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Serie: Die Italiener mit den meisten WM-Rennen: 9. Ivan Capelli (93)

Geschrieben von: Michael Zeitler.

Serie: Die Italiener mit den meisten WM-Rennen: 9. Ivan Capelli (93)

von Michael Zeitler

Starke Auftritte bei March, völliges Katastrophenjahr bei Ferrari. Was die guten Auftritte und die schlechten Auftritte relativiert.

| Pescara (!NS!DE-RAC!NG) - Der Name Ivan Capelli fiel am Ende der vergangenen F1-Saison immer wieder. Nach dem Saisonfinale in Brasilien hieß es, dass Felipe Massa 2011 der erste Ferrari-Pilot seit Ivan Capelli 1992 ist, der kein Podestplatz eingefahren hat. Darüber, dass das nicht ganz korrekt ist, haben wir bei !NS!DE-RAC!NG ebenfalls schon behandelt, wie auch die Gründe, wieso die Ferrari-Saison 1992 für Capelli so in die Hose ging. Schließlich kam er als einer der vielversprechendsten Nachwuchstalente seiner Zeit zu Ferrari. Doch die Scuderia Ferrari war zu dieser Zeit in gewisser Weise am Boden des Tiefpunktes angelangt. Alain Prost warf im Jahr zuvor das Handtuch und verglich die Fahrweise des Ferraris mit jener eines Lastwagens. Die F1-Konstruktion 1992 war noch schlimmer.

Aber auch die Rahmenbedingungen stimmten überhaupt nicht. Ferrari war damals ein undurchorganisierter Haufen, der sich im Umbruch befand. Mit Ivan Capelli und Jean Alesi hatte man überdies zwei Fahrer, die den Ingenieuren nicht unbedingt hilfreich waren. Vielleicht wäre das Capelli sogar gewesen, aber auf seine Meinung hörte man nur selten. Alesi, und das ist inzwischen jedem bekannt, ist zwar ein Ausnahmetalent, hat aber große Probleme, Fahrzeuge abzustimmen oder gar weiterzuentwickeln. Alesi hockt sich ins Auto und fährt auf Anhieb schnell – und schafft es auch, mit mittelprächtigem Material noch akzeptable Resultate zu liefern. Somit kam Alesi mit dem bockigen Ferrari von 1992 besser zurecht als Capelli, folglich ging man auf Alesis Wünsche auch eher ein, als auf Capellis.

Für die Karriere von Capelli war das Ferrari-Engagement 1992 äußerst schädlich. Capelli verlor auch dank der Kritik in den italienischen Medien, aber auch vom Ferrari-Team selbst, teilweise den Glauben an seine Fähigkeiten. Die Karriere des Italieners schien schon 1992 zu Ende zu sein, als er vorzeitig von Ferrari-Testfahrer Nicola Larini ersetzt wurde. Doch Capelli fand 1993 doch noch einmal ein Cockpit bei Jordan. Beim Saisonauftakt in Südafrika zerbröselte er den Jordan Hart aber gleich Mal schwer, sodass dieser sogar Feuer fing. Als sich Capelli anschließend nicht einmal für den Brasilien GP qualifizieren konnte, warf Eddie Jordan Capelli schon nach zwei Rennen raus. Damit war das Ende der F1-Karriere besiegelt. 1995 trat Capelli für das Honda-Werksteam beim 24-Stundenrennen von Le Mans an, danach arbeitete er für das italienische Fernsehen bei den F1-Übertragungen.

Freilich ist die Schuld für die desaströse F1-Saison 1992 nicht nur bei Ferrari zu suchen. Capelli hatte nach den sensationellen Auftritten bei Leyton House/March einen hervorragenden Ruf, doch das war sicherlich auch genialer Konstruktionen von Adrian Newey geschuldet, der heute die WM-Boliden bei Red Bull zeichnet.

Was bis zur Saison 1992 geschah: 1982 begann er mit der italienischen Formel-3, holte sich dort 1983 mit einem Ralt Alfa Romeo des späteren F1-Teams und dem heutigen GP2-Rennstalls Coloni den Titel. 1984 stieg er mit Coloni in die europäische Formel-3 auf und sicherte sich auch dort den Titelgewinn. Der nächste Schritt hieß internationale Formel-3000, also zweite Liga unter der Formel-1. Dabei wurde er vom Genoa-Team verpflichtet, das Cesare Garibaldi gehörte. Während Capelli in der Formel-3000 Gesamt-7. wurde, fuhr er für Tyrrell die ersten zwei F1-Rennen und beendete den Australien GP dabei als Vierter!

1986 holte er mit Genoa dann den F3000-Titel. Parallel dazu fuhr er auch in der Tourenwagen-WM und bei zwei weiteren F1-Rennen bei AGS. Dort hatte er allerdings nicht viel zu tun: Beide Male kam er mit dem AGS Motori Moderni nicht über die volle Renndistanz. 1987 fuhr er dann seine erste F1-Saison. Nach dem F3000-Titel fühlte sich aber nicht nur Capelli bereit dafür, sondern auch Garibaldi. Der Italiener schloss sich mit March-Gründer Robin Herd zusammen und beide bauten einen neuen F1-Rennstall auf – das Comeback des March-Teams war perfekt. Das Budget des Teams war aber äußerst klein. Wie in Steinzeit-Tagen, als die Rennfahrer von Start- und Preisgeldern lebten und deshalb an verschiedenen Rennen teilnahmen, musste Capelli parallel zur Formel-1 auch für Schnitzer BMW Tourenwagenrennen bestreiten. Wie klein das Budget von March 1987 war zeigt die Tatsache, dass man beim Belgien GP sogar einen 3,3-Liter-Sportwagenmotor statt eines 3,5-Liter-F1-Motors ins Heck baute.

1988 sattelte March von Ford Cosworth auf Judd-Motoren um. Die Aggregate von John Judd basierten auf Honda-IndyCar-Motoren mit Elementen aus dem F3000-Motor von Judd/Honda. Dementsprechend war das einer der Schwachpunkte des Fahrzeugs – das aerodynamisch einwandfrei war. Der vielleicht beste Aerodynamiker seiner Zeit, Adrian Newey, unterstützt 1988 Robin Herd bei der Konstruktion des March-F1-Renners und baute ein Fahrzeug, das immer wieder aufhorchen ließ. Wie bei keinem zweiten Fahrzeug waren die Darbietungen aber äußerst abwechslungsreich und reichten von Nichtqualifikationen auf besonders buckeligen, unebenen Kursen bis hin zum zweiten Platz beim Portugal GP durch Capelli. Auch beim Japan GP lag Capelli auf Rang zwei, als er ausfiel. Mit Gesamtrang sieben war die Saison 1988 trotzdem die beste in der Karriere von Capelli.

Nicht wenige hatten Capelli 1989 sogar als Geheimtipp auf der Rechnung. Doch das Jahr wurde ein äußerst schwarzes für das Team: Garibaldi verstarb bei einem Autounfall und Capelli kam gerade Mal bei zwei Rennen ins Ziel! Und auch das Finanzielle war bei March weiterhin ein Sorgenkind und so verkaufte man das Team 1990 an den Japaner Akira Akagi und aus March wurde Leyton House. Newey und Capelli blieben und wieder trumpfte man hin und wieder auf. Die große Stunde schlug beim Frankreich GP 1990: Capellis Teamkollege Mauricio Gugelmin überschlug sich am Start erst spektakulär, trat beim Re-Start aber wieder an und fuhr danach ein blitzsauberes Rennen – in Führung liegend! Die Zuverlässigkeit machte einem möglichen Sieg des Brasilianers einen Strich durch die Rechnung, doch nun führte Capelli. Doch auch er kam am Ende in arge Schwierigkeiten und wurde noch von Alain Prost abgefangen. Statt eines Siegs gab es nur noch Rang zwei. Doch damit konnte er noch zufrieden sein, länger hätte das Rennen jedenfalls nicht dauern dürfen. Auch in Silverstone wurde Capelli durch einen technischen Fauxpas Rang drei beraubt.

Die Saison 1991 verlief dann noch schlechter, dennoch wurde Ferrari aufmerksam auf Capelli. Der Rest ist (bereits erwähnte) Geschichte. Und die F1-Geschichte Capellis umfasste 93 WM-Rennen und 31 WM-Punkte, einige Überraschungen, aber auch Enttäuschungen. Capelli gehörte jedenfalls zu den, so sagen es die Zeitzeugen, sympathischeren Fahrern im Feld.

 

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