Jahresrückblick: 1983 (Formel-1-WM)

 

Jahresrückblick: 1983 (Formel-1-WM)

von Michael Zeitler

Alain Prost wäre beinahe Weltmeister geworden, dann holte sich aber Nelson Piquet den zweiten Titel.

 

| Melbourne (!NS!DE-RAC!NG) - Der Start in die neue Saison begann in Brasilien gleich mit der Pole Position von Keke Rosberg, dem amtierenden F1-Weltmeister, der einen Williams Ford steuerte. Dahinter startete Alain Prost im Renault. Im Rennen konnten beide von der Situation nicht profitieren. Nelson Piquet überholte beide und fuhr ein recht dominantes Rennen mit seinem Brabham BMW. Bei Rosberg lief dagegen nichts zusammen: Beim Boxenstopp fing der Williams Feuer. Rosberg verließ den Rennwagen, stieg dann aber wieder ein, wurde dafür aber disqualifiziert, als Zweiter im Ziel. Lauda, der Dritter wurde, rückte im Klassement nach der Disqualifikation jedoch nicht auf, also bekam er nur vier Punkte.

Als nächstes stand der USA-West-GP an, mit einer reinen Ferrari-Startreihe eins: Patrick Tambay stand vor René Arnoux auf Pole Position. Dagegen mussten die beiden McLaren-Ford-Fahrer John Watson und Niki Lauda von den Plätzen 22 und 23 starten. Die beiden zeigten im Rennen aber, wie zwei Teamkollegen zusammenhalten müssen: Gemeinsam kämpften sie sich durch das Feld. Stoppen konnte die gigantische Aufholjagd keiner. Und so gewann Watson vor Lauda das Rennen, Arnoux hechelte den McLaren hinterher, schaffte aber immerhin noch einen dritten Platz. WM-Leader war nun Lauda, der zehn Punkte hatte, bei jeweils neun waren Watson und Piquet. In der Konstrukteurswertung führte McLaren Ford souverän mit 19 Zählern, vor Brabham (9) und Williams und Ferrari (je 6). Wie nahezu jedes Jahr überraschte Renault beim Frankreich GP, und so auch 1983: Alain Prost und Eddie Cheever sicherten sich die Doppel-Pole-Position für das französische Werksteam. Im Rennen konnte nur Piquet in seinem Brabham BMW den Speed der beiden Renault-Fahrer gehen, und der Brasilianer schaffte es sogar vorbei an Cheever. Damit lief er als Zweiter ein, während Prost einen ungefährdeten Sieg feierte, was ihn punktgleich mit Watson (9 Zähler) auf Platz drei in der Fahrerwertung brachte, hinter dem neuen Führer Piquet (15) und Lauda (10). Die Konstrukteurs-WM: McLaren (19), Brabham (15), Renault (13).

Im italienischen Imola/San Marino sorgte im Qualifying Arnoux für Jubel, als er seinen Ferrari vor WM-Leader Piquet auf Pole Position stellte. Noch mehr grinsten die Ferrari-Mechaniker und die 105.000 Zuschauer (überwiegend Ferrari-Fans), als Piquet den Start vermasselte und Arnoux und Tambay eine sichere Doppelführung hatten. Piquets Teamkollege Riccardo Patrese folgte den beiden als Dritter. Das Lachen verging den Ferrari-Fans nur zwischenzeitlich; nämlich dann, als in der sechsten Runde Patrese die Führung übernahm, weil der Brabham klar das schnellste Auto im Feld war. Doch der Italiener crashte seine Karre in der 54. Runde ins Aus, und so führte wieder ein Ferrari-Fahrer. Inzwischen war das aber nicht mehr Arnoux, sondern sein französischer Landsmann Patrick Tambay. Arnoux war bereits hinter Prost zurückgefallen und wurde nur Dritter. Tambay und ganz Imola stand auf dem Kopf: Ein emotionaler Triumph war perfekt. Dass Prost mit Platz zwei in der WM-Wertung mit Piquet gleich zog, ging im Jubel um Tambay unter. Die Fahrer-WM gestaltete sich als sehr spannend: Piquet, Prost (je 15), Tambay (14). Auch die Konstrukteurswertung konnte kaum spannender sein: Ferrari (22), McLaren (21), Renault (19).

Mit dieser spannenden WM-Situation besuchte die Formel-1 Fürst Rainier und das Fürstentum Monaco. Dass für das Rennen Regen vorhergesagt wurde, der tatsächlich eintraf, versprach nicht minder einen Knaller. Im Qualifying ging die Dominanz der französischen Fahrer zunächst weiter: Pole für Prost vor Arnoux. Bereits beim Start waren jedoch die Zocker gefragt, denn die Piste war feucht, allerdings nicht nass. Während manche auf Regenreifen starteten, brausten andere mit Slicks los, was sich als die besser Variante herausstellte, was beispielsweise Rosberg zeigte, der bereits nach dem Start direkt hinter Prost Zweiter war. Williams hatte richtig gepokert: Rosberg überholte Prost, während das halbe Feld in die Box kam, und sich ebenfalls Schönwetterreifen holte. Das brachte Rosbergs Teamkollegen Jacques Laffite auf den zweiten Platz, dahinter fuhr Arrows-Ford-Pilot Marc Surer. Während sich einige Fahrer bei den schwierigen Bedingungen einzeln oder in Gruppen selbst eliminierten (nur sieben Fahrer erreichten das Ziel), behielten die Topfahrer wie Rosberg oder die WM-Führer Prost und Piquet die Nerven. Während Rosberg nicht zu schlagen war, entschied dahinter Piquet das Duell gegen Prost für sich, was ihn somit auch wieder zum alleinigen WM-Leader machte: Piquet (21), Prost (19), Tambay (17). In der Konstrukteurs-WM mischten vorne fünf Teams mit: Ferrari (25), Renault (23), Brabham, Williams, McLaren (je 21).

Der Belgien GP wurde zu einer Vorführung von Alain Prost. Pole Position und GP-Sieg. Auch als Alfa-Romeo-Pilot Andrea de Cesaris am Start die Führung übernahm, behielt Prost die Nerven und vertraute seinen Renault-Mechaniker an der Box. Tatsächlich dauerte der Stopp von De Cesaris länger und so war Prost wieder in Führung und gewann souverän. De Cesaris fiel später noch mit Motorschaden aus, Tambay erbte Rang zwei, vor Cheever. Damit führte nun Prost in der WM: Prost (28), Piquet (24), Tambay (23). Herstellerwertung: Renault (36), Ferrari (31), Brabham, Williams (je 24). In Detroit fand folgend der USA Grand Prix statt. Das Wechselspiel vorne an der Spitze ging weiter: Ferrari übernahm das Zepter und nur Piquet als Zweiter hinter Arnoux verhinderte eine Doppelpole für die Scuderia Ferrari. Im Rennen streikten dann aber die Nerven einiger Topleute und so kam es zum Außenseitersieg von Michele Alboreto im Tyrrell Ford. Es war der letzte der 23 Siege für Tyrrell. Erst Jenson Button beim Ungarn GP konnte für das Team wieder einen Sieg erlangen, zu diesem Zeitpunkt aber längst unter dem klangvollen Namen des japanischen Autogiganten Honda. Rosberg und Watson kamen hinter Alboreto ins Ziel. Fahrer-WM: Prost (28), Piquet (27), Tambay (23). Konstrukteurs-WM: Renault (36), Williams (32), Ferrari (31).

Beim GP von Kanada startete Arnoux vor dem Leader der Fahrer-WM Prost von der Pole Position, und blieb auch nach dem Start vorne. Es war ein lockeres Rennen für Arnoux, der letztlich mit 45 Sekunden Vorsprung auf Cheever gewann. Prost fiel im Rennen klar zurück, dafür punktete Tambay als Dritter stark und zog in der Weltmeisterschaft mit Piquet gleich: Prost (30), Piquet, Tambay (je 27). Gleichgezogen war auch Ferrari mit Renault: Renault, Ferrari (je 44), Williams (35). Und die Ferrari-Dominanz schien auch beim Großbritannien GP kein Ende zu finden: Doppelpole für Ferrari. Genutzt hat das im Rennen nichts: Nach dem Start sah es zunächst noch gut aus, denn Tambay führte vor Arnoux und Prost. Doch die starke Quali-Pace konnte Ferrari im Rennen nicht wiederholen. Zunächst wühlte sich Prost an beiden Ferraris vorbei in Führung, und Piquet folgte direkt dahinter und machte Platz zwei perfekt. Das Endergebnis des England-Resultats mit Prost vor Piquet und Tambay spiegelte sich auch in der Gesamtwertung wieder: Prost (39), Piquet (33), Tambay (31). Bei den Teams führte Renault (53) vor Ferrari (50) und Williams (35).

Tambay und Arnoux standen im Grid zum Großen Preis von Deutschland wieder ganz vorne. Doch für Tambay war trotzdem nicht alles eitler Sonnenschein: Ferrari arbeitete an der Verpflichtung von Michele Alboreto für die Saison 1984 und dafür musste Tambay sein Cockpit räumen, denn auch der guten WM-Platzierung zum Trotz, erwies sich Arnoux als der bessere Fahrer. Und im Rennen kam es für Tambay noch dicker, als er wegen Problemen mit der Zündung ausfiel, während Arnoux das Rennen gewann. Schade: Tambay hätte kräftig aufholen können in der WM, auch mit Platz zwei, denn auch vor Tambays Ausfall war der Sieg für Arnoux klare Sache. Während Piquet kurz vor Schluss als Zweiter ausfiel, wurde Prost nur Vierter, hinter De Cesaris und Patrese. Prost hatte nun aber schon einen komfortablen WM-Vorsprung: Prost (42), Piquet (33), Tambay (31). Der Stand bei den Konstrukteuren: Ferrari (59), Renault (56), Brabham (37).

Beim Österreich GP starteten wieder Tambay und Arnoux vorne weg. Wieder wurde Tambay für die Pole im Rennen nicht belohnt: Nach 22 Runden kam zunächst Arnoux an Tambay vorbei, weil Tambay bei der Überrundung von Ligier-Ford-Pilot Jean Pierre Jarier aufgehalten wurde. Noch ärger kam es, als er mit Motorschaden das Rennen beenden musste. Arnoux konnte den flotten Piquet nicht hinter sich lassen. Doch auch Piquet wurde für sein Überholmanöver nicht belohnt. Weil sein BMW-Motor Power verlor, fiel er hinter Arnoux und Prost zurück. Und weil die beiden noch Plätze tauschten, gewann Prost vor Arnoux und Piquet und baute damit die WM-Führung noch etwas aus: Prost (51), Piquet (37), Arnoux (34).

Piquet erkannte den Ernst der Lage, bei nur noch vier zu fahrenden Rennen. Also knallte er seinen Brabham BMW beim Holland GP auch gleich auf Pole Position. Doch in Runde 41 kam es zum Lackaustausch mit Titelrivale Prost: Beide flogen aus dem Rennen, beim Kampf um die Führung des Rennens, die zu diesem Zeitpunkt Piquet innehatte. Natürlich konnte Prost mehr Risiko gehen bei dem Versuch Piquet zu überholen, und das tat er freilich auch. Ferrari, denen nachgesagt wurde, Prost verpflichten zu wollen, lachte sich ins Fäustchen: Arnoux und Tambay landeten einen Doppelsieg, dahinter stieg Watson als Dritter auf das Podium. Der neue WM-Widersacher von Prost hieß nun René Arnoux: Prost (53), Arnoux (43), Piquet, Tambay (37). Mit der starken Form war Ferrari für den WM-Lauf in Italien klarer Favorit und die Ferrari-Fans witterten eine WM-Chance. Doch es wurde das Wochenende von Brabham BMW, beginnend mit der Pole Position von Lokalmatador Riccardo Patrese, womit sich die italienischen Tifosi noch einigermaßen begnügen konnten. Doch Patrese schied schon in Runde zwei mit einem Schaden am Turbolader aus, also übernahm Teamkollege Piquet die Führung und gab diese bis zum Ziel nicht mehr her. Mit dem Sieg vor Arnoux und Cheever war er wieder zurück im WM-Geschäft: Prost (51), Arnoux (49), Piquet (46). Ferrari dominierte auch nach dem Heimspiel die Konstrukteurswertung: Ferrari (89), Renault (72), Brabham (50).

Der Europa GP war WM-entscheidend, zumindest für René Arnoux. Er verpasste die Punkteränge und war damit quasi aus dem WM-Kampf draußen, während Piquet mit dem zweiten Sieg in Folge Prost immer näher rückte. Der Franzose sorgte aber mit einem zweiten Platz für ein gutes Ergebnis, während Nigel Mansell im Lotus Ford auf Platz drei raste. Vor dem Saisonfinale führte Prost noch immer die WM an: Prost (57), Piquet (55), Arnoux (49). Bei den Konstrukteuren war Ferrari fast durch: Ferrari (89), Renault (78), Brabham (59).

In Südafrika qualifizierte sich Piquet als Zweiter hinter Tambay und hatte damit eine gute Ausgangslage, vor allem weil Prost nur auf Platz fünf in der Startaufstellung stand. Doch für Prost kam es schlimmer: In Runde 35 ging sein Turbomotor in die Luft, das Rennen war beendet. Piquet ging kein unnötiges Risiko und fuhr als Dritter die nötigen Punkte ein, während davor Teamkollege Patrese vor De Cesaris gewann. Piquet wurde zum zweiten Mal nach 1981 Weltmeister.

WM-Endstand:
Pos Fahrer
Team
Punkte
1 Nelson Piquet Brabham BMW 59
2 Alain Prost Renault 57
3 René Arnoux Ferrari 49
4 Patrick Tambay Ferrari 40
5 Keke Rosberg Williams Ford 27
6 Eddie Cheever Renault 22
7 John Watson McLaren Ford 22
8 Andre de Cesaris Alfa Romeo 15
9 Riccardo Patrese Brabham BMW 13
10 Niki Lauda McLaren Ford 12
11 Jacques Laffite Williams Ford 11
12 Michele Alboreto Tyrell Ford  10
13 Nigel Mansell Lotus Renault 10
14 Derek Warwick Toleman Hart 9
15 Marc Surer Arrows Ford 4
16 Mauro Baldi Alfa Romeo 3
17 Elio de Angelis Lotus Renault 2
18 Danny Sullivan Tyrell Ford 2
19 Johnny Cecotto Theodore Ford 1
20 Bruno Giocomelli Toleman Hart 1
Konstrukteurs-WM-Endstand:
Pos Team Punkte
1 Ferrari 89
2 Renault 79
3 Brabham BMW 72
4 Williams Ford 38
5 McLaren Ford 34
6 Alfa Romeo 18
7 Tyrell Ford 12
8 Lotus Renault 12
9 Toleman Hart 10
10 Arrows Ford 4
11 Theodore Ford 1
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