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Serie: GP2 - Französische Meisterjahre: 7. René Arnoux

Geschrieben von: Michael Zeitler.

Serie: GP2 - Französische Meisterjahre: 7. René Arnoux 1977

von Michael Zeitler

René Arnoux sicherte sich 1977 in der F2-EM den Titel.

 

| Monza (!NS!DE-RAC!NG) - Als Jean Alesi 1989 F3000-Meister wurde, beendete er eine zwölfjährige Durststrecke für Franzosen in der zweiten Liga. 1977 wurde mit René Arnoux letztmals ein Franzose Meister dieser Rennserie. Es ist eine Zeit, in der die Meisterschaft noch als Formel-2 bezeichnet wurde und damit schon namentlich klar war, welchen Rang sie hatte: Nämlich den unterhalb der Königsklasse, der Formel-1. Schaut man sich die Teilnehmerliste der F2-Saison 1977 genauer an, dann wird auch deutlich, welchen Reiz die Meisterschaft damals hatte. Längst sind die Zeiten auch damals vergangen gewesen, dass sich die F1-Stars auch hinter das Steuer der F2-Rennwagen klemmten. Es gab sogar Zeiten, da fuhren die Fahrer lieber F2- als F1-Rennen. Das waren jene Zeiten, in denen Fahrern von Start- und Preisgelder lebten – und die waren halt immer wieder mal in der Formel-2 höher. Nein, bei der Teilnehmerliste 1977 sollte man auf die Motoren schauen. Keine Einheitsmotoren, aber auch keine Motoren von Chassisschmieden wie Judd und Cosworth – sondern namhafte Hersteller: Renault, BMW, Ferrari, Ford – und dazu Motoren von Brian Hart. Immerhin vier Autohersteller, die sich damals in der zweiten Liga die Ehre gaben – in der zweiten Liga! Und das in einer Zeit, in welcher in der Formel-1 ein Motor das sagen hatte: Der berühmte Ford Cosworth DFV.

Was 1977 schon nicht mehr war: Die Teams bauten keine Chassis mehr selbst, zumindest die meisten Teams nicht. Längst hatten auch in der Formel-2 Chassisschmieden wie Ralt, Chevron, March, Martini, Boxer oder Lola. Aber man sieht: Die Markenvielfalt machte es auch aus. Und dann gab es natürlich auch Teams, die ihre Chassis selbst bauten. Der deutsche Rennstall von Willi Khausen zum Beispiel. Der Khausen Renault war allerdings nur ein überarbeiteter Jabouille Renault 2J, ein F2-Rennwagen, der von Jean-Pierre Jabouille konstruiert wurde. Der Franzose war ein begnadeter Rennfahrer, aber eben auch Konstrukteur. Er war bei der Konstruktion des ersten Renault-F1-Boliden 1977 beteiligt – und fuhr den Wagen auch selbst bei F1-Rennen. Das Wheatcroft-Team setzte einen Wheatcroft Hart R27 ein, auch das war nur ein weiterentwickeltes Vorjahreschassis, nämlich der Pilbeam R27. Sie alle spielten aber bei der Punktevergabe keine Rolle.

Eine große Rolle spielte beim Saisonauftakt in Silverstone dagegen René Arnoux. Der Franzose fuhr für das Renault-Werksteam, das darüber hinaus noch vom französischen Mineralölkonzern Elf unterstützt wurde. Das ist auch die Erklärung dessen, wieso es in den 70er Jahren nur so von französischen Spitzen-F2-Fahrer wimmelte. Renault und Elf hatten ein beispielloses Nachwuchsförderprogramm. Die Chassisschmiede Martini entwickelte die F2-Rennwagen für Renault, bei Gordini ließ Renault die Renault-Motoren bauen. Mit Martini stieg Arnoux 1978 übrigens auch in die Formel-1 ein, aber in der Königsklasse des Formel-Sports hatte Martini kaum Erfolg. Nach nicht mal einer vollen Saison war wieder Schluss.

Hinter Arnoux landete zum Auftakt Ray Mallock auf Rang zwei. Der Brite setzte privat einen Chevron Hart ein – auch das war damals noch möglich. Ein Rennfahrer kaufte sich einen Boliden, stellte ein paar Mechaniker zusammen, und fuhr dann einfach mit. Solche Versuche waren zwar immer weniger oft von Erfolg gekrönt, Ray Mallock verstand es aber perfekt, aus den gegebenen Verhältnissen alles herauszuholen. Das darf nicht verwundern: Heute leitet sein Rennstall in der Tourenweltmeisterschaft die Werkseinsätze von Chevrolet – und dominiert die Szene. Vor zwei Jahren sollte auch ein F1-Einstieg erfolgen, für Mallock war im F1-Starterfeld aber kein Platz. Auch als Fahrer schaffte er es nie bis in die Formel-1. Dritter wurde Patrick Neve, der für das March-Werksteam fuhr. March fütterte ihre Boliden mit BMW-Motoren, die von Rosche getunt wurden.

Das zweite Rennen stand ganz im Zeichen von Jochen Rindt, denn zu seinen Ehren wurde der Lauf in Thruxton betitelt. Mit Brian Henton aus dem Boxer-Werksteam gewann auch ein Lokalmatador. Interessanter ist Eddie Cheever, der Zweiter wurde. Der US-Amerikaner fuhr im Team von Ron Dennis, dem Projekt-Four-Team. Es war jenes Team, das 1980 mit dem F1-Team von McLaren verschmolz und das Dennis bis heute zu einen der erfolgreichsten Rennställe machte. In Thruxton reichte es nur zu Rang zwei. Cheever fuhr dabei einen Ralt BMW. Dritter wurde Alex Ribeiro im March-Werksteam. Erwähnenswert: Der Österreicher Hans Royer fuhr mit einem Chevron Hart von Fred Opert auf Rang sechs. Das Klassement nach zwei Rennen: Arnoux, Henton (je 9), Mallock, Cheever (je 6), Colombo (5).

Vom Rindt-Gedächtnisrennen zum Rennen zu Ehren von Jim Clark. Beides waren F1-Weltmeister, beide verloren ihr Leben in einem Rennauto. Clark galt als der Beste seiner Zeit, als er in Hockenheim bei einem F2-Rennen tödlich verunglückt. Nun gastierte die Formel-2 wieder in Hockenheim. Auch Jochen Mass gab sich die Ehre und stieg wieder in einen March BMW des March-Werksteams. Der Deutsche hatte 1976 seinen einzigen GP-Sieg verbucht und war als gestandene Größe in der Formel-1 nicht punktberechtigt in der Formel-2. Mass gewann das Rennen, volle Punkte gab es aber für den zweitplatzierten René Arnoux. Sein zweiter Platz war wie ein Sieg neun Punkte wert. Dritter auf der Strecke war Riccardo Patrese, der bis zum Monaco GP 2008 der Rekordteilnehmer in der Formel-1 war. Patrese fuhr einen Chevron BMW für das italienische Trivellato-Team. Die Top-5: Arnoux (18), Henton (12), Patrese (9), Colombo (7), Mallock, Cheever (je 6).

Mass gewann auch das vierte Rennen in Nürburgring. Zweiter wurde Cheever, der damit die vollen Punkte kassierte. Der US-Amerikaner fuhr damals seine zweite Saison im Team von Ron Dennis. 1978 debütierte er in der Formel-1, bestritt bis Ende 1989 132 WM-Rennen. Er stieg neun Mal auf das Podium, nie aber auf die Mitte des Podestes. Erst in der amerikanischen Formel-1, inzwischen mit einem eigenen Rennstall unterwegs, wurde er wieder zum Sieger. Er gewann 1998 sogar das berühmte Indy 500. Dritter wurde der spätere F1-Weltmeister Keke Rosberg, unterwegs für Fred Opert. Mit Rang fünf (für die Europameisterschaft damit als Vierter gewertet), verteidigte Arnoux die Tabellenführung: Arnoux (21), Cheever (15), Henton (12), Patrese (9), Rosberg, Colombo (je 7).

Einen Rom-GP wird es in naher Zukunft wird es nicht geben. Die Pläne von Maurizio Flammini wurden wieder in die Schreibtischschublade gesteckt. 1977 gab es einen Grand Prix von Rom, auf dem Kurs in Vallelunga. Es war einer kein F1-Rennen, sondern eines für die F2-EM. Maurizio Flammini war damals übrigens selbst am Start, schied aber aus. Dafür hatte ein anderer Italiener Grund zur Freude: Bruno Giacomelli. Er siegte. Dabei bekam Giacomelli einen neuen March-Rennwagen. Die Einsätze liefen nun auch offiziell unter dem Denkmantel des Chassisherstellers. In Wahrheit steckte hinter dem Team aber weiterhin das Euroracing-Team aus Italien. Euroracing ist jenes Team von Gianpaolo Pavanello, das in den 80er Jahren auch die GP-Einsätze von Alfa Romeo leitete und später mit dem Sportwagenrennstall von Walter Brun zu EuroBrun formierte. In der Formel-2, aber auch in der Formel-3 arbeitete Euroracing stark mit March zusammen, deshalb auch die offizielle Betitelung als March-Werksteam. Giacomelli fuhr beim amerikanischen Grand Prix in Las Vegas, dem berühmten Parkplatzrennen vor dem berühmten Cesars Palace, 1981 übrigens mit Rang drei sein bestes F1-Resultat ein – für Alfa Romeo und damit auch Euroracing. Sein F1-Debüt gab Giacomelli aber noch 1977, beim Heimrennen in Monza für McLaren.

Zurück nach Vallelunga 1977: Hinter Giacomelli fuhren Didier Pironi und Cheever auf die Plätze zwei und drei. Pironi war für das Renault-Werksteam unterwegs und kam auch immer besser in Fahrt. Die Tabellenführung hatte zwar weiterhin der Teamkollege Arnoux inne, aber der fuhr auch 1976 schon für Renault in der Formel-2. Pironi war neu in der Serie. Beide hatten in der Formel-1 große Erfolge, Pironi wäre 1982 wohl Weltmeister geworden, wäre er im Training zum Deutschland GP nicht schwer verunglückt. Arnoux stand bei Renault etwas im Schatten von Landsmann Alain Prost, bei Ferrari dann von Michele Alboreto. Nach dem fünften Saisonrennen der F2-EM 1977 führte er aber die Tabelle an: Arnoux (21), Cheever (19), Henton (12), Giacomelli (11), Pironi (10).

Nicht nur in der Formel-1 galt oft die Regel: Zum Heimrennen in Frankreich war Renault oft besonders stark. Nicht selten brachte Renault zum Frankreich GP eine eigene Entwicklungsstufe mit, konnte das Rennen auch hin und wieder gewinnen, obschon man den Rest der Saison unter ferner liefen fuhr. Für Renault war das Heimrennen damals von großer Bedeutung, heute erkennt man sowas ähnliches nur noch aus Monza, wo Ferrari immer besonders auf einen Heimsieg aus ist. Und die Fans natürlich. In der F2-Europameisterschaft 1977 wurden die französischen Fans in Pau zum sechsten Saisonrennen jedenfalls entlohnt: Renault feierte einen Doppelsieg, Arnoux gewann vor Pironi baute damit die Tabellenführung weiter aus. Zumindest beim folgenden Lauf in Mugello war Arnoux nicht einzuholen. Dritter wurde Riccardo Patrese. Die Top-5: Arnoux (30), Cheever (19), Pironi (16), Patrese (13), Henton, Colombo (je 12).

In Mugello schlugen die Italiener zurück: Vierfacherfolg! Zum zweiten Mal in dieser Saison gewann Giacomelli ein Rennen. Zweiter wurde Patrese, dahinter kam Colombo ins Ziel, der für Euroracing einen March BMW fuhr. Für BMW war es übrigens ein Sechsfachtriumph! Auf Rang sieben kam mit dem Ralt Ferrari von Lamberto Leoni der erste Nicht-BMW-betriebene F2-Rennwagen. Eingesetzt wurde dieser Rennwagen übrigens von der Scuderia Everest von Giancarlo Minardi. Später taufte er seinen Rennstall auch auf seinen Namen, in der Formel-1 ist Minardi ein Synonym für ein sympathisches Hinterbänklerteam geworden, das aber vielen Talenten eine Chance in der Formel-1 gab. Heute ist die Mannschaft aus Faenza noch immer in der Formel-1 aktiv, unter dem Namen Scuderia Toro Rosso, und im Besitz von Red Bull. Auch nach Mugello führte Arnoux weiter die Meisterschaft an – und zwar so deutlich, dass er auch beim folgenden Rennen nicht einholbar war: Arnoux (30), Giacomelli (20), Cheever, Patrese (je 19), Pironi, Colombo (je 16).

In Rouen, beim nächsten EM-Lauf, gab es für die Scuderia Everest sogar Punkte: Gianfranco Brancatelli wurde Vierter. Apropos Punkte: Arnoux blieb ohne selbige – und mit einem Sieg robbte sich Eddie Cheever bis auf zwei Punkte an den Franzosen heran. Im Schlepptau zog er auch Patrese mit, der erneut Zweiter wurde. Dritter wurde Pironi. Die Tabelle: Arnoux (30), Cheever (28), Patrese (25), Giacomelli, Pironi (je 20). Beim nächsten Lauf in Nogaro konterte Arnoux mit einem Sieg. Zweiter wurde einmal mehr Patrese, vor Ingo Hoffmann. Der Brasilianer mit deutschen Wurzeln war Cheevers Teamkollege bei Project Four. Mit dem zweiten Platz übernahm Patrese nun auch Rang zwei in der Meisterschaft: Arnoux (39), Patrese (31), Cheever (30), Giacomelli (23), Pironi (20).

Als nächstes stand der Mittelmeer GP in Enna an. Dieses Mal siegte überraschend Keke Rosberg, der einen Chevron für das Team von Fred Opert fuhr. Damit setzte sich überraschend auch ein unabhängiger Motorenbauer durch, denn Fred Opert setzte auf Motoren von Brian Hart, der selbst F2-Fahrer war. Hinter Rosberg kamen Arnoux und Hoffmann ins Ziel – und damit baute Arnoux die Führung in der Tabelle wieder deutlich aus. Beim kommenden Lauf in Misano konnte er schon mal nicht vom Thron gestoßen werden und so langsam neigte sich die Saison auch dem Ende entgegen. Arnoux (45), Patrese (31), Cheever (30), Giacomelli, Pironi (je 23).

In Misano gab es einen Sieger, der vorher noch nicht einmal in die Punkte fuhr: Lamberto Leoni. Er fuhr wie Patrese für das Trivellato-Team. Patrese verlor übrigens seinen zweiten Platz in der Tabelle, denn Cheever wurde Zweiter, vor seinem Teamkollegen Hoffmann, der nun schon zum dritten Mal in Folge dritter wurde – alle guten Dinge sind eben drei. Der Meisterschaftsstand: Arnoux (45), Cheever (36), Patrese (31), Pironi (25), Giacomelli (23). In Estoril konnte Arnoux die Meisterschaft perfekt machen. Und tatsächlich machte er es auch. Dazu reichte ihm der zweite Platz hinter Stallgefährte Pironi, aber eben unmittelbar vor Cheever. Das Rennen in Donington war daher nur noch für die Statistiker und die Rennfahrer, die Spaß haben wollten. Giacomelli siegte dort, vor Rosberg und Pironi. Der Endstand hieß wie folgt: Arnoux (52), Cheever (40), Pironi (38), Giacomelli, Patrese (je 32).

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