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Serie: GP2 - Französische Meisterjahre: 11. Jean-Pierre Jarier 1973

Geschrieben von: Michael Zeitler.

Serie: GP2 - Französische Meisterjahre: 11. Jean-Pierre Jarier 1973

von Michael Zeitler

Jean-Pierre Jarier dominierte und gewann die F2-Saison 1973. 

 

| Monza (!NS!DE-RAC!NG) - 1973 war Jean-Pierre Jarier der erste Franzose von fünf, die hintereinander den F2-Titel für sich entschieden haben. Ähnlich wie Depailler gewann auch Jarier die Meisterschaft gegen einen Deutschen, statt Hans-Joachim Stuck war das aber dieses Mal Jochen Mass. Und auch Jarier fuhr für das March-Werksteam einen March BMW. Die schwierigste Arbeit hatte aber zweifellos Jarier: Die F2-Europameisterschaft 1973 umfasste nicht weniger als 17 Rennen – stolze sieben mehr als in der Saison 1974!

Und die 17 EM-Rennen waren nicht die einzigen, die Jarier 1973 absolvierte. Natürlich fuhr er für March auch schon in der Formel-1 und hatte daher ein Doppelprogramm. Seine ersten F2- und F1-Erfahrungen machte der Franzose 1971 mit einem Kunden-March im Team von Shell Arnold. Jarier stand 135 Mal in der Startaufstellung eines F1-WM-Rennens, zwischen 1971 und 1983 für Shell Arnold, March, Shadow, ATS, Ligier, Lotus und Osella. Drei Mal beendete er ein Rennen auf dem Treppchen, nie aber auf der mittleren, der Siegerstufe. Dabei galt Jarier phasenweise als kommender Weltmeister, insbesondere 1976, als er mit dem Shadow Ford mehrmals nahe vor einem GP-Sieg stand, ehe ihm ein technischer Defekt immer wieder einen Strich durch die Rechnung machte. Pech und unglückliche Verläufe durchzogen seine gesamte F1-Laufbahn: 1974 sollte er Ferrari-Pilot werden, ging aber vor Enzo Ferrari mit dieser Neuigkeit an die Öffentlichkeit – und wurde prompt wieder ausgebootet. Was ihm dadurch durch die Lappen ging? Ferrari musterte sich zu einem Topteam und holte in den folgenden Jahren immer wieder den WM-Titel. 1978 ersetzte Jarier den tödlich verunglückten Ronnie Peterson bei Lotus, dominierte dann mit dem überlegenen Lotus Ford den Kanada GP, wurde aber wieder von einem Defekt gestoppt. Ein mancher Fahrer wäre verzweifelt, nicht so Jarier, der Lebemann, der schöne Frauen als Teil des Rennsports betrachtete – in den 70er Jahren nicht ungewöhnlich. Stichwort James Hunt.

1973 war Jarier trotz seiner ersten F1-Gehversuche 1971 noch ein unbeschriebenes Blatt. Beim F2-Auftakt im Mallory Park änderte sich das per sofort: Er siegte, vor dem außer Konkurrenz startenden Mike Hailwood (Surtees Ford) und Dave McConnell. Der Kanadier fuhr wie Hailwood einen Surtees Ford, allerdings nicht für das Surtees-Werksteam, sondern für DWM Racing. Mit jenem Rennstall fuhr McConnell bereits in der Tasman-Serie, eine Meisterschaft für F1-, F2- und F5000-Fahrzeuge. Aus jener Serie kam McConnell 1973 auch in die Formel-2. Weil Hailwood ja nicht punktberechtigt war, wurde McConnell sogar als Zweiter gewertet.

Beim zweiten Lauf in Deutschland siegte wieder Jarier, während alle anderen fünf Punkteränge von anderen Fahrern belegt wurden, als noch in Großbritannien. So vergrößerte Jarier seinen Vorsprung auf zwölf Punkte auf die besten Verfolger McConnell, sowie Patrick Depailler, der in Deutschland Zweiter wurde und der einen Elf Ford für das Elf-Team von John Coombs fuhr. Wieder war es Alpina, das die Elf-Fahrzeuge entwickelt hat. Dritter in Hockenheim wurde ein Surtees-Fahrer: Derek Bell, der spätere F1-Pilot, der zwar für die Topteams Ferrari und McLaren fuhr, aber insgesamt nur neun WM-Rennen bestritt. Dafür umso mehr F2-Rennen, denn schon 1968 fuhr er dort das erste Mal für das Church-Farm-Team seines Stiefvaters Bernard Hendler. 1970 wurde er sogar schon F2-Vizemeister, nach der Formel-1 fuhr er unter anderem Formel-5000 und Sportwagen. Die Top-5: Jarier (18), McConnell, Depailler (je 6), Morgan, Bell (je 4).

Beim Rennen in Thruxton dominierte das Rondel-Team von den ehemaligen Brabham-F1-Mechanikern Ron Dennis und Neil Trundle, das auch eigene Chassis baute, die Motul-Ford-Rennwagen. Der Sieger Henri Pescarolo durfte zwar in der EM nicht mehr punkten, dafür aber Bob Wollek, der Zweiter und damit als Sieger gewertet wurde. Der Franzose fuhr bereits seine dritte F2-Saison, alle im Team des heutigen McLaren-Chefs Ron Dennis. In die Formel-1 stieg er nie auf, dafür fuhr er jahrelang beim 24-Stundenrennen von Le Mans mit. Mehrmals wurde er dort Zweiter, zuletzt mit Porsche und seinen deutschen Teamkollegen Jörg Müller und Uwe Alzen 1998. Drei Jahre später verunglückte er bei den Vorbereitungen zum 12-Stundenrennen in Sebring tödlich. Dritter hinter Wolleck wurde Mike Beuttler im Team von Brian Lewis, das einen March BMW einsetzte. Vorne aber führte weiterhin Jarier: Jarier (18), Wollek (9), Morgan (7), McConnell, Depailler, Beuttler (je 6).

Beim Eifelrennen am Nürburgring waren sogar zwei Fahrer vorne, die nicht für Punkte berechtigt waren, weil sie bereits die Lizenz A hatten. Nach bestimmten F1-Resultaten oder etwa dem F2-Titel bekam man diese Lizenz, mit der es nicht mehr gestattet war, F2-Punkte zu ergattern. Trotzdem gab es immer wieder F1-Fahrer, die auch bei EM-Rennen teilnahmen, denn damals lebten die Fahrer und die Teams trotz der immer üppiger werdenden Sponsoren vor allem von Start- und Preisgelder. Und die F2-Organisatoren stellten immer wieder ganz attraktive Pakete zusammen. Damals waren die F2-Rennen wie heute auch nicht im Rahmen der Formel-1. Am Nürburgring lockte noch dazu der Status des Rennens: Das Eifelrennen war jenes Rennen, bei dem schon die Mercedes- und Auto-Union-Fahrer in den 30er Jahren um GP-Siege balgten. Reine Wisell und Tim Schenken beendeten das Rennen auf den ersten Plätzen, Wisell im GRD Cosworth von Pierre Robert und Schenken im Rondel-Team. Dritter, aber damit volle Punkte abgeräumt, hat Patrick Depailler von Elf. Damit kam er auf Rang zwei in der Tabelle: Jarier (18), Depailler (15), Wollek (12), Bell (10), Morgan, Brambilla (je 7).

Tim Schenken fuhr auch in Schweden mit und auf Rang drei. Gewonnen hat aber Jochen Mass im Surtees-Werksteam. Der Deutsche fuhr später auch in der Formel-1 und gewann auch ein WM-Rennen – es war der Deutschland GP 1976. An den Sieger Mass erinnerte sich beim Betrachten des Rennens keiner, an den fürchterlichen Feuerunfall von Niki Lauda schon eher. Mass fuhr damals für McLaren, in jenem McLaren Ford wurde sein Teamkollege James Hunt Weltmeister. Hinter Mass Zweiter wurde Depailler, der damit die Führung in der Gesamtwertung an sich riss: Depailler (21), Jarier (18), Wollek (12), Bell (10), Mass (9).

Jarier konterte beim Rennen in Belgien: Sieg, vor einem erneut starken Mass und Vittorio Brambilla aus dem Beta-Team, das eigentlich auch ein March-Team war und deshalb auch March-BMW-Chassis eingesetzt hat. Jarier war damit wieder Spitzenreiter: Jarier (27), Depailler (21), Mass (15), Wollek (12), Brambilla (11). Alle guten Dinge sind bekanntlich drei und so ließ Mass vor heimischen Publikum in Hockenheim noch ein drittes starkes Resultat folgen: Den Sieg, vor Colin Vanderwell und Jacques Coulon. Beide waren mit einem March BMW unterwegs, Vanderwell für Brian Lewis, Coulon für die Scuderia Filipinetti. Vanderwell war der Sohn von Tony Vanderwell, der den Vanwall-F1-Rennstall aus dem Boden gestampft hat. Es war der erste britische Hersteller, der in der Formel-1 vorne mitfahren konnte. Colin Vanderwell fuhr 1973 aber seine letzte Saison im Formel-Sport. Aus deutscher Sicht aber war das Rennen perfekt, denn mit dem Sieg war Mass plötzlich ein Titelkandidat: Jarier (27), Mass (24), Depailler (21), Brambilla (14), Wollek (12).

Mass kristallisierte sich tatsächlich als wahrer Herausforderer von Jarier heraus. In Rouen wurde er hinter Jarier Zweiter, Dritter wurde Schenken, der aber nicht gewertet wurde. So rutschte Coulon auf, der für die Scuderia Filipinetti einen March BMW fuhr. In der Gesamtwertung führte weiterhin Jarier (36), vor Mass (30), Depailler (23), Brambilla (14) und Wollek (12). In Monza hatte Mass dann eine unglaubliche Chance: Jarier war nicht am Start. Mass aber schied aus, überhaupt erreichten nur fünf Fahrer das Ziel. Deshalb kam es auch zu einem Überraschungssieg: Roger Williamson mit einem March BMW und im Team von Tom Wheatcroft. Williamson wurde in der Formel-1 leider zur traurigen Berühmtheit, als er beim Holland GP 1973 bei einem Unfall verbrannte. Depailler und Coulon stiegen in Monza mit auf das Podium. Die Top-5: Jarier (36), Mass (30), Depailler (29), Brambilla (14), Bell, Coulon (je 13).

In Schweden wieder das übliche: Jarier gewinnt vor Mass. Dritter wurde der Pole-Mann John Watson mit einem Chevron Ford von Shell Arnold. Jarier war damit auch sicher schon nach dem nächsten Rennen an der Spitze: Jarier (45), Mass (36), Depailler (32), Brambilla (14), Bell, Coulon (je 13). Und Jarier verdoppelte beim zweiten Rennen der Schweden Tour sein Polster, konnte damit auch nach den folgenden zwei Rennen nicht von seinem Platz an der Sonne verdrängt werden. Hinter Jarier kam in Karlskoga Peter Gethin im Chevron-Werksteam auf Rang zwei, vor dem Lokalmatadoren Torsten Palm, der für das Surtees-Team unterwegs war. Palm kam 1973 aus der Formel-3 in die Formel-2, nachdem er seine Laufbahn eigentlich im Rallye-Auto begonnen hat. 1975 fuhr er privat einen Hesketh Ford beim Heimrennen in Schweden und wurde damit Zehnter. Damals gab es dafür aber noch keinen Punkt und weil es sein einziger Grand Prix blieb, blieb er in seiner F1-Karriere punktlos. Später wurde er Manager von Eje Elgh. Die Tabelle: Jarier (54), Mass (36), Depailler (32), Coulon (16), Brambilla (14).

Jarier drehte jetzt so richtig auf: Sieg beim Mittelmeer-GP in Enna. Zweiter wurde Brambilla vor Mass. Die Tabelle: Jarier (63), Mass (40), Depailler (32), Brambilla (20), Coulon (16). Beim Rennen in Salzburg riss die Siegesserie, aber auch Mass blieb blass – und ohne Punkte. Der Sieg ging an Brambilla. Für den Italiener ist Österreich ein gutes Pflaster: 1975 gewann er beim Österreich GP sein einziges von 74 Rennen in einem spektakulären Regenrennen. Selbst nach dem Rennen gab es noch Action: Brambilla war vom Sieg selbst so überrascht, dass er bei der Zieldurchfahrt beide Arme in die Höhe riss, seinen March Ford außer Kontrolle geriet und gegen die Streckenbegrenzung krachte. Brambilla musste seine Ehrenrunde ganz unehrenhaft mit einem lädierten Rennwagen absolvieren. In Salzburg 1973 siegte Brambilla vor Depailler und Coulon. Damit sah der Stand in der Meisterschaft so aus: Jarier (63), Mass (40), Depailler (38), Brambilla (29), Coulon (20).

Ausgerechnet in Deutschland, beim Rennen auf dem Norisring im bayerischen Nürnberg machte Jarier den Sack zu: Er und Mass blieben ohne Punkte, gewonnen hat Schenken, der bekanntlich keine Punkte bekommen dürfte. Deshalb wurde Tom Pryce als Sieger gewertet, für die EM-Wertung. Und für das Team von Rondel. Dritter wurde Henri Pescarolo, der wie Schenken nicht punktberechtigt war. Vorne in der Tabelle gab es keine Veränderungen, aber bei nur noch zwei auszustehenden Rennen war der Rückstand nicht mehr aufzuholen. Es folgten noch das Rennen in Albi (Sieger Brambilla) und der Rom-GP (Sieger Coulon). Der Endstand: Jarier (78), Mass (41), Depailler (38), Brambilla (35), Coulon (32).

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