Jahresrückblick: 1982 (Formel-1-WM)

Jahresrückblick: 1982 (Formel-1-WM)

 von Michael Zeitler

Viel wird über die Saison 1982 geschrieben. Ein ausführlicher Rückblick.

| Montréal (!NS!DE RAC!NG) - Sieben verschiedene Sieger in den ersten sieben Rennen – die F1-Saison 2012 hat mit einem Rekord begonnen. Doch jetzt beginnt die Jagd auf einen weiteren Rekord: Vor exakt 30 Jahren gab es die bisher abwechselungsreichste Saison aller Zeiten, mit elf verschiedenen Siegern aus sieben verschiedenen Teams (das Brabham-Team gewann sogar mit zwei verschiedenen Motorenherstellern: BMW und Ford Cosworth)! Was den Rekord 1982 so besonders macht: Damals gab es nur 16 Rennen, das sind also vier weniger als 2012. Mit anderen Worten: Dieses Jahr gibt es vier Möglichkeiten mehr, den Rekord zu überbieten. Andererseits was einen potenziellen Rekord 2012 so besonders machen würde: Dieses Jahr gibt es zwölf Teams, vor 30 Jahren aber noch deren 17. Es gab also viel mehr Fahrer und damit potenziell viel mehr mögliche Gewinner als 2012. Wer hat den 2012 noch nicht gewonnen, der noch könnte? Michael Schumacher natürlich, auch die Lotus-Fahrer Romain Grosjean und Kimi Räikkönen – und wenn dann vielleicht noch Sergio Perez und Felipe Massa im zweiten Ferrari siegt, dann gäbe es einen neuen Wahnsinns-Rekord.

Doch die Saison 2012 wird nicht ansatzweise an das Jahr 1982 heranreichen. Heute ist das Feld durch technische Restriktionen und wegen den schnell abbauenden Pirelli-Reifen so eng beisammen. Vor 30 Jahren aus genau anderen Gründen: Verschiedene Reifenhersteller, verschiedene grundlegende Motorenkonzepte, verschiedene technische Lösungen – all das führte auch zu wechselnden Kräfteverhältnissen auf unterschiedlichen Kursen. Auch die gab es damals noch, 2012 gleichen sich viele Kurse wie die Amseln.

Aber 1982 war auch aus anderen Gründen ein Jahr, das wohl keiner vergessen wird? Wann schon beginn die Saison mit einem Fahrerstreik? Wann boykottieren eine Vielzahl an Teams einen Grand Prix aus politischen Gründen und verzichten auf WM-Punkte? Wann wird ein Fahrer Weltmeister, der erst drittletzten Rennen seinen einzigen Saisonsieg feiert? 1982 hat aber auch deshalb Schlagzeilen gemacht: Drei Rennen in einem Staat (USA) – das gab’s vorher und nachher nicht. Zwei tödliche Unfälle, ein Team, das beide Fahrer im WM-Kampf durch alarmierende Unfälle verliert, das Sensations-Comeback von Niki Lauda und vieles, vieles mehr.

Viel wird über die Saison 2012 geschrieben, oft wird erwähnt, dass es die spannendste Saison seit 30 Jahren ist. Nun wollen wir ausführlich zurückschauen auf die F1-Saison 1982.

Die begann beim Südafrika GP im europäischen Hochwinter. Es war das letzte Mal das ein F1-Lauf im Januar ausgetragen wurde. Die Änderungen des Kalenders waren damals im vollen Gange, auch WM-Rennen außerhalb der WM gab es fortan nicht mehr, 1982 erstmals nicht. Lange Zeit war gar nicht klar, ob denn der Grand Prix in Südafrika überhaupt stattfindet. Da haben sich alle auf das F1-Comeback des zweimaligen F1-Weltmeisters Niki Lauda gefreut, und dann sorgt er erst einmal für Unruhe: Gemeinsam mit Ferrari-Pilot Didier Pironi organisierte Lauda einen Fahrerstreik. Der Hintergrund des Streiks waren die neuen Superlizenzen, die die Fahrer zu stark und zu lange an die Teams gebunden hätten. Die Geschichte des Fahrerstreiks von Südafrika ’82 könnte Bücher füllen. Damals waren die Fahrer eben wirklich Männer – und hatten wohl auch irrsinnig viel Spaß.

Letztlich wurde dann aber doch gefahren. Und Renault startete am besten in die Saison: Pole-Position für René Arnoux, Sieg für dessen Teamkollege Alain Prost. Und das obschon der Franzose sogar einen Plattfuß im Verlauf des Rennens hatte! Arnoux ging zunächst in Führung vor Prost. Nachdem sich Arnoux beim Überrunden vertat, überholte Prost und wurde nur durch den Reifenschaden kurz zurückgeworfen. Aber zehn Runden vor Rennende übernahm er wieder die Führung. Arnoux fiel dann sogar noch hinter Carlos Reutemann zurück, der nach wie vor für Williams unterwegs war. Zwischen Williams und Reutemann knisterte es aber längst, seit sich Reutemann 1981 der klaren Teamorder für Alan Jones weigerte, Williams die WM verlor und Jones vor der Saison 1982 auch den Rücktritt erklärte. In der WM stand es nach dem Auftaktrennen in Kyalami jedenfalls so: Prost (9), Reutemann (6), Arnoux (4); Teamwertung: Renault (13), Williams Ford (8), McLaren Ford (4).

Es war der WM-Leader Prost, der sich auch für den Brasilien GP auf Pole-Position qualifizierte. Es war der WM-Leader Prost, der den Brasilien GP auch gewann. Und es war der WM-Leader Prost, der nach zwei WM-Rennen bereits elf Punkte Vorsprung hatte. Nein, die Weltmeisterschaft begann nicht wirklich so spannend, wie sie dann doch noch wurde. Doch auf dem zweiten Blick war es schon spannender: Prost hatte im Laufe des Rennens nämlich durchaus größere Probleme und kreuzte die Ziellinie nur als Dritter. Er profitierte von der Disqualifikation der beiden Fahrer vor ihm: Sieger Nelson Piquet und Keke Rosberg wurden wegen Untergewichts disqualifiziert. Ihr Trick mit den Wassertanks als Ballast, der während des Rennens wegfiel, entsprach gemäß der Rennpolizei nicht dem Reglement. Nach Protesten wurden die Ergebnisse gestrichen.

Und schon wieder Politik
Dabei gab Piquet alles. Der amtierende Weltmeister brach nach dem Hitzerennen auf dem Podium sogar zusammen, so erschöpft war der Brasilianer. Sein Teamkollege Riccardo Patrese gab das Rennen sogar vorzeitig auf. Piquet hätte sich die Mühen auch sparen können. Doch das Ergebnis war für das Brabham-Team dennoch Gold wert: Vor dem Rennen entschied man sich für den Gebrauch von Ford-Cosworth-Motoren, was natürlich den Ärger von BMW auf dem Plan rief. So siegte Brabham, aber der erste GP-Sieg für BMW musste weiter auf sich warten lassen. In der WM stand es nach zwei Rennen so: Prost (18), John Watson (7), Carlos Reutemann (6). Letzterer trat nach dem Rennen dennoch zurück. Ebenfalls schon gepunktet hatte Manfred Winkelhock im ATS Ford. Rang fünf (dank der Disqualifikation von Piquet und Rosberg) bedeuteten die einzigen Punkte für den Deutschen in seiner F1-Laufbahn. Bei den Teams führte Renault ebenfalls: Renault (22), McLaren Ford (10), Williams Ford (8).

In Brasilien war nach den Problemen von Prost übrigens Gilles Villeneuve lange Zeit auf dem Weg zum Sieg. Doch der Kanadier drehte sich letztlich ins Aus. Auch beim USA-West GP in Long Beach gab es wieder nicht die Punkte, die er eigentlich bekommen sollte: Er fuhr auf Rang drei ins Ziel, wurde aber disqualifiziert. Ferrari brachte einen neuen, doppelteiligen Heckflügel mit nach Amerika, der aber nicht für regelkonform erklärt wurde. Das Rennen gewonnen hat Niki Lauda, im dritten Rennen seines Comebacks. Im McLaren Ford Cosworth war er eine Klasse für sich. Führung nach 15 Runden, 15 Sekunden Vorsprung im Ziel. Die Führung errang er durch ein Überholmanöver gegen Andrea de Cesaris. Der Alfa-Romeo-Pilot holte sich überraschend die Pole-Position, doch letztlich ging sein Motor ein. Zweiter wurde Keke Rosberg, der bei Williams mit Mario Andretti einen neuen Teamkollegen bekam. Lauda war nun hinter Prost auf Rang zwei in der WM: Prost (18), Lauda (12), Roseberg, Watson (je 8); Konstrukteurs-WM: Renault (22), McLaren Ford (20), Williams Ford (14).

Vor dem folgenden Imola GP wurde die Disqualifikation von Piquet und Rosberg beim Brasilien GP bestätigt. Sehr zum Ärger der Teams, die im Teambündnis FOCA vereinigt waren: Sie alle boykottierten als Resultat auf die Disqualifikation den Grand Prix in Imola! Der Streit zwischen dem Automobilweltverband FISA und der FOCA erreichte einen neuen Höhepunkt. Das Fernbleiben der FOCA-Teams spielte Renault und Ferrari in die Hände. Sie waren jetzt die klaren Favoriten. Renault sicherte sich mit Arnoux und Prost einmal mehr eine Doppelpole, doch im Laufe des Rennens schieden beide mit Motorschaden aus. Die Turbomotoren waren schnell, aber eben auch unzuverlässig. Ferrari hatte nun leichtes Spiel, wenn man es sich nicht gegenseitig schwer machen würde. Didier Pironi siegte vor Gilles Villeneuve – aber was hinterher passierte, war spannender als das Geschehen auf der Strecke: Villeneuve beschuldigte Pironi die Stallorder von Ferrari missachtet zu haben. Villeneuve wähnte sich in Führung liegend in Sicherheit, doch dann überholte Pironi doch noch. Dritter wurde Michele Alboreto im Tyrrell Ford. Prost konnte das Fernbleiben der FOCA-Teams nicht nutzen: Prost (18), Lauda (12), Pironi, Alboreto (je 10); Konstrukteurswertung: Renault (22), McLaren Ford (20), Ferrari (16).

Der Tod des Unzerstörbaren
Beim Belgien GP waren auch die FOCA-Teams wieder zurück. Williams verpflichtete mit Derek Daly nun einen permanenten zweiten Fahrer. Der Ire, der die Saison bei Theodore begann, blieb die gesamte Saison über allerdings hinter den Erwartungen zurück. Woran das lag, haben wir von !NS!DE-RAC!NG bereits mit ihm besprochen und auch in einer History-Reportage aufgeführt. Dalys Teamkollege Keke Rosberg beendete den Grand Prix immerhin als Zweiter, im Sandwich der beiden McLaren-Fahrer: John Watson der Sieger und Niki Lauda auf Rang drei. Der Österreicher wurde aber wegen eines untergewichtigen Fahrzeugs disqualifiziert, wodurch Eddie Cheever im Ligier Matra Rang drei erbte.

Doch das alles war gar nicht wichtig an jenem Wochenende. Denn Belgien 1982, das war eines des tragischsten Rennwochenendes der F1-Geschichte. Die F1-Szene musste Abschied nehmen vom großartigen und sympathischen Gilles Villeneuve. Der Kanadier verzückte Rennfans weltweit mit einem einmaligen, aber spektakulären Fahrstil. 1979 verlor er die WM Ferrari-intern gegen Jody Scheckter, gewann aber die Herzen der Fans. Villeneuve suchte das Limit stets von oben – das ging nicht immer gut. Immer wieder gab es heftige Unfälle, sogar bei Ferrari stand er schon vor der Auswechslung wegen der ständigen Reparaturarbeit für die Mechaniker. Im Qualifying zum Belgien GP nun schoss Villeneuve einmal mehr über das Limit hinaus. Er fuhr auf Jochen Mass (March Ford) auf und überschlug sich mehrmals. Dieses Mal machten die Schutzengel wohl schon acht Minuten vor Ablauf des Qualifyings Pause: Villeneuve wurde aus dem Wagen geschleudert und zog sich tödliche Verletzungen zu. Das Ferrari-Team zog auch den Wagen von Didier Pironi zurück. Der Franzose und Villeneuve haben die Streitigkeiten aus Imola nicht mehr klären können…

Der F1-Tross zog in tiefer Trauer und mit folgendem WM-Stand weiter nach Monaco: Prost (18), Watson (17), Rosberg (14); McLaren übernahm nun die Führung in der Konstrukteurswertung: McLaren Ford (29), Renault (22), Williams Ford (20). Die Formel-1 in Trauer – und gerade jetzt beim Glamour-GP in Monaco. Nirgendwo sonst gibt es so große und herrliche Partys wie im Fürstentum. Hier geht es um sehen und gesehen werden. Wer sich für einigermaßen prominent hält, der reist nach Monaco zum F1-GP des Jahres. 1982, wie auch 1994 nach dem Tod von Ayrton Senna und Roland Ratzenberger, heißt es aber nicht Feiern, sondern Trauern. Um 1982 wie 1994 großartige Persönlichkeiten der Motorsportgeschichte. Villeneuve und Senna – es waren zwei ganz Große dieses Sports.

Und die Show und der Sport muss eben weitergehen. So auch in Monaco 1982. Und wie der Sport weiterging, mit vielleicht der spektakulärsten Schlussphase der F1-Geschichte. Das Qualifying endete, wie ein Qualifying anno 1982 eben endete: Mit einer Pole-Position von Renault, wieder einmal René Arnoux. Dieses Mal hielten die Turbos der Franzosen sogar, dafür aber nicht das Talent von Arnoux: Nach 15 Runden schied er nach einem Unfall aus. Es übernahm Teamkollege Prost – bis zwei Runden vor Schluss. Dann rauschte auch er bei einsetzendem Regen in die Leitplanken. Ricciardo Patrese sah sich nun in Führung, hatte aber ebenfalls einen Dreher und fiel auf Rang vier zurück! Doch der Italiener siegte trotzdem noch, denn Pironi und De Cesaris blieben mit leeren Tanks liegen und bei Derek Daly machte das Getriebe schlapp. Nach dem Rennen wusste keiner so recht, wer gewonnen hatte. Aber es war Patrese im Brabham Ford. Pironi und De Cesaris wurden noch als Zweiter und Dritter gewertet.

Das bedeutete für die WM: Prost (18), Watson (17), Pironi (16); Teams: McLaren Ford (29), Renault, Ferrari (je 22). Über den folgenden Grand Prix in den Straßen von Detroit haben wir uns erst kürzlich ausgelassen, im Rahmen der Reportage über den Dallas-Asphaltbrocken-GP 1984. Als die Fahrer ankamen, war die Strecke noch nicht einmal fertig! Weltmeister Nelson Piquet konnte sich letztlich nicht einmal qualifizieren! Denn im Quali am Freitag gab es ein Motorproblem, im Quali am Samstag ließ Regen keine bessere Zeit mehr zu und Piquet musste tatsächlich zuschauen. Eine Nichtqualifikation für einen amtierenden Champion – was für eine Blamage! Das Rennen gewann John Watson, vor Cheever und Pironi. Watson war damit auch der neue WM-Leader Prost hatte immer noch so viele Punkte wie nach den ersten zwei Rennen: Watson (26), Pironi (20), Prost (18); In der Konstrukteurswertung führte weiterhin McLaren: McLaren Ford (38), Ferrari, Williams Ford (je 26).

Die nächste Tragödie
Die Tragödie um Gilles Villeneuve war nach wie vor in aller Munde – erst recht als es zum Grand Prix in Villeneuves Heimatland Kanada ging. Und ausgerechnet dort wurde die GP-Szene wieder von einem tödlichen Unfall erschüttert: Didier Pironi, der es in Montréal schaffte die im Qualifying so übermächtigen Renault-Fahrer auszuqualifizieren, blieb am Start stehen. Alle Fahrer schafften es, einen Weg vorbei am Franzosen zu finden. Nicht so Ricciardo Paletti. Der Italiener im Osella Ford krachte Pironi voll ins Heck. Als Pironi nach dem Unfall versuchte, Paletti aus dem Wrack zu ziehen, fing es Feuer. Der Italiener wurde geborgen, musste aber mit schwersten Verletzungen ins Krankenhaus geflogen werden. Dort kam jede Hilfe zu spät. Paletti, der 1981 noch für Onyx in der Formel-2 Gesamt-Zehnter wurde und anschließend eben in die Formel-1 aufstieg, starb zwei Tage vor seinem 24. Geburtstag.

Einmal mehr rückte der Sport also in den Hintergrund. Dabei wurde Geschichte geschrieben: Piquet sorgte für den ersten BMW-Sieg in der Königsklasse des Motorsports – und das ein Rennen nach dem er sich nicht einmal qualifizieren konnte! Teamkollege Patrese rundete den Erfolg für das Brabham-Team als Zweiter ab. Der Doppelsieg kam, nachdem René Arnoux sich auf Rang zwei liegend aus dem Rennen drehte. Auf Rang drei kam Watson ins Ziel, der damit seine WM-Führung ausbaute: Watson (30), Pironi (20), Patrese (19); Konstrukteurswertung: McLaren Ford (42), Ferrari, Williams Ford (je 26).

Als nächstes stand der GP der Niederlande an. Patrick Tambay ersetzte bei Ferrari den tödlich verunglückten Gilles Villeneuve, nachdem Michele Alboreto nicht vorzeitig aus dem Tyrrell-Vertrag entlassen wurde und Jan Lammers selbst verletzt war. Der Niederländer war dann aber doch wieder für sein Heimrennen bereit und kehrte bei Theodore zurück. Verletzt war auch Nigel Mansell bei Lotus. Der junge Testfahrer Roberto Moreno sprang ein, konnte sich aber nicht für das Rennen qualifizieren. Das Qualifying war einmal mehr eine Sache für Renault: Arnoux vor Prost. Einmal mehr waren die Sieger aber wieder andere: Dieses Mal gewann Pironi, der zuvor beim Testen einen Unfall hatte, vor Kanada-Sieger Piquet und Rosberg. Mit diesem Sieg holte Pironi in der WM auf: Watson (30), Pironi (29), Rosberg (21); Konstrukteurs-WM: McLaren Ford (45), Ferrari (35), Williams Ford (32).

Der Großbritannien GP war dann wenig spannend, sieht man mal von einem spektakulären Crash von Chico Serra (Fittipaldi Ford) ab, der nach einer Kollision mit dem Osella-Pilot Jean-Pierre Jarier sich überschlug. Auch die Startphase war spannend, weil es so aussah, als wollte keiner auf Pole-Position stehen. Erst ließ Keke Rosberg seinen Motor abwürgen, dann kam Riccardo Patrese nicht weg. So ging Weltmeister Piquet in Führung vor Niki Lauda und Didier Pironi. Nachdem Piquet technische Probleme bekam, übernahm Lauda die Spitze und gewann vor Pironi und Tambay. Auch Pironi übernahm die Spitze, nämlich die in der Meisterschaft: Pironi (35), Watson (30), Lauda (24); Bei den Teams lag weiterhin McLaren vorne: McLaren Ford (54), Ferrari (45), Williams Ford (34).

Das Resümee bis dato: Renault war im Qualifying unschlagbar, aber im Rennen viel zu unzuverlässig. Im Rennen gaben Piquet, die McLaren-Jungs und vor allem eben auch Ferrari-Pilot Didier Pironi das Tempo vor. Keke Rosberg kämpfte ebenfalls tapfer. Ausgerechnet beim Renault-Heimspiel in Frankreich jedoch hielten die Renault-Turbos und das Resultat war ein Doppelsieg, allerdings mit Arnoux vor Prost. Und das stieß Prost sauer auf, denn er hatte durchaus noch rechnerische Chancen auf den Titel. Doch auf eine Stallorder wurde verzichtet. Verzichtet hätten die Fans auch gerne auf den Unfall von Jochen Mass mit dem Arrows Ford von Mauri Baldi: Mass flog in hohen Bogen in die Zuschauerränge und verletzte auch einige Zuschauer. Hinter Arnoux und Prost wurde Pironi Dritter, der damit weiterhin die WM anführte: Pironi (39), Watson (30), Prost (25); Konstrukteurswertung: McLaren Ford (54), Ferrari (52), Renault (38).

Karriereende statt WM-Titel
Die Serie der fürchterlichen Unfälle war mit dem Unfall des Deutschen Mass noch längst nicht beendet. Im Regen-Training zum Deutschland GP erwischte es Didier Pironi. Er fuhr auf Prost auf, überschlug sich mehrmals und musste daraufhin wegen schweren Verletzungen nicht nur die restliche Saison, sondern sogar seine F1-Laufbahn abhaken! Nach Villeneuve verlor Ferrari mit Pironi also die zweite WM-Hoffnung binnen einen Jahres. Damit wurde aus dem springenden Pferd eine lahmende Ente, denn ohne Pironi war die WM für Ferrari gelaufen. Wie stark Ferrari war, zeigte der Sieg von Patrick Tambay beim Deutschland GP selbst. Und Pironi führte nach seinem Schicksalswochenende die Meisterschaft sogar nach wie vor an. Denn hinter Tambay wurde Arnoux Zweiter, vor Rosberg. Piquet kollidierte beim Überrunden mit Eliseo Salazar und lieferte sich danach mit dem Chilenen einen Boxkampf vor einem Millionen-TV-Publikum. Nach Hockenheim stand es in der WM so: Pironi (39), Watson (30), Rosberg (27). Bei den Teams: Ferrari (61), McLaren Ford (54), Renault (44).

Kein GP-Rennen ohne eine riesen Geschichte. So auch der folgende Österreich GP. Ferrari fuhr nur mit einem Wagen, offenbar liefen Bemühungen, den Ex-Weltmeister Alan Jones für Pironi zum Comeback zu bewegen, doch vergebens. Tambay wurde am Ende auch Vierter. Doch vorne gab es ein munteres Favoritensterben. Und so gab es einen knallharten Kampf um den Sieg zwischen Elio de Angelis im Lotus Ford und Keke Rosberg im Williams Ford – mit dem besseren Ende für De Angelis, um 0,050 Sekunden! Das war eines der knappsten Zieleinläufe der F1-Historie. Jacques Laffite beendete das Rennen im Ligier Matra auf Rang drei. Bei Lotus kehrte vor dem Rennen auch Nigel Mansell aus seiner Verletzungspause zurück, wurde zuvor in Deutschland von Geoff Lees vertreten. Doch das Saisonhighlight setzte nicht Mansell, sondern De Angelis. Und Rosberg war mit Rang zwei nun Mitten im WM-Kampf! Pironi (39), Rosberg (33), Watson (30); Konstrukteurswertung: Ferrari (64), McLaren Ford (56), Williams Ford (46).

Rosberg hat Blut geleckt – und gewinnt beim Schweiz GP prompt sein erstes Saisonrennen! Rennen in der Schweiz sind seit der Katastrophe von Le Mans 1955 verboten, nicht aber F1-Läufe mit schweizer Namen. Ausgetragen wurde das Rennen aber in Frankreich, in Dijon. Der Sieg von Rosberg war ein Last-Minute-Sieg: Erst in der letzten Runde überholte er den Spitzenreiter von Pole-Mann Alain Prost. Weil die Organisatoren vergessen hatten, die Zielflagge zu schwenken, drehte Rosberg sogar noch eine Runde mehr. Hinter Prost wurde Niki Lauda Dritter. Rosberg aber war der neue WM-Leader: Rosberg (42), Pironi (39), Prost (31); Konstrukteurswertung: Ferrari (64), McLaren Ford (60), Williams Ford (55). Binnen zwei Rennen mauserte sich Rosberg als vom Punkte-Hamsterer zum WM-Favoriten!

Schon beim vorletzten Lauf in Italien konnte Rosberg den Sack zu machen. Machte er aber nicht. Er ging sogar ohne Punkte aus, aber auch John Watson wurde nur Vierter – und war nun sein letzter Mitstreiter um den Titel. Ferrari war längst schon aus dem Titelrennen ausgeschieden. Doch vor dem heimischen Publikum wollte man natürlich eine tolle Show liefern. Den schnellen Renault-Piloten René Arnoux verpflichtete man für 1983, aber für Monza holte man den Ex-Weltmeister Mario Andretti zurück, der schon zu Beginn der Saison für Carlos Reutemann im Williams Ford fuhr. Auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke in Monza hatten die Turbos natürlich einen enormen Vorteil. Doch die Pole von Rückkehrer Andretti war dennoch eine Überraschung. Den Start vergeigte er aber und so ging Arnoux in Führung. Der zukünftige Ferrari-Pilot siegte so vor den beiden Ferrari-Piloten Tambay und Andretti. Und der verletzte Ferrari-Star Pironi lag noch immer auf Rang zwei in der Gesamtwertung: Rosberg (42), Pironi (39), Watson (33); Konstrukteurswertung: Ferrari (74), McLaren Ford (63), Renault (59).

Für das Finale gab es keinen besseren Platz als in der Mega-Stadt Las Vegas mitten in der US-amerikanischen Wüste Nevadas. Die Strecke, ein Kurs auf dem Parkplatz vor dem Casino Cesars Palace. Vor dem Rennen war klar: Watson musste gewinnen und Rosberg ausfallen, dann wäre Watson der Weltmeister, ansonsten Rosberg. Im Qualifying mischten wie gewohnt die Renault-Piloten Prost und Arnoux das Feld auf. Arnoux schied (auch fast wie gewohnt) mit Motorschaden aus, auch Prost hatte Probleme, rettete aber am Ende noch Rang vier. Vor dem neuen Weltmeister Keke Rosberg. Watson kämpfte tapfer und wurde noch Zweiter. Gewonnen hat aber völlig überraschend Michele Alboreto im Tyrrell Ford.

Fahrer-WM
1. Keke Rosberg (FIN) 44
2. Didier Pironi (FRA) 39
3. John Watson (GBR) 39
4. Alain Prost (FRA) 34
5. Niki Lauda (AUT) 30
6. René Arnoux (FRA) 28
7. Patrick Tambay (FRA) 25
8. Michele Alboreto (ITA) 25
9. Elio de Angelis (ITA) 23
10. Riccardo Patrese (ITA) 21
11. Nelson Piquet (BRA) 20
12. Eddie Cheever (USA) 15
13. Derek Daly (IRL) 8
14. Nigel Mansell (GBR) 7
15. Gilles Villeneuve (CAN) 6
16. Carlos Reutemann (ARG) 6
17. Andrea de Cesaris (ITA) 5
18. Jacques Laffite (FRA) 5
19. Mario Andretti (USA) 4
20. Jean-Pierre Jarier (FRA) 3
21. Marc Surer (SUI) 3
22. Bruno Giacomelli (ITA) 2
23. Eliseo Salazar (CHI) 2
24. Manfred Winkelhock (GER) 2
25. Mauro Baldi (ITA) 2
26. Chico Serra (BRA) 1

Konstrukteurs-WM
1. Ferrari 74
2. McLaren Ford 69
3. Renault 62
4. Williams Ford 58
5. Lotus Ford 30
6. Tyrrell Ford 25
7. Brabham BMW 22
8. Ligier Matra 20
9. Brabham Ford 19
10. Alfa Romeo 7
11. Arrows Ford 5
12. ATS Ford 4
13. Osella Ford 3
14. Fittipaldi Ford 1

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