"Wussten S!E, dass...?": Welche "Kuriosität" von 1982 wiederholte sich 2010?

Geschrieben von: Roland Schäfges. Veröffentlicht in "Wussten S!E, dass...?"

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"Wussten S!E, dass...?": Welche "Kuriosität" von 1982 wiederholte sich 2010?

Wussten Sie, dass, Lotus Racing nicht das erste Team war, was sich einem Namen zulegte, welcher von einem historischen Team abstammte?

 | 13. AUSGABE: Wussten S!E, dass  in der Formel-1-Meldeliste der Jahre 1981 und 1982 ein Team auftauchte, was es zum damaligen Zeitpunkt gar nicht mehr in der Formel 1 gab? Von 1971 bis 1977 startete das bekannte "March Engineering" Team in der Formel 1. Gegründet u.a. vom späteren FIA-Boss und FOCA-Anwalt Max Mosley, Alan Ress, dem bekannten Rennfahrer Chris Amon oder Konstrukteur Robin Head.

1981 startete dann ein Team mit den Namen "March Grand Prix" in der Formel 1. Fällt Ihnen was auf?

Genau, eine ähnliche Geschichte wie 2010 beim "Team Lotus" und "Lotus Racing". Ein Team, nimmt einen Namen an, obwohl es gar nicht das Team ist. Um mit der Kuriosität abzuschließen. Davor und danach, fuhr das Team, auch in der Formel 1,  unter Ihrem eigentlichen Namen "RAM Racing".

Aber der Reihe nach. Weil es gibt auch entscheidende Unterschiede, zwischen dem Lotus und March, auf dem zweiten Blick... Die Firma Ralph Macdonald, wurde Ende der 1960er Jahre von Mike Ralph und John Macdonald in Willesden, Nord-London gegründet, verstand sich als Partner der Automobilbranche und vertrieb Zubehörteile für Kraftfahrzeuge. 1972 wurde ein kleiner Rennstall mit dem Namen Ralph Macdonald Racing für Renneinsätze in der britischen Formel 3 gegründet. Die Firma betrieb den Motorsport zunächst nach dem Geschäftsmodell des Kundenteams, d. h., man entwickelte und baute keine eigenen Rennautos, sondern kaufte oder leaste Fahrzeuge von einem renommierten Hersteller. So stieg man, über die britische Formel 5000 Meisterschaft, bis in die Aurora FX Series, der britischen Formel-1-Meisterschaft, auf. Im Jahr 1975 nahm man den Namen "RAM Racing" an.

Mit diesem Namen wagte man sich 1976 gar in die Formel 1 Weltmeisterschaft. Mit einem Brabham-Ford aus dem Jahr 1974 startete man bei sieben europäischen Läufen. Der größte Erfolg war Platz 12 von Leila Lombardi auf dem Österreichring. 1977 startete man mit einem March-Ford 761. Die Holländer Bob Hayje und Michael Bleekemolen, der Engländer Andy Sutcliffe und der Finne Mikro Kozarowitsky waren die insgesamt 4 Fahrer, welche das Team eingesetzt haz. Jedoch konnte man sich nur bei zwei von 10 Qualifikationsversuchen, jeweils durch Bob Hayje, für ein Rennen Qualifizieren (Südafrika und Belgien). Beide Rennen endete jedoch mit einem Ausfall. Zwischen 1978 und 1980 startete das Team ausschließlich in der Aurora Serie.

Für die Saison 1980 erwarb RAM zwei 1979er Williams FW07. Mit diesen erfolgversprechenden Wagen, die auch in der Formel-1-Weltmeisterschaft überzeugt hatten, war das Team gut ausgerüstet. Emilio de Villota fuhr acht Siege ein, davon zwischen April und Juli 1980 fünf in Folge. RAM war das dominierende Team des Jahres, und de Villota gewann frühzeitig die Aurora-Meisterschaft für RAM. In der zweiten Jahreshälfte von 1980 startete man auch wieder mit abwechselten Erfolg in der Weltmeisterschaft. Ebenfalls mit dem Williams FW07B. Dies sollte die letzte Saison als echtes Kundenteam sein.

Ab 1981 verwendete das Team dann Fahrzeuge, die von March Grand Prix, einer von Robin Head gegründeten Firma, exklusiv für RAM hergestellt wurden. Deswegen meldete man das Team zur Weltmeisterschaft unter dem Namen "Guinness March Grand Prix", auch wenn es mit March Engineering, dem traditionsreichen britischen Rennstall, rechtlich nichts zu tun hatte, an. Vielmehr handelte es sich um ein Joint-Venture zwischen existierenden Rennstall von Ralph und Macdonald und March Grand Prix, einem von Robin Herd eigens für diesen Zweck gegründeten selbständigen Unternehmen. Ziel des Projekts war es, den seit langen Jahren als Privatteam aktiven Rennstall dauerhaft in der Formel 1 zu etablieren. March Grand Prix entwickelte hierfür eigens ein neues Auto, das wesentlich vom späteren Stardesigner Adrian Reynard konzipiert und gestaltet wurde und dem FW07 ziemlich ähnlich sah. Der Wagen wurde bei einer weiteren selbständigen Firma "March Energie", die ebenfalls Robin Herd gehörte, gebaut. Die fertig gestellten Autos, die den Namen RAM-March 811 trugen, wurden dann, wie Kundenwagen, an RAM Racing geliefert, die die Renneinsatz in der Saison 1981 eigenverantwortlich organisierten.

March Engineering, die weiterhin Sportwagen, IndyCars und Formel 2 Fahrzeuge sehr erfolgreich bauten, hatten nichts mit dem Formel 1 Projekt zu tun, auch wenn es nach außen, z.b. wegen den Logos usw. so aussah. Bereits im Herbst 1981 stiegen die March-Firmen, nach einem Jahr der Zusammenarbeit wieder aus. Die Fahrzeuge hießen bis 1983 weiterhin RAM-March. Jedoch wurden sie bereits seit der Saison 1982 vollständig bei RAM Racing entwickelt und gebaut.

1982 starte das Team jedoch abermals unter dem traditionsreichen Namen "March". Auch um die Manager des südafrikanischen Zigarettenkonzern "Rothmans" zu beeindrucken, die zu dieser Zeit den Motorsport als Plattform entdeckten. Ebenso konnte man mit "Newsweek" und weiteren kleineren Sponsoren ein interessantes und auch optisch schönes Sponsorenpaket schnüren. Jedoch war das Jahr mit vielen Problemen überschattet. Einige schwere Unfälle, darunter die tödliche Kollision von Jochen Mass mit Villeneuve in Zolder, belasteten das Team erheblich. Das Abenteuer von "March Grand Prix" endete sozusagen dann auch mit dem Rückzug der Rothmans-Gelder Mitte des Jahres. Grund waren einige Nicht-Qualifkationen und größere Probleme mit den Reifenpartnern.

Ab 1983 besinnet man sich wieder dem eigenen Namen. Unter RAM Automotive F1 Team startete man mit einem eigenen Fahrzeug, dem RAM01. Das Jahr 1983 war jedoch ein Übergangsjahr mit einem Fahrzeug und vielen Sponsorenproblemen. Nach zwei soliden Saisons war endgültig Anfang 1986 Schluss mit RAM. MacDonald versuchte zwar einige Wiederbelebungsversuche, scheiterte jedoch immer wieder an den Finanzen. Ironie der Geschichte. Das Werksteam von March Engineering starte ab 1988 wieder in der Formel 1.

Ihr Roland Schäfges


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