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Serie: Die Italiener mit den meisten WM-Rennen: 8. Elio de Angelis (108)

Geschrieben von: Michael Zeitler.

Serie: Die Italiener mit den meisten WM-Rennen: 8. Elio de Angelis (108)

von Michael Zeitler

War Elio de Angelis wirklich so gut wie sein Ruf?

| Pescara (!NS!DE-RAC!NG) - Inzwischen dürfen die HRT-Fans aufatmen: Die Crashtests mit dem neuen Wagen sind bestanden. Der spanische Rennstall hatte den Winter über damit große Probleme, die auch von Reglement her rühren: Wer 2012 testen will, der darf das nur mit Fahrzeugen, die bereits den Crashtest absolviert haben. Diese Regel ist neu. Und macht Sinn: Es gab Jahre, das gab es während der Testfahrten praktisch keine Sicherheitsstandards. Über die Jahre hat sich aber ein ähnlicher Standard entwickelt, der bei den Rennen eben Standard war. Wäre das schon 1986 der Fall gewesen, vielleicht würde dann auch noch Elio de Angelis unter uns weilen. Der Italiener verunglückte 1986 bei den Testfahrten in Le Castellet, als der Heckflügel brach, De Angelis abflog, sich mehrfach überschlug und das Wrack am Kopf liegend Feuer fing. Zehn Minuten verstrichen, bis De Angelis befreit werden konnte – das war zu lang: Er verstarb an einer Rauchvergiftung.

Elio de Angelis, und das wissen heute nicht mehr viele, verstarb damals in einer Zeit, in der der Tod nicht mehr ständiger Begleiter der Formel-1 war. Vielleicht ist das auch der Grund, wieso De Angelis noch heute einen sensationellen Ruf hat. Gewiss hat De Angelis zwei Rennen gewinnen können, doch bei beiden Siege musste er sich auf ein bisschen Glück verlassen: Beim Österreich GP 1982 fielen alle Fahrer mit Turbomotor aus. De Angelis erntete den Sieg, was sich so formuliert viel zu einfach anhört. Denn De Angelis hatte selbst Probleme mit einer aussetzenden Benzinzufuhr und konnte daher den späteren Weltmeister Keke Rosberg nur um haaresbreite oder in Zeit ausgedrückt um 0,06 Sekunden hinter sich halten. Das ist weniger als ein Wimpernschlag, ein echtes Fotofinish und eines der knappsten Zieleinläufe der F1-Geschichte. Den zweiten Sieg bekam Elio de Angelis am Grünen Tisch serviert: Beim Imola GP 1985 wurde Alain Prost disqualifiziert, weil sein McLaren Porsche zwei Kilogramm leichter war, als es das Reglement vorschreibt.

Man tut De Angelis unrecht, wenn man behauptet, sein guter Ruf käme wegen seines Unfalltodes oder wegen seiner zwei geschenkten Siege zustande. Tatsächlich wusste De Angelis zu Beginn seiner Karriere zu beeindrucken. Schon im Kart wurde er Europameister und Vizeweltmeister, worauf er 1977 auf Anhieb die italienische Formel-3 für sich entschied. Damals setzte er sich mit einem Chevron Toyota und einem Ralt Toyota des Trivellato-Teams gegen seinen Landsmann Piercarlo Ghinzani durch, der inzwischen einen eigenen Rennstall in der italienischen Formel-3 leitet. Zusätzlich fuhr er 1977 fallweise und 1978 eine gesamte F2-Saison für die Scuderia Everest, der späteren Scuderia Minardi und der heutigen Scuderia Toro Rosso. Bereits bei seinem F2-Einstand in Misano 1977 führte er mit seinem Ralt Ferrari das Feld an bis er zwei Runden vor Schluss einen Bremsdefekt erlitt. 1978 gewann er darüber hinaus den F3-GP in Monaco.

Man konnte sagen, De Angelis war in den Nachwuchsserien wirklich beeindruckend unterwegs. Es folgten logischerweise erste F1-Tests mit Ferrari und Verhandlungen mit Tyrrell und Ferrari. Sein Vater Giulio de Angelis, der selbst erfolgreich Motorboot-Rennen fuhr, kaufte seinen Sohn De Angelis 1979 aber im Shadow-Team in der Formel-1 ein. Bezahlfahrer, eine der aktuell großen Thematiken im Motorsport, gab es also schon immer. Mit dem Shadow-Team ging es aber stark abwärts. Dennoch wusste De Angelis mit bescheidenem Material zu überzeugen und qualifizierte den Shadow Ford beim Großbritannien GP auf Rang zwölf.

Daraufhin lud ihn das Lotus-Team zu Testfahrten in Le Castellet ein, bei denen sich De Angelis gegen Nigel Mansell, Stephen South, Jan Lammers und Eddie Cheever durchsetzte. Einen Unterstützer hatte er vor allem in Lotus-Sponsor David Thieme. Lotus-Chef Colin Chapman mochte De Angelis anfangs nicht so sehr, unter anderem weil er Probleme mit der englischen Sprache hatte. Das Verhältnis der beiden änderte sich aber rapide durch den Sieg in Österreich 1982, den Chapman lange ersehnt hatte. Der Fall des Lotus-Teams begann nämlich in den 80er Jahren und das Team steckte damals in einer ersten Krise. Die verschärfte sich, als Chapman 1982 einem Herzinfarkt erlag.

Neuer Lotus-Teammanager wurde Peter Warr und der machte vor allem eines: Er spielte De Angelis und Nigel Mansell gegeneinander aus. In den Medien war von einem Stallkrieg der beiden zu reden, aber Mansell selbst enthüllte vor wenigen Monaten in „F1 Racing“, dass Warr zwei Fahrer wollte, die sich gegenseitig anstachelten und er deshalb immer wieder versuchte, die Fahrer aufzuhetzen. Mansell bezeichnet das Verhältnis zu De Angelis als Freundschaft. Das Stallduell der beiden ist aber durchaus sehr interessant. Mansell gilt heute als Löwe, also als Kämpfer. Tatsache ist aber: Zu Beginn der 80er Jahren war er das noch nicht. Ganz im Gegenteil von De Angelis. Obschon dieser aus einer durch Immobiliengeschäfte wohlhabenden Familie stammt (anders als Mansell, der aus einer Arbeiterfamilie kam) war De Angelis am Boden geblieben und ein Natur-Kämpfer, der sich immer wieder am Riemen riss und auf die Zähne biss. Und so hatte De Angelis in den ersten Lotus-Jahren Mansell auch im Griff.

De Angelis entwickelte sich so zur Nummer eins bei Lotus. Als Lotus 1983 an die Renault-Turbomotoren kam, bekam De Angelis die von Anfang an, während Mansell noch bis zur Saisonmitte warten musste. De Angelis galt in vielen Fachzeitungen damals als ein Mitfavorit um den WM-Titel. Doch die Saison verlief enttäuschend: Nur zwei Punkte! Doch 1984 wurde di beste Saison für De Angelis: Hinter dem McLaren-Duo wurde er Gesamt-3. und damit best of the rest. Und das obwohl er keine bessere Einzelleistung als Rang drei vorzuweisen hatte! Doch De Angelis hatte eine Stärke: Er war unglaublich konstant, solide und brachte seine Wägen durch seine sanfte Fahrweise meistens und zuverlässig ins Ziel.

So smart sein Fahrstil war, so smart war auch sein Charakter. Er war charismatisch und ein echter Gentleman. Ohne Murren leistete er 1980 den Wehrdienst in Italien ab – das kann man nicht von vielen F1-Fahrern behaupten. Doch 1985 begann der Abstieg De Angelis. Von der einen auf die andere Minute wurde er vom Team-Neuling Ayrton Senna in den Schatten gestellt. Der Brasilianer zeigte, was mit dem Lotus alles zu holen ist und war De Angelis klar überlegen. Senna betrieb den Motorsport auf einer für De Angelis unglaublichen professionellen Art und Weise. Für De Angelis war Erfolg schön und möglich, für Senna war er notwendig und ein Muss.

Der Wechsel zu Brabham tat De Angelis deshalb zunächst gut. Vor allem, weil er sich von der ultraflachen Konstruktion, die bei der Konkurrenz Eindruck schindete, auch viel erhoffte. Aber die Hoffnungen zerplatzten in den ersten Rennen wie Seifenblasen: Die Konstruktion erwies sich als Griff ins Klo! Zudem musste sich De Angelis in den ersten Rennen seinem Landsmann Riccardo Patrese beugen. Dann die Katastrophe in Le Castellet. Nach 108 WM-Rennen, 122 WM-Punkten, zwei Siegen und drei Pole-Position war damit die Karriere von De Angelis auf die traurigste Art und Weise beendet.

Zum Abschluss noch eine Preisfrage: Was haben Elio de Angelis und Adrian Sutil gemeinsam? Beide sind begnadete Klavierspieler. De Angelis gab seine Künste auf dem Flügel sogar einmal im „aktuellen Sportstudio“ zum Besten. De Angelis geht in die Geschichte als ein großes, unvollkommenes Talent ein, ein Charismat wie es heute kaum noch gibt im F1-Bussiness-Fahrerlager.

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