F1: Guido Forti verstorben!

F1: Guido Forti verstorben!

von Michael Zeitler

Ex-F1-Teambesitzer Guido Forti ist gestorben.

Im Alter von 72 Jahren ist Guido Forti verstorben. Zusammen mit dem italienischen Geschäftsmann Paolo Guerci gründete Forti Ende der 70er Jahre das Forti-Rennteam, das viele italienische Piloten in den Nachwuchsserien betreute und zu Siegen und Meistertiteln führte. 1995 und 1996 war das Forti-Team auch in der Formel-1 engagiert.

Zunächst setzte das Forti-Team Rennwagen in der Formel-Ford, sowie in der Formel-3 ein. Auf europäischer Ebene war man nicht ganz so erfolgreich, wie in der nationalen Formel-3: Franco Forini 1985, Enrico Bertaggia 1987, Emanuele Naspetti 1988 und Gianni Morbidelli 1989 wurden jeweils mit Forti Meister der italienischen Formel-3. 1987 erfolgte der Aufstieg in die internationale F3000-Meisterschaft, die 2005 von der heutigen GP2-Serie abgelöst wurde. Morbidelli sorgte in Enna 1990 für den ersten Sieg Fortis in der Formel-3000. Naspetti holte ein Jahr später gleich vier Siege in Folge, wurde am Ende aber nur Gesamt-Dritter.

Anfang der 90er Jahre liebäugelte Forti erstmals mit einem F1-Rennstall. Damals hatte er eine PR-Idee: Ein reines Damen-F1-Team. Eine der Fahrerinnen sollte Giovanni Amati werden, die 1992 dann auch tatsächlich in der Formel-1 fuhr, allerdings für das Brabham-Team. Zu einem Rennen qualifizieren konnte sich die Italienerin nie. Der F1-Traum konnte sich erst realisieren, als Forti die finanzielle Unterstützung der Familie Diniz und Carlo Gancia bekam. Gancia, dessen Vater Piero Vallarino Gancia fuhr in den 50er Jahren Tourenwagenrennen – und einer seiner Konkurrenten war kein geringerer als Umelio Diniz, dem Vater von Pedro Diniz, der 1995 mit Forti auch sein F1-Debüt gab. Gancia, der selbst seit Jahren viele brasilianische Fahrer (darunter Emerson Fittipaldi, Carlos Pace und Nelson Piquet), er selbst war in Brasilien mehrmals Tourenwagenmeister. Nun kaufte er die Forti-Anteile von Guerci, der aber als Renningenieur an Bord blieb. Guerci und sein Sohn Davide arbeiten inzwischen immer noch für verschiedene italienische Rennteams. So war Davide Guerci 2012 beim GSK-Team angestellt, das die italienische Zweiliterklasse der Formel-Renault dank Kevin Gilardoni gewinnen konnte.

Dank Gancia und Diniz konnte das F1-Projekt von Forti also starten: Als Basis für den ersten F1-Renner von Forti dienten Konstruktionszeichnungen, die Sergio Rinland für Brabham angefertigt hatte für den Fall, dass der Traditionsrennstall Ende 1992 nicht dicht gemacht hätte. Nun verkaufte der namhafte Techniker die Pläne an Forti. 1996 war Rinland offiziell (allerdings für wenige Wochen) Technikchef bei Forti. Überarbeitet wurden Rinlands Pläne noch von Giorgio Stirano (Ex-Osella), sowie Hans Fouche (Ex-Brabham). Als Motor wurde ein Fort-Cosworth-Motor eingebaut. Neben Diniz fuhr auch der erfahrene Brasilianer Roberto Moreno. Das beste Resultat holte aber Pedro Diniz: Rang sieben in Australien. Besser wurde es nie!

Denn die Saison 1996 war eine Katastrophe: Diniz wechselte mitsamt den brasilianischen Geldern zu Ligier. Forti sah sich gezwungen 51% der Teamanteile an die Shannon-Gruppe zu verkaufen. Shannon stampfte für 1996 ein F3000-Team aus dem Boden, für das unter anderem der spätere Le-Mans-Rekordsieger Tom Kristensen fuhr. Nachdem Shannon aber Forti mehrheitlich übernahm, machte das F3000-Team schon nach einem Rennwochenende wieder dicht. Doch Shannon war für das Team keine Hilfe, obwohl Forti sogar den ehemaligen Ferrari-Direktor Cesare Fiorio anheuern konnte. Die teamintern angespannte Lage wurde spätestens deutlich, als Rinland das Team nach wenigen Wochen wieder verließ. Als Ersatz wurde der ehemalige Techniker der Teams Haas, Tyrrell und Sauber verpflichtet: George Ryton. Ohne Geld aber waren seine Hände gebunden.

Vor italienischen Gerichten versuchte Forti die Teamanteile wieder zurückzuholen. Sportlich war die 107%-Hürde für die Fahrer Luca Badoer und Andrea Montermini der Gegner. Badoer machte auf sich aufmerksam, als er beim Argentinien GP seinen Forti Ford aufs Dach legte. Der Italiener kroch aus dem umgedrehten Wrack hervor – ein Symbol, das passte: Denn Forti lag de facto auf dem Boden, nach dem Ungarn GP war Schluss.

Nicht für Guido Forti: 2002 und 2003 schloss er sich dem B&C-Team von Beppe Barbieri an. Das Team ging in der heutigen Auto-GP-Serie an den Start, allerdings eher erfolglos. Nun ist die Geschichte Guido Forti endgültig geschrieben. Viele Experten sind überzeugt: Hätte Forti das F1-Projekt nicht zu einer Zeit losgetreten, als die Kosten immer mehr ausuferten und viele Teams verschwanden, er hätte es genauso weit bringen können wie Giancarlo Minardi. Dessen F1-Team war jahrzehntelang ein beliebtes Rennteam, wenn auch ein Hinterbänkler – aber immerhin war es Steigbügelhalter für viele junge Talente.

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