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Kommentar der Woche

  • Woche 16| Applaus für Sergio Perez von !NS!DE-RAC!NG-Redakteur Michael Zeitler. Weiterlesen...

Serie: GP-Epochen seit 1906: 5. Öko-Ära

Geschrieben von: Michael Zeitler.

Serie: GP-Epochen seit 1906: 5. Die Öko-Ära

von Michael Zeitler

Exklusive Informationen zur neuen F1-Ära ab 2014. Interview mit Formulec, Sergio Rinland und Lola.

| Paris (!NS!DE-RAC!NG) -

Die Öko-Zukunft im Formel-Sport
Die Formel-1 soll Grüner werden – auf diesen grünen Nenner kamen die Teams, der Automobilweltverband FIA und die Organisatoren der F1-Weltmeisterschaft vor wenigen Jahren. Rückkehr zu Turbomotoren, Ausbau des Energierückgewinnungssystems, sparsamere Motoren, hin zu alternativen Energien. Inzwischen machen die Teams und die Hersteller wieder einen kleinen Rückzieher und die Gründe dieses grünen Vorstoßes sind entblößt: Man wollte damit neue Hersteller anlocken, wie Volkswagen, Hyundai und andere. Nach dem Massenexodus aus der Formel-1 (Honda, BMW, Toyota) würden der Formel-1 neue Hersteller wieder gut tun. Mit dem aktuellen Motorenreglement lockt man aber keinen neuen Hersteller aus der Reserve. Erstens scheint das Reglement für die Serie und die Zukunft so attraktiv wie Kreissägenmotoren zu sein. So klingen die aktuellen Motoren auch, grässlich unterlegt mit den Fehlzündungen wegen der Zwischengasspielereien. Zweitens hätten neue Hersteller beim F1-Einstieg auch einen großen Nachteil, weil die etablierten Hersteller Renault, Mercedes, Ferrari und Cosworth seit Jahren mit dem aktuellen V8-Sauger vertraut sind. Ein neues Reglement musste deshalb unbedingt her, möglichst ökonomisch.

Der Grundgedanke der FIA war ein Motor aus dem Baukasten. Der Vierzylinder-Turbo soll 2013 in verschiedensten Rennserien eingesetzt werden können, jeweils etwas modifiziert. In der Formel-3, der Rallye-WM, in der Tourenwagen-WM – und eben auch in der Formel-1. Die Teams und Hersteller finden: Die Formel-1 muss die Königsklasse des Motorsports sein. Und plädierten weiter auf die eingefrorenen V8-Motoren. In Zeiten der Klimaerwärmung müssen diese süffigen Motoren aus dem Gefrierschrank und auftauen – und gegen sparsamere und vor allem grünere Motoren ersetzt werden. Zumindest mit dem heutigen Stand in der Wissenschaft ist ökologischer Motorsport nicht durchführbar, aber er kann ökologischer gemacht werden. Nur weil es nicht ganz umweltfreundlich geht muss man es doch nicht möglichst umweltschädlich machen. Der Kompromiss, ab 2014 mit V6-Turbos zu fahren, ist im Ansatz richtig. Auch Energierückgewinnungssysteme sollen bedeutsamer werden, der Spritverbrauch um 30% gesenkt werden. Aktuell schluckt ein F1-Renner auf 100 Kilometer zwischen 60-80 Liter Benzin! Der Alfa Romeo, der das erste F1-WM-Rennen 1950 in Großbritannien gewonnen hat, war noch viel durstiger: 160-170 Liter Benzin auf 100 Kilometer!

Das neue Reglement ab 2014 kann auch die Serienproduktion beflügeln, glaubt unter anderem Williams-Technikchef Sam Michael. Die Tatsache, dass ab 2014 nur noch mit dem Elektromotor, also der KERS-Power, durch die Boxengasse gefahren werden darf, wird für viele neue Ansätze sorgen. Der erste Widerstand regt sich aber bereits: Ein lautloses Fahrzeug durch die Boxengasse – zu gefährlich. Die Streckenbetreiber wollen die sauteure Formel-1 nicht mehr haben, offiziell, weil die neuen V6-Turbos nicht der Sound der Königsklasse wären. Interessanterweise hat sich darüber in den 80er Jahren keiner beschwert, als die Formel-1 bereits in der Turboära war. Nicht aus ökologischen Gründen, sondern weil die Turbos einfach leistungsstärker waren! Von wegen also, nichts mehr mit Königsklasse des Motorsports.

Die Menschheit ist im Umdenken. Nicht erst seit Fukushima, aber die Reaktorkatastrophe in Japan im März diesen Jahres war ein weiterer Anstoß dafür. Inzwischen wird Baden-Württemberg von den Grünen regiert und fordert selbst die Union den Ausstieg aus der Atomkraft bis 2022. Das Thema Atomkraftwerke ist aber bei weitem nicht das einzige grüne Thema. Die Formel-1 darf den Fehler der letzten Jahre nicht wieder machen und auch diesen Trend verschlafen. Denn im Motorsport werden längst einige Projekte vorangetrieben, elektrische Rennautos. Vielleicht werden die Elektroautos langfristig nicht die Lösung, in den nächsten zehn bis 20 Jahre werden sie aber auf den Straßen erst zunehmen und dann Überhand nehmen.

Lola-Drayson
Ein Projekt zur Entwicklung eines elektrischen Rennautos gibt es derzeit beim Rennwagenhersteller Lola, zuletzt 1997 in der Formel-1 vertreten. Hinter dem Projekt steckt mit Paul Drayson ein britischer Geschäftsmann und Politiker, der den Motorsport als Leidenschaft im Herzen trägt. Sein Drayson-Team trat 2009 erstmals beim 24-Stundenrennen von Le Mans an, zuletzt setzt man bei Sportwagenrennen eben einen Lola Judd ein, grün gefärbt – und in Zukunft auch wirklich grün. Lola-Marketing-Manager Sam Smith erklärt gegenüber !NS!DE-RAC!NG: „Derzeit sieht die Zusammenarbeit vor, dass Lola Cars für die Entwicklung des Rennchassis verantwortlich ist und Drayson Racing die Verantwortung für den elektrischen Antriebsstrang hat.“ Und weiter: „Zurzeit ist der voll-elektrische Lola-Drayson nur ein Projekt, das zeigen soll, dass diese Technologie auf einer Runde genauso effektiv ist, wie ein konventionell betriebenes Rennauto. Zweifellos wird es in der nahen Zukunft eine elektrische Rennserie geben und es ist die Absicht von Lola und Drayson, daran beteiligt zu sein. Es gibt als solches noch keine Regeln, aber die werden in Kürze erwartet.“

Die Rennserie soll 2013 von der FIA aus der Taufe gehoben werden. Es dürfte wohl eher eine Formel-Rennserie, statt eine Sportwagenserie werden, denn sie soll die elektrische F1-Serie werden. Noch hält sich die FIA bedeckt über die Details, aber Fakt ist: Mit Formulec gibt es bereits ein Unternehmen, das für Ende 2012 oder Anfang 2013 eine solche Serie etablieren will – möglicherweise wird die Formulec World Series auch die neue FIA-Serie. Von Formulec heißt es: „Die FIA ist in unserem Projekt seit dem Beginn 2010 involviert. Das Projekt wurde der „Kommission für Alternative Energien“ und auch den technischen Teams mehrmals vorgestellt. Die Entwicklung unseres Projektes ist auch ein Wunsch der FIA.“

Formulec
Formulec hat bereits einen eigenen elektrischen Formel-Rennwagen auf Kiel gelegt, der auch schon fährt. Im Oktober 2010 wurde er von GP2-Pilot Jules Bianchi in Magny Cours getestet, von Jonathan Cochet bereits mehrmals in Le Mans. Der Formulec ist bereits zu bestaunen und wird auch bei Demoveranstaltungen ausgeführt, wie zuletzt im Rahmen einer größeren F1-Demo in Moskau. Am Steuer waren dabei Alexandre Prémat und der russische Formel-World-Series-by-Renault-Fahrer Daniil Move. Der ehemalige IndyCar-Fahrer Michel Jourdain rückte damit außerdem in Mexiko schon aus.„Wir hatten mehr als 1000 Kilometer, um das Auto weiterzuentwickeln. Wir haben eine Menge gelernt, vor allem, dass man ein spezielles Know-How braucht, um einen elektronischen Rennwagen weiterzuentwickeln. Heute arbeiten wir daran, den EF01 zu industrialisieren und dabei auch die Ergebnisse der Tests mit einfließen zu lassen“, heißt es von Formulec. Dabei helfen prominente Partner, wie das F1-Team von Mercedes und das GP2-Team ART: „Mercedes GP arbeitet am Chassis und an der Aerodynamik. ART GP entwickelt das Auto und wird in Zukunft vielleicht mit weiteren Aufgaben vertraut.“ Die Motorentechnik kommt vom Elektrokonzern Siemens. Die Daten des Rennwagens, der optisch einem F3-Renner gleicht: 100% elektrischer Formel-Rennwagen, 220 KW, von Null auf 100 in drei Sekunden, Topspeed bei 250 km/h, Ladezeit 1,5 Stunden, fährt ungefähr 20 Minuten lang, 2-Gang-Getriebe, Lithium-Ionen-Batterien.

Derzeit gibt es erst einen Formulec EF01. 16 bis 20 sollen es werden, dann wird damit eine eigene Rennserie gestartet. Zwei Jahre lang soll ausschließlich dieser Rennwagen antreten, danach sind auch andere 100% elektrische Rennwagen im Rahmen des Reglements zugelassen. Eine Möglichkeit für Lola Drayson? Kontakt gibt es bisher noch nicht, gibt uns Formulec zu verstehen.

Auch ein anderer Techniker hat sich einem solchen Projekt längst schon angeschlossen: Sergio Rinland. Der Argentinier kam 1983 bei RAM in die Formel-1 und arbeitete für die verschiedensten Rennteams: Williams, Brabham, Dallara (für Scuderia Italia), Fondmetal, Forti, Benetton und Arrows. Seit 1992 leitet er mit Astauto sein eigenes Konstruktionsteam, das sich nach der Pleite von Arrows 2002 mehreren Teams annahm, darunter auch den GP2-Teams Coloni und Trident. 2007 kam Rinland zu Epsilon Euskadi in die Formel-World-Series-by-Renault. Daneben legte er einen LMP2-Rennwagen auf Kiel, der auch gefahren wurde. Dann ging das Geld aus für den Le-Mans-Einsatz und auch ein F1-Projekt mit Epsilon Euskadi wurde von der FIA abgelehnt. Im Februar dieses Jahres trennte er sich vom spanischen Team und hat jetzt Zeit, mit Astauto an einem elektrischen Rennwagen zu basteln.

Sergio Rinland
Sergio Rinland zu !NS!DE-RAC!NG: „Im Moment ist es ein Forschungs- und Entwicklungsprojekt von meinen Firmen Astauto und TotalSim. Sobald wir genug finanzielle Unterstützung für das Projekt haben, wollen wir ein Vorführungsmodell bauen.“ Der Rennwagen soll F1-Niveau haben. „Die Idee ist, es zu bauen um damit zu zeigen, was mit diesen Technologien gemacht werden kann“, so Rinland. Wichtige Elemente dieser Technologie stecken auch beispielsweise im F1-KERS. Könnte Rinland ein eigenes KERS entwickeln? „Das ist eine interessante Frage. Wir haben aber keine Ressourcen, um Teile zu fertigen. Sowas wird bei uns immer ausgelagert. Wir haben eine Menge Erfahrung mit KERS und elektrischen Autos, was ja sehr verwandte Technologien sind. Letztes Jahr haben wir ein KERS-Konzept für einen Le-Mans-Rennwagen entwickelt. Das wird wohl ein besserer Markt für uns sein, weil die F1-Teams dazu tendieren, alles selbst zu machen. Wenn du also jemanden kennst, der ein Auto mit dieser Technologie entwickeln will (Le Mans oder andere, wie die 24-Stundenen am Nürburgring), dann lass es mich wissen.“

Rinland sieht dem neuen, grünen Trend positiv. Ist die Zukunft für Techniker interessanter als die Vergangenheit? Rinland: „Ich glaube ja, nicht unbedingt so interessant wie die Vergangenheit, aber auf jeden Fall viel interessanter als die Gegenwart. Das Konzept eines elektrischen Autos ist ein komplett anderer Ansatz als die aktuellen Autos, besonders im Rennsport, deshalb wird es auch überall interessante Projekte geben. Auch die Fahrer müssen neue Stile lernen, diese Autos zu fahren.“ Rinland hofft, dass damit die technische Langweile in der Formel-1 ein Ende findet: „Aktuell ist mir die Formel-1 zu stark von den Regeln kontrolliert. Deshalb gibt es auch nur einen kleinen Spielraum für Innovationen, während Le Mans für unterschiedliche Autotypen und Technologien, die Innovationen und Neues Denken präsentieren, offen ist.“

Auch Rinland ist also davon überzeugt, dass die Formel-1 den grünen Weg gehen muss. Rinland würde aber auch jetzt „mit großem Interesse“ wieder einen F1-Einstieg wagen, wenn sich die Möglichkeiten ergeben, denn einen F1-Wagen derzeit zu konstruieren ist schwer, weil große Summen für kleine Fortschritte ausgegeben werden. Größere Sprünge sind von den Regeln her nicht machbar, Rinland nennt das Mikro-Entwicklung. Ist die Formel-1 heute also anspruchsvoller als in der Vergangenheit? Rinland: „Nicht schwerer, aber ja, komplexer.“

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