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Serie: GP2 - Französische Meisterjahre: 3. Jean-Christophe Boullion

Geschrieben von: Michael Zeitler.

Serie: GP2 - Französische Meisterjahre: 3. Jean-Christophe Boullion 1994

von Michael Zeitler

In der Formel-1 nur eine Randnotiz, in der zweiten Liga aber Meister 1994: Jean-Christophe Boullion.

 

| Monza (!NS!DE-RAC!NG) - Um den letzten französischen Meister der Serie vor Bourdais zu finden, muss man ins Jahr 1994 zurück. In der Saison 2002 war vieles ähnlich zur aktuellen Saison, Einheitschassis, zum Teil auch noch dieselben Teams wie 2011. Nun, Boullier wurde wie Grosjean im DAMS-Team Meister, sofern stimmt zweites wohl auch noch für die Saison 1994. Aber de facto gab es keine Einheitschassis. Ähnlich wie aktuell in der Formel-3 kauften sich die Teams die Chassis aber von Rennwagenschmieden – die meisten noch dazu bei Reynard. Schon 1993 rüstete Reynard das komplette Feld mit Rennwagen aus, 1994 kehrte immerhin Lola zurück. Aber nur die beiden britischen Teams Omegaland und Nordic bezogen die Chassis von Lola, alle anderen arbeiteten mit Reynard zusammen. Das Omegaland-Team gehörte Roger Orgee, der 1979 und 1980 in der Formel-Atlantik selbst Rennen fuhr und auch 2010 noch als Fahrer aktiv war. Das Nordic-Team ist die Basis des heutigen Ocean-Rennstalls.

Reynard entwickelte für die Saison 1994 eine hohe Nase, wie sie inzwischen in der Formel-1 üblich waren. Die Organisatoren mussten den Herstellern und Teams genau auf die Finger schauen, damit die Kosten nicht ausufern würden. So wurden bestimmte Konstruktionen am Frontflügel verboten. Noch heute gilt: Der Frontflügel bestimmt ein Großteil der Luftführung um das Auto herum – und ist damit einer der wichtigsten Bestandteile eines Formel-Rennwagens. Auch an den Seitenkästen gab es Einschränkungen und vorgeschriebene Veränderungen seitens des Automobilweltverbandes FIA.

Aber nicht nur verschiedene Chassis kamen zum Einsatz, auch konnten die Teams zwischen zwei verschiedenen Motoren wählen. Ford entwickelte zusammen mit Cosworth einen Motor, Judd gemeinsam mit Zytek. Der Meister Jean-Christophe Boullion fuhr mit einem Reynard Ford Cosworth, genauso auch der Vizemeister Franck Lagorce, ebenfalls ein Franzose.

Lagorce war es auch, der den Auftakt in Silverstone gewinnen konnte. Er stand damals auf den Zetteln der Experten: Neben seinem F3000-Engagement stand er bereits mit einem Bein in der Formel-1: Er war Testfahrer bei Ligier. Darüber hinaus war er einer der Titelfavoriten. 1993 fuhr er für DAMS und gewann die letzten beiden Rennen – nun also den Auftakt 1994 in Silverstone. Den Titel wollte er nun aber für das Apomatox-Team in Angriff nehmen. Dahinter stecke Dominique Delestre. Der Franzose fuhr 1985 auf Rang fünf in der französischen Formel-3 – im Team von Eddie Jordan, der die Basis des heutigen Force-India-Teams in der Formel-1 legte. Delestre stieg dann sogar in die Formel-3000 auf, doch ein Unfall beendete seine Karriere. Also wurde er Teamgründer. 1998 wurde das Apomatox-Team an Alain Prost verkauft, der ein Juniorenteam für seinen eigenen F1-Rennstall machen wollte. Delestre blieb als Manager an Bord bis das Team Pleite ging. Das F1-Team des viermaligen Weltmeisters Prost war übrigens das Nachfolgerteam von Ligier, für das Lagorce ja Testfahrer war 1994. Und am Ende der Saison sogar noch zwei Rennen im Ligier Renault fuhr, dabei elfter beim Australien GP wurde. So gut wie es 1994 für Lagorce lief, so schlecht ging es weiter: Flavio Briatore kaufte das Ligier-Team, ein Stammplatz fand sich für Lagorce 1995 nicht. Er blieb als Testfahrer, wechselte 1996 zu Forti – aber auch hier nur als Testfahrer. Danach war seine GP-Karriere zu Ende.

Für David Coulthard ging in Silverstone dagegen die F3000-Karriere zu Ende. Nach dem tödlichen Unfall von Ayrton Senna kam der Schotte vorzeitig in die Formel-1. In Silverstone fuhr er für das Vortex-Team von Henny Vollenberg, der auch als F1-Teambesitzer fungierte, noch auf Rang zwei – und galt auch als Titelmitfavorit. Immerhin sollte es seine dritte Saison werden und 1993 beendete er die Saison immerhin als Gesamt-3. 1993 war Coulthard für das Pacific-Team unterwegs, das 1994 in die Formel-1 aufstieg, deshalb auch der Wechsel zu Vortex. Auch Vortex war mit einem Reynard Ford Cosworth unterwegs. Gil de Ferran, der Dritte von Silverstone, lenkte dagegen einen Reynard Judd Zytek für das Team von Paul Stewart. Der Sohn des dreimaligen F1-Champions Jackie Stewart brachte sein Team 1997 in die Formel-1. Bis heute wurde daraus die WM-Truppe Red Bull! Für Lola gab es übrigens keine Punkte, das war erst in Barcelona der Fall, dem dritten Saisonrennen.

Zunächst ging es aber weiter nach Frankreich, nach Pau. Dass mit Lagorce ein Franzose die Tabelle anführte, freute die Zuschauer. Nach dem Rennen in Pau stellte sich das aber anders da. Dabei gab es sogar vier Franzosen, die in die Punkte fuhren: Didier Cottaz wurde Dritter, Boullion Vierter, Lagorce Fünfter und Guillaume Gomez Sechster. Es waren übrigens die ersten drei Saisonpunkte für Boullier – und es blieben bis zum fünften Rennen auch die vorerst letzten. Mit einem Titel von Boullier war zu Beginn also alles andere zu rechnen.

Gewonnen hat das Rennen Gil de Ferran. Der Brasilianer gewann vor Vincenzo Sospiri, der einen Reynard Ford Cosworth für Super Nova fuhr. De Ferran übernahm damit auch die Tabellenführung von Lagorce, weil er bereits in Silverstone auf das Podest raste. Er hatte beim Thema Formel-1 noch mehr Pech wie Lagorce: Trotz einigen F1-Tests etwa bei Footwork und McLaren reichte es nicht zu einem F1-Cockpit. Immerhin gewann er das berühmte Indy-500 und war in der IndyCar auch eine große Nummer. Doch er schielte immer mit einem Auge nach Europa. Bei BAR wurde er schließlich Sportchef, aber auch das nur von kurzer Dauer. De Ferran (13 Punkte) wurde von Lagorce (11), Sospiri (9), Coulthard (6) und Cottaz (5) verfolgt. Coulthard war aber nicht mehr am Start. In Pau wurde er noch vertreten, von seinem schottischen Landsmann Allan McNish. Dann verzichtete Vortex aber auf das Cockpit, immerhin setzte man drei Fahrzeuge ein! In den anderen beiden fuhren Paolo Delle Piane und Tarso Marques. Vortex war 1994 das einzige Team, das drei Chassis an den Start brachte. Wim Eyckmans aus Belgien stampfte dagegen ein Team für sich selbst aus dem Boden und blieb auch bei einem einzigen Reynard Ford Cosworth. Zunächst setzten die Belgier sogar noch einen alten Reynard ein, was aber gar nicht so unüblich war: Durango fuhr die gesamte Saison über mit einem Vorjahres-Reynard.

Wenn wir schon bei Fahrzeugen sind: In Barcelona also gab es Punkte für Lola. Nordic punktete sogar mit beiden Boliden: Jordi Gené, der Bruder des ehemaligen F1-Fahrers Marc Gené (der immer noch Ferrari-Testfahrer ist), wurde Vierter, Marc Goossens Sechster. Nordic war aber nicht das einige Team, das doppelt Punkten konnte: Auch Mythos Racing – und zwar gleich ganz mysteriös (bis dato hatte man noch gar keinen Punkt gesammelt 1994!) mit einem Doppelsieg! Der siegreiche Fahrer war Max Papis. Für den Italiener war es der einzige Sieg und auch sonst lief die Saison für ihn nicht perfekt: Bei Lotus war er eigentlich F1-Testfahrer, aber obschon mehr als eine Hand voll Fahrer bei Lotus in jenem Jahr Rennen fuhren, Papis war nicht darunter. Dabei hatte auch er die Gunst von einigen Sponsorengelder. Bei Arrows fuhr er so 1995 sieben Grand Prix. Beim Italien GP wurde er Siebter und verpasste einen WM-Punkt hauchdünn und nur, weil ihn ausgerechnet Boullion mit dessen Sauber Ford in der letzten Runde noch überrumpelte! Papis ging danach in die IndyCar, um den tödlich verunglückten Jeff Krosnoff zu ersetzen. Zur Jahrtausendwende erreichte Papis immerhin drei Siege im Team von Bobby Rahal.

Zweiter in Barcelona wurde also Papis’ Teamkollege Fabrizio de Simone. Das Mythos-Team setzte übrigens nicht auf Ford-Cosworth, sondern auf Judd-Zytek-Motoren. Dritter wurde Vincenzo Sospiri, der damit das vollständig italienisch besetzte Podium abrundete. Er kam mit diesen vier Punkten in der Gesamtwertung nun auf deren 13 – und zog in der Meisterschaft dadurch mit De Ferran und Lagorce gleich: De Ferran, Lagorce, Sospiri (je 13), Papis (9), De Simone, Coulthard (je 6).

Schon in Enna musste Sospiri aber wieder abreißen lassen. Da kommen die Italiener mit einem solchen Erfolg nach Italien und dann gibt’s zu Hause nicht viel zu lachen. Das Tempo machte in Enna Gil de Ferran. Er gewann vor Franck Lagorce. Als Dritter stieg der Japaner Hideki Noda mit auf das Treppchen. Er fuhr für das Forti-Team einen Reynard Ford Cosworth. Zwar machte auch Noda seine Rennfahrerschule in Japan, aber von der japanischen Formel-3 aus ging er direkt den Weg nach Europa. Damals war die japanische Formel-3000 durchaus erfolgreich und keine Randnotiz wie heute. Die Saison 1994 war die dritte für Noda in der Formel-3000 – und die letzte. Zum Saisonende fuhr er für Larrousse drei F1-Rennen, zu mehr hat es nicht gereicht. Die Top-5 nach dem Enna-Rennen: De Ferran (22), Lagorce (19), Sospiri (13), Papis (12), De Simone, Coulthard, Noda (je 6).

Lagorce und De Ferran waren auch in Hockenheim wieder stark. Dieses Mal konnte Lagorce zurückschlagen und erhielt Unterstützung von Boullion, der zwar spät, aber nicht zu spät endlich in Fahrt kam. Er beendete das Rennen hinter Lagorce als Zweiter. Dann erst liefen De Ferran und Sospiri ins Ziel ein. Ein deutscher Fahrer war nicht am Start. Die Gesamtwertung: Lagorce (28), De Ferran (26), Sospiri (16), Papis (12), Boullion (9). In Spa startete dann ein Schlusssprint, ein Siegesspurt zum Ende der Saison von Boullion. Cottaz wurde dahinter Zweiter, Kenny Bräck für das Madgwick-Team Dritter. Punkte gab es außerdem für De Ferran, der damit wieder auf Lagorce aufschloss: Lagorce, De Ferran (je 28), Boullion (18), Sospiri (16), Papis (12).

Beim vorletzten Rennen in Estoril stauchte sich der Titelkampf noch mehr zusammen. Zunächst das Ergebnis: Boullion gewann vor Sospiri und Gomez. Damit waren noch vier Fahrer im Titelrennen – und drei Fahrer innerhalb eines Punktes! Lagorce, De Ferran (je 28), Boullion (27), Sospiri (22). Das Finale stand dann in Magny-Cours an, also in Frankreich. Es musste also ein Franzose Meister werden. Sospiri musste unbedingt gewinnen, um den Titel noch zu gewinnen. Er wurde nur Fünfter. De Ferran blieb sogar ohne Punkte. Damit war klar: Win Franzose wurde Meister. Beide belegten auch die ersten beiden Plätze, Boullion aber vor Lagorce. Damit war der Enstand: Boullion (36), Lagorce (34), De Ferran (28), Sospiri (24), Cottaz (13).

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