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Serie: GP2 - Französische Meisterjahre: 8. Jean-Pierre Jabouille 1976

Geschrieben von: Michael Zeitler.

Serie: GP2 - Französische Meisterjahre: 8. Jean-Pierre Jabouille 1976

von Michael Zeitler

Mit einer eigenen Konstruktion holte Jean-Pierre Jabouille 1976 den F2-Titel.

 

| Monza (!NS!DE-RAC!NG) - René Arnoux wurde mit dem Titelgewinn 1977 Nachfolger von Jean-Pierre Jabouille. Denn der wurde 1976 Meister. Ganz ersetzen konnte man Jabouille aber nicht. Denn er war nicht nur Rennfahrer, sondern hatte auch tiefes Verständnis für einen fundamentalen Teil dieses Sports: Der Technik. Heute geht es nur noch um die perfekte Abstimmung, die besten der abertausenden Flügeleinstellungen, die optimale Bremsbalance und dergleichen. Die Fahrer werden dabei vom Gefühl geleitet, vor allem aber von Millionen Byte schwere Datenaufzeichnungen von zig Sensoren am Auto. Und natürlich von der Rundenzeit, die stimmen muss. 1976 war in der Formel-1 noch mehr gefragt, denn es gab keine Dallara-Einheitschassis, sondern eine Vielfalt an Rennautos. Die Teams konnten nicht nur aus dem gegebenen Material das Beste machen, sondern konnten auch das Material verbessern. Aber selbst das reichte Jabouille noch nicht. Er wollte sein Auto selbst konstruieren – et voilà, der Jabouille Renault 2J war geboren. Nur ein Jahr später war er auch bei der Entwicklung des ersten F1-Rennautos von Renault involviert und fuhr den auch selbst. Zwei GP-Siege stehen bis heute auf seinem fahrerischen Konto. Nach seiner aktiven Karriere wurde er Motorsportchef von Peugeot und arbeitete als solcher mit Teams wie McLaren und Jordan zusammen. Später gründete er sein eigenes Sportwagenteam.

Schon 1976 war Jabouille in der Teamführung seines Elf-Rennstalls dabei. Damals gab es zwei Elf-Rennställe: Die Ecurie Elf wurde von Renault unterstützt, Teamchef war Gerald Larrousse. Patrick Tambay und René Arnoux fuhren die Martini Renaults. Und es gab die Equipe Elf, das Team von Jabouille mit dem Jabouille Renault. Beim Auftakt in Hockenheim war keiner der beiden Teams siegreich. Hans-Joachim Stuck besiegte im March-Werksteam bei seinem Gaststart den Rest des Feldes. Der Deutsche war wegen seiner bereits angebrochenen F1-Karriere nicht mehr punktberechtigt für die F2-Europameisterschaft und so bekam René Arnoux von Elf die vollen Punkte, vor Patrick Tambay und Willy Deutsch. Der Deutsche fuhr einen March BMW für das Daimon-Varley-Team.

Neues Rennen, neue Strecke, neues Land – neue Fahrer in den Punkten. In Thruxton konnte von den sechs Fahrern, die von Hockenheim Punkte mitnahmen, nur Patrick Tambay wieder punkten. Er wurde Dritter und übernahm damit auch die Führung in der Tabelle. Gewonnen hat Maurizio Flammini. Der Italiener fuhr wie der zweitplatzierte Alex Ribeiro für das March-Team. March setzte in den 70er Jahren verstärkt auf BMW-Motoren. Trotz des Sieges in Thruxton schaffte Flammini nie den Sprung in die Formel-1. Stattdessen nistete er sich in der F2-Europameisterschaft ein. Die Saison 1976 war bereits seine dritte, bis 1981 war er noch aktiv. Von 1979 bis 1981 hatte er dabei auch seinen eigenen Rennstall, die Scuderia Vesuvio. Aber so kraftvoll wie der berühmt berüchtigte italienische Vulkan Vesuv war der Rennstall nicht. Flammini spielte aber kürzlich eine Mini-Rolle in der F1-Szene: Er wollte den Tross nach Rom holen. Inzwischen ist die Idee eines Grand Prix in der Ewigen Stadt wieder fallen gelassen worden – aber vielleicht nicht für immer und ewig.

Apropos Rom-GP: 1976 war das noch ein F2-EM-Lauf und stand als nächstes an. Mit folgendem Tabellenstand ging es nach Vallelunga, Austragungsstätte des Wagenrennens: Tambay (10), Arnoux, Flammini (je 9), Ribeiro (6), Deutsch (4). Rom war schon vor Jahrtausenden die Stätte für die großen Wagenlenker im atemberaubenden Colloseum. 1976 war es die Stätte für den großen Jean-Pierre Jabouille. Er machte damit seinen ersten Strich beziehungsweise Punkt in dieser Saison, gleich stolze neun. Wieder gab es vier neue Fahrer in den Punkten. Nur die Namen auf den Plätzen zwei und drei waren bereits bekannt: Tambay und Ribeiro. Tambay baute seine Spitzenposition in der Meisterschaft damit auch aus: Tambay (16), Ribeiro (10), Arnoux, Flammini, Jabouille (je 9).

In Salzburg wurden die ersten sechs Plätze erstmals von Fahrern belegt, die allesamt vorher schon punkten konnten. Wieder gewann Jabouille, aber nur ein Jabouille-Chassis. Michel Leclère siegte vor Flammini und Tambay. Letzterer hat damit alle vier Rennen auf dem Treppchen beenden können. Auf der Miete diesem stand aber Leclère. Er hatte zu diesem Zeitpunkt bereits Erfahrungen in der Formel-1. Weil Elf damals das Tyrrell-Team sponserte, bekam Leclère 1975 ein Cockpit beim USA GP 1975 und empfahl sich bei diesem für ein Stammcockpit im Wolf-Team für die Saison 1976. Parallel dazu fuhr er weiterhin Formel-2 und er wusste wohl auch, warum: Nach dem Heim-GP in Frankreich setzte ihn Wolf vor die Tür. Als einer der wenigen Fahrer aus der damaligen Renault-Förderung bekam Leclère nie die Chance, sich bei Renault in der Formel-1 zu beweisen. Man muss kein Hellseher sein, um zu prophezeien: Von den aktuell von Renault beziehungsweise Gravity gemanagten Fahrer, werden es nicht so viele so erfolgreich in die Formel-1 schaffen wie Prost, Arnoux, Tambay, Pironi und Konsorten. Fahrer wie Ho-Pin Tung, Fairuz Fauzy oder Jan Charouz sind gewiss nicht nur wegen des Talentes im Förderkader des F1-Teams von Renault. Im Grunde verfehlt Renault damit den eigentlichen Sinn. Leclère hat bis heute ein entspanntes Verhältnis zu Renault, obschon er 1979 als BMW-Junior in der Formel-2 unterwegs war. Heute ist Leclère jedenfalls im historischen Renault-Team involviert und fährt immer wieder auch selbst die historischen Rennwagen der französischen Automarke. Mit dem Sieg in Österreich 1976 fuhr er sich erst einmal unter die Top-4 der Gesamtwertung: Tambay (20), Flammini (15), Arnoux, Leclère, Ribeiro (je 12).

Wie stark die Franzosen 1976 waren, zeigte das nächste Rennen im französischen Pau: Vierfachtriumph. Bester Nicht-Franzose war Giancarlo Martini aus Italien, der für die Scuderia Everest fuhr, aus der später die Scuderia Minardi und schließlich die Scuderia Toro Rosso fuhr. Unter den vier Franzosen ganz vorne fand sich aber auch einer, der keine Punkte bekam, weil er in der Formel-1 bereits bestimmte Resultate einfahren konnte: Jacques Laffite. Er absolvierte einen Gaststart in einem Chevron BMW von Fred Opert. Weil Laffite also nicht punkteberechtigt war, bekam der Deutsche Klaus Ludwig als Siebter noch einen Punkt. Er fuhr für das deutsche Team von Willi Khausen, das bereits mit Ingo Hoffmann Punkte machen konnte. Hoffmann ist übrigens, anders als sein Name klingt, kein Deutscher, sondern Brasilianer – aber er hat deutsche Vorfahren. Die Namen der ersten drei: Arnoux, Laffite, Jabouille. Tambay blieb übrigens ohne Punkte, führte die Tabelle aber weiterhin an. Und die zeigte, dass der Pau-Erfolg keine Ausnahme war, denn vorne lagen drei Franzosen:  Tambay (20), Arnoux (19), Jabouille (16), Flammini (15), Ribeiro (14).

Ein Fahrer aus der Formel-1 war auch in Hockenheim der Mann des Rennens. Hans-Joachim Stuck siegte, bekam aber keine Punkte. So räumte Michel Leclère wieder alle Neune ab, er bekam also neun Punkte für den Sieg, obschon er nur Zweiter wurde, vor Tambay. Der führte damit weiter: Tambay (26), Arnoux (22), Leclère (21), Jabouille (20), Flammini (16). In Rouen siegte dann Maurizio Flammini. Der Italiener konnte die französische Übermacht also etwas ärgern, war es doch schon sein zweiter Sieg. Hinter Jabouille kam noch ein weiterer Italiener auf das Podium: Giancarlo Martini im March BMW von der Scuderia Everest. Das Team gehörte Giancarlo Minardi, aber trotz des dritten Platzes war zu diesem Zeitpunkt ein anderes Team aus Italien das führende Nachwuchsteam in der F2-EM für junge, italienische Fahrer: Trivellato Racing. Jenes Team setzte auf Chevron-BMW-Fahrzeuge. In Rouen wurde Roberto Marazzi für Trivellato Fünfter. Wie auch Giancarlo Martini schaffte es Marazzi nie in die Formel-1. Nach dem dritten Jahr Formel-2 hing er 1978 seinen Helm vorerst an den Nagel, gab 1984 noch ein kurzes Comeback in der italienischen Formel-3. Giancarlo Martini fuhr außerhalb der WM F1-Rennen, sein Neffe Pierluigi Martini fuhr mehr als 100 F1-Rennen für Minardi, dem Nachfolgerrennstall von Minardi. Die Top-5: Jabouille, Tambay (je 26), Flammini (25), Arnoux (22), Leclère (21).

Kaum ging es nach Italien, in dem Fall Mugello, schon hatten die Italiener nicht mehr viel zu melden. Jabouille siegte vor Arnoux und Tambay und übernahm damit auch die alleinige Tabellenführung: Jabouille (35), Tambay (30), Arnoux (28), Flammini (26), Leclère (21). Auch das folgende Rennen war ein italienisches: Der Mittelmeer-GP in Enna. Wieder gewann ein Franzose, dieses Mal aber René Arnoux und weil Jabouille nur Vierter wurde, wurde es in der Gesamtwertung auch wieder enger. Auf dem Podium standen noch Alex Ribeiro und Eddie Cheever. Ribeiro fuhr für das March-Team, Cheever zumindest einen March Hart, allerdings für das Project-Four-Team von Ron Dennis. Der Stand in der Meisterschaft: Jabouille (38), Arnoux (37), Tambay (30), Flammini (26), Ribeiro (23).

Nach dem Ausflug nach Portugal waren nur noch drei Fahrer rechnerisch in der Lage, Meister zu werden – alle aus Frankreich. Patrick Tambay hatte nur Außenseiterchancen, gewann bis dato noch kein Saisonrennen. Vorne spitzte sich dagegen das Duell zwischen Jabouille und Arnoux zu. Arnoux gewann auch das Rennen in Estoril, Jabouille wurde Zweiter – und damit tauschten sie auch in der Meisterschaft die Plätze. Auf Rang drei fuhr Ribeiro auf das Podium. Die Tabelle: Arnoux (46), Jabouille (44), Tambay (30), Ribeiro (27), Flammini (26).

In Nogaro schien es dann aber tatsächlich ausgerechnet Tambay spannend machen zu wollen: Er gewann, während Arnoux und Jabouille ohne Punkte blieben. Also wurde der Kampf um das Championat tatsächlich noch ein Dreikampf, auch wenn Tambays Chancen nach wie vor nicht die besten waren. Zweiter in Nogaro wurde Laffite, der aber als Meister des Vorjahres wie bereits erwähnt, nicht punkten durfte. Dritter auf dem Podest, als Zweiter in der EM-Wertung: Leclère. Damit ging es so ins Finale nach Hockenheim: Arnoux (46), Jabouille (44), Tambay (39), Ribeiro (30), Leclère (27).

In Hockenheim gewann – und wurde damit auch Meister – Jabouille. Es war ein Doppelsieg seiner Jabouille-Rennwagen, denn Leclère wurde Zweiter, dann erst kreuzte Arnoux die Ziellinie. Der Endstand hieß also: Jabouille (53), Arnoux (52), Tambay (39), Leclère (33), Ribeiro (31).

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