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Serie: GP-Epochen seit 1906: 6. Fahrer der ersten Epoche

Geschrieben von: Michael Zeitler.

Serie: GP-Epochen seit 1906: 6. Fahrer der ersten Epoche

von Michael Zeitler

Welche fünf Fahrer prägten die Steinzeit des GP-Sports bis 1914?

| Paris (!NS!DE-RAC!NG) - Ferenc Szisz gewann 1906 zwar den ersten Grand Prix, doch die Stars der ersten Periode waren andere. Die Franzosen spielten damals eine  große Rolle, der erste Grand Prix wurde nicht zufällig in Frankreich ausgetragen. Der französische Automobilverband ACF war dominierend und bestimmte auch die Geschichte bei der AIACR, der heutigen FIA. Die Büros waren auch in Frankreich beim ACF, noch heute operiert die FIA von der französischen Hauptstadt Paris aus. Deshalb waren unter den ersten GP-Stars auch drei Franzosen dabei. Die Geschichte zweier sind eng miteinander verbunden: Georges Boillot und Jules Goux. Beide waren im Peugeot-Werksteam dabei und waren auch für die Konstruktion der Peugeot-GP-Rennwagen verantwortlich, gemeinsam mit dem Schweizer Konstrukteur Ernest Henry und dem dritten Fahrer, Paul Zuccarelli, der aber bei Tests zum Frankreich GP 1913 verstarb.

Georges Boillot, der 1884 geboren wurde, gewann 1912 den Frankreich GP mit dem Peugeot L76. Mit dem langen, stromlinienartigen Peugeot von 1913 wiederholte er den Sieg, als erster Fahrer konnte Boillot zweimal den Frankreich GP gewinnen. Sein Teamkollege Goux gewann in der gleichen Saison als erster Europäer das Indy 500. Durch den Erfolg schickte Peugeot 1914 eine ganze Reihe von Fahrern nach Indianapolis, darunter auch Boillot. Der Publikumsliebling, der damals als einer der besten Fahrer galt, war sofort bei der Musik und stellte mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 160,70 Stundenkilometern einen neuen Rundenrekord auf. Von der Pole Position aus lag er lange auf Siegkurs, ehe ihm ein Reifenschaden einen Strich durch die Rechnung machte. Landsmann René Thomas gewann, mit einem Delage. Die Technik ließ Boillot auch beim Frankreich GP desselben Jahres im Stich: Trotz großer Probleme hielt er seinen Wagen lange im Spitzenfeld, dann aber überhitzte der Peugeot und das Rennen war für ihn beendet.

Und nicht nur das Rennen, sondern auch seine Karriere. Denn der Krieg brach aus, Boillot wurde Kampfpilot. Sein Flugzeug wurde 1916 abgeschossen, Boillot verstarb. Sein Name blieb dem Motorsport noch erhalten, weil sein Bruder André ebenfalls Rennen fuhr, aber nicht so erfolgreich. Sein Sohn Jean arbeitete später ebenfalls bei Peugeot in der Führungsebene und war einer der Drahtzieher für den Einstieg in den Rallye-Sport zu Beginn der 80er Jahre. Die Familie Boillot war also eng mit Peugeot verknüpft, bereits Georges Vater arbeitete als Mechaniker bei Peugeot.

Jules Goux hatte zwar ebenfalls Mechaniker-Qualitäten, aber anders als Boillot wurde er nicht vom Mechaniker zum Rennfahrer. Er wurde durch Zeitungsberichte über den Gordon-Bennett-Cup auf den Motorsport aufmerksam. Der Vorreiter der GP-Rennen wurde von einem Zeitungsverleger aus dem Boden gestampft, die Präsenz in den Tageszeitungen war daher sehr gut. Goux war damit einer der ersten professionellen Rennfahrer, dennoch stand er zunächst im Schatten von Boillot, zumindest bei GP-Rennen. Sein Indy-500-Sieg 1913 war aber ein großer Höhepunkt seiner Karriere. Goux gewann mit mehreren Minuten Vorsprung – und vor allem einigen Gläsern Champagner oder Wein Vorsprung, denn während der Boxenstopps soll er das ein oder andere Gläschen genommen haben…

Goux kehrte aus dem Krieg zurück und feierte in den 20er Jahren noch Erfolge: 1921 wurde er Dritter beim Italien GP, den Italien GP gewann er. Längst fuhr er nicht mehr für Peugeot, sondern für Ballot. Später wechselte er zu Bugatti, der wohl erfolgreichsten Marke der 20er Jahre. Mit Bugatti siegte er 1926 bei den Grand Prix von Frankreich und Europa in Spanien. 1965 verstarb er an einer Allergie.

Der dritte Franzose, der in der Anfangszeit des GP-Sports eine große Rolle spielte, war Louis Wagner. Er bestritt alle wichtigen Rennen, die es auch heute noch gibt: GP-Rennen (also Formel-1), das Indy 500 und die 24-Stunden von Le Mans. 1903 fuhr er für Darraq sein erstes Rennen, 1904 war er auch beim Gordon-Bennett-Cup am Start, 1906 gewann er den Vanderbilt Cup. Im Grand-Prix-Sport ist Wagner, der sich auch für Flugzeuge sehr interessierte, vor allem durch die Siege bei zwei Premieren-GP bekannt: 1908 beim Amerika GP und 1926 mit einem Delage beim Großbritannien GP.

Die Rennfahrer damals waren mittleren Alters, Ausnahmen bestätigten die Regel. Dass aber noch Teenager in der spätpupertierenden Phase (überspitzt formuliert) wie heute bei GP-Rennen die Regel waren, kann man überhaupt nicht sagen. Dennoch wirbelte die GP-Szene in der GP-Steinzeit ein junger US-Amerikaner auf, der mit 18 Jahren bereits bei den berühmtesten Rennen fuhr: David Bruce-Brown. Er gewann 1910 und 1911 den Amerika GP, für die Ausgabe 1912 standen in Milwaukee Testfahrten auf dem Programm. Bruce-Brown verunglückte dabei tödlich, als ein Reifenplatzer seinen Fiat erst in einen Graben, dann in die Luft schleuderte. Letztlich landete Bruce-Brown wie auch sein mitfahrender Ingenieur, die damals noch dazugehörten (nur die beiden durften bei Boxenstopps etwa Reifenwechseln) Antonio Scudelari in einem Feld und wurden noch ins Krankenhaus gebracht. Dort verstarben sie.  

Und dann gab es noch den Italiener Felice Nazzaro. Bereits zum Beginn des 20. Jahrhunderts fuhr er Rennen. Zunächst schien er lange wie der sichere Zweite, wurde 1905 beim Gordon-Bennett-Cup Zweiter und 1906 beim ersten Grand Prix in Frankreich. Doch der Fiat-Pilot schlug 1907 zurück und dominierte die Rennszene: Er gewann die drei wichtigsten Rennen des Jahres, den Frankreich GP, die Targa Florio und den Kaiserpreis in Deutschland.

Nazzaro war eigentlich auch Mechaniker und war an der Automobil-Technik im höchsten Maße interessiert. Deshalb stampfte er auch seine eigene Marke, benannt nach ihm selbst, aus den Boden. Die Nazzaro-Automobile nahmen auch bei Rennen teil, aber mit eher mäßigem Erfolg bei GP-Rennen, schon eher bei der Targa Florio. 1916 kehrte Nazzaro zu Fiat zurück und gewann 1922 noch einmal überraschend den Frankreich GP. Es war ein Rennen, bei dem nur drei Fahrer das Ziel sahen. Für Nazzaro waren die harten Bedingungen aber maßgeschneidert, denn Nazzaro war bekannt für seine zurückhaltende und schonende Fahrt. Er ließ andere Fahrer erst einmal in Führung gehen und lauerte immer auf Probleme bei der Konkurrenz. Sodann war er immer zur Stelle, fuhr dann auch richtig schnelle Rundenzeiten.

Ein Fahrer, der beim Frankreich GP 1922 ebenfalls nicht die Zielflagge sah, war Baggio Nazzaro, Neffe von Felice Nazzaro. Traurig aber wahr: Ausgerechnet bei Felice letzten GP-Sieg verstirbt Baggio Nazzaro bei einem Unfall, die Hinterachse brach, er hatte keine Chance mehr. Nazzaro trat 1929 vom Renngeschäft zurück, nachdem er auch die Fiat-Einsätze leitete – nach dem Werksrückzug. 1940 segnete er das Zeitliche.

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