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Serie: GP2 - Französische Meisterjahre: 5. Erik Comas 1990

Geschrieben von: Michael Zeitler.

Serie: GP2 - Französische Meisterjahre: 5. Erik Comas 1990

von Michael Zeitler

Erik Comas hatte ein spezielles Verhältnis zu Ayrton Senna. 1990 wurde er F3000-Meister.

 

| Monza (!NS!DE-RAC!NG) - Erik Comas wurde also 1990 als Franzose Meister der zweiten Liga. Auch er fuhr für das DAMS-Team. Damals war die Frage aber nicht nur, für welches Team man unterwegs war, sondern auch mit welchen Rennwagen. Lola und Reynard bauten Chassis, mit Leyton House gab es aber einen Rennstall, der sogar komplett eigene Chassis baute. Das Team war aber auch ein Ableger eines F1-Rennstalls und durch Gelder aus Japan konnte man sich diesen Luxus leisten. Ein Leyton-House-Bolide wurde aber nicht vom eigenen Team eingesetzt, sondern an das italienische Crypton-Team verkauft und vom späteren Minardi-F1-Fahrer Fabrizio Barbazza gefahren. Mit Ford Cosworth und Mugen Honda gab es überdies zwei Motorenhersteller.

Auch das Fahrerfeld war 1990 prominent besetzt. Im Team von Eddie Jordan, der für 1991 längst ein F1-Team aufbaute, fuhren die späteren F1-Vizemeister Eddie Irvine und Heinz-Harald Frentzen; für Leyton House griff Paul Warwick ans Steuer. Der Brite war der Bruder von F1-Fahrer Paul Warwick – und galt noch als weitaus größeres Talent. Viele sahen in ihm bereits einen kommenden F1-Weltmeister. Warwick verunglückte aber tödlich, bevor er auch nur einen Grand Prix bestreiten konnte. Er kam 1990 auch erst ab dem Rennen in Brands Hatch, als Ersatz für Andrew Gilbert-Scott; das Middlebridge-Team, das ebenfalls mit der Formel-1 liebäugelte, trat mit einer ganz berühmten Paarung auf: Gary Brabham, der Sohn des dreimaligen F1-Weltmeisters Jack Brabham, sowie Damon Hill, der Sohn des ehemaligen F1-Champions Graham Hill – und Damon wurde später als bisher einziger Weltmeistersohn auch selbst F1-Weltmeister; und dann waren im Feld freilich auch jede Menge Fahrer, die später eine Chance in der Formel-1 erhalten haben.

Die Zutaten für eine packende Saison waren also beisammen, als der F3000-Tross in Donington die Saison eröffnete. Es dauerte nicht lange, dann mussten die Teilnehmer erst einmal trauern: Allan McNish, 2002 für Toyota in der Formel-1 unterwegs und seit Jahren ein Fahrer des Audi-Erfolgs-Fahreraufgebot für den 24-Stundenklassiker in Le Mans, fuhr mit seinem Lola Mugen Honda des DAMS-Teams auf den von Jordan eingesetzten und von Emmanuele Naspetti gefahrenen Reynard Mugen Honda auf und flog über den Zaun. Dabei lösten sich viele Teile vom McNish-Wagen, unter anderem der Motor. Der traf den Zuschauer Ray Plummer und zog ihm tödliche Verletzungen zu.

Das Rennen wurde nicht abgebrochen und so gewann ausgerechnet Erik Comas, der spätere Meister, vor allem aber Teamkollege von Allan McNish. Er legte hier den Grundstein zum Titelgewinn, aber das interessierte an jenem Tag keinen – und das konnte zu diesem Zeitpunkt auch keiner erahnen. Eine Randnotiz waren auch die restlichen Podiumsplatzierungen: Der Schweizer Andrea Chiesa fuhr auf Rang zwei. Auch sein Paul-Stewart-Team setzte auf einen Lola Mugen Honda. Chiesa, der 1992 für Fondmetal in der Formel-1 unterwegs war, fuhr seine dritte F3000-Saison und gewann 1989 für das Roni-Team auch ein Rennen. Zum Auftakt Rang zwei war viel versprechend, aber es war eine Position, die Chiesa im Laufe des Jahres nur noch einmal wiederholen und nicht mehr übertreffen konnte. Dritter wurde Chiesas Teamkollege John Jones aus Kanada. Er kam aus der IndyCar, der höchsten US-amerikanischen Formel-Rennserie. Nun wollte er aber von der amerikanischen Formel-1 in die richtige Formel-1. Sein Vorhaben scheiterte.

Allan McNish war nach seinem spektakulären und fatalen Unfall drei Tage im Krankenhaus, wurde danach aber entlassen und fuhr schon beim zweiten Saisonrennen in Silverstone wieder mit. Und er siegte sogar! Der Triumph fiel ihn aber in den Schoß: Eigentlich war es Damon Hill, der das Rennen angeführt hat, dann aber wegen eines Motorschadens aus der Hand geben musste. Hill war der Pechvogel der Saison: Auch in Hockenheim schied er später in der Saison in Führung liegend aus, dieses Mal aber durch einen Dreher. Nach dem Ausfall von Hill in Silverstone war der Weg frei für McNish, der vor seinem Teamkollegen Comas gewann. Beide führten die Tabelle nun auch an, Comas hatte ja bereits Donington für sich entscheiden können. Und er wurde damit zum Titelfavoriten: Bereits 1989 war Comas für DAMS unterwegs und gewann am Ende der Saison zwei Rennen. Dann debütierte auch McNish, der 1989 immerhin noch ein Einstandsrennen für Pacific gab, bevor er 1990 seine erste volle F3000-Saison bestritt. Comas kam 1991 bei Ligier auch in die Formel-1, fuhr bis 1994 insgesamt 59 Grand Prix für die beiden französischen Teams Ligier und Larrousse. Als er in Belgien 1993 einen schweren Crash hatte, eilte Ayrton Senna zum Wrack von Comas. Anders herum war es Comas, der seinen Larrousse Ford in Imola 1994 noch eine Runde fuhr, als das Rennen wegen des (tödlichen Unfalls) von Ayrton Senna unterbrochen wurde. Wollte er sich revanchieren? Es wurde jedenfalls seine letzte F1-Saison.

Dritter in Silverstone 1993 wurde Marco Apicella, der Einmal-GP-Teilnehmer. Beim Italien GP 1993 fuhr er 800 Meter, bis sein Jordan Hart den Geist aufgab – es war die kürzeste F1-Karriere in der Geschichte! Gar nichts kurz, sondern eher lang war dagegen sein Aufenthalt in der Formel-3000: Die Saison 1990 war bereits seine dritte im First-Team des ehemaligen GP-Piloten Lamberto Leoni. Und 1987 fuhr er seine erste Saison für EuroVenturini. Leoni wollte Apicella in Belgien 1999 auch wieder zurück ins Team holen, aber der Italiener scheiterte damals an der Qualifikation. Apicella hat in seiner Vita nun aber zumindest einen Grand Prix notiert, das First-Team nicht. Ein F1-Projekt 1989 wurde an die Macher des späteren F1-Teams Life verkauft. Lange blieb Life nicht am Leben – dieses Wortspiel bot sich einfach an: Der eigens entwickelte Motor war abgrundtief schlecht, das Chassis 1:1 jenes, das noch von First entwickelt wurde. First blieb weiter in der zweiten Liga und setzte anders als DAMS einen Reynard-Boliden ein, allerdings auch mit Mugen-Honda-Power. Nach zwei Rennen war Apicella unter den Top-5: Comas (15), McNish (9), Chiesa (6), Jones, Apicella (je 4).

Mit Eric van de Poele meldete sich mit dem Sieg in Pau ein weiterer Titelspirant zu Wort. Der Belgier fuhr einen Reynard Ford Cosworth für das GA-Team. In der Formel-1 wurde Van de Poele zu einer tragischen Figur. Zu oft war er in Projekten involviert, die nie verwirklicht wurden, oder aber er saß in F1-Autos, die nicht einmal gut für eine Qualifikation waren. Und so war er 1991 und 1992 insgesamt bei 29 WM-Rennen gemeldet, fuhr aber nur bei deren fünf – und das noch in drei verschiedenen Teams: Lamborghini, Brabham und Fondmetal. Die Saison 1990 war seine zweite F3000-Saison, auch seine zweite mit dem GA-Team. 1989 wurde er Gesamt-5. und so war er für 1990 durchaus ein ernst zu nehmender Gegner, wie er mit dem Pau-Sieg auch unterstrich. Dahinter stiegen Fahrer mit auf das Treppchen, die im Titelkampf keine Rolle spielten: Fabrizio Giovanardi (First) und Gianni Morbidelli (Forti). Die Tabelle: Comas (15), Van de Poele (12), McNish (10), Jones (7), Chiesa, Giovanardi (je 6).

Mit einem Sieg in Jerez verschaffte sich Comas Luft ganz vorne. Van de Poele und McNish blieben ohne Zähler, also hatte Comas mit 24 Punkten doppelt so viel wie sein ärgster Verfolger – und konnte damit zumindest beim nächsten Lauf in Monza nicht von der Tabellenspitze gestürzt werden. Apicella fuhr auf Rang zwei, vor Andrea Montermini, der im Madgwick-Team fuhr, das später den Ex-F1-Weltmeister Nigel Mansell als Teilhaber bekam. Der spätere F1-Fahrer Montermini fuhr einen Reynard Mugen Honda. Mit einem solchen war Comas Leader: Comas (24), Van de Poele (12), McNish, Apicella (je 10), Chiesa (8).

Comas wollte sich mit dem Sieg in Spanien nicht nur Luft verschaffen, sondern seinem Titel entgegeneilen. Denn in Monza gewann er wieder, zum dritten Mal in der laufenden Saison, zum zweiten Mal in Folge. Dieses Mal verwies er auf die Plätze zwei und drei: Eddie Jordan kam immer besser in Fahrt und fuhr mit seinem von Jordan eingesetzten Wagen auf Rang zwei. Irvine zählte damals zu einem Fahrer, der ein richtiger Draufgänger war. Irvine war ein Playboy, ein James Hunt der Moderne. Aber er war auch ein Fahrer, gegen den sich seine Kollegen auflehnten: Zu gefährliche Fahrweise, zu viele Harakiri-Manöver. Besonders mit Ayrton Senna krachte Irvine nicht nur auf der Strecke mal zusammen als er 1993 in die Formel-1 kam. Dritter wurde Gary Brabham für Middlebridge. Die Gesamtwertung: Comas (33), Van de Poele, Apicella (je 12), McNish (11), Chiesa (8).

Ein Italiener siegte dann in Enna, dem zweiten Italien-Rennen in Folge. Gianni Morbidelli, der für das spätere F1-Team Forti unterwegs war. Er war der aktuelle Meister der italienischen Formel-3 – auch dort fuhr er für Forti – und galt so als großes Talent. Ferrari ließ ihn den F1-Renner testen, für die Scuderia Italia fuhr er 1990 sogar als Ersatz für Emmanuele Pirro zwei WM-Rennen, bevor er sich voll und ganz auf die Formel-3000 konzentrierte. Dort blieb sein Sieg in Enna eine Eintagsfliege. Als Ferrari sich 1991 von Alain Prost trennte, fuhr Morbidelli das Saisonfinale und holte sich einen halben WM-Punkt. Das Highlight war der dritte Platz beim Chaos-GP in Australien 1995 im Footwork Hart. 1997 fuhr er für Sauber die letzten seiner 67 WM-Rennen, für 1999 war er zwar noch einmal bei Minardi im Gespräch, aber letztlich blieb seine Karriere in der Formel-1 unvollendet. Das Podest in Enna 1990 vollendeten währenddessen McNish als Zweiter, der damit auch Rang zwei in der Tabelle übernahm, sowie erneut Brabham als Dritter. Erwähnenswert aus deutscher Sicht: Heinz-Harald Frentzen, der für Jordan fuhr – der heutigen Force-India-Mannschaft – fuhr als Fünfter in die Punkte. Apropos Punkte: Ohne solche blieb Comas, der aber die Tabellenspitze weiterhin souverän innehatte: Comas (33), McNish (17), Morbidelli (16), Van de Poele, Apicella (je 12).

Trotz seiner ersten Punkte stand Frentzen klar im Schatten seines Teamkollegen Irvine. Ausgerechnet bei Frentzens Heimspiel in Hockenheim wurde das deutlich: Wieder fuhr Frentzen als Sechster auf einen Punkteplatz, aber gefeiert wurde bei Jordan nicht deswegen, sondern wegen des Siegs von Irvine! Irvine war allerdings auch schon in seiner zweiten Saison, wurde 1989 mit Pacific Gesant-9. Nun übernahm er mit dem Sieg Rang zwei in der Tabelle, hinter Comas, der als Vierter sich immerhin drei Punkte zuschreiben lassen konnte. Zweiter wurde Apicella, vor Jean-Marc Gounon aus dem Madgwick-Team. Die Top-5: Comas (36), Irvine (19), Apicella (18), McNish (17), Morbidelli (16).

Ausgerechnet beim nächsten Lauf im britischen Brands Hatch war das Podest mit lauter Briten besetzt: Allan McNish aus Schottland gewann und holte sich somit Rang zwei in der Tabelle zurück. Comas blieb punktlos, sein Vorsprung schmolz auf zehn Punkte. Damit war klar: Selbst im Falle, dass McNish auch das zweite britische Rennen in Birmingham gewinnen sollte, konnte er die Tabellenführung seinem Teamkollege nicht streitig machen – aber er wäre dann, wenn Comas wieder ohne Punkte blieb, bis auf einen Zähler herangekommen. Aber das war Zukunftsmusik. In Brands Hatch Zweiter wurde Damon Hill aus England. Seine Pechsträhne riss endlich. Die drei Rennen vor Brands Hatch startete er jeweils von der Pole Position, konnte aber keinen Punkt daraus schöpfen. Dritter wurde Irvine aus Irland, der damit auch noch Außenseiterchancen auf den Titel hatte: Comas (36), McNish (26), Irvine (23), Apicella (18), Morbidelli (16).

Die Rechnung aus Brands Hatch wurde in Birmingham ihrer Richtigkeit unterzogen. Comas blieb tatsächlich ohne Punkte – McNish aber auch. Und selbst Irvine blieb ohne Zähler! Gewonnen hat das Rennen Van de Poele, der damit auf Rang vier in der Tabelle nach vorne kam und rechnerisch noch Chancen auf den Titelgewinn hatte. Chiesa wurde Zweiter, vor Didier Artzet, der für Apomatox unterwegs war. Für den Franzosen war dies das Highlight seiner Karriere: Schon 1988 und 1989 fuhr er insgesamt vier Rennen für Racetech, 1990 dann deren sieben für Apomatox. Danach fuhr er keine Profirennen mehr, heute handelt er mit Karts. Die Tabelle: Comas (36), McNish (26), Irvine (23), Van de Poele (21), Apicella (18).

Nun standen eigentlich noch drei Rennen in Frankreich an. Der Kalender wurde aber gekürzt: Weil die Meisterschaft schon entschieden war, wurde der Lauf in Dijon gestrichen. Das zehnte Saisonrennen wurde in Le Mans ausgetragen. Das Rennen gewann Comas. Weil Irvine Dritter wurde, hielt sich der Jordan-Pilot noch eine winzige Titelchance offen. Dafür musste er aber beide Rennen gewinnen und Comas jeweils ausfallen. Denn es stand 45:27. Es war aber van der Poele der das Rennen in Nogaro gewann, Comas sicherte sich als Zweiter den Titel und Morbidelli war als Dritter bei der Meisterschaftsfeier auf dem Podest dabei. Der Endstand: Comas (50), Van de Poele (30), Irvine (27), McNish (26), Morbidelli, Apicella (je 20).

Noch eine Bemerkung aus deutscher Sicht: In Nogaro wurde Michael Bartels Sechster und holte sich damit einen Punkt, neben Frentzen war er also der zweite Deutsche, der in der F3000-Saison 1990 punkten konnte. Unterwegs war er in einem Reynard Mugen Honda des CoBRa-Teams. Das Team hieß ursprünglich Colin-Bennett Racing und war lange auch in der Formel-1 aktiv, allerdings nur außerhalb der Weltmeisterschaft. Es waren noch zwei weitere Deutsche am Start: Otto Rensing und die spätere Rallye-Dakar-Teilnehmerin Ellen Lohr, die sogar für das Team des heutigen Red-Bull-Beraters Dr. Helmut Marko fuhr.

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