Jahresrückblick: 1967 (Formel-1-WM)

 

Jahresrückblick: 1967 (Formel-1-WM)

von Michael Zeitler

Gebrechlicher Lotus, bärenstarker Brabham: Denny Hulme holte sich 1967 den F1-Titel.

| Melbourne (!NS!DE-RAC!NG) - Die Weltmeisterschaft 1967 war hart umkämpft. Nur 1984 Niki Lauda schaffte das, was Denny Hulme schon 1967 geschafft hat: Den Titel ohne einer einzigen Pole Position zu gewinnen. Und das als Nummer zwei im Brabham-Team. Die ersten drei Fahrer in der Meisterschaft lagen innerhalb von zehn Punkten!

Los ging es bereits am 2. Januar beim Südafrika GP. Im Gegensatz zum Vorjahr war das Rennen Teil der WM, was viele Lokalmatadoren trotzdem nicht davon abhielt, am Rennen teilzunehmen. Und fast hätte es die Sensation gegeben und der Lokalmatador John Love hätte in einem alten Cooper Climax gewonnen! Genau genommen war Love kein Südafrikaner: Er kam aus Bulawayo, das damals in Rhodesien lag, einer britischen Kolonie im heutigen Simbabwe. In Südafrika fuhr Love aber erfolgreich im Rennsport, unter anderem in der südafrikanischen Formel-1. Trotz des Second-Hand-Renners kam Love nach einer Ausfallorgie beim Grand Prix in Südafrika an die Spitze. Erfolgreich hielt er den drängelnden Pedro Rodriguez im Werks-Cooper in Schach, doch dann musste Love an die Box um noch einmal Sprit zu fassen. Er wurde dennoch Zweiter vor dem Honda-Fahrer John Surtees.

Love fuhr kein weiteres WM-Rennen mehr in der Saison 1967, die erstmal vier Monate Pause machte, bevor es in Monaco weiterging. Bis dahin gab es aber drei britische Rennen, die nicht zur F1-WM gehörten. Dan Gurney siegte in Brands Hatch im Eagle Weslake, vor Ferrari-Pilot Lorenzo Bandini und Jo Siffert im Cooper Maserati, eingesetzt von Rob Walker Racing. Im Oulton Park siegte dann der Weltmeister Jack Brabham im Brabham Repco. In Silverstone wurde er Zweiter, hinter Mike Parkes im Ferrari.

Es folgte Saisonrennen Nummer zwei in Monaco: Das Team von John Pearce, das bei den Nicht-WM-Rennen zuvor erste Erfahrungen gesammelt hat, sollte mit einem eigenen Pearce-Chassis und einem Martin-V8-Motor (der auch im Heck eines Lotus im Oulton Park eingesetzt wurde) sein Debüt in der F1-WM geben. Dann aber brannte der Teamtransporter ab, mit vielen Teammanterialien. Noch dramatischer war ein Feuer dann im Rennen… Im Qualifying holte sich Brabham die Pole, Lorenzo Bandini dahinter. Der übernahm am Start die Führung, während Brabhams Repco-Motor den Geist aufgab. Das Rennen war spannend und die Jungs zeigten, dass man auch auf dem Straßenkurs in Monaco überholen konnte. Denny Hulme im zweiten Brabham Repco und BRM-Pilot Jackie Stewart überholten Bandini, Stewart dann auch Hulme. Stewart schied aber mit Getriebeschaden aus. Hulme führte damit, auch wenn Bandini ihn wieder unter Druck setzte. In der 82. Runde verlor Bandini aber die Kontrolle über das Fahrzeug, überschlug sich und fing Feuer. Bandini konnte erst noch aus dem Fahrzeug gerettet werden, starb aber im Krankenhaus. Hulme siegte, vor Graham Hill (Lotus BRM) und Chris Amon im Ferrari.

Der WM-Stand: Hulme (12), Rodriguez (11), Love, Hill (je 6); Konstrukteurs-WM: Brabham (12), Cooper (11), Lotus (6). Danach fand der Sizilien GP statt, wieder ein Rennen ohne WM-Status. Gewonnen haben bei dem Rennen Mike Parkes und Ludovico Scarfiotti, die zeitgleich die Ziellinie mit je einem Ferrari kreuzten. Dritter wurde Siffert in einem Cooper Maserati von Rob Walker.

Einer der Sieger, Mike Parkes, kehrte dann beim Holland GP auch in der WM zu Ferrari zurück, als Ersatz für den verstorbenen Bandini. Parkes fuhr schon 1966 starke Rennen für Ferrari, sein Sieg in Sizilien kam aber auch deshalb zustande, weil viele F1-Topfahrer entweder beim Indy 500 waren, oder in der Formel-2 am Start waren. In Zandvoort waren dann aber wieder alle versammelt, teilweise sogar mit neuen Autos. Lotus und Brabham brachten neue Rennwagen an den Start und prompt holte sich Lotus-Pilot Graham Hill die Pole Position. Er übernahm am Start auch die Führung vor Brabham. Hill schied mit mechanischen Problemen aus, aber sein Teamkollege Jim Clark gewann letztlich das Rennen, nachdem er sowohl Cooper-Maserati-Fahrer Jochen Rindt, als auch Brabham überholte. Der Sieg von Clark läutete eine neue Ära ein, denn es war der erste Sieg des Ford-Cosworth-DFV-Motors, der über zehn Jahre lang erfolgreich in der Formel-1 eingesetzt wurde. Zweiter und Dritter wurden Brabham und Hulme. In der WM führte Hulme (16) weiterhin, vor Rodriguez (11) und Clark (9); Konstrukteurswertung: Brabham (18), Cooper (11), Lotus (9).

Beim Belgien GP siegte völlig überraschend Dan Gurney im Eagle Weslake. Der US-Amerikaner hatte einen Lauf: Zwischen dem Rennen in Holland und dem in Belgien reiste er nach Le Mans und gewann das 24-Stundenrennen. Für seinen Sieg beim Grand Prix in Belgien brauchte es schon eine gute Strategie und Glück. Zwar qualifizierte er sich hinter Clark als Zweiter (allerdings drei (!) Sekunden zurück!), aber am Start verschaltete sich Gurney und er fiel etwas zurück. Am Ende siegte er, weil Jackie Stewart Getriebeprobleme hatte. Er musste einhändig fahren und den Schalthebel mit der anderen Hand regelmäßig zu halten. Damit wurde er noch Zweiter, vor Ferrari-Pilot Chris Amon. Dabei hatte Ferrari nicht nur Grund zur Freude: Mike Parkes verunfallte heftig, zog sich einige Knochenbrüche zu, wodurch seine GP-Karriere beendet wurde. Parkes blieb Ferrari aber noch lange als Ingenieur und Testfahrer treu. In der Fahrermeisterschaft blieb Hulme vorne: Hulme (16), Amon, Rodriguez (11); Konstrukteursmeisterschaft: Brabham (18), Cooper (14), Ferrari (11).

Beim Frankreich GP sicherte sich Hill vor Brabham die Pole. Hill blieb auch vorne, während Gurney an Brabham vorbeizog. Die Spitzenpositionen wechselten noch einige Male, auch Brabham kam kurz an die Spitze. Letztlich kristallisierten sich aber die beiden Lotus von Clark und Hill als die Autos heraus, die vorne das Tempo vorgaben – aber mit wechselnder Reihenfolge. Beide schieden aber mit technischen Defekten aus und so kam Brabham wieder an die Spitze. Hulme arbeitete sich noch auf Rang zwei vor und machte damit den Brabham-Doppelsieg perfekt. Außerdem führte er so weiter in der WM: Hulme (22), Brabham (16), Rodriguez (12); Bei den Herstellern lag Brabham (27) vorne, es folgten Cooper (17), BRM und Ferrari (je 11).

Lotus entpuppte sich immer mehr als das schnellste Auto, hatte aber eine mehr als dürftige Zuverlässigkeit. Auch beim Großbritannien GP qualifizierten sich Clark und Hill ganz vorne. Im Rennen führte Clark von Start bis Ziel, gab nur kurz die Führung an Hill ab, der allerdings mit Motorenproblemen ausschied. Clark brachte den Lotus Ford aber endlich nach Hause und siegte vor Hulme, der sich meisterlich in den letzten Runden sowohl den Ferrari-Pilot Chris Amon schnappte, als auch Teamkollege Brabham. Amon wurde Dritter. Für Hulme waren das wichtige Punkte: Hulme (18), Brabham, Clark (je 19); Konstrukteurs-WM: Brabham (33), Lotus, Cooper (je 19).

Die Lotus-Dominanz war erdrückend: Im Quali zum Deutschland GP war Clark fast zehn Sekunden schneller als der Rest! Zehn Sekunden! Zugegeben, die Nordschleife des Nürburgrings ist auch über 20 Kilometer lang. Wieder einmal machte aber die Technik schlapp und als Gurney auch noch technische Schwierigkeiten hatte, fiel Brabham der Doppelsieg in den Schoß. Hulme gewann vor Brabham und baute die WM-Führung aus: Hulme (37), Brabham (25), Amon, Clark (je 19); Konstrukteurswertung: Brabham (42), Cooper (21), Lotus, Ferrari (je 19).

Der Regen beim Kanada GP mischte das Feld gehörig durcheinander, denn im Regen war Lotus nicht mehr das schnellste Auto. Im Quali war es trocken und so waren Clark und Hill wie gewohnt vorne. Es folgte ein Rennen unter wechselnden Bedingungen und damit unter wechselnden Positionen. Clark schied mit Motorschaden aus und so holte Brabham erneut einen Doppelsieg, dieses Mal aber mit Brabham vor Hulme. Gurney wurde Dritter. Die WM: Hulme (43), Brabham (34), Amon (20); Bei den Teams führte Brabham (51), vor Lotus (22), Cooper (21).

Es folgte die Windschattenschlacht in Monza, mit Positions- und Führungswechsel am laufenden Band. Am Ende gab es einen Überraschungssieger: John Surtees im neuen Honda RA300. Der Brite stampfte für den Bau des Boliden eigens ein Rennteam aus dem Boden, vorwiegend aber, um für Lola einen Sportwagen zu bauen. Der Honda entstand auf Basis eines Lolas und wurde deshalb im Fachjargon auch gerne als Hondola bezeichnet. Das Surtees-Team entwickelte später auch eigene F1-Rennwagen. Jack Brabham wurde Zweiter und sorgte damit einerseits dafür, dass sein Rennstall die Konstrukteursmeisterschaft verteidigte und zweitens, dass nur noch er oder Teamkollege Hulme Meister werden konnten. Der drittplatzierte beim Italien GP, Jim Clark, war aus dem WM-Rennen – trotz einer schon gewohnten Pole Position in Monza. Der WM-Stand: Hulme (43), Brabham (40), Clark (23).

Im Oulton Park fand anschließend ein nicht zur Meisterschaft zählendes Rennen statt, das Brabham gewann. Damit übte er vor dem USA GP Druck auf Hulme aus. Kaum aus dem WM-Rennen ausgeschieden, feierte aber das Lotus-Team einen Doppelsieg. Clark siegte vor Hill, der das Rennen lange führte. Er hatte aber Getriebeprobleme, weshalb Clark zum Sieg kam, der aber auch seinerseits kein einwandfrei laufendes Fahrzeug hatte. Hulme erreichte Platz drei und weil Brabham nur Fünfter wurde, war sein Vorsprung vor dem Saisonfinale recht groß: Hulme (47), Brabham (42), Clark (32);

Clark siegte auch beim Mexiko GP. Der Schotte hatte einen Lauf und gewann auch das letzte Rennen, den Spanien GP, der aber nicht mehr zur WM zählte. Die entschied Hulme in Mexiko für sich, nachdem er auf Rang drei fuhr. Brabham kam vor ihm ins Ziel, aber das reichte nicht mehr.

WM-Endstand:
1. Denny Hulme (NZL) 51 (Brabham Repco)
2. Jack Brabham (AUS) 46 (Brabham Repco)
3. Jim Clark (GBR) 41 (Lotus Ford)
4. John Surtees (GBR) 20 (Honda)
5. Chris Amon (NZL) 20 (Ferrari)
6. Pedro Rodriguez (MEX) 15 (Cooper Maserati)
7. Graham Hill (GBR) 15 (Lotus Ford)
8. Dan Gurney (USA) 13 (Eagle Weslake)
9. Jackie Stewart (GBR) 10 (BRM)
10. Mike Spence (GBR) 9 (BRM)
11. John Love (RHO) 6 (Cooper Climax)
12. Jo Siffert (SUI) 6 (Cooper Maserati)
13. Jochen Rindt (AUT) 6 (Cooper Maserati)
14. Bruce McLaren (NZL) 3 (McLaren BRM)
15. Jo Bonnier (SWE) 3 (Cooper Maserati)
16. Chris Irwin (GBR) 2 (BRM)
17. Bob Anderson (GBR) 2 (Brabham Climax)
18. Mike Parkes (GBR) 2 (Ferrari)
19. Guy Ligier (FRA) 1 (Cooper Maserati)
20. Ludovico Scarfiotti (ITA) 1 (Ferrari)
21. Jacky Ickx (BEL) 1 (Cooper Maserati)

Konstrukteurs-WM:

1. Brabham Repco 63
2. Lotus Ford 44
3. Cooper Maserati 28
4. Honda 20
5. Ferrari 20
6. BRM 17
7. Eagle Weslake 13
8. Lotus BRM 6
9. Cooper Climax 6
10. McLaren BRM 3
11. Brabham Climax 2

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