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Serie: GP2 - Französische Meisterjahre: 4. Olivier Panis 1993

Geschrieben von: Michael Zeitler.

Serie: GP2 - Französische Meisterjahre: 4. Olivier Panis 1993

von Michael Zeitler

Olivier Panis verzichtete für den F3000-Titel 1993 sogar auf einen F1-Test mit Benetton. 

 

| Monza (!NS!DE-RAC!NG) - Die Kosten in der zweiten Liga des GP-Sports wurden immer mehr ein Thema. So versicherten die Chassishersteller zu, nur noch alle zwei Jahre ein komplett neues Auto zu entwickeln. Heute baut Dallara alle drei Jahre ein neues Modell. Jenes, das seit 2011 eingesetzt wird, unterscheidet sich allerdings nur äußerlich vom Vorgänger durch neue Aerodynamik-Bodyworks. Es ist keine komplette Neukonstruktion. Reynard brachte für 1993 zwar ein neues Modell heraus, das zeigte aber nur kleinere Verbesserungen am Getriebe und an der Aerodynamik. Sogar das Crypton-Team, das im Vorjahr mit Luca Badoer die Meisterschaft gewann, blieb beim Vorjahresmodell. Der Druck war auch nicht besonders groß: Obschon mehr Chassishersteller zugelassen waren, fanden sich nur Reynard-Autos im Grid. Außer Mythos und Omegaland fuhren auch alle Rennställe mit Ford-Cosworth-Motoren. Die anderen beiden bauten Judd-Motoren in die Wagen ein. Wie gut das Vorjahresmodell noch war, zeigte Pedro Lamy. Der Portugiese wurde immerhin noch Vizemeister. Lamy fuhr im Crypton-Team von Patrizio Cantu, der mit dem AGS-Team auch schon einen F1-Rennstall führte.

Meister aber wurde Olivier Panis. Aber wie auch Jean-Christophe Boullion und Sébastien Bourdais danach startete Panis nicht mit einem Auftaktsieg. Das Rennen in Monaco gewann viel mehr Olivier Beretta. Der Monegasse landete damit einen unerwarteten Erfolg, denn 1992 holte er im Team des dreimaligen F1-Weltmeisters Nelson Piquet keinen einzigen Punkt. Für 1993 wechselte er zu Forti. Guido Forti hatte mit seiner Mannschaft schon in der italienischen Formel-3 Erfolg und kam 1995 auch in die Formel-1. Er kam, als die Finanzen in der Formel-1 aus dem Ruder gelaufen sind. Nach weniger als zwei Jahren war Forti wieder aus der Königsklasse des Motorsports verschwunden. Nicht aus einem Königreich, aber doch aus einem Fürstentum kommt Beretta: Aus Monaco. Er fuhr 1994 bei Larrousse in der Formel-1 und klemmte sich zehn Jahre danach bei einem Test noch einmal in einen BMW Williams. Noch immer hat er auf den Rennstrecken Erfolg: Beim 24-Stundenrennen von Le Mans 2011 wurde er mit einer Corvette Sieger seiner GT-Klasse.

Beretta verwies in Donington also Lamy und Olivier Panis auf die Plätze zwei und drei. Sowohl Lamy, als auch Panis sind derzeit ebenfalls in Le-Mans aktiv. Lamy ist im Peugeot-Werksaufgebot, muss um sein Cockpit für 2012 aber bangen. Panis fährt für das Oreca-Team, das in der zweiten Liga des GP-Sports auch schon vertreten war. Noch als die Serie in GP2 umbenannt wurde, absolvierte Oreca zumindest die Testarbeit der Rennwagen. In der Saison 1993 aber fuhr Panis für das DAMS-Team, für das auch Boullion und dieses Jahr auch Romain Grosjean die Meisterschaft sich sicherten. Auch wenn Panis zum Auftakt Dritter wurde, startete die Saison 1993 für ihn aber richtig mies. Die nächsten drei Rennen lief nicht mehr viel zusammen. Dann legte er aber wie sein Nachfolger Boullion 1994 eine starke Aufholjagd hin – und bewies am Ende Stärke: Einen F1-Test mit Benetton lehnte er ab, weil er sich erst auf den Titelgewinn konzentrieren wollte. So kam er erst 1994 mit Ligier in die Formel-1, siegte dort auch 1996 beim Monaco GP völlig überraschend. Es blieb sein einziger Sieg, auch wenn er noch bis 2004 aktiv GP-Rennen bestritt.

Die Saison ging in Großbritannien weiter. Von Donington zogen die F3000-Fahrer weiter nach Silverstone. David Coulthard hatte als Fahrer von der Insel sogar eine Chance auf den Sieg, wurde am Ende aber von Gil de Ferran geschlagen. Coulthard genoss die vollste Unterstützung seines Pacific-Teams, was keine Selbstverständlichkeit war: Eigentlich sollte es für das Team schon 1993 in die Formel-1 gehen. Hinter den Kulissen wurde das Projekt weiterhin vorangetrieben, die Resultate auf der Strecke wurden dadurch aber offensichtlich nicht schlechter. Direkt gefolgt von Coulthard beendete dessen Teamkollege Michael Bartels das Rennen als Dritter. Der Deutsche versuchte sich in der Serie seine Karriere wieder neu aufzubauen, nachdem er bei Lotus 1991 bei einigen F1-Rennen schon an der Qualifikation gescheitert war. Gescheitert ist dann aber auch seine Formel-Karriere, dafür ist er im GT-Bereich inzwischen eine große Nummer. Coulthard schaffte es in der Formel-1 immerhin zu einem Vizetitel 2001 mit McLaren Mercedes.

Aber sowohl Coulthard, als auch Bartels wurden in Silverstone von einem Brasilianer geschlagen: Gil de Ferran. Der Indy-500-Sieger von 2003 fuhr damals im Team von Paul Stewart. Wie auch Pacific landete das Team später in der Formel-1. Heute ist das Team als Red Bull bekannt – immerhin die WM-Mannschaft! Damals fuhr Paul Stewart, der Sohn des dreimaligen F1-Weltmeisters Jackie Stewart, auch noch selbst für sein Team. Er wurde wie schon in Donington Fünfter und war damit neben Panis der einzige Fahrer, der sowohl in Donington, als auch in Silverstone punkten konnte. Weil beide aber nur ein paar Pünktchen einfuhren, spielten sie in der Tabelle ganz vorne keine Rolle. Dort führten nun punktgleich Beretta und De Ferran mit neun Punkten, dahinter punktgleich Lamy und Coulthard mit sechs Punkten und dann erst Panis mit fünf Zähler.  

Im französischen Pau hatte Pedro Lamy die Nase vorne und holte sich mit dem Sieg auch die Tabellenführung. Wieder wurde Coulthard geschlagen. Stewart sammelte weiter fleißig Punkte und wurde dieses Mal sogar Dritter, knapp vor Beretta, der damit auf Lamys Fersen haften blieb: Lamy (15), Beretta, Coulthard (je 12), De Ferran (9), Stewart (8). Mit den Punkten, die Stewart zusammenhamsterte und durch den Sieg von De Ferran übernahm Paul Stewart sogar die Führung in der Teamwertung, vor Pacific, dann erst folgte das Meisterteam Crypton, das mit Lamy wieder auf Titelkurs war. Es fehlte aber ein zweiter Fahrer, der gut unterwegs war: Der Italiener Guido Knycz wurde nach den ersten sieben Rennen auch rausgeschmissen – und durch den Franzosen Nicolas Leboisettier ersetzt. Der sammelte in den letzten zwei Rennen immerhin noch drei Punkte. Knycz war nicht der einzige Rauswurf, unter anderem musste auch Bartels nach sieben Rennen zugunsten von Phil Andrews das Pacific-Team verlassen. Bartels stand klar im Schatten von Coulthard.

Abgesehen von Fahrerwechsel gab es auch sonst einige Fahrer, die keine vollständige Saison fuhren und auch Teams blieben Rennen fern. Das Barone-Rampante-Team von Giuseppe Cipriani, der inzwischen in der Auto-GP-Serie bei Durango sein Comeback als Fahrer gab, fuhr beispielsweise nur bis zum sechsten Rennen mit. Am Steuer eines Rennwagens war ein alter Bekannter: Jan Lammers. Der Niederländer knackte erst 1992 den Rekord mit der längsten Pause zwischen zwei F1-WM-Rennen, jetzt ging er sogar noch einen Schritt zurück in die zweite Liga! Das half um ein Haar tatsächlich: Bei Pacific war er für 1994 ein Thema für das Fahreraufgebot. Das Team von Tom Walkinshaw fuhr mit Jordi Gené erst ab dem vierten Rennen mit, bis dahin ist der deutsche Rennstall Mönninghoff Racing wieder verschwunden.

Beim vierten Saisonsaisonrennen gab es dann bereits den vierten Sieger. Natürlich hofften die Fans in Enna, dass es ein Italiener werden würde. Tatsächlich war Vincenzo Sospiri nah dran. Der Vortex-Pilot, der 1996 F1-Tester bei Benetton war und 1997 für Lola fahren sollte, wäre das Auto gescheit gelaufen, wurde Zweiter und wurde nur von David Coulthard geschlagen, der damit auch die Führung in der Tabelle übernahm. Die anderen Topstars blieben ohne Punkte, Enna war ein richtiges Chaosrennen, in dem viele Fahrer punkteten, die danach und davor keine Punkte einfuhren 1993. Das war auch eine gute Chance für die Italiener, zum Beispiel für Enrico Bertaggia, der auf Rang fünf ins Ziel fuhr. Bertaggia war 1988 bereits bei Coloni in der Formel-1, qualifizierte sich damals aber ebenso wenig für einen Grand Prix, wie 1992 im hoffnungslos überforderten Andrea-Moda-Team. Deshalb versuchte Bertaggia 1993 wieder den Weg über die zweite Liga – so wie 2011 ja auch Grosjean, der 2009 bereits mehr als eine Hand voll Rennen für Renault in der Formel-1 absolvierte. Bei Bertaggia gab es kein Weg zurück, bei Grosjean ist es ebenfalls noch ungewiss, sehr wohl aber wahrscheinlicher. Nach Enna sah es in der Tabelle so aus: Coulthard (21), Lamy (15), Beretta (12), De Ferran (9), Stewart (8).

In Hockenheim drehte Pedro Lamy den Spieß um: Statt ihm ging dieses Mal Coulthard leer aus, während Lamy ordentlich Punkte machte. Er wurde Zweiter. Gewonnen aber hat Olivier Panis – und damit ein fünfter Fahrer im fünften Rennen. Panis war es auch, der danach beim zweiten Deutschland-Rennen der kleinen Deutschland-Tour am Nürburgring als Erstes den zweiten Saisonsieg feiern konnte. Für den Deutschen Michael Bartels, dem einzigen Landsmann im Feld, lief dagegen wie so üblich nichts zusammen. Er wurde auch vorzeitig aus dem Team entlassen, obschon er immerhin im Pacific-Team fuhr, für das auch der Spitzenreiter Coulthard unterwegs war. Der Schotte führte aber nach Hockenheim nicht mehr alleine: Coulthard, Lamy (je 21), Beretta (15), Panis (14), Sospiri (11). Panis gewann dann wie bereits erwähnt auch das Rennen am Nürburgring, vor dem wieder aufgewachsen Gil de Ferran und dem Italiener Alessandro Zampedri. Der Nordic-Fahrer fuhr sein bestes Resultat in dieser Serie für immer ein. Später ging er in die IndyCar-Serie, hatte beim Indy 500 1996 aber einen schweren Unfall, als er in hohen Bogen in den Zaun flog. Lamy übernahm mit Rang vier die Tabellenspitze: Lamy (24), Panis (23), Coulthard (21), Beretta (17), De Ferran (15).

Alle guten Dinge sind drei – dieses Motto nahm sich Panis wohl in Spa zu Herzen. Er gewann jedenfalls in Belgien zum dritten Mal in Folge. In einer so hart umkämpften Saison wie die 1993 war das freilich ungewöhnlich, aber Panis hatte jetzt seinen Lauf. Ungewöhnlich war auch, dass in Spa alle sechs Punkteränge an Fahrern auf den ersten sieben Plätzen in der Gesamtwertung verteilt wurden. Hinter Panis kamen so de Ferran und Coulthard ins Ziel, es folgte der spätere Lotus- und Minardi-F1-Pilot Pedro Lamy, der in der Gesamtwertung die Führungsposition räumen musste: Panis (32), Lamy (27), Coulthard (25), De Ferran (21), Beretta (17).

Panis also erstmals Spitzenreiter – und nun standen nur noch zwei französische Rennen auf dem Programm. Den Anfang machte Magny Cours. Tatsächlich erklomm wieder die französische Nationalhymne für den siegreichen Fahrer. Die Fans konnten sogar einen französischen Doppelsieg bejubeln. Panis aber blieb ohne Punkte. Gewonnen hatte vielmehr sein Teamkollege Franck Lagorce, vor Jean-Christoph Boullion, der einen Reynard Ford für das Apomatox-Team gefahren ist. Beide stimmten sich mit diesem Erfolg, und mit dem Rennen auf das Saisonfinale, für eine erfolgreiche Saison 1994 ein. Mit dem Wettstreit um den Titel für 1993 hatten sie aber nichts mehr am Hut. Dem kam Pedro Lamy wieder ein bisschen näher, wurde nämlich Vierter – und verhinderte damit auch ein komplett französisch besetztes Treppchen. Denn Lamys Teamkollege Nicolas Leboisettier fuhr gleich in seinem ersten Rennen auf Rang vier! Ein viel versprechender Einstand, aber zu mehr brachte er es in seiner Karriere nicht mehr. Heute hilft er jungen französischen Kartfahrern. Die Tabelle vor dem Saisonfinale: Panis (32), Lamy (31), Coulthard (25), De Ferran (21), Beretta (17).

Zum Saisonfinale in Nogaro gab es dann tatsächlich auch einen Dreifacherfolg für die Franzosen! Olivier Beretta gilt als Monegasse als halber Franzose. Und auf Rang fünf fuhr sich mit Yvan Muller, dem heutigen Chevrolet-Ass in der Tourenwagenweltmeisterschaft, ein weiterer Franzose! Nicht unter den ersten sechs: Olivier Panis. Weil aber auch Lamy punktlos blieb, wurde Panis tatsächlich Meister! Wieder gewann das Rennen aber Lagorce, wieder vor Boullion. Dritter wurde Emmanuel Collard, der auch seine ersten Punkte in jener Saison machte. Collard profitierte vom späten Aufschwung des Apomatox-Teams. Er fuhr bereits die dritte Saison in der Formel-3000 und für Apomatox. Darüber hinaus war er seit zwei Jahren F1-Testfahrer bei Ligier, wurde selbiger auch bei Benetton und Arrows. Ein Stammcockpit ergab sich für ihn nie. Heute fährt er im beliebten Team des Ex-F1-Fahrers Henri Pescarolo beim 24-Stundenrennen von Le Mans mit. Der Endstand 1993: Panis (32), Lamy (31), Coulthard (25), De Ferran, Lagorce (je 21).

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