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Serie: GP2 - Französische Meisterjahre: 6. Jean Alesi 1989

Geschrieben von: Michael Zeitler.

Serie: GP2 - Französische Meisterjahre: 6. Jean Alesi 1989

von Michael Zeitler

Als Jean Alesi seinen Titelgewinn perfekt machte, schlug er in der Formel-1 längst ein wie eine Bombe.

 

| Monza (!NS!DE-RAC!NG) - Erik Comas wurde also 1990 Meister. Dabei kämpfte er schon 1989 um den Titel, wurde aber am Ende geschlagen Vizemeister. Sein damaliger DAMS-Teamkollegen Eric Bernard wurde Gesamt-3. Geschlagen wurde Comas ebenfalls von einem Franzosen: Jean Alesi. Er fuhr für das Jordan-Team, genauso wie Martin Donnelly. Donnelly fuhr 1990 für Lotus in der Formel-1 und hatte in Jerez einen fürchterlichen Crash, wobei er auf die Strecke geschleudert wurde und sich komplizierteste Knochenbrüche zugezogen hat. Seine aktive F1-Karriere war damit beendet, aber er blieb im Motorsport erhalten. Bis vor wenigen Jahren war er in das Comtec-Team involviert, das derzeit in der Formel-World-Series-by-Renault an den Start geht, einer Rennserie, die nur knapp unterhalb der GP2, als der damaligen Formel-3000 anzusiedeln ist. Und Donnelly pflegte auch seine Freundschaften weiter, etwa jene mit Alesi, die aus der gemeinsamen F3000-Saison 1989 entsprang. So schlug Donnelly der Lotus-Gruppe Alesi als Botschafter vor. Prompt arbeitet der Franzose seit 2010 für die Lotus-Gruppe an verschiedenen Motorsportprojekten und ist so immer wieder auch Gast im F1-Team von Renault, deren Rennstall von der Lotus-Gruppe unterstützt wird.

Alesi gab noch 1989 sein Debüt in der Formel-1, während die Formel-3000 noch voll im Gange war. Anders als heute die GP2 fuhr die Vorgängerserie zumindest Ende der 80er Jahre nicht im Rahmenprogramm der Königsklasse. Daher waren solche Einsätze durchaus möglich. Alesi debütierte bei seinem Heimrennen in Frankreich und steuerte seinen Tyrrell Ford prompt auf den vierten Platz! Damit war Alesi natürlich in aller Munde, aber bei jenem Grand Prix debütierten noch zwei weitere F3000-Fahrer: Eric Bernard wurde im Larrousse Lamborghini Elfter, einen Platz hinter Martin Donnelly im Arrows Ford. Donnelly wurde in der F3000-Gesamtwertung 1989 übrigens Achter, hätte aber auch mehr erreichen können. In Vallelunga hat er eigentlich gewonnen, doch dann wurde er disqualifiziert: Sein Jordan-Team hatte die Nase des Reynard-Chassis überarbeitet, sich allerdings nicht dem Crashtest unterzogen.

Die Teams durften anders als heute noch selbst an den Chassis arbeiten. Das Reglement erlaubte den Teams sogar die Entwicklung eigener Chassis. Davon sahen die meisten jedoch ab, denn mit Reynard, Lola und March gab es hervorragende Chassishersteller. Nur das Footwork-Team ging seinen eigenen Weg und ließ eigene Chassis von Mooncraft entwickeln. Mooncraft war ein japanischer Hersteller von Takuya Yura, der auch einen eigenen Rennstall in der japanischen Formel-3000 hatte und sich Footwork als Geldgeber geangelt hat. Footwork drängte aber auf den europäischen Markt – mit der Formel-1 im Auge. Tatsächlich wurde Footwork erst Sponsor, dann Teilhaber des Arrows-Teams in der Formel-1. Die Mooncraft-Chassis wurden in der Formel-3000 1989 von Damon Hill und Ukyo Katayama bewegt, beide später in der Formel-1 aktiv, aber mit unterschiedlichem Erfolg: Damon Hill wurde 1996 Weltmeister, Katayama galt als langjähriger Tyrrell-Protege als Symbol der japanischen Harakiri-Fahrweise. Auch Motorenhersteller gab es mehrere: Mugen Honda, Ford Cosworth und Judd.

Die Kombination aus einem Reynard-Chassis und einem Ford-Cosworth-Motor war beim Auftakt in Silverstone die beste. Betreut wurde der Rennwagen von Madgwick, dem britischen Rennstall von Robert Synge, das später mit Nigel Mansell einen prominenten Teilhaber bekam. Gefahren wurde der Rennwagen von Thomas Danielsson, einem Schweden. Es war sein einziger Sieg in dieser Serie, aber es war auch sein erstes Rennen in dieser Serie! Doch er konnte nicht mehr viel nachheizen und so bekam er nie eine Chance in der Formel-1. Auch der zweitplatzierte Philippe Favre aus der Schweiz war eine Eintagsfliege. Auch für ihn war es das erste Rennen, auch er konnte nichts mehr nachlegen und versuchte sein Glück in Japan, der amerikanischen Indy-Lights und später bei Sportwagen. Er fuhr einen Lola Ford Cosworth für GA. Dritter wurde ein weit bekannterer Name: Mark Blundell. Auch in der Formel-3000 war er bekannt: Es war bereits seine dritte Saison und 1988 war er für das Lola-Werksteam durchaus erfolgreich unterwegs und stieg mehrmals auf das Podium. Nun fuhr er aber keinen Lola mehr, sondern einen Reynard Ford Cosworth für das Middlebridge-Team. Der spätere Meister Alesi kam auf Rang vier ins Ziel.

In Vallelunga blieb Alesi sogar punktlos, auch wenn sein Jordan-Team bereits zeigte, dass mit ihm zu rechnen ist. Doch der Sieg von Alesis Teamkollege Donnelly wurde – wie bereits erwähnt – aberkannt. Profiteur war der Italiener Fabrizio Giovanardi aus dem First-Team von Lamberto Leoni, das 1989 auch ein F1-Projekt aufbaute, das aber 1990 unter dem Namen Life ein blamables Debüt feierte. Giovanardi fuhr den Sieg übrigens in seinem erst zweiten F3000-Rennen heraus – und am Steuer eines March Judd. Bereits beim nächsten Rennen wechselte er trotz des Erfolges auf ein Reynard-Chassis. Weitere Punkte konnte der Italiener, der inzwischen Tourenwagen fährt, nicht mehr erzielen. Wieso also der Wechsel von March auf Reynard ausgerechnet nach einem Sieg? Die Antwort ist im F1-Projekt von First zu finden. Zwischen First und March entstanden Unstimmigkeiten, weil der F1-Rennwagen von First dem F3000-Chassis von March sehr ähnlich sah und March daher eine Verletzung des Urheberrechts befürchtete.

Zweiter wurde wieder ein Schweizer, dieses Mal aber Andrea Chiesa, der einen Reynard Ford Cosworth für Roni fuhr und anders als Favre nachlegen konnte – noch im Laufe der Saison. Anders als Favre bekam Chiesa auch eine Chance in der Formel-1, wenn auch nur für drei Rennen bei Fondmetal 1992. Chiesa war im Gegensatz zu Danielsson, Giovanardi oder anderen auch nicht neu in der zweiten Liga, sondern fuhr 1988 bereits für CoBRa, einem ehemaligen F1-Rennstall – wenn auch nur bei Rennen außerhalb der WM, vorzugsweise in der britischen F1-Meisterschaft, die mit alten F1-Rennwagen ausgetragen wurde. Dritter wurde Eric van de Poele, der für GA einen Lola Ford Cosworth fuhr – damit waren mit March, Reynard und Lola alle drei Chassishersteller am Podest vertreten. Van de Poele übrigens fuhr seine erste F3000-Saison. In der Tabelle sah es nach zwei Rennen so aus: Danielsson, Giovanardi (je 9), Favre, Chiesa (je 6), Van de Poele, Comas (je 5).

Jean Alesi konnte sich keinen besseren Platz aussuchen, an dem er seinen ersten Saisonsieg feierte: Vor heimischen Publikum auf dem anspruchsvollen Straßenkurs in Pau. Alesi war, wie bereits erwähnt, im Team von Eddie Jordan unterwegs und steuerte einen Reynard Mugen Honda. Diese Kombination war also 1989 am erfolgreichsten, weil Alesi Meister wurde. Nach seinem Sieg in Pau war Alesi nicht zwingend für jeden der Favorit. Schon 1988 war er in seiner ersten F3000-Saison in Pau sehr stark, wurde in einem Reynard Ford Cosworth des Oreca-Teams – heute bei den Sportwagen eine bekannte Größe – Zweiter. Es war das einzige vorzeigbare Ergebnis des Jahres für ihn. Und auch 1989 schien es erst, als wäre Pau wieder ein Ausnahmeerfolg geblieben, denn in den nächsten zwei Rennen konnte er insgesamt nur zwei Punkte an Land ziehen. Alesi, der einmalige GP-Sieger, der so viel mehr hätte leisten können, wäre er nur 1991 zu Williams statt zu Ferrari gegangen. Jetzt aber fuhr er erstmal bei Jordan, wo er 2001 seine F1-Karriere auch beendete. Hinter Alesi wurde Marco Apicella Zweiter. Er fuhr wie Giovanardi für das First-Team. Dritter wurde Danielsson, der damit die Gesamtführung behauptete: Danielsson (13), Alesi (12), Giovanardi (9), Favre, Chiesa, Apicella (je 6).

Vierter Sieger im vierten Rennen (und damit war noch lange kein Ende in Sicht!): In Jerez stieg Eric Bernard auf die höchste Stufe des Treppchens. Erik Comas rundete einen DAMS-Doppelsieg ab. Das französische Team, das von Jean-Paul Driot und dem ehemaligen F1-Piloten René Arnoux, selbst 1977 Meister der zweiten Liga, gegründet worden ist, setzte auf Lola-Mugen-Honda-Fahrzeuge. Für Bernard war der Sieg gleichzeitig auch der erste Platz in den Top-6 und damit in den Punkten während der Saison 1989. 1988 fuhr er schon für Ralt und Bromley in die Punkte. Comas sammelte schon zuvor ein paar Punkte. Heute kümmert sich Bernard um junge Nachwuchsfahrer, nachdem er 2002 seinen Helm an den Nagel gehängt hat. 45 Grand Prix Rennen fuhr er zwischen 1989 und 1994 für Larrousse, Ligier und Lotus, aber ein schwerer Unfall mit Beinbruch zwang ihn von 1991 bis 1994 zu einer Pause. Ursprünglich war geplant, dass Bernard 1995 wieder zum Larrousse-Team zurückkehren würde, aber das Team musste zusperren – auch weil ein Verkauf an das DAMS-Team, für das Bernard 1989 Formel-3000 fuhr, scheiterte. Dafür fuhr Bernard unter anderem für DAMS im Anschluss Sportwagen. Auf Rang drei in Jerez kam übrigens Marco Apicella. Mit diesem Ergebnis schob sich die Spitze noch weiter zusammen, noch wollte sich kein echter Titelfavorit herauskristallisieren, denn Alesi übernahm mit Rang fünf die Tabellenführung! Alesi (14), Danielsson (13), Comas (11), Apicella (10), Giovanardi, Bernard (je 9).

Das Rennen in Enna wurde zur Staubschlacht. Die Strecke war sandig, das belastete Mensch und Material. Nur fünf Fahrer sahen die schwarz-weiß-karierte Zielflagge. Und so überrascht es nicht, dass es im fünften Saisonrennen den fünften Sieger gab. Dieses Mal gewann Andrea Chiesa. Er scheint sich in Italien besonders wohl zu fühlen: Schon in Vallelunga wurde er ja Zweiter, nun der Sieg – und damit auch die Tabellenführung. Für Chiesa blieb es auch der einzige Sieg in der Formel-3000, obwohl er noch bis 1991 darin aktiv war. 1992 stieg er dann zu Fondmetal in die Formel-1 auf, konnte sich bei zehn Versuchen aber nur drei Mal qualifizieren. In der amerikanischen Ausgabe der Formel-1 fuhr er 1993 ein Rennen, dann fand er nur noch bei Sportwagen einen Platz. Claudio Langes, für Forti unterwegs, überraschte ebenso mit Rang zwei, Dritter wurde Eddie Irvine, der für Pacific unterwegs war. Die Top-5 hießen nun: Chiesa (15), Alesi (14), Danielsson, Apicella (je 13), Comas (11).

Sechstes Saisonrennen, ein sechster Sieger musste her. Dieses Mal wurde er in Martin Donnelly gewonnen. Der Brite fühlte sich ja schon in Vallelunga als der Sieger, wurde dann aber disqualifiziert. Nun durfte er seinen Sieg behalten. Ed war der perfekte Tag für Jordan, denn Alesi komplettierte den Doppelsieg und holte sich so wieder die Führung in der Meisterschaft zurück. Dritter wurde Comas. Die Tabelle: Alesi (20), Chiesa, Comas (je 15), Danielsson, Apicella (je 13).

In Birmingham riss dann die Serie, erstmals konnte ein Fahrer ein zweites Rennen in dieser Saison gewinnen. Es war ausgerechnet der Tabellenführer Alesi. Und so baute er seinen Vorsprung in der Gesamtwertung aus. Auf Rang zwei, im Rennen und in der Meisterschaft: Apicella. Donnelly fuhr als Dritter auf das Podest. Die Gesamtwertung: Alesi (29), Apicella (19), Chiesa, Bernard, Comas (je 15). In Spa wiederholte Alesi den Erfolg. Dieses Mal vor Comas und Apicella, die sich auf die Verfolgung von Alesi machten und zwei Rennen vor Ende noch als letzte Fahrer rechnerische Chancen auf den Titel hatten: Alesi (38), Apicella (23), Comas (21), Chiesa, Bernard (15).

Alesi machte dann schon in Le Mans beim vorletzten Rennen die Meisterschaft perfekt. Dazu reichte ihm ein Sechster Platz. Comas siegte zwar und lag damit in der Gesamtwertung nur noch neun Punkte hinter ihm; mit einem Sieg konnte er also gleichziehen. Aber in diesem Fall würden die Anzahl der Siege die Meisterschaft entscheiden und da lag Alesi vorne. So blieb Alesi dem letzten Rennen in Dijon fern um sich ganz seinem F1-Engagement mit Tyrrell zu widmen. Tatsächlich gewann Comas den Lauf in Dijon und zog nach Punkten noch mit Alesi gleich. Der Endstand hieß also: Alesi, Comas (je 39), Bernard (25), Apicella (23), Van de Poele (19).

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