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Serie: Formel 1 - Historie des Kanada GP: Teil 1

Geschrieben von: Michael Zeitler.

Serie: F1: Historie des Kanada GP (1)

von Michael Zeitler

 

Der Kanada GP soll 2009 nicht mehr stattfinden. Damit wird der Formel-1 ein GP-Krimi genommen.

 

Montréal (!NS!DE RAC!NG) - Auch wenn man sich in Kanada noch mit Händen und Füßen dagegen wehren wird: 2009 wird es aller Voraussicht nach keinen Kanada GP mehr geben. Der Grand Prix wurde Opfer des Egos von F1-Chef Bernie Ecclestone. Der kleine Brite wollte den großen Konzernen einmal mehr zeigen, dass er trotz seines bereits weit fortgeschrittenen Alters noch kräftig mit den Muskeln spielen kann. Der Hintergrund: Der Rennkalender wird von Jahr zu Jahr umfangreicher, 2009 hätte sogar die Sommerpause gestrichen werden sollen. Das lehnten die Teams ab, weil sonst die Mechaniker keine Pause hätten. Ecclestone schlug nun 2 Fliegen mit einer Klappe, denn mit der Streichung des Kanada GP macht er den Herstellern klar, dass man solche Bedenken besser nicht äußern solle, denn mit Kanada fällt das letzte Rennen in Nordamerika weg und Nordamerika ist und bleibt für die Hersteller nun mal einer der wichtigsten Märkte. Und zum anderen müssen die Organisatoren des Kanada GP schon lange weit weniger Geld zahlen, als beispielsweise die Ölscheichs in Bahrain oder 2009 in Abu Dhabi. Der Grand Prix steht deshalb nicht erst das erste Mal auf der Kippe, schon vor wenigen Jahren war im provisorischen Rennkalender kein Kanada GP enthalten.

Kanada – eines der spektakulärsten Rennen
Doch das Muskelspielen, sowie die Geldgier ging nun auf die Kosten eines einzigartigen Grand-Prix-Rennens. Fast jedes Jahr zählt der Kanada GP zu den spektakulärsten des Jahres, so auch 2008, als Robert Kubica im BMW Sauber seinen ersten Sieg einfuhr – gleichzeitig der erste Sieg für BMW Sauber. Die Historie dieses Grand Prix hat schon viele Geschichten geschrieben, etwa die Wall of Champions, den fliegenden Alexander Wurz, den legendären Gilles Villeneuve, oder den Rowdy Michael Schumacher.

Der Kanada GP war ursprünglich aber gar kein Formel-1 Rennen. Verwirrt? Der Begriff Grand Prix ist ein weiter Begriff im Motorsport. Ist vom GP-Sport die Rede, ist zwar die Formel-1 gemeint beziehungsweise die Formel-1 wie sie vor 1950 seit 1906 bestand, einzelne Rennen anderer Serien werden aber oft inoffiziell Grand Prix genannt – einfach um die Bedeutung des Rennens herauszuheben. Vor allem im Formel-Bereich wurde dies oft gemacht, etwa in der Formel-2 oder der Formel-Atlantik. Der Kanada GP wurde von 1961 bis 1965 von der kanadischen Sportwagenmeisterschaft ausgetragen, 1966 von der CanAm. Die CanAm-Rennwagen waren ebenfalls Sportwagen, allerdings diente als Basis ein Formel-Renner, etwa ein Formel-1, ein IndyCar oder ein Formel-5000. Erst ab 1967 war der Kanada GP auch wirklich ein F1-Rennen. Ab 1967 war der Grand Prix auch Teil der F1-Weltmeisterschaft.

Der erste Kanada GP: 1961
Wer war eigentlich der erste F1-Fahrer aus Kanada? Über diese Frage sind selbst Motorsporthistoriker nicht ganz sicher. Peter Ryan fuhr beim USA GP für J Wheeler Autosport einen Lotus Climax und wurde auch starker 9. Ryan fuhr zwar mit kanadischer Rennlizenz und war auch in Kanada verwurzelt (wuchs dort auch auf), doch genauso war Ryan US-Amerikaner, wurde sogar in Philadelphia geboren. Der nächste Kanadier war dann Peter Broeker beim USA GP 1963. Erstmals international in Erscheinung trat Ryan jedenfalls zuvor 1961 beim Kanada GP. Weil das Sportwagenrennen das Prädikat Grand Prix trug, kamen auch einige Stars des internationalen Motorsports nach Kanada. Dementsprechend viel Aufmerksamkeit war auch den nationalen Stars gewidmet, darunter war Peter Ryan. Als großer Favorit galt Stirling Moss. Die Rennlegende fuhr in einem Lotus Climax des UDT-Laystall Rennstalls. Doch Moss wurde niedergerungen, auch weil er technische Probleme mit dem Getriebe hatte: Pedro Rodriguez, der für North American Racing NART einen Ferrari fuhr, wurde vor ihm 2. – Den Sieg holte sich sensationell Peter Ryan, vor den großen Stars! Ryan fuhr für das Privatteam Comstock Racing einen Lotus Climax. Leider verstarb Ryan viel zu früh bei einem Motorsportunfall. Sonst hätte schon der Kanada GP 1961 Geschichte geschrieben – mit der Entdeckung Peter Ryans.

Auch die Starterfelder von 1962 bis 1965 waren mit Motorsportberühmtheiten bestückt. Der Unterschied: In den Jahren hielten sie gegenüber den Lokalmatadoren und den Serienstars auch die Oberhand: 1962 gewann Masten Gregory, 1963 und 1964 holte sich jeweils Pedro Rodriguez für NART Ferrari den Sieg. 1964 wurde der Triumph sogar von dem 2. Platz seines Teamkollegen Ludovico Scarfiotti abgerundet, 1963 wurde der mehrmalige F1-Weltmeister Graham Hill in einem Lotus Ford von Ian Walker Racing 2. 1965 siegte in Jim Hall einer der berühmtesten Konstrukteure der Motorsportgeschichte – freilich gleich in einem seiner Chaparral Chevrolet Boliden. Auch auf Platz 2 fuhr ein Mann mit einem eigenen Boliden ins Ziel: Bruce McLaren im McLaren M1B Oldsmobile. Das CanAm-Rennen gewann 1966 Mike Donohue in einem Lola Chevrolet, eingesetzt von Penske Racing.

Die Austragungsorte
Alle Kanada Grand Prix von 1961 bis 1966 fanden auf der Strecke im Mosport Park statt. Die heute 4 Kilometer lange Strecke in Bowmanville im kanadischen Bundesstaat Ontario war zudem Austragungsort der F1-Rennen Kanada GP 1967, ’69, ’71-’74, ’76 und ’76. In Mont-Tremblant fand 1968 und 1970 der Kanada GP statt. Die heute 4,26 Kilometer lange Strecke, auf der 2007 Robert Doornbos im Minardi einen ChampCar-Sieg herausfuhr, liegt in St. Jovite, wie Montréal im Bundesstaat Quebec. Seit 1978 fand der Kanada GP in Montréal statt, auf dem Circuit Île Notre-Dame, der seit dem Tod von Gilles Villeneuve 1982 Circuit Gilles Villeneuve heißt und zuletzt 4,361 Kilometer lang war. Was nicht viele wissen: Es gab auch noch 2 Pläne, in Kanada den GP als Stadtrennen über die Bühne laufen zu lassen. Montréal ist zwar ein halbes Stadtrennen, doch vor Jahren gab es den Plan, die F1-Boliden wirklich wie in Monaco oder Singapur durch die Stadt Montréal düsen zu lassen. Sogar von einer Durchfahrt durch das Olympiastadium war die Rede. Gleiche Pläne gab es schon 1968 für die Straßen von Toronto.

Der erste Kanada GP der Formel-1 fand 1967 aber in Mosport statt. Im Qualifying war Lotus mit den neuen Lotus Ford 49 und mit Jim Clark und Graham Hill am Steuer eine Klasse für sich. Beide holten sich vorne die ersten beiden Startplätze. Kein Wunder: Lotus versuchte neben der Formel-1 auch in Nordamerika Erfolg zu haben. Man konstruierte für das berühmte Indy 500 eigens einen eigenen Renner – mit Erfolg: 1966 wurde Hill mit Lotus nicht nur F1-Weltmeister, sondern gewann auch das Indy 500, eigentlich ein IndyCar-Rennen und kein F1-Lauf. Dass mit Lotus also in Kanada zu rechnen war, war von vornherein klar. Womit Lotus nicht wirklich zu Recht kam, war Regen. Blöderweise regnete es zu Beginn des Rennens und es dauerte nicht lange, bis die beiden Brabham-Piloten Dennis Hulme und Jack Brabham an die beiden Lotus vorbeigingen. Als es kurzzeitig trocken wurde, übernahm Clark zwar wieder die Führung, aber ein weiterer Schauer machte das Rennen für ihn schwierig. Er hielt dem Druck stand, doch ein Motorschaden zwang ihn zur Aufgabe. Hulme und Brabham tauschten noch die Plätze und so gewann Brabham das Rennen vor Hulme und Dan Gurney im Eagle Weslake.

1968 gab es beim Kanada GP einen schweren Unfall: Jacky Ickx crashte im Qualifying derart heftig, dass er sich ein Bein brach und für den Rest der Saison aussetzen mussten. Damit waren die WM-Hoffnungen des Belgiers dahin. Auf Pole Position fuhr Jochen Rindt im Brabham Repco vor Chris Amon im Ferrari. Das Rennen war geprägt von technischen Problemen. Amon führte jedenfalls von Start weg das Rennen souverän bis zur 73. von 90 Runden, als er mit einem Getriebeschaden ausfiel. Auch eine Reihe von anderen Fahrern hinter Amon fielen aus und so kamen Dennis Hulme und Bruce McLaren zu einem McLaren-Doppelsieg. Die 1969er Ausgabe des Kanada GP war spannend mit vielen Positionswechseln. Jochen Rindt führte das Rennen jedenfalls lange an, dahinter kämpften einige Fahrer um die Plätze. Jackie Stewart machte dabei Platz für Platz gut. Doch in der 33. Runde kollidierte er mit Al Pease und fiel aus. Pease ging als Lokalmatador mit einem Eagle Climax an den Start, genau wie schon die beiden Jahre zuvor – mit ein- und denselben Boliden. Eingesetzt wurde dieser von John Maryon, gurkte aber im Prinzip hoffnungslos hinterher. Nachdem Stewart jedenfalls draußen war, gewann Jacky Ickx vor seinem Brabham-Teamkollegen Jack Brabham.

Während die Rennen in Mosport immer ein Zuschauen wert sind, waren die Rennen in Mont-Tremblant eher langweilig. So auch 1970. Die F1-Szene reiste eh schlecht gelaunt nach Kanada – weil 3 Wochen zuvor Jochen Rindt tödlich verunglückt ist. Das Rennen ist schnell erzählt: Ferrari war dominierend, Jackie Stewart fahrerisch jedoch eine Klasse für sich. Mit seinem Tyrrell Ford holte er sich Pole Position und führte bis zu seinem Ausfall in Runde 33 wegen eines Achsschadens. Danach war für den Ferrari-Doppelsieg von Jacky Ickx und Clay Regazzoni der Weg frei. Auch 1971 ging dem Kanada GP ein tödliches Ereignis voraus – dieses Mal aber sogar nur wenige Stunden vor dem Rennen. Im Rahmenprogramm gastierte auch die Formel-Ford. In dem Rennen ereignete sich ein tödlicher Unfall, bei dem Wayne Kelly in seinem Titan Ford verstarb, noch an der Unfallsstelle. Der Unfall verzögerte natürlich den Start des F1-Rennens, der starke Regen brachte ebenfalls keinen Nutzen. Trotzdem entschieden die Verantwortlichen, dass der GP gestartet werden kann, allerdings mussten für Pole-Mann Jackie Stewart und Co nur 64 Runden zurückgelegt werden, statt deren 80. Im Regen gab es natürlich viel Schrott durch Unfälle, doch besonders 2 Fahrer fuhren souverän: Stewart gewann und Mark Donohue fuhr in seinem ersten F1-Rennen in einem Penske McLaren auf den 3. Platz.

1972 war der Kanada GP wieder das Zuschauen wert. Im Qualifying waren noch die beiden McLaren-Ford-Piloten Peter Revson und Dennis Hulme am Schnellsten. McLaren half vor allem die Erfahrung durch die CanAm auf dem Kurs in Mosport. Im Rennen, das wegen nähen Nebels am Morgen verschoben werden musste, waren die Vorteile des britisch-neuseeländisch-amerikanischen Teams aber plötzlich dahin. Schon am Start kam Ronnie Peterson im March Ford an die Spitze, vor Jackie Stewart im Tyrrell Ford. In Runde 4 machte Peterson einen Fahrfehler – Stewart holte sich die Führung und fuhr ab diesem Zeitpunkt einen ungefährdeten Sieg entgegen. Dahinter wurde aber quasi um jede Position gekämpft, Kollisionen mit eingeschlossen. Ausgenutzt haben das Revson und Hulme auf den Plätzen 2 und 3. MZ

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