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Serie: Die Italiener mit den meisten WM-Rennen: 7. Pierluigi Martini (118)

Geschrieben von: Michael Zeitler.

Serie: Die Italiener mit den meisten WM-Rennen: 7. Pierluigi Martini (118)

von Michael Zeitler

118 WM-Rennen - und die meisten davon für Minardi: Pierluigi Martini.

| Pescara (!NS!DE-RAC!NG) - „Martini fuhr das erste F1-Rennen für Minardi.“ Wer das hört, wird vermutlich an Pierluigi Martini denken, der 1985 das erste WM-Rennen für Minardi in der Formel-1 bestritt. Das ist natürlich richtig. Aber das erste F1-Rennen bestritt Giancarlo Martini für Minardi – das war der Onkel von Pierluigi. Dabei müssen wir zurückblicken ins Jahr 1976. Damals kaufte sich Giancarlo Minardi einen Ferrari-Kundenrennwagen und setzte ihn unter dem Teamnamen Scuderia Everest bei zwei nicht zur WM zählenden Rennen in Großbritannien für Giancarlo Martini ein. Aus der Scuderia Everest wurde wenig später die Scuderia Minardi – und aus den zwei WM-Rennen für Martini wurde nicht mehr. Minardi blieb vorerst in der Formel-2 und Giancarlo Martini sahen wir ebenfalls nie bei einem F1-WM-Rennen.

Erst 1985 kam das Minardi-Team in die Formel-1. Dass man als ersten Fahrer Pierluigi Martini auswählte hatte nichts mit dem Onkel zu tun. Ganz im Gegenteil: Eigentlich sollte Alessandro Nannini die erste Saison für Minardi bestreiten. Doch das soll, so schreibt es das Internetlexikon Wikipedia, damals von McLaren-Chef Ron Dennis mit einem Veto verhindert worden sein. Nannini, der Bruder der Rock-Göre Gianna Nannini, hatte damals noch keine Superlizenz, also noch keinen F1-Führerschein, und hätte nur mit Zustimmung aller F1-Teams fahren dürfen. In der Regel stimmen die Teamchefs in einem solchen Fall zu, außer es ist wirklich ein abenteuerlicher Fahrer oder es gibt politische Dispute zwischen den Teams. Oft fließt als Schmiermittel ein bisschen Geld und dann darf der Fahrer auch fahren. Wieso Dennis ein Veto einlegte, entzieht sich unserer Kenntnis.

Bleibt wir aber noch einmal in der Familie Martini. Wie erwähnt: Die Familie Nannini ist nicht minder interessant, aber nach dem Veto von Dennis debütierte Minardi mit Pierluigi Martini. Der Italiener, heute 51 Jahre alt, hat aber auch noch einen rennfahrenden Bruder: Oliver Martini. Oliver Martini ist aber eine ganze Ecke jünger und holte sich 1997 erst den Titel in der italienischen Formel-3 in Diensten von RC. Danach sah man ihn bis 2007 in den Vorgängerserien der heutigen Auto-GP, also der höchsten italienischen Formel-Rennserien. Dabei fuhr er für Teams wie Draco, Sighinolfi, RC oder Avelon und wurde 2007 mit zwei Siegen immerhin Gesamt-4.

In die Formel-1 packte es Oliver Martini aber nie. Anders als Pierluigi. Tatsächlich debütierte Martini auch erst 1985, obschon er 1984 schon seine erste F1-Chance bekam. Nachdem Martini mit seinem Ralt Alfa Romeo des Pavesi-Teams europäischer F3-Meister wurde und er einen erfolgreichen F1-Test für Brabham absolvierte, kam er bei seinem Heimrennen 1984 zu seinem F1-Debüt. Toleman musste auf die Dienste von Johnny Cecotto wegen einer Verletzung verzichten, also engagierte man für den Italien GP auch einen Lokalmatador und wurde in Martini fündig. Allerdings konnte Martini den Toleman Hart nicht für das Rennen qualifizieren und er musste bis 1985 warten, bis er auch endlich mal in der F1-Startaufstellung stand.

Natürlich war auch die Minardi-Einstandssaison nicht leicht. Vor allem auf dem Motorenmarkt gab es große Unsicherheiten. Erst wollte Minardi das Motorenprogramm von Alfa Romeo kaufen, aber als das scheiterte, gab er Motoren bei der italienischen Firma Motori Moderni in Auftrag, die später mit dem japanischen Hersteller Subaru liiert waren. Die Motoren hatten Verzögerung und so musste Minardi vorerst mit den uralten Ford-Cosworth-Motoren Vorlieb nehmen. Bereits mit den Motori-Moderni-Aggregaten wurde Martini beim Australien GP Achter – das höchste der Gefühle 1985.

1986 bekam Minardi dann Alessandro Nannini und Pierluigi Martini ging zurück in die zweite Liga, was heute die GP2 ist, damals die internationale Formel-3000. Dabei setzte er wieder auf ein Team, mit dem er 1983 schon die europäische Formel-3 gewann: Pavesi. Hinter dem Rennstall steckte Luciano Pavesi, der 1975 selbst mit einem Brabham Toyota italienischer F3-Meister wurde und auch in der F2-EM (dem Vorgänger der internationalen Formel-3000) unterwegs war. Später schloss sich das Pavesi-Team mit dem Barone-Ramapante-Team zusammen, das dem heutigen Auto-GP-Fahrer Giuseppe Cipriani gehörte und in die Formel-1 einsteigen wollte. 1986 führte Pavesi das Team aber noch alleine – und die Mannschaft war richtig gut. Martini konnte mit dem Ralt Ford Cosworth sogar um den Titel fahren, der 1986 auch zwischen drei Italiener entschieden wurde. Martini wurde Gesamt-3., der Titel ging an Ivan Capelli in einem weiteren italienischen Rennstall: Genoa. 1987 blieb Martini in der Formel-3000 bei Pavesi, die Saison verlief allerdings enttäuschend.

1988 folgte der dritte Anlauf auf den F3000-Titel. Dieses Mal wechselte er den Rennstall und schloss sich dem FIRST-Team von Lamberto Leoni an, der 1978 ein F1-WM-Rennen für Ensign bestritt. Für 1989 liefen bei FIRST Vorbereitungen auf einen F1-Einstieg. Als Basis des eigenen Rennwagens diente der March Judd, mit dem Martini in der F3000 unterwegs war. Deswegen entfachten auch Urheberrechtsstreite zwischen FIRST und March und so versandete das F1-Projekt. Der Prototyp wurde verkauft und 1990 als Life in die Formel-1 geführt. Bis heute gilt der Rennstall als eines der größten F1-Flops der Geschichte. Martini war in beide Projekte nicht verstrickt und versuchte bei FIRST lediglich den F3000-Titel 1988 zu holen. Was misslang: Er wurde Gesamt-4.

Dem F1-Projekt von FIRST schloss sich Martini auch deshalb nicht an, weil er noch 1989 die Chance auf ein F1-Comeback am Schopfe packte: Er kehrte zu Minardi zurück und ersetzte ab dem USA GP den wenig überzeugenden Adrian Campos. Damit wurde er wie schon 1986 bei Pavesi in der Formel-3000 Teamkollege von Luis Perez-Sala, dem heutigen F1-Teamchef von HRT. Beim Einstand fuhr Martini als Sechster auf Anhieb in die Punkte – es war sein erster WM-Punkt, aber auch der erste Punkt für Minardi.

Und es war nur ein Schritt in die richtige Richtung: Mit dem Minardi-Team ging es aufwärts. 1989 holte Martini schon fünf Punkte für Minardi, lag beim Portugal GP zwischenzeitlich sogar in Führung! Nur den Japan GP ließ er aus, weil er sich bei einem Dreher über den Randstein am Rücken verletzte. Testfahrer Paolo Barilla sprang ein. Die Geschichte wird an dieser Stelle deswegen erwähnt, weil F1-Boss Bernie Ecclestone was ganz Großes plante: Er versuchte Minardi zu überzeugen, als Ersatz für den verletzten Martini keinen geringeren als Ex-Weltmeister Emerson Fittipaldi zurückzuholen! Der Brasilianer war damals bei den IndyCars einer der Topfahrer, lehnte das Angebot jedoch aus Trainingsmangel ab.

Martini blieb weiter bei Minardi. 1990 gab es zwar keine WM-Punkte, aber dennoch Anzeichen, dass es mit Minardi weiter bergauf gehen würde. So qualifizierte sich Martini beim USA GP in Phoenix, US-Bundesstaat Arizona, für Rang zwei in der ersten Startreihe! Den Tiefpunkt des Jahres gab es in Imola, als er das Rennen wegen eines Trainingsunfalls sausen lassen musste. Der Schwachpunkt bei Minardi waren 1990 die Ford-Cosworth-Motoren. Als 1991 ein Motorenvertrag mit Ferrari geschlossen wurde, fasste man bei Minardi ehrgeizige Ziele. Tatsächlich wurde das Jahr das beste in der F1-Karriere von Pierluigi Martini: Er wurde Gesamt-11. und fuhr in Imola und Portugal sogar jeweils auf Rang vier! Doch insgeheim hatte sich Minardi natürlich mehr erhofft, denn die Ferrari-Motoren waren auch sündhaft teuer. Letztlich schlitterte das Team deshalb auch in eine finanzielle Krise und der Dreijahresvertrag mit Minardi wurde schon nach einem Jahr aufgekündigt.

Mit Lamborghini-Motoren versuchte sich Minardi wieder zu fangen. Dazu brauchte man zwei Bezahlfahrer – das bedeutete das Aus für Martini. Er wechselte das einzige Mal in seiner F1-Karriere das Team und fuhr 1992 für die Scuderia Italia. Mit dem Dallara Ferrari holte Martini zwei Punkte. 1993 blieb Martini zunächst cockpitlos. Erst beim Großbritannien GP kehrte Martini zurück, als er bei Minardi seinen Landsmann Fabrizio Barbazza ersetzte. Martini machte besonders beim Heimrennen in Monza Schlagzeilen, als er einen spektakulären Crash mit seinem Teamkollegen Christian Fittipaldi hatte, der sich in der letzten Runde auf der Start-Ziel-Geraden nach einer Kollision mit Martini rückwärts überschlug, aber als Achter übers Ziel schlitterte!

Martini – wie kann es auch anders sein – blieb auch 1994 bei Minardi. Vier Punkte waren die Ausbeute. 1995 blieb er – wie kann es auch anders sein – bei Minardi. Er fuhr die Saison nicht zu Ende: Nach neun Runden setzte man ihn den Portugiesen Pedro Lamy vor. Damit war die F1-Laufbahn nach 118 WM-Rennen und 18 Punkten für Martini beendet. Bis 1999 fuhr er danach Sportwagen und gewann 1999 für das BMW-Werksteam gemeinsam mit den beiden Ex-F1-Fahrern Yannick Dalmas und Joachim Winkelhock das 24-Stundenrennen von Le Mans. 2006 kehrte er noch einmal in den Motorsport zurück und fuhr bei der GP-Master-Serie mit, einer Meisterschaft für frühere F1-Fahrer.

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