

von Michael Zeitler

Adrian Newey ist wohl der Mann, der den Erfolg bei Red Bull zu verantworten hat. Das weiß man auch bei Red Bull.

| Milton Keynes (!NS!DE-RAC!NG) - Der WM-Titel von Red Bull hat einen wichtigen Baustein: Adrian Newey. Der Brite gilt als einer der besten Konstrukteure aller Zeiten. Bei allem Respekt vor Super-Hirne wie Colin Chapman, Harvey Postlethwaite oder Rory Byrne, aber zumindest bei der Aerodynamik ist Newey der Meister der Luft. Kein Wunder, 1980 beendete er sein Studium für die Luftfahrt mit einer extra hohen Auszeichnung. „Meine Kollegen“, so wurde Newey vor einigen Jahren mal zitiert, „konstruieren nun Teile, die erst zehn Jahre später Verwendung finden. Ich dagegen sehe meine Resultate alle zwei Wochen.“ Newey ging lieber in den Motorsport, als sich der Luftfahrt zu verschreiben.

Bei Red Bull hat er nun beides. Sein Haupttätigkeitsfeld bleibt das Engagement bei Red Bull in der Formel-1. Doch Newey darf daneben auch als Designer der Red-Bull-Air-Race-Flugzeuge auftreten. Es ist ein Entgegenkommen von Red Bull, weil man Newey unbedingt halten will. Das vergütet man dem 52-Jährigen natürlich ordentlich, aber nicht nur finanziell gibt es für Newey Freiheiten. Er darf auch Rennen fahren, obwohl er sich bei Unfällen schon zwei Mal leicht verletzte, zuletzt im August 2010 bei einem Unfall im Ginetta-Cup. 2007 fuhr er beim 24-Stundenrennen von Le Mans einen Ferrari-GT des AF-Corse-Teams auf Rang 22, mit seinen Teamkollegen Joe Macari und Ben Aucott.

Red Bull weiß, was man an Newey hat. Ohne Newey und seinem Technikstab wäre man jetzt nicht Weltmeister. Egal, wo Newey arbeitete, seine Arbeit wurde ein voller Erfolg. Direkt nach seinem Abschluss an der Uni ging er in die Formel-1 zum Fittipaldi-Team, hatte dort aber keine geregelte Arbeit. Newey wechselte zu March, wurde dort Renningenieur in der Formel-2 bei Johnny Cecotto. Danach ging er mit March in die amerikanische Formel-1, der IndyCar. In einer Zeit, in der die Serie auch aerodynamisch ihren absoluten Höhepunkt hatte, führte Newey March sofort zum Erfolg: 1985 gewann Al Unser den Titel, 1986 Bobby Rahal. Zu Rahal entstand eine freundschaftliche Beziehung und als Rahal 2001 Teamchef bei Jaguar in der Formel-1 wurde, wollte er Newey als Designer verpflichten. Der Vertrag war bereits unterzeichnet, doch McLaren konnte ihn mit gewaltigen finanziellen Mitteln zum Bleiben überreden.

1986 verließ er aber erstmal March, um wieder in die Formel-1 zu kommen. Dazu diente ein Kontakt aus der IndyCar, Carl Haas. Er versuchte, sein Team auch in der Formel-1 an den Start zu bringen. Newey war nur kurz beim Haas-Team, noch 1986 ging er wieder zurück zu March, wo er erstmals in der Formel-1 die Position des Technischen Direktors bekleidete. March war finanziell angeschlagen, wechselte den Besitzer und wurde zu Leyton House. 1989 und 1990 hatte man dank Newey erfolgreiche Rennen, kämpfte teilweise um Siege. Die Konstruktionen sorgten aber für Kopfzerbrechen: Trotz des schwachen Judd-Motors waren sie teilweise extrem schnell, teilweise verpasste man damit aber die Qualifikation für das Rennen…

Als sich March immer weiter dem finanziellen Abgrund näherte, wurde Newey entlassen, heuerte aber sofort bei Williams an. Im Topteam Williams konnte sich Newey endlich voll entfalten. 1992 und 1993 war die Williams-Konstruktion unschlagbar: Nigel Mansell holte ’92 den Titel, Alain Prost 1993. Nach einer kurzen Unterbrechung 1994 und 1995, wo man aber trotzdem weiterhin um die WM kämpfte, war man 1996 und 1997 wieder unschlagbar: Weltmeister 1996: Damon Hill im Newey-konstruierten Williams, Nachfolger 1997: Jacques Villeneuve, ebenfalls im von Newey gebauten Williams. Dann aber trennten sich die Wege von Williams und Newey, weil Patrick Head als Teilhaber um seinen Rang im Team fürchtete und Williams ein finanzielles Wettbieten um Newey mit McLaren nicht mitgehen wollte – eine Firmenlinie bei Williams, die auch Fahrerverträge betrifft. Williams holte seither keinen Titel mehr.

Bei McLaren dagegen ging es dank Newey aufwärts: 1998 und 1999 holte man den WM-Titel mit Mika Häkkinen, erst danach scheiterte man an der Ära Ferrari. Ab 2003 änderte sich die äußere Optik der Newey-Boliden komplett, wirkten deutlich kompakter, aufgeräumter und waren bei der Kühlung am Limit gebaut. Die Autos von Newey waren schnell, aber auch schnell kaputt. Reihenweise platzten 2003 bei McLaren die Motoren, der eigentliche Bolide für 2003 wurde nie im Rennen eingesetzt. Auch 2004 brannte es fleißig im Heck des McLaren Mercedes. Ende 2005 verließ er das Team.

Er ging zu Red Bull, weil er seit seiner Zeit bei March ein Ziel nie aus den Augen verloren hat: Er wollte Weltmeister mit einem eigenen Team werden. Bei den Topteams Williams und McLaren gelang ihm das reihenweise. So viele Titel wie Newey sammelte nur Michael Schumacher. Ein Zyniker brachte es einmal auf den Punkt: „Schumacher fährt weder gegen Villeneuve, noch gegen Häkkinen, noch gegen Räikkönen, noch gegen Alonso, noch gegen sonst irgendwem, sondern nur gegen Newey.“ Wenn Schumacher nicht Weltmeister wurde, dann wurde es ein Auto von Adrian Newey. Zumindest war das von 1992 bis 2004 zwölf Jahre lang so.

Auch bei Red Bull verfolgte Newey weiterhin seine eigene Philosophie: In einer Zeit, in der immer mehr mit dem Computer gearbeitet wird, benutzt Newey, der äußerlich von lichtem Haar und einer hohen Denkstirn geprägt ist, weiterhin sein Zeichenbrett und einen Bleistift. Newey einmal gegenüber Journalisten: „Ich kann am Computer einfach kein Auto zeichnen.“ Die äußere Form der Red Bulls von Newey ähnelten den alten McLaren-Boliden gewaltig. Doch 2006 und 2007 blieb Neweys Arbeit bei Red Bull ohne Erfolg. Erst 2008 gab es den ersten Sieg, allerdings nicht durch Red Bull, sondern durch Toro Rosso. Das italienische Team war ebenfalls im Besitz von Red Bull und setzte dieselben Autos ein. Der Sieg 2008 durch Sebastian Vettel war nicht unverdient, aber es brauchte dazu ein Regenrennen.

Richtig schnell und siegfähig waren die Boliden erst 2009. Dazu brauchte es einen großen Regelumbruch, durch den sich unter anderem die Flügel verkleinerten. Genau das ist das Spezialgebiet von Newey. Auch bei Red Bull blieben die Autos von Newey schnell, aber unzuverlässig. 2009 verlor man den Titel unter anderem deswegen. Oft verendeten die Renault-Motoren, auch weil Newey ihnen zu wenig Kühlluft zugestand. Deshalb wechselte Red Bull bereits von Ferrari- auf Renault-Motoren. Doch 2010 dann endlich klappte es nicht nur mit GP-Siegen, sondern auch mit dem WM-Titel – den ersten für Newey seit 1999 durch Häkkinen.

Insgesamt gewannen GP-Boliden von Newey 115 WM-Rennen. Das verteilt sich so:

Teams:
1. Williams (58)
2. McLaren (41)
3. Red Bull (15)
4. Toro Rosso (1)

Fahrer:
1. Damon Hill (GBR) 20
2. Mika Häkkinen (FIN) 19
3. Nigel Mansell (GBR) 15
4. Jacques Villeneuve (CDN) 11
5. David Coulthard (GBR) 11
6. Sebastian Vettel (GER) 10
7. Kimi Räikkönen (FIN) 9
8. Alain Prost (FRA) 7
9. Mark Webber (AUS) 6
10. Ricciardo Patrese (ITA) 3
11. Juan Pablo Montoya (COL) 3
12. Heinz-Harald Frentzen (GER) 1

Eine Hätte-Wäre-Wenn-Geschichte über Newey finden Sie hier:

http://www.inside-racing.de/motorsportgeschichten/3407-f1-was-waere-gewesen-wenn-newey-2002-zu-jaguar-gegangen-waere.html
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