F1: Sauber - 20 Jahre Formel-1

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1993 begann die Geschichte des Sauber-Teams. 20-jähriges Jubiläum. 

F1: Sauber - 20 Jahre Formel-1

von Michael Zeitler

1993 begann die Geschichte des Sauber-Teams. 20-jähriges Jubiläum.

| Hinwill (!NS!DE-RAC!NG) - McLaren feiert 50-jähriges Firmenbestehen, aber auch bei Sauber gibt es ein Jubiläum: 20 Jahre existiert das F1-Team nun schon. Eigentlich sogar schon länger, denn die ersten F1-Pläne gab es bereits Anfang der 90er Jahre, als die Sportwagen-WM immer schlechter dastand. Aber vor 20 Jahren debütierte Sauber dann in der Formel-1: Beim Südafrika GP 1993 mit JJ Lehto und Karl Wendlinger. Lehto brachte den Sauber Ilmor sogar auf Rang fünf ins Ziel und sorgte damit bereits beim Debüt für WM-Punkte.

Die Ära Mercedes

Aus dem Stand heraus gleich so konkurrenzfähig, das sorgte natürlich für Stirnrunzeln bei der Konkurrenz. Bis heute fragen sich alle: Wie viel Mercedes war damals Sauber? Der schweizer Rennstall war zuvor das Mercedes-Werksteam in der Sportwagen-WM. Bereits für 1991 peilte Mercedes den Einstieg als eigenes Werksteam in die Formel-1 an. Der Bolide soll bei Sauber entstanden sein, doch dann zog die Konzernspitze in letzter Minute noch den Stecker aus dem Projekt. Das F1-Debüt 1993 wurde von Mercedes begleitet, aber nur durch einen Aufkleber an der Airbox. Ansonsten gab sich Mercedes äußerst vorsichtig.

1994 bekannte man sich deutlicher zu Sauber: Die Ilmor-Motoren wurden nun Mercedes getauft. Neben Karl Wendlinger kam noch ein Mercedes-Junior ins Team: Heinz-Harald Frentzen. Wendlinger, Frentzen und Michael Schumacher waren in der Sportwagen-WM die viel versprechenden Junioren des schwäbischen Automobilriesen. Schumacher fuhr 1994 für Benetton und wurde erstmals Weltmeister – als erster Deutscher. Theoretisch hätte Schumacher 1993 oder 1994 für Sauber fahren können, ja sogar müssen, wenn Mercedes darauf bestanden hätte. Aber viel Sinn hätte das nicht gemacht. Und so kam es nur zu einer Ausfahrt von Schumacher in einem Sauber-F1-Rennwagen: 1997 in Fiorano bei einem Test. Damals setzte Sauber die Kundenmotoren von Ferrari ein – und Schumacher war Stammpilot bei Ferrari. Er wollte den „blauen Ferrari“ von Sauber nun mit dem Werks-Ferrari vergleichen. Für 2013 war Schumacher dann sogar als Sauber-Fahrer im Gespräch, aber ernsthafte Gespräche, versicherte die Sauber-Teamleitung, habe es nie gegeben.

Dafür hat es immer den Wunsch von Sauber gegeben, mit einem Automobilkonzern zusammenzuarbeiten. Das Mercedes-Werksteam war Sauber nie und noch während der Saison 1994 verkündete Mercedes den Wechsel zu McLaren. 1995 musste Sauber mit Ford-Kundenmotoren Vorlieb nehmen. Die Saison 1994 war aber auch noch auf andere Weise bitter: Karl Wendlinger verunglückte im Quali zum Monaco GP schwer. Es war der absolute Tiefpunkt in der F1-Geschichte von Sauber. Es war nicht lange, nachdem Roland Ratzenberger und Ayrton Senna davor in Imola ihr Leben lassen mussten. Jetzt schwebte Wendlinger in Lebensgefahr, lag im Koma. Aus dem erwachte er wieder – aber zu alten Leistungen konnte er nie mehr anknüpfen. Zwei Mal versuchte er mit Sauber sein F1-Comeback, aber richtig in Tritt kam er nicht mehr.

Sauber verhandelte in den 90er Jahren und auch nach der Jahrtausendwende immer wieder mit Volkswagen. Und auch 2012 gab es Gerüchte, über eine mögliche Partnerschaft zwischen Sauber und VW. Mit einem VW-Bastelauto hatte die Karriere von Peter Sauber in den 60er Jahren begonnen. Monisha Kaltenborn, die seit 2012 die erste weibliche Teamchefin in der Formel-1 ist, bezifferte 2012 die Chance auf einen Deal mit VW auf 30%.

Die Ära BMW
2006 wurde Sauber zum Werksteam. Ende 2005 verkaufte er sein Lebenswerk an BMW. Tatsächlich wurde das Team mit den Investitionen des deutschen Automobilherstellers immer besser. Schloss erst zu den Top-Teams auf, war klar die drittbeste Kraft und konnte schließlich fast schon auf Augenhöhe mit den anderen Topteams Ferrari und McLaren kämpfen. 2008 gewann das Team den bisher einzigen Grand Prix, dank Robert Kubica in Kanada. Ein Jahr zuvor hatte der Pole, der sich aktuell noch immer von einem Rallye-Crash vom Februar 2011 erholt und 2013 in der DTM für Mercedes an den Start gehen könnte, noch einen schweren Crash, den schwersten eines Sauber-Fahrers überhaupt nach dem Wendlinger-Sturz 1994. Kubica musste in den USA aussetzen – und so feierte der aktuelle dreimalige F1-Weltmeister Sebastian Vettel sein F1-Debüt im BMW Sauber.

Peter Sauber ist ja auch als Entdecker und Förderer junger talentierter Fahrer bekannt. Jüngstes Beispiel: Robin Frijns. Der Niederländer wird 2013 als Testfahrer im Sauber-Team an Bord sein, nachdem er in den vergangenen Jahren viele internationale Titel für sich entscheiden hat können, wie 2011 den Formel-Renault-2.0-Eurocup (im Team des Deutschen Josef Kaufmann) und 2012 die Meisterschaft in der Formel-World-Series-by-Renault. Sauber holte aber auch Kamui Kobayashi und Sergio Perez an Bord, die in den vergangenen Jahren für Sauber glänzten.

Und dann gab es da ja auch noch den Fall Kimi Räikkönen, die wahrscheinlich größte Errungenschaft von Peter Sauber. Weil der Schweizer dafür sogar den Bruch mit dem Hauptsponsor in Kauf nahm! Rückblende: Sauber hat für die Saison 2001 keinen etablierten Fahrer wie Ricardo Zonta oder Olivier Panis verpflichten können. Also wollte er einen Neuling an Bord holen. Red Bull, damals Investor bei Sauber, wollte unbedingt ihren Nachwuchsmann Enrique Bernoldi bei Sauber parken. Sauber plädierte aber für den erst 22 Rennen erfahrenen Kimi Räikkönen, den damals nur die wenigsten kannten. Auch der Automobilweltverband FIA zögerte, stellte dem inzwischen einmaligen F1-Weltmeister zunächst keine, dann immerhin eine Superlizenz auf Probe aus. Doch die Verpflichtung des talentierten Finnen entpuppte sich als sensationeller Coup!

Red Bull trennte sich aber daraufhin von Sauber, ging mit Bernoldi zu Arrows – und gründete dann 2005 das eigene F1-Team in dem man das Jaguar-Team kaufte. Sauber versus Red Bull auch im Fall Sebastian Vettel. BMW und Red Bull förderten den jungen Deutschen, aber wer hatte denn jetzt eigentlich das Vorgriffsrecht? Letztlich verlor BMW Sauber das Talent Vettel an Red Bull.

20 Jahre Sauber in der Formel-1. 25 Jahre ist Beat Zehnder nun schon bei Sauber aktiv, als Teammanager in einer führenden Position. Andere Personalien bei Sauber: Willy Rampf war jahrelang der ruhige und sympathische Technikchef bei Sauber – auch in der BMW-Ära. Jetzt baut er für Volkswagen die Rallye-WM-Boliden – wieder die Verbindung zu VW also. Das erste Sauber-Podest: Heinz-Harald Frentzen 1995 beim Italien GP im Sauber Ford. Das erfolgreichste Jahr: 2001 Vierter in der Konstrukteurswertung. In den BMW-Jahren stand man natürlich noch besser da.

Aber die Ära BMW hätte fast mit dem Tod des F1-Rennstalls mit dem damals mega-modernen Werks in Hinwill geendet. Ende 2009, die Weltwirtschaftskrise war im vollen Gange, entschloss sich BMW zum hastigen Rückzug. Das Team stand zum Verkauf, Interessenten entpuppten sich als Luftschloss und erst in letzter Minute kam die Rettung, in dem Peter Sauber sein Lebenswerk zurückkaufte. Aber damit war noch nicht alles gerettet, denn Sauber hatte nun keinen Startplatz in der Formel-1. Der wurde erst frei, als sich Toyota zurückzog. Die FIA entschied sich zwischen Sauber, Epsilon Euskadi und Brabham – die Entscheidung fiel auf Sauber.

Eine weise Entscheidung, wie sich inzwischen gezeigt hat: 2012 war Sauber das Schreckgespenst der Topteams. Zwei zweite Plätze, zwei dritte Ränge – Sauber entpuppte sich fast schon zum Stammgast auf dem F1-Siegerpodest. Doch die Zeiten sind herausfordernd: 2014 kommen die Turbomotoren, dann wird Sauber noch mehr Geld auf den Tisch legen müssen. Die Formel-1 steht vor einer schwierigen Zeit – und mit ihr das Sauber-Team. Daher weiß heute keiner, ob Sauber noch mal 20 weitere Jahre in der Formel-1 unterwegs sein wird. Zu gönnen ist es der sympathischen Truppe aus der Schweiz auf jeden Fall.

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