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Serie: Formel 1 - Historie des Kanada GP: Teil 3

Geschrieben von: Michael Zeitler.

Serie: F1: Historie des Kanada GP (3)

von Michael Zeitler

 

Der 3. Teil über die Historie des Kanada GP geht über den tödlichen Unfall von Riccardo Paletti in Kanada, sowie über weitere Kuriositäten bei dem GP-Event.

 

Die Katastrophe 1982
Beim Kanada GP 1982 gab es einen tödlichen Unfall. Didier Pironi blieb am Start stehen, Riccardo Paletti konnte nicht mehr ausweichen und knallte mit seinem Osella Ford in den Ferrari von Pironi. Keiner kann die genauen Hintergründe des Unfalls besser schildern als der damalige F1-Arzt Dr. Sid Watkins: „Mein guter Freund Mario Valli fuhr wie immer meinen Wagen in Montréal. Wir verstehen uns ausgezeichnet. Nach bekannter Sitte starteten wir bei grüner Ampel hinter dem Feld – und konnten nicht glauben, was wir sahen. Vorne links war ein Rennwagen stehen geblieben. Alle Fahrer schafften es irgendwie sich daran vorbeizuschlängeln, bis auf dem Wagen, der unmittelbar vor uns fuhr. Riccardo Paletti beschleunigte und traf den liegen gebliebenen Boliden genau ins Heck. Beide Monoposti schossen durch die Kollision nach vorne, wobei sich Palettis Wagen nach rechts, Pironis Ferrari nach links wegdrehte. Beim Vorbeifahren konnte ich sehen, dass Pironi unverletzt geblieben war. Paletti jedoch saß zusammengesunken leblos in seinem Cockpit. Mario stand auf der Bremse. Ich rannte aus dem Wagen zu Palettis Osella. Er war in eine tiefe Ohnmacht gefallen, so dass ich zuerst die Atmung unterstützte und danach seine Augen untersuchte. Sie waren weit aufgerissen. Ich hörte, wie sich Flüssigkeit irgendwo ergoss, bis mir auf einmal klar wurde, dass es sich um Benzin handelte. Da gab es schon eine Explosion und eine Flamme schoss in die Höhe. Ich war zuvor immer wieder auf den Arm genommen worden, weil ich einen Rennoverall, Handschuhe, einen Sturzhelm, sowie Sicherheitsschuhe trug. Bernie Ecclestone zum Beispiel bat mich deshalb ironischerweise hin und wieder um ein Autogramm, was ich mit nicht druckbaren Antworten quittierte. Wie dem auch sei, meine Vorsichtsmaßnahmen zahlten sich hier aus. Für die Untersuchung hatte ich einen Handschuh ausgezogen, wodurch meine Hand etwas angesengt wurde. Mein Overall stand in Flammen, wobei meine geliebten argentinischen Stiefel, die ich ausnahmsweise anstelle der Sicherheitsschuhe trug, schmolzen. Ich schloss Palettis Visier um ihn vor den Flammen zu schützen. Innerhalb von Sekunden waren die Feuerwehrleute da. Ich selbst konnte dem armen Jungen nach 16 Sekunden helfen. Ralph Baldwin, der Fahrer des Einsatzwagens hinter dem Feld, löschte als erster die Flammen. Er ist ausgebildeter Notfallsanitäter, Rennfahrer und offensichtlich auch Feuerwehrmann. Pironi tauchte auf der anderen Seite mit einem Feuerlöscher auf, den er einem Feuerwehrmann entrissen hatte. An der Seite versuchte auch noch ein Fotograf Aufnahmen zu machen und geriet dabei immer wieder in den Weg der Rettungsmannschaften. Am schlimmsten aber war Palettis Mutter, die auf den Kurs gekommen war und natürlich vor Angst, Hysterie und Trauer außer sich war. Das Feuer war schnell gelöscht und nun konnten wir Palettis aus dem Cockpit befreien. Das Lenkrad samt Säule hatte seine Brust getroffen. Einer der Teammanager, John MacDonald, tauchte auf und half seinen Fahrer nach draußen zu ziehen. Wir befreiten Paletti von seinem Helm. Dr. Jean Taillefer hatte unterdessen ein wahres Wunder vollbracht, indem er den ohnmächtigen Italiener intubiert hatte, was angesichts der sitzenden Position und der starken Sonneneinstrahlung eine beachtliche Leistung darstellte. Es war sehr schwer den Jungen aus dem Wrack zu holen. Während dieser Arbeit wurden intravenöse Infusionen gelegt, doch Paletti hatte zu diesem Zeitpunkt keinen Puls mehr. Dr. Bouchard und Hugh Scully hatten in der Zwischenzeit den Hubschrauber angefordert, der Riccardo in die Klinik brachte, wo er kurz nach der Einlieferung an seinen Brust- und inneren Verletzungen verstarb.“

Das Rennen rückte natürlich in den Hintergrund und wurde auch erst mit Verspätung gestartet. Trotzdem passierte etwas Historisches: Nelson Piquet sorgte im Brabham BMW für den ersten Sieg eines BMW-Motors in der Formel-1. Der Kanada GP 1983 war fast ein bisschen langweilig: Ferrari-Pilot René Arnoux dominierte das Rennen von Pole weg und gewann mit einem Vorsprung von 45 Sekunden! Riccardo Patrese war auf dem Weg zu Platz 2, als ihn ein Getriebeschaden zurückwarf. Eddie Cheever im Renault wurde vor Arnouxs Teamkollegen Patrick Tambay 2. 1984 war das Rennen recht ereignislos: Piquet siegte im Brabham BMW ungefährdet. Niki Lauda schon sich noch an seinem McLaren-Porsche-Teamkollegen Alain Prost auf Platz 2 vorbei. 1985 war nur deshalb spektakulär, weil nach einer Doppel-Pole für die Lotus-Renault-Fahrer Elio de Angelis und Ayrton Senna im Rennen ein Ferrari-Doppelsieg mit Michele Alboreto und Stefan Johansson wurde. Senna hatte Probleme mit seinem Turbo, De Angelis mit dem Getriebe.

Im Warm-Up zum Kanada GP 1986 gab es wieder einen schweren Unfall: Patrick Tambay verletzte sich bei dem Crash mit dem Lola Ford des Haas-Teams am Fuß. Der Unfall wurde durch einen Getriebeschaden ausgelöst, am Rennen konnte Tambay natürlich nicht mehr teilnehmen. Dieses gewann Nigel Mansell. Der Williams-Honda-Pilot fuhr auch von Pole Position los und verwies Alain Prost (McLaren Porsche) und Teamkollege Nelson Piquet auf die beiden folgenden Plätze. 1987 fiel der Kanada GP flach, weil sich die Sponsoren untereinander zerstritten.

Schon 1988 kehrte der Kanada GP zurück in den F1-Kalender. Auch das Kanada-Wochenende wurde wie fast jedes Wochenende 1988 von McLaren Honda dominiert. Ayrton Senna fuhr auf Pole Position, Teamkollege Alain Prost übernahm nach dem Start kurzfristig die Führung. Am Ende gewann aber wieder Senna. Best of the rest war Thierry Boutsen im Benetton Ford auf Platz 3. Der Kanada GP 1989 war wieder ein Knüller: Weil es am Morgen regnete, starteten alle Fahrer mit Regenreifen. Nur Nigel Mansell (Ferrari) und Alessandro Nannini (Benetton Ford) bewiesen Mut und gingen nach der Einführungsrunde an die Box um sich Trockenreifen aufzuziehen. Doch Mansell und Nannini passierte ein folgenschwerer Fehler: Beide fuhren aus der Box, noch bevor das Rennen gestartet war. Beide wurden natürlich mit der schwarzen Flagge aus dem Rennen geholt. Bis dahin lagen sie an der Spitze des Feldes. Das Rennen war ein Lotteriespiel von Trocken- und Regenreifen. Ayrton Senna schien das am besten im Griff zu haben. Doch der sein Honda-Motor im McLaren machte die Strapazen der Renndistanz nicht mit und gab wenige Runden vor Rennende auf. Der Sieg fiel so Boutsen in die Hände, der im Williams Renault seinen ersten F1-Sieg überhaupt feierte! Teamkollege Riccardo Patrese rundete das starke Ergebnis ab, dahinter fuhr völlig überraschend Andrea de Cesaris auf Platz 3 – in einem von der Scuderia Italia eingesetzten Dallara Ford. 1990 gab es zahlreiche Überholmanöver und Positionskämpfe von Platz 2 abwärts. Nur Platz 1 war stets in der Hand von Ayrton Senna und seinem McLaren Honda.

Mansell: To Finish first you have to finish first
Einen der skurrilsten Kanada Grand Prix gab es 1991: Nigel Mansell übernahm im Williams Renault gleich am Start die Führung von seinem Teamkollegen Riccardo Patrese, der später wegen technischen Problemen sogar noch weiter zurückfiel. Mansell fuhr ein absolut dominantes Rennen. In der letzten Runde ließ der Brite sich bereits von den Zuschauern feiern. Vor lauter Winken und Genießen vergaß der Löwe aber das Schalten. Das Getriebe zahlte es ihm heim: Es ging defekt und so kam noch Erzfeind Nelson Piquet im Benetton Ford zum Sieg, vor dem Überraschungsmann Stefano Modena im Tyrrell Ford. Mansell war nach dem Rennen natürlich betröppelt. Wie hat der McLaren-Besitzer Ron Dennis einst prägend gesagt: „To finish first, you have to finish first“ was übersetzt heißt: Um Erster zu werden, muss du erstmal ins Ziel kommen. Dennis bezog das freilich auf die Zuverlässigkeit der GP-Renner, aber reicht Mansell dieser Spruch nicht, dann würde es auch noch diesen geben: „Wer zuletzt lacht, der lacht am Besten.“ An jenem 2. Juni 1991 war das eindeutig Piquet.

Unterhaltsam war auch das Rennen 1992. Dieses Mal war der Sieg aber weit umkämpfter. Der klare Favorit war Nigel Mansell, der zuvor 5 der letzten 6 Rennen gewann und am Start auch direkt hinter Qualifying-König Ayrton Senna fuhr. Nach ein paar Runden versuchte Mansell mit seinem Williams Renault den McLaren Honda von Senna zu überholen, machte dabei aber einen Fehler und fiel weit zurück. Für den Rest des Rennens machte der stinksaure Mansell nichts mehr aus. Für Senna war das aber noch lange nicht der Sieg: Nach 37 Runden stellte er seinen Dienstwagen mit Elektrikproblemen ab. Teamkollege Gerhard Berger führt nun das Rennen an, nachdem er sich ein Duell mit Mansells Stallgefährten Riccardo Patrese lieferte. Patrese fiel später ebenfalls aus – er wegen Getriebeschadens. Michael Schumacher wurde so im Benetton Ford 2., Jean Alesi fuhr mit seinem Ferrari als 3. über die Ziellinie.

Die Geschichte des 1993er Rennens ist rasch erzählt: Williams Renault war das schnellste Auto weit und breit und obwohl er am Start die Führung übernahm, konnte Damon Hill das nicht umsetzen. Er fiel hinter Ayrton Senna, der wie auch im legendären Regenrennen in Donington 1993 in der ersten Phase einige Autos überholte, und Michael Schumacher zurück. Während Schumacher im Benetton Ford hinter Hills Teamkollegen Alain Prost 2. wurde, fiel Senna noch aus. Auch um die Geschehnisse des Kanada GP 1994 zusammenzutragen braucht es keine Minute: Michael Schumacher feierte einen Sieg von Start bis Ziel, dahinter kamen Damon Hill und Jean Alesi ins Ziel. Die Reihenfolge war schon früh im Rennen fest zementiert, daran änderte auch der leichte Regen nichts mehr, der in Runde 40 aufkam. MZ

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