F1: Rückblick - 50 Jahre McLaren

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Die Geschichte der McLaren-Gruppe en detail.  

F1: Rückblick - 50 Jahre McLaren

von Michael Zeitler

Die Geschichte der McLaren-Gruppe en detail.

 

| Woking (!NS!DE-RAC!NG) - In diesem Jahr wird das McLaren-Team 50 Jahre alt. 1963 gegründet, seit 1966 in der Formel-1. Da kamen schon allerhand Dramen, Fakten und Siege zusammen.

Der Teamgründer
Die Australier und Neuseeländer halten zusammen. Aktuelles Beispiel: Red-Bull-Pilot Mark Webber fördert Mitch Evans, der 2013 für das Arden-Team sein GP2-Debüt geben wird und aktueller GP3-Meister ist. Das bekannteste historische Beispiel: Jack Brabham holte den in Neuseeland überzeugenden Bruce McLaren in die Formel-1, ins Cooper-Werksteam. 1959 gewann der erst 22-Jährige seinen ersten Grand Prix in den USA. Erst Fernando Alonso war bei seinem Sieg 2003 in Ungarn jünger. 1963 wollte McLaren erstmals eigene Rennwagen konstruieren, weil Cooper in Tasmanien keine Rennen bestreiten wollte. 1966 trennte er sich vollständig von Cooper und stieg mit seinem F1-Team in die Formel-1 ein. In Belgien 1968 gewann er im McLaren Ford Cosworth den Grand Prix, 1970 aber verstarb McLaren bei einem Crash im CanAm-Rennwagen, selbstverständlich auch ein McLaren.

Der Name McLaren
50 Jahre McLaren – aber wie kam es dazu? Der Tod von Bruce McLaren ist bereits 42 Jahre her. Er selbst sagte einst, man werde nach seinem Lebenswerk beurteilt. Aber trägt sein Werk noch immer seinen Namen? Wo doch Ron Dennis das Spiegelbild des modernen McLaren-Teams war? Nach dem Tod von Bruce McLaren wurde das Team von seiner Frau Pattie, sowie Teddy Mayer weitergeführt, der von Anfang an bei McLaren dabei war. Das Team war eine Bastelbude, aber eine sehr erfolgreiche: 1974 gab es den ersten WM-Titel mit Emerson Fittipaldi, 1976 folgte die Meisterschaft mit dem legendären Lebemann James Hunt. Hauptsponsor des Teams war die Zigarettenmarke Marlboro, die sich aber auch bei anderen Teams im Motorsport engagierten. Beispielsweise im Alfa-Romeo-Werksteam Anfang der 80er Jahre – oder aber auch in den F2-Projekten von Ron Dennis. Der Brite baute 1974 beispielsweise das Ortega-Team in der Formel-2 für Marlboro auf, das nur mit Fahrern aus Ecuador an den Start ging. 1980 wollte Dennis mit seinem neuen Team Project 4 in die Formel-1. Man hatte Geld, man hatte mit John Barnard einen sehr gute Techniker – und man hatte eine geniale Idee: Einen F1-Rennwagen aus Karbon! Aber man hatte kein Team, das groß genug war, um den Einsatz zu leiten. Also vermittelte Marlboro den Zusammenschluss zwischen McLaren und Project Four. Zunächst war Dennis nur Teammanager, aber die Zusammenarbeit mit Teddy Mayer erwies sich als äußerst kompliziert und so verkaufte Mayer seine Teamanteile 1982 an Dennis – seither ist er der große Chef. Aber es war eben nicht ein F1-Team namens Dennis, sondern weiterhin jenes von McLaren.

Die Benennung der Chassis
Nur der Name der Fahrzeuge zeugt davon, dass das moderne McLaren-Team eigentlich aus dem F2-Team von Ron Dennis entstand. Der Wagen, der heute präsentiert wurde, wird beispielsweise MP4-28 genannt. MP4 steht für McLaren Project 4.

Teddy Mayer
Mayer symbolisierte bei McLaren die Ära der Bastelbuben. Ron Dennis war pedantischer, arbeitete viel ehrgeiziger und akribischer. Die Teamübernahme geschah zum exakt richtigen Zeitpunkt: Die Ära der kleinen Garagen-Teams war vorbei, die Formel-1 düste in die Moderne. Die F1-Teams wurden immer größer und professioneller. Mayer verließ Ende 1982 das McLaren-Team und wechselte in die IndyCar, dem amerikanischen Pendant der Formel-1. Dort hatte er zunächst seinen eigenen Rennstall, dann schloss sich der US-Amerikaner Carl Haas an. Haas leitete das bis vor wenigen Jahren sehr erfolgreiche Newman-Haas-Team, versuchte in den 80er Jahren aber auch in der Formel-1 Fuß zu fassen. Mit der Unterstützung von Ford stampfte Haas mit Mayers Hilfe das Haas-F1-Team aus dem Boden. Gerüchten zu Folge sollte auch das große IndyCar-Team Penske ein F1-Comeback geben – mit der Hilfe von Chevrolet. Aber daraus wurde nichts und auch das Haas-Team musste schnell wieder nach Amerika zurück. Mayer arbeitete bis 2007 bei Penske, 2009 verstarb er.

Bruce McLaren und Ron Dennis: Die Parallelen
Es gibt erstaunlich viele Parallelen zwischen Ron Dennis und Bruce McLaren. Beide stiegen 1966 in die Formel-1 ein: McLaren mit seinem eigenen Rennstall, Dennis als Mechaniker von Jochen Rindt bei Cooper. Beide begannen ihre F1-Karriere bei Cooper, McLaren als Fahrer, Dennis als Mechaniker. Beide waren sehr jung, McLaren bis 2003 als jüngster F1-Sieger, Dennis als 19-Jähriger Mechaniker als Rarität der damaligen Zeit. Für beide war Jack Brabham wichtig, für McLaren, weil Brabham den jungen Neuseeländer überhaupt erst nach Europa holte, für Dennis, weil er 1968 bis 1970 Mechaniker bei Brabham war. 1970 beim englischen Grand Prix entstand auch folgende Anekdote: Brabham rollte ohne Benzin aus und verlor den Sieg, weil Dennis vergaß, die Ölfette wieder vom Warm-Up auf den Rennbetrieb umzustellen. De facto ging der Fehler aber Nick Goozee zurück.

Ron Dennis
Er ist noch immer einer der wichtigsten Männer des McLaren-Teams. Gemeinsam mit dem arabischen Investor Mansour Ojjeh gehören ihm seit Jahrzehnten die meisten Anteile des McLaren-Rennstalls und der gesamten McLaren-Gruppe. Ojjeh war über die Jahre ein wichtiger Geldgeber und ist das auch heute noch. Dennis wollte der Legende nach Ojjeh gar nicht an Bord haben. 1980, als McLaren mit Project Four fusionierte, hatten die McLaren-Männer 50%, sowie auch das Project-4-Team. Zu Project 4 gehörte neben Dennis eben auch Technik-Ass John Barnard. Der verkaufte seine Anteile dann in den 80er Jahren eben an Ojjeh. Der Araber holte aber seine Firma TAG mit zu McLaren. TAG gab bei Porsche die Entwicklung von Turbomotoren in Auftrag und mit Porsche begann für McLaren die erfolgreichste Ära: Die 80er Jahre. Alain Prost und Niki Lauda holten sich 1985 und 1984 den Titel für McLaren. Ende der 80er Jahre balgten sich Alain Prost und Ayrton Senna teamintern um den Titel, dann aber schon mit Motorenpower von Honda. Ojjehs Bruder Karim Ojjeh ist auch im Motorsport aktiv, fuhr bis 2010 sogar beim 24-Stundenrennen von Le Mans mit.

Ron Dennis führte bei McLaren also sehr schnell die Trendwende ein: Vom freien Fall zurück zum Spitzenteam in wenigen Jahren. Und bis heute zu einer der professionellsten Sportmannschaft überhaupt. Aber Ron Dennis begann ganz klein. Vom Mechaniker zu den ersten eigenen Rennteams. Ende 1970 gab es bei Brabham große Umstrukturierungen, nach dem Rücktritt von Jack Brabham. Zwar führte Ron Tauranac das Team weiter, aber Dennis und der Brabham-IndyCar-Chef Neil Trundle schlossen sich zusammen und gründeten 1971 ein F2-Team namens Rondel. 1972 soll Dennis auch das F1-Projekt Connew unterstützt haben, für 1974 entstand außerdem ein eigener F1-Rennwagen. Die Finanzierung scheiterte allerdings, doch der Wagen wurde an das Token-Team verkauft, das ihn 1974 in der Formel-1 an den Start brachte. Es gab weitere Projekte (Project 3 und eben Project 4), 1980 dann kam Dennis in die Formel-1.

McLaren versus Ferrari
Die bitterste Rivalität der F1-Geschichte: Ferrari gegen McLaren. Das Duell gab es schon vor der Ära Dennis, etwa 1976 mit dem Duell zwischen Niki Lauda und James Hunt. Die beiden Fahrer verstanden sich super, nicht aber die beiden Teams, die erstmals in der F1-Geschichte die WM auch am Grünen Tisch gewinnen wollten. In der Ära Dennis hatte McLaren eine neue Herausforderung: Alle Rekorde von Ferrari schlagen! In den 90er Jahren war das kurze Zeit auch der Fall, inzwischen führt aber Ferrari wieder sämtliche Rekordlisten an. Dennis setzte in seinen F2-Rennwagen aber selbst mal Ferrari-Motoren ein: Das war 1976. Das größte Duell Ferrari gegen McLaren, an das sich die deutschen Fans erinnern werden: Das Duell Michael Schumacher gegen Mika Häkkinen zwischen 1998 und 2001. Der Tiefpunkt war 2007 erreicht: McLaren wurde wegen angeblicher Ferrari-Spionage zu einer Rekordstrafe von 100 Millionen US-Dollar verdonnert! Sportlich gewann ebenfalls Ferrari: Kimi Räikkönen wurde mit nur einem Punkt Vorsprung auf die beiden McLaren-Piloten Lewis Hamilton und Fernando Alonso Weltmeister.

Die McLaren-Fahrerphilosophie
In keinem Team kämpfen die Fahrer so offen gegeneinander wie bei McLaren. So gab es bei McLaren schon so viele atemberaubende Teamduelle. Niki Lauda gegen Alain Prost zum Beispiel: Lauda wurde 1984 mit einem halben Punkt Vorsprung auf Prost zum dritten Mal Weltmeister – zum ersten Mal nach seiner dreijährigen F1-Pause. Aufregend war auf dem Papier auch das Duell zwischen Alain Prost und Keke Rosberg, aber Rosberg war nicht mehr auf dem Niveau wie bei seinem WM-Titel 1982. Prost bekam es dann mit Ayrton Senna zu tun, die wohl bekannteste Teamrivalität der GP-Geschichte – weil sie sich im Finale zwei Mal ins Auto gefahren sind! Beim zweiten Mal fuhr Prost aber schon für Ferrari. Toll auch der Krieg der Sterne zwischen Fernando Alonso und Neuling Lewis Hamilton, oder das britische Duell in den vergangenen drei Jahren zwischen Lewis Hamilton und Jenson Button.

Andere McLaren-Projekte
McLaren besteht nicht nur aus dem F1-Team. Man baut auch Straßen-Sportwagen – denn auch auf diesem Gebiet wollte man mit Ferrari konkurrieren. McLaren baut inzwischen auch GT-Rennwagen. Mit einem wird 2013 auch das Team von Rallye-Rekordweltmeister Sébastien Loeb in Frankreich an den Start gehen, nachdem Loeb dem Rallye-Sport den Rücken kehrt. Aber auch in der Geschichte war McLaren immer wieder in anderen Rennserien involviert. So wie bei den CanAm-Sportwagen, bei denen ja Bruce McLaren sein Leben verlor. Aber auch in der amerikanischen Formel-1, der IndyCar, war McLaren jahrelang auch sehr erfolgreich involviert. Beim berühmten Indy-500 gewannen McLaren-Chassis gleich drei Mal, jeweils bestückt mit einem Offenhauser-Motor: 1972 siegte Mark Donohue, 1974 und 1976 jeweils Johnny Rutherford. Das Indy-Aus kam mit der Ära Dennis. Als US-Amerikaner wollte Teddy Mayer natürlich am Indy-Projekt festhalten, aber Dennis wollte McLarens Fokus voll auf die Formel-1 lenken.

Die erfolgreichsten McLaren-Fahrer nach Siegen
1. Ayrton Senna (BRA) 35
2. Alain Prost (FRA) 30
3. Lewis Hamilton (GBR) 21
4. Mika Häkkinen (FIN) 20
5. David Coulthard (GBR) 12
6. James Hunt (GBR) 9
6. Kimi Räikkönen (FIN) 9
8. Jenson Button (GBR) 8
8. Niki Lauda (AUT) 8
10. Denny Hulme (NZL) 6

Die McLaren-Weltmeister
1974 Emerson Fittipaldi (McLaren Ford)
1976 James Hunt (McLaren Ford)
1984 Niki Lauda (McLaren Porsche)
1985 Alain Prost (McLaren Porsche)
1986 Alain Prost (McLaren Porsche)
1988 Ayrton Senna (McLaren Honda)
1989 Alain Prost (McLaren Honda)
1990 Ayrton Senna (McLaren Honda)
1991 Ayrton Senna (McLaren Honda)
1998 Mika Häkkinen (McLaren Mercedes)
1999 Mika Häkkinen (McLaren Mercedes)
2008 Lewis Hamilton (McLaren Mercedes)

Die Zukunft von McLaren
Steht McLaren vor einer entscheidenden Phase? Die teuerste F1-Ära hat McLaren überstanden – aber auch, weil man mit Mercedes einen wichtigen Partner hatte. Seit 2010 ist man kein Mercedes-Werksteam mehr, ab 2013 muss McLaren die Motoren sogar bezahlen. Gerüchte über finanzielle Engpässe gibt es immer wieder. McLaren ist nach Ferrari aber der zweite F1-Dinosaurier. McLaren steht quasi unter Artenschutz und dürfte die Zukunft auf jeden Fall überleben. Aber es ist nicht ausgeschlossen, dass eine nicht mehr ganz so erfolgreiche Ära folgt. Aber es schließt auch nichts aus, dass McLaren nicht in Zukunft wieder Weltmeister wird. Immer wieder wird spekuliert, dass Honda bald neuer McLaren-Partner werden könnte. McLaren rüstet sich auch elektrisch für die Zukunft: 2014 wird man Ausrüster des elektrischen Antriebsstrangs für die neue vollelektrische Rennserie Formel-E, die von Alejandro Agag organisiert wird, dem Besitzer des Addax-GP2-Teams.

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