F1 Terminkalender

Zur Zeit sind keine Eintrge vorhanden!

Kommentar der Woche

  • Woche 16| Applaus für Sergio Perez von !NS!DE-RAC!NG-Redakteur Michael Zeitler. Weiterlesen...

Serie: Die Italiener mit den meisten WM-Rennen: 6. Michele Alboreto (194)

Geschrieben von: Michael Zeitler.

Serie: Die Italiener mit den meisten WM-Rennen: 6. Michele Alboreto (194)

von Michael Zeitler

Michele Alboreto war der letzte Italiener, der um den WM-Titel fuhr.

| Pescara (!NS!DE-RAC!NG) - Nach dem F1-Aus von Jarno Trulli kritisierte dieser den italienischen Motorsport scharf: Es sei nicht überraschend, dass es jetzt keinen Italiener mehr in der Formel-1 gäbe – es werde zu wenig Unterstützung geboten. Die Scuderia Ferrari reagierte mit einer Twitter-Meldung und verwies auf deren Nachwuchsförderung, bei der auch italienische Kandidaten dabei sind. Doch der letzte Italiener, der für Ferrari einen Grand Prix gewinnen konnte war Michele Alboreto. Als er beim Belgien GP 1984 mit dem Ferrari gewann, war er wiederum der erste siegreiche Ferrari-Italiener seit Ludovico Scarfiotti beim Italien GP 1966. Überhaupt war Alboreto 1984 der erste italienische Ferrari-Stammfahrer seit Arturo Merzario 1973.

Michele Alboreto war aber mehr als nur eine statistische Ferrari-Erscheinung. Der stets freundlich aufgelegte Alboreto holte 1985 bei Ferrari immerhin die Vizemeisterschaft. Nach der ersten Saisonhälfte führte Alboreto die WM sogar immer wieder an, erst in den letzten Rennen musste sich der Italiener wegen mangelnder Zuverlässigkeit Alain Prost im McLaren Porsche beugen. Alboreto war damals dennoch nicht nur bei den Ferrari-Fans beliebt. Auch im Fahrerlager hatte er viele Freunde, darunter Elio de Angelis.

Alboreto hatte ein bisschen Pech. Als er gerade in der Form seines Lebens fuhr, war McLaren stärker und Ferrari zu unzuverlässig. Danach schlug sich Alboreto immer wieder mit bestenfalls drittklassigem Material herum. Teamwechsel in Spitzenteams wie Williams und Benetton scheiterten immer kurz vor knapp. Und so ist Alboreto nur der letzte Vizemeister aus Italien statt der letzte F1-Weltmeister aus Italien und der letzte italienische Weltmeister mit Ferrari. Doch auch die Laufbahn von Alboreto lässt sich sehen.

Eine Laufbahn, die 1976 in der Formel-Monza begann. Die Serie war damals eher eine Amateurserie, die er für die Scuderia Salvati bestritt. Das Team gehörte Giovanni Salvati, der 1970 Meister in der italienischen Formel-3 wurde und auch einige Rennen in der Formel-2 bestritt, dem Vorvorläufer der heutigen GP2. 1977 wurde Alboreto in der Formel-Monza Gesamt-3., fuhr nebenher aber alle möglichen Formel-Nachwuchsserien, die es in Italien gab: Formel-Abarth, Formel-Italia und auch italienische Formel-3.

1979 wurde es für den Sohn einer libyschen Mutter ernst: Alboreto fuhr auch auf internationalem Terrain Rennen. Sein Hauptaugenmerk lag aber weiterhin in der italienischen Formel-3, die er für das Euroracing-Team bestritt, das später in der Formel-1 die Werkseinsätze von Alfa Romeo leiten sollte und noch später das Euro in EuroBrun darstellte – einem ambitionierten Rennstall, der in der Formel-1 nie auf Touren kam. Dafür kam Alboreto immer mehr auf Touren: Er wurde Vizemeister, nur vom Teamkollegen Piercarlo Ghinzani geschlagen. Ghinzani wurde später in der Formel-1 nicht so erfolgreich wie Alboreto. Heute ist er in der italienischen Formel-3 als Teambesitzer zurück. 1980 ließ Alboreto den Meistertitel folgen, allerdings in der europäischen Formel-3, immer noch mit einem March Toyota beziehungsweise March Alfa Romeo von Euroracing.

Der nächste Schritt in der Formel-Leiter war die europäische Formel-2. Er schloss sich dem Minardi-Team an und blieb daher in einem italienischen Rennstall. Das Minardi-Team wagte 1985 den Einstieg in die Formel-1 und kam auch dort einmal in die Gunst von Alboretos Diensten. Viel bedeutender waren dessen Dienste für Minardi aber in der Formel-2: In Misano 1981 holte er den einzigen Sieg von Minardi.

Noch während der Saison 1981 folgte der nächste Schritt: Mit den Darbietungen von Ricardo Zunino war Tyrrell unzufrieden, außerdem war der Argentinier sowieso nur als Zwischenlösung für die Überseerennen gedacht. Ken Tyrrell galt als Teamchef, der ein Talent für das Herauspicken von Talenten hatte. In Alboreto, der im Winter zuvor einen F1-Wagen für Williams testen durfte, sah er ein solches Talent. Also war Alboreto engagiert. 1982 folgte die erste volle F1-Saison für Alboreto. Beim Imola GP stieg er als Dritter erstmals auf das Treppchen – allerdings mit einem stark reduzierten Starterfeld. Wir sprechen hier von einem Grand Prix, der dem FISA-FOCA-Streit zum Opfer viel und von vielen Teams boykottiert wurden, vor allem von den englischen Teams. Tyrrell scherte aus dieser Reihe aus. Dass Alboreto aber auch aus eigener Kraft unter die ersten drei fahren konnte, ließ er später im Parkplatzrennen vor dem Ceasar’s Palace in Las Vegas sehen, als er das Rennen sogar gewann!

Wie gut Alboretos Ruf damals war zeigt auch die Tatsache, dass er als ein möglicher Kandidat für den tödlich verunglückten Gilles Villeneuve bei Ferrari halt. Bis Alboreto bei Ferrari Formel-1 fuhr dauerte es aber noch ein bisschen. 1983 fuhr er nämlich noch einmal für Tyrrell. Wieder siegte er, wieder in den Vereinigten Staaten, dieses Mal aber in Detroit. Der Sieg ist in die Geschichte eingegangen, denn es war der letzte Sieg des Tyrrell-Teams und selbst wenn man die Nachfolger mit einrechnet (über mehrere Etappen wurde aus dem Tyrrell-Team das heutige Mercedes-Werksteam) war es der letzte GP-Sieg bis Jenson Button im Honda den Ungarn GP dank einer Regenlotterie gewann – für Button nicht ungewöhnlich…

Dann also der Wechsel zu Ferrari und die erreichten Erfolge bis hin zum Vizetitel 1985. Zu jener Zeit war der FISA-FOCA-Streit zwar längst beendet, aber die Politik spielte nach wie vor eine zentrale Rolle. Besonders Ferrari legte sich mit den F1-Organisatoren an und drohte mit dem F1-Ausstieg. Als Druckmittel entwarf der Österreicher Gustav Brunner einen IndyCar aus dem Hause Ferrari. Neben US-Rennstar Bobby Rahal, der auch – allerdings weniger als eine Hand voll – F1-Rennen fuhr, testete auch Alboreto den Ferrari-IndyCar. Wie abzuwarten war, wechselte Ferrari nicht in die amerikanische Formel-1, aber Alboreto kam mehr als zehn Jahre später doch noch zum IndyCar-Debüt. 1996 und 1997 fuhr er wenige Rennen für das Team Scandia/Simon.

Sportlich schlitterte Ferrari in jener Epoche des F1-Sports in die größte Krise: 1986 kam Alboreto zum Beispiel nur fünf Mal überhaupt ins Ziel! 1987 wurde Alboreto beim Australien GP nur Zweiter. Diesen Erfolg wiederholte er beim Italien GP 1988. Doch dieser zweite Platz war bedeutender: Es war das Jahr, das wie kein zweites von einem Team dominiert wurde: Von McLaren. Nur ein Rennen wurde nicht von McLaren gewonnen, ausgerechnet das Ferrari-Heimspiel in Monza. Noch dazu war der Tod von Teamgründer Enzo Ferrari erst wenige Wochen her, die Stimmung dementsprechend am Tiefpunkt – weil es auch sportlich nicht lief. Und gerade in Monza nach diesen ganzen Vorgeschichten stolperte Alain Prost über einen Defekt und Ayrton Senna über den zu überrunden Jean-Louis Schlesser im Williams Judd und schon war der Weg frei für Ferrari. Alboreto wurde knapp von Gerhard Berger geschlagen Zweiter.

Das Rennergebnis spiegelte aber auch so ein bisschen die teaminterne Politik wieder. Immer mehr geriet Alboreto auf das Abstellgleis, während Gerhard Berger das Team hinter sich scharen kann. Der Österreicher genoss in seiner F1-Karriere oft und gerne den Nummer-1-Status. Alboreto, der zu diesem Zeitpunkt so viele WM-Rennen für Ferrari bestritt wie kein Fahrer zuvor (erst später wurde er von ausgerechnet Berger überholt) wechselte zurück zum Tyrrell-Team, das aber sportlich nur noch mittelprächtig war. Und damit beginnt auch der sportliche Abstieg von Alboreto. Der Wechsel zu Tyrrell war für Alboreto aber die einzige Lösung, nachdem er zu lange auf die Möglichkeit des Williams-Cockpits setzte. Wer sich die weitere erfolgreiche Entwicklung des Teams ansieht, der kann sich ausrechnen, welche Chancen Alboreto verwehrt blieben.

Tyrrell blieb nur kurz seine neue und alte Station. Bald überwarf er sich mit Ken Tyrrell, der weiterhin auf der Suche nach jungen und viel versprechenden Nachwuchsfahrern war und noch dazu Druck von Sponsor Camel bekam. Alboreto war damals ein Fahrer von Marlboro und das passte Camel nicht ins Bild. Paradoxerweise wechselte Alboreto nach dem Aus bei Tyrrell noch 1989 ins Larrousse-Team, das ebenfalls Camel als Sponsor hatte… Bei Larrousse war Alboreto von ganz oben, ganz unten angelangt. Teilweise scheiterte er sogar in der Vorquali und musste damit schon am Freitag die Sachen zusammenpacken!

Drei Jahre lang fuhr er anschließend im Arrows-Team, das von japanischen Hintermännern gekauft wurde und in Footwork umbenannt wurde. 1990 und 1991 verliefen katastrophal: Keine Punkte und besonders die Liaison mit Porsche 1991 entpuppte sich zu einem der größten Flops der F1-Geschichte. 1992, mit Mugen-Honda-Power, wurde es besser: Mit sechs Punkten wurde Alboreto immerhin WM-10. und war damit wieder in den Top-10 angekommen. 1993 schloss er sich dem Scuderia-Italia-Team an, das recht viel versprechend aussah, aber dann zum nächsten großen F1-Flop wurde. Der Lola Ferrari war eine totale Fehlkonstruktion. Luca Badoer, der damals amtierende F3000-Meister und Teamkollege von Alboreto, wurde in einem Buch von Mario Alberto-Bauér so zitiert: „Die Luft wird vorne schon schlecht kanalisiert und hinten mangels gescheiter Diffusoren wegen dem Riesengetriebe nicht effektiv geleitet. Das ganze Ding ist eine Katastrophe“, winkt Luca ab, „selbst im Windkanal ist da nichts zu retten.“

1994 fusionierte die Scuderia Italia mit dem Minardi-Team und so hatte Alboreto wieder eine neue, alte Heimat. Doch Minardi war wieder nur eine Notlösung, denn eigentlich war er einer der Favoriten auf das zweite Cockpit neben Michael Schumacher bei Benetton. Zur Erinnerung: Schumacher wurde bei Benetton Weltmeister! Alboreto hätte mit Sicherheit hier und da den letzten Podestplatz oder gar Sieg herausfahren können, aber bei Minardi kam er beim Monaco GP nur noch zum letzten von 186,5 WM-Punkten. Seine Bilanz blieb damit bei fünf Siegen und zwei Pole-Positions.

Mit der Rennfahrerei wollte Alboreto nach der Formel-1 aber nicht aufhören. Für das Schübel-Team fuhr er 1995 in der DTM, danach war er wie bereits erwähnt in der IndyCar aktiv und fand in den Sportwagen ein neues Metier. Schon zu Beginn der 80er Jahre, während er seine F1-Karriere gerade aufbaute, fuhr er für Lancia beim 24-Stundenrennen von Le Mans mit. 1997 gewann er den Sportwagen-Langstrecken-Klassiker gemeinsam mit seinem ehemaligen F1-Ferrari-Teamkollegen Stefan Johansson und Le-Mans-Rekordsieger Tom Kristensen. Die drei fuhren für das Joest-Team einen Porsche, aufgebaut von der Mannschaft vom damaligen Arrows-F1-Chef Tom Walkinshaw. Von 1998 bis 2001 fuhr Alboreto als Audi-Werksfahrer Sportwagen. Im April 2001 testete er auf dem Lausitzring und kehrte nicht wieder zurück: Nach einem Reifenschaden hob sein Audi ab, überschlug sich und landete hinter den Leitplanken. Für Alboreto kam jede Hilfe zu spät.

Wir haben 44 Gäste online

Next Race:

© 2008 - 2013 !R Redaktionsgemeinschaft / !NS!DE-RAC!NG Online Magazin
Ein Angebot der RTV-WORLD MediaGroup - Fa. Roland Schäfges: Katzenberger Weg 114 - 56727 Mayen - www.rtv-world.de - redaktion@inside-racing.de