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Serie: Die Italiener mit den meisten WM-Rennen: 2. Riccardo Patrese (255)

Geschrieben von: Michael Zeitler.

Serie: Die Italiener mit den meisten WM-Rennen: 2. Riccardo Patrese (255)

von Michael Zeitler

Bis 2008 war Riccardo Patrese nicht nur der Italiener mit den meisten WM-Rennen, sondern auch der F1-Rekordhalter.

| Pescara (!NS!DE-RAC!NG) - Heute gibt es pro Jahr rund 20 Rennen. Da kommt man natürlich leichter auf eine so stattliche Zahl an GP-Rennen, wie es Riccardo Patrese hat. Doch gerade das F1-Stühlerücken für 2012 hat mit dem F1-Aus von Fahrern wie Adrian Sutil, Jaime Alguersuari oder Sébastien Buemi gezeigt: Es ist auch keine Selbstverständlichkeit mehr als 200 WM-Rennen zu fahren. Dennoch ist das immer häufiger der Fall. Riccardo Patrese fuhr noch zu Zeiten, in denen es zwar mehr als zehn WM-Rennen pro Jahr gab, aber eben auch keine 20. Der Italiener fuhr noch gegen James Hunt, aber auch gegen Michael Schumacher.

Gegen letzteren fuhr Patrese sogar in einem Team. Das war 1993 bei Benetton der Fall. Es war die wohl enttäuschendste Saison für Patrese – und er war eine der negativen Überraschungen des Jahres 1993. Patrese galt schon immer als Nummer-2-Fahrer, das war schon bei Nelson Piquet bei Brabham der Fall, sowie bei Nigel Mansell bei Williams – und da passte es auch dazu, dass Patrese 1993 bei Benetton auch Michael Schumacher unterlag. Doch diese Niederlage war schon heftig. Patrese kam immerhin als Vizemeister von Williams und erlebte bei Benetton eine faustdicke Enttäuschung. Zugegeben: Schumacher wurde bei Benetton wie der künftig König behandelt. Er war der zentrale Fahrer im Rennstall, um ihn hatten sich die Mechaniker vordergründig gekümmert, er war eben die Nummer eins und Patrese wie so oft die Nummer zwei. Darüber hinaus konnte Teamchef Flavio Briatore auch nicht wirklich verbergen, dass er von Patrese nicht viel hielt. Nach schon zwei Rennen kündigte der Playboy-Teamchef den Rauswurf von Patrese an. Sogar Nigel Mansell wurde als Ersatz für Patrese bereits gehandelt. Besonders die Benetton-Testfahrer Paul Belmondo, Andrea Montermini und Allan McNish machten sich Hoffnung, Patrese zu ersetzen – und ihn damit vorzeitig in F1-Rente zu schicken. Doch Patrese blieb doch bis zum Saisonende. Die ganzen Bevorzugungen Schumachers zum Trotz: Immer wieder war Patrese mehr als eine Sekunde pro Runde langsamer als der deutsche Rekordweltmeister. Ein solcher Rückstand ist weder vom Team gewollt, noch einzig durch Benachteilung zu begründen.

Trotz der schlechten Saison bei Benetton war Patrese auch für 1994 noch ein gefragter Mann. Mit drei Teams verhandelte er für ein Stammcockpit 1994: McLaren, Ligier (dank der guten Kontakte zu Renault), sowie Sauber. Patrese fühlte sich rennmüde, stellte bei den Vertragsverhandlungen dementsprechend auch einige Forderungen. So fiel Patrese für 1994 durch den Rost. Nach dem tödlichen Unfall von Ayrton Senna beim Imola GP 1994 meldete sich Frank Williams bei Patrese, ob er als Ersatz für Senna in Frage käme. Was Patrese leisten kann, wusste Williams von der gemeinsamen Zeit Ende der 80er und Anfang der 90er Jahre. Patrese lehnte das Angebot ab. Für ihn war seine F1-Karriere beendet. Nach 255 WM-Rennen.

Damit hielt Ricciardo auch den Rekord. Den schnappte er sich beim Australien GP 1988, als er die Marke von Graham Hill (176 Rennen) übertraf. Hill hatte den Rekord seit 1971 (davor Jack Brabham, der wiederum 1966 Maurice Trintignants 82 GP in der WM übertraf, der 1959 Juan Manuel Fangio überbot). Patreses Rekord hielt bis 2008, dann überholte ihn Rubens Barrichello, der aktuelle GP-Rekordhalter. Schon 2005 sah Patrese seinen Rekord in Gefahr. Hätte Michael Schumacher auch über 2006 hinaus F1-Rennen gefahren (und nicht erst wieder seit 2010), dann wäre der Rekord früher geknackt worden. Patrese wollte um seinen Rekord kämpfen. Tatsächlich fasste er ein F1-Comeback ins Auge (Paul Stoddart hätte ihm sogar einen Minardi zur Verfügung gestellt), denn Patrese war damals auch im Training wegen seiner Teilnahme an den GP-Masters-Rennen für frühere F1-Fahrer. Diese Formel-Rennwagen waren immerhin schon auf GP2-Niveau. Doch die Serie ging leider schon nach drei Rennen den Bach runter. Als Patrese 2008 von Barrichello überholt wurde, schloss er eine Rückkehr aus – inzwischen war er auch schon längst über 50. Dennoch bekam er von Honda, wo Barrichello damals unter Vertrag stand, einen F1-Test im Jahreswagen und mit Demoreifen in Jerez zur Verfügung. Patrese nahm dankend an!

Der Honda-Test passierte immerhin 31 Jahre nach seinem F1-Debüt, den er beim Monaco GP 1977 im Shadow Ford gab. Zuvor fing Patrese ein Politikwissenschafts-Studium an. Parallel dazu betrieb er Motorsport – und war in den Nachwuchsserien erstaunlich gut. 1974 wurde er Kart-Weltmeister, was nicht viele F1-Fahrer geschafft haben. Ein anderer war Vitantonio Liuzzi – auch ein Italiener. Das ist kein Zufall: Italien ist die Nation Nummer eins im Kartsport, durch den heute fast alle jungen Fahrer gehen müssen. Umso erstaunlicher ist es, dass es keinen italienischen F1-Fahrer mehr gibt. Einer, der das ändern könnte, ist Davide Valsecchi. Bei DAMS in der GP2 ist er 2012 auf den Titel angesetzt – und der GP2-Meister bekommt eigentlich fast sicher ein F1-Cockpit im darauf folgenden Jahr. Zuletzt war das 2008 nicht der Fall, als Giorgio Pantano Meister wurde. Jetzt raten Sie mal, welche Nation Pantano hat…

Patrese war aber auch nicht nur im Kart richtig stark. 1975 fuhr er seine erste Saison im Formel-Sport. In der Formel-Italia wurde er von der Scuderia Nettuno eingesetzt und wurde prompt Vizemeister. Geschlagen wurde er nur von Bruno Giacomelli. Die beiden waren damals die viel versprechensten italienischen Nachwuchsfahrer. Die Wege der beiden kreuzten sich immer wieder. 1977 wurden beide punktgleich in der F2-Europameisterschaft Gesamt-4., Patrese hielt jedoch in der italienischen Wertung (italienische Formel-2) die Nase vorne. Und auch die F1-Bilanz von Patrese übertrumpft jene von Giacomelli, der nur einmal das Podest erreichte, als er beim Grand Prix auf dem Parkplatz vor dem Ceasar’s Palace in Las Vegas im Alfa Romeo Dritter wurde.

Während Giacomelli in den Nachwuchsklassen der nationale Gegner von Patrese war, so war der Schwede Conny Andersson der internationale Kontrahent 1976 in der europäischen Formel-3. Patrese wurde von Trivellato unter Vertrag genommen und wurde mit dem Chevron Toyota auch Meister – allerdings punktgleich mit Andersson. Das Trivellato-Team war damals eines der besten italienischen Teams in den Nachwuchsklassen. Pino Trivellato war ein Chevron-Händler und hielt viel von Patreses Rennfahrerkünsten. 1977 fuhr Patrese deshalb für Trivellato auch einen Chevron BMW in der F2-EM. Wie bereits erwähnt wurde Patrese Gesamt-4. Das F2-Engagement stand 1977 klar im Mittelpunkt, obschon Patrese auch schon in die Formel-1 aufsteigen konnte. Shadow trennte sich nach fünf Rennen von Renzo Zorzi, der in der F1-WM für Williams und Shadow insgesamt sieben WM-Rennen gefahren ist und dank des italienischen Sponsors Franco Ambrosio suchte Shadow als Ersatz wieder einen Italiener – und da führte damals kein Weg an Patrese vorbei. Die ersten F1-Rennen liefen für Patrese durchschnittlich. Beim Japan GP 1977 wurde er immerhin Sechster. Probleme gab es vor allem bei der Kommunikation, weil Patrese der englischen Sprache nicht wirklich mächtig war.

Dass sich Patrese weiterhin vor allem auf die F2-EM konzentrierte hatte einen Grund: Das Trivellato-Team plante selbst mit einem Chevron den Aufstieg in die Formel-1. Daraus wurde aber nichts und so verhandelte Patrese mit verschiedenen Teams für 1978. So war er unter anderem auch bei Williams im Gespräch. Das Traditionsteam war damals kein Topteam und so entschied sich Patrese für das neue Arrows-Team, das von einigen Shadow-Mitarbeitern aufgebaut wurde. Die Saison wurde ein Jahr mit Höhen und Tiefen. Ersteres war zum Beispiel beim Schweden GP der Fall, als er hinter Niki Lauda Zweiter wurde. Der absolute Tiefpunkt war unbestritten der Grand Prix zu Hause in Monza. Patrese war damals in den Massencrash am Start verstrickt, der Ronnie Peterson das Leben kostete. Schlimmer noch: Patrese wurde für den Unfall lange Zeit sogar verantwortlich gemacht. Seine aggressive Fahrweise stieß im Fahrerlager auf viel Ablehnung. Jahre später befand ein Richter: Patrese war unschuldig. Der Unfall, vor allem wohl eine Verkettung unglücklicher Umstände, soll eher von James Hunt ausgelöst worden sein. Patrese musste damals ein Rennen aussetzen.

Obschon Patrese, der inzwischen vielen als Gentleman bekannt ist, damals im Fahrerlager nicht sehr beliebt war, so konnte er dennoch sein Talent aufblitzen lassen. Sogar der große Enzo Ferrari fasste Patrese nun ins Auge. Ferrari war mit den Leistungen von Gilles Villeneuve unzufrieden – immer wieder schmiss der Kanadier das Auto in aussichtsreichen Situationen weg. Doch spätestens nach dem Sieg beim Kanada GP 1978 wendete sich das Blatt: Villeneuve wurde immer besser – und vor allem: Er wurde der Publikumsliebling, dank seines Charismas und seines spektakulären Fahrstils. Damit versandeten die Gespräche zwischen Ferrari und Patrese. So ganz hatte Patrese die Hoffnung auf das Traumcockpit bei Ferrari aber auch später nicht aufgegeben.

Wegen der Verhandlungen mit Ferrari lehnte Patrese sogar einen Dreijahresvertrag mit Brabham ab und blieb 1979 weiter bei Arrows. Das beste Resultat des Jahres war ein fünfter Rang beim Belgien GP. Dafür wurde er Zweiter beim Macau GP. Der heutige F3-Klassiker war damals noch ein Rennen der südostasiatischen Formel-Pazifik-Meisterschaft. Obwohl Sponsoren damals im Motorsport längst etabliert waren und die Fahrer deshalb nicht mehr nur auf Start- und Preisgelder angewiesen waren. Trotzdem fuhr Patrese während seiner F1-Karriere immer wieder auch bei anderen Rennen, vor allem auch in der Sportwagen-WM. Auch 1980 blieb Patrese bei Arrows. Das Team, das nie einen Sieg bei einem WM-Rennen holen konnte, stellte einen ordentlichen Boliden zur Verfügung, mit dem Patrese beim USA-West GP Zweiter werden konnte. Patrese blieb deshalb auch 1981 bei Arrows, obwohl er auch mit Toleman, Brabham, Fittipaldi, Tyrrell und March verhandelte. Es ging weiter aufwärts: Patrese wurde WM-9. und war damit schon in den Top-10. Dazu reichten damals ein zweiter Platz in Imola und ein dritter in Brasilien als Highlights. Doch damals waren die Fahrzeuge auch noch unzuverlässiger, so auch der Arrows Ford von Patrese, der besonders im Motorenbereich immer wieder Federn lassen musste.

1982 wechselte Patrese zu Brabham. Und damit schaffte er auch endlich seinen ersten GP-Sieg – und das auch noch vor der Mega-Kulisse in Monaco. Übrigens: Auch Jarno Trulli feierte beim Monaco GP 2004 seinen ersten GP-Sieg, für ihn blieb es aber auch der einzige Sieg. Anders Patrese: Er gewann nach Monaco 1982 noch fünf weitere F1-Rennen. Zwischen dem Südafrika GP 1983 und dem Imola GP 1990 klaffte aber eine Lücke von 98 sieglosen Rennen zwischen zwei Siegen – das ist bis heute Rekord! Rubens Barrichello musste 84 Rennen zwischen dem Sieg in China 2004 und jenem in Europa 2009 warten und Mario Andretti zwischen jenem in Südafrika 1971 und Japan 1976 immerhin 81 WM-Rennen.

Trotz der zwei Patrese-Siege in Monaco 1982 und Südafrika 1983 fuhr er im Schatten von Nelson Piquet. Deshalb wechselte er 1984 auch zu Alfa Romeo. Die Einsätze wurden vom Euroracing-Team geleitet. Mit dem Alfa Romeo hatte Patrese kein Material mehr, mit dem er gewinnen konnte. Aber immerhin reichte es zu Rang drei beim Heimrennen. Das war 1985 nur noch ein Traum. In jenem Jahr holte Patrese keinen einzigen Punkt! Die Karriere von Patrese schien so gut wie beendet zu sein, doch dann kehrte er doch noch zu Brabham zurück. Inzwischen war Brabham auf dem absteigenden Ast. Aus einem WM-Team wurde ein Rennstall, der ums Überleben kämpfte. Auch das war keine Basis für Siege, aber immerhin eine, die zu Rang drei beim Mexiko GP 1987 reichte.

Noch imselben Jahr wechselte Patrese zu Williams. Ein Vertrag für 1988 war längst unterschrieben und nachdem Nigel Mansell beim letzten Rennen 1987 verletzungsbedingt ausfiel, kam der Wechsel früher zustande. 1988 ging Williams durch ein schwieriges Jahr mit den nicht konkurrenzfähigen Judd-Motoren. Doch ab 1989 ging es mit Renault-Power steil bergauf – und damit auch mit der Karriere von Patrese. Zwar blieb er im Schatten seiner Teamkollegen, doch 1989 und 1991 wurde er für Williams jeweils Gesamt-3., 1992 sogar Vizemeister. 1991 betrachtet Patrese rückblickend als seine beste Saison, fahrerisch. 1992 hatte Patrese in Portugal einen spektakulären Unfall mit Gerhard Berger, blieb nach dem Flug durch die Luft aber unversehrt. 1993 der erwähnte brutale Abfall, wenigstens wurde er in Ungarn noch Zweiter. Wie passend für eine Nummer zwei wie Patrese.

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