F1 Terminkalender

Zur Zeit sind keine Eintrge vorhanden!

Kommentar der Woche

  • Woche 16| Applaus für Sergio Perez von !NS!DE-RAC!NG-Redakteur Michael Zeitler. Weiterlesen...

Serie: Formel 1 - Die McLaren Weltmeister: 3. James Hunt

Geschrieben von: Michael Zeitler.

Serie: F1: Weltmeister mit McLaren (3): James Hunt
von Michael Zeitler
.

Nachdem 1974 ein Fahrer mit einem lustigen Namen F1-Weltmeister mit McLaren wurde, schaffte dies 1976 ein Fahrer, der wirklich ein lustiger Vogel war. Ein Portrait über James Hunt.

 

Interlagos (!NS!DE RAC!NG) - In diesen Tagen feiert Altkanzler Helmut Schmidt seinen 90. Geburtstag. Unglaublich: Seine Mentholzigarette weicht keinen Schritt von ihm, es vergehen keine 5 Minuten, in denen Schmidt keinen tiefen Lungenzug nimmt. Sogar in Interviews lässt es sich Schmidt nicht nehmen, zu rauchen, nahezu durchwegs. Und trotzdem ist er 90 Jahre alt geworden. James Hunt war in seiner F1-Karriere – vielleicht nicht ganz so oft, aber doch ziemlich oft – ebenfalls stets mit einer Zigarette zu sehen. Nun, Hunt wurde keine 90 Jahre alt. Als er am 15. Juni 1993 verstarb, war er gerade mal 45 Jahre alt. Die Todesursache: Herzversagen. James Hunt beließ es eben nicht bei Zigaretten. Auch Alkohol und Drogen waren ständige Begleiter des charismatischen Rennfahrers, ebenso wie hübsche Frauen. Auch nach seiner Zeit als F1-Fahrer lebte er sein exzessive Leben weiter, soll sogar betrunken F1-Rennen für das britische Fernsehen kommentiert haben.

James Hunt lebte einfach sein Leben. Obwohl er nur 45 Jahre alt wurde: Nicht nur weil er Formel-1-Fahrer war erlebte Hunt mehr als viele andere, die 90 Jahre oder älter werden. Hunt eilte von Party zu Party, zwischendurch fuhr er F1-Rennen, das aber verdammt erfolgreich. Die glamouröse Welt der Formel-1 war für Hunt perfekt: Promipartys ließen andere sausen, nicht aber James Hunt. Dabei war es egal, wie anstrengend das Rennen war oder ob das Rennen gar noch anstand. Verdurstet ist Hunt bei den Partys jedenfalls nie. Trotzdem war er in jeder einzelnen Sekunde, die er im GP-Boliden verbracht hat, bei der Sache. Egal ob er 2 Stunden geschlafen hat, oder mit 2 Frauen: Im Rennen war Hunt immer am Limit. Zur Not halfen eben die Zigaretten nach.

Man muss schon lange im Archiv wühlen um ein Bild von James Hunt zu finden, auf der er keine Zigarette genüsslich in Rauch auflösen lässt. Selbst nachdem sich die Journalisten nach einem GP-Sieg Hunts um den Briten, der am 29. August 1947 in Epsom geboren ist, scharrten – bevor er die ersten Siegesinterviews gab, schürrte er sich eine Zigarette an. Die Zigarettenmarke Marlboro, zu Hunts Sternstunden Sponsor von McLaren und damit von Hunt, hatte mit Sicherheit nichts dagegen. Heute wäre das unmöglich: Die F1-Piloten gelten als absolute Saubermänner. Höchstens nach einem gewonnen WM-Titel darf ein F1-Fahrer (zumindest in der Öffentlichkeit) paffen, dann aber nur eine Zigarre, schließlich kann man das noch als Siegeszigarre vermarkten. Statt 7 Dosen Bier und eine Schachtel Zigaretten gibt es für die F1-Fahrer heute 7 Stunden Fitness-Training am Tag und das gesündeste Essen überhaupt.

Es waren halt andere Zeiten. Und James Hunt verkörpert den Unterschied von damals und heute besser wie kein anderer Fahrer. Es war die Zeit, in der Sex noch sicher war und Rennenfahren gefährlich. Vor Jahren ist dieses Verhältnis gekippt, hat sich heute gar schon umgekehrt. Übrigens: Hunt wusste das Zitat zu schätzen, denn er hatte viele Unfälle, teilweise sogar richtig heftige. Aber er hatte auch nicht selten Sex, und daraus machte er keinen Hehl. Nicht selten prangerten auf seinen Rennoveralls Sprüche wie „Sex – das Frühstück für Champions.“ Und ein Champion war er nun mal, auch wenn das noch heute viele anders sehen. Gewiss: Der schwere Feuerunfall von Niki Lauda, der übrigens genauso auf die Kacke haute und nicht nur deshalb mit Hunt bestens befreundet war, erleichterte Hunt den Titelgewinn 1976 um Welten. Aber Fakt ist, dass Hunt jahrelang ganz vorne mitfuhr – in einer Zeit, in der es nicht nur 3 oder 4 exzellente Fahrer gab, wie das heute der Fall ist. Damals gab es stattdessen ein halbes Dutzend herausragende Fahrer, oder gar noch mehr. Niki Lauda, Ronnie Peterson, Mario Andretti, Carlos Reutemann, Emerson Fittipaldi, Clay Regazzoni – alle fuhren sie in der Ära Hunt. Vielleicht sind es die ewig Gestrigen, die das behaupten, aber dann gäbe es viele Ewig-Gestrige. Viele behaupten: Ein James Hunt wäre 2008 ohne Probleme F1-Weltmeister geworden. In der Tat ließ die hohe Fehlerquote der Topstars von 2008 wie Lewis Hamilton, Felipe Massa oder Kimi Räikkönen schon fast vermuten, dass alle dieser Fahrer den WM-Titel unter keinen Umständen haben wollte.

Allen Lobeshymnen für James Hunt zum Trotz. Es gibt auch Experten, die überzeugt sind: Ein James Hunt würde es heute nicht mal mehr bis in die Formel-1 schaffen. Und das ist nicht auf seinen ausgereizten Nikotin-Konsum bezogen, sondern darauf, dass er scheinbar erst in der Formel-1 die Bremse kennen lernte. In den Nachwuchsjahren fuhr Hunt mit der Brechstange. Er zeigte damit zwar, dass er Talent hatte und entzückte mit überflotten Fahrten und Überholmanöver am Laufband, aber Hunt hatte nicht selten auch Unfälle. Und wenn er crashte, dann aber so richtig! Andere Fahrer in seiner Zeit, hatten nur einmal einen so derben Unfall, wie es Hunt quasi jedes Monat hatte, und waren sofort tot. Hunt dagegen schien unverwundbar.

Nicht nur wegen seiner mangelnden Erfolge hätte es Hunt um ein Haar nie in die Formel-1 geschafft (wäre da nicht ein gewisser Lord Hesketh gewesen, der von Hunt begeistert war und sein Reichtum gerne in ein F1-Team umwandeln wollte), sondern auch, weil sein Vater für seinen Sohn andere Pläne verfolgte: Wer die Lebensweise des James Hunt kannte, dem kommt mindestens ein großes Grinsen übers Gesicht, wenn nicht sogar ein lauter Lacher, aber Vater Hunt, ein Börsenmakler, wollte tatsächlich, dass James ein Arzt wird! James selbst hatte eine ältere Schwester und 3 Brüder, einer davon war David Hunt, den es selbst ebenfalls in den Motorsport trieb: Zunächst fuhr er selbst Rennen, startete 1990 sogar in der britischen Formel-3000 für RCR. In Brands Hatch kam er dabei als 5. ins Ziel. David erkannte aber schnell, dass er wohl als Teambesitzer schneller in die Formel-1 kommen könnte, wie als Rennfahrer. Also kaufte er sich in das Lotus-F1-Team ein, als dieses gerade den Bach runter ging. Auch die Gelder von Hunt halfen nicht: Ende 1994 machte das legendäre Team dicht, die Überreste gingen an das Pacific-Team. Hunt behielt aber die Namensrechte am Team und versuchte über Jahre, Lotus zurück in die Formel-1 zu hieven. 1999 wollte David Hunt zusammen mit der malaysischen Automarke Proton das Prost-Team übernehmen. Doch Prost verkaufte lieber einige Anteile an Pedro Diniz und dessen Vater Abílio dos Santos Diniz. Zur gleichen Zeit führte Hunt auch Verhandlungen mit Arrows. Die Versuche, den Namen Lotus in die Formel-1 zurückzubringen, scheiterten aber meist an den persönlichen Forderungen von David Hunt, denn der wollte das Zepter nie in die Hand nehmen und wollte mindestens Teilhaber und Teamchef in einem möglichen neuen Lotus-Team werden. Um bei der Verwandtschaft zu bleiben: James Hunt hat auch einen rennfahrenden Sohn: Freddie Hunt. Hunt Junior taucht immer wieder bei historischen Events am Steuer ehemaliger F1-Boliden seines Vaters auf. Seine professionelle Rennfahrerkarriere scheint derzeit zu stagnieren: Nach einem mäßigen Jahr in der britischen Formel-Ford 2007 fuhr er 2008 in der ADAC Formel-Master, aber nur 2 Rennen, die ebenfalls eher erfolglos waren.

Bevor Hunt aber Arzt werden konnte, wurde er 18. Den Geburtstag feierte er mit Freunden bei einem Autorennen in Silverstone. Hunt war vom Rennenfahren daraufhin sofort begeistert und setzte sich die Idee in den Kopf, Rennfahrer zu werden. James hielt sich mit diversen Jobs über Wasser, angefangen vom Eisverkäufer, Hilfskrankenpfleger, Supermarktbote. Er bewarb sich sogar als Busfahrer wurde aber aufgrund seiner Größe abgelehnt. Vom Ersparten kaufte er sich einen alten Mini-Cooper, den er innerhalb 2 Jahren rennreif bastelte. Hunt wurde aber enttäuscht: Die Rennleitung ließ den Boliden für ein Rennen nicht zu – die Windschutzhaube und die Fenster fehlten! Doch Autos mit Dach über dem Kopf begeisterten Hunt nur halb so gut, wie Formel-Autos. Also kaufte er sich einen Alexis Formel-Ford auf Raten. Die Leistungen waren zwar nicht aufdringlich (ins Gespräch brachte er sich unter anderem eher durch Schlägereien, wie nach einem Unfall in Crystal Palace 1970 mit Dave Morgan), reichten aber scheinbar, um in die Formel-3 aufzusteigen. Dazu kaufte er sich einen alten Brabham, der schon 2 Jahre auf dem Buckel hatte, während der Ford-Cosworth-Motor sogar noch älter war. Mit dem Alt-Kontainer-Material konnte Hunt meine Bäume ausreißen, aber er überzeugte so, dass March ihn ein Werksvertrag anbot, als Ronnie Peterson einen schweren Unfall in Monthléry hatte. Hunt lehnte aber ab. Nach ein paar weiteren Jahren F3, ging er 1972 endlich ins March-Werksteam, allerdings ging bei March wieder mal alles daneben und so kam es, dass Hunt nach einem Krach in Monaco seinen Helm nahm und einfach ging. Inzwischen hatte er Lord Hesketh kennen gelernt.

Obwohl Hunt bislang nicht den Anschein eines künftigen F1-Weltmeisters machte, machte Hesketh Hunt zum Teil seines Planes: Er will einen F1-Rennstall gründen. Noch 1972 machten die beiden erste Gehversuche in der Formel-2. Meist wurde Hunt noch in der britischen F2 eingesetzt, 3 Rennen durfte er aber auch in der F2-EM fahren und holte im March Ford immerhin 5 Zähler. Nach 3 weiteren Rennen in der F2-EM 1973 beschleunigte Hesketh seine F1-Ambitionen, als er merkte, dass die Formel-1 kaum teurer war, als die Formel-2. Er kaufte sich auch für die Formel-1 einen March Ford und stieg damit beim Monaco GP ein – natürlich mit Hunt am Steuer. Hunt fuhr in einer Zeit, in der es in der Formel-1 auch noch Rennen gab, die nicht zur Weltmeisterschaft zählten. In diesen konnte Hunt ebenso weiterhin Erfahrung tanken, wie in der Formel-5000, in der er in den 70er Jahren auch hin und wieder auftauchte. 1974 fuhr er in der amerikanischen Formel-5000 bei 3 Rennen mit, wurde dabei beim Rennen in Laguna Seca (Monterrey Grand Prix) hinter Brian Redman 2. Hunt steuerte einen Eagle Chevrolet vom Dan Gurney Racing Team. 1978 fuhr er zudem in Winton noch ein Rennen zur australischen F5000 mit einem Elfin und gewann das Rennen sogar! Auch in der Formel-Atlantik fuhr Hunt fallweise und wurde 1976 prompt von einem gewissen Gilles Villeneuve geschlagen. Hunt war von Villeneuve daraufhin derart angetan, dass er ihm zu einem Cockpit bei McLaren für den Großbritannien GP 1977 verhalf.

Seinen F1-WM-Einstand gab Hunt also beim Monaco GP 1973 – auf einer eher unpassenden Strecke für einen Fahrer wie Hunt, der den Eindruck erweckte, dass ihm Unfälle mehr Freude bereiteten, als Siege. Doch entgegen allen Erwartungen brachte Hunt sein Arbeitsgerät heil um die Leitplankenkanäle von Monaco. Ins Ziel schaffte er es nicht: Kurz vor Ende platzte ihm sein Ford-Cosworth-Motor unterm Hintern. Er wurde aber immerhin noch als 9. gewertet. In der Formel-1 zeigte Hunt sein ganz anderes Gesicht: Stetig verbesserte er sich, holte schon in Frankreich seinen ersten WM-Punkt, kurz darauf in Holland fuhr er sogar erstmals aufs Podium! Als 3. musste er sich nur den schier unschlagbaren Tyrrell Fords von Jackie Stewart und François Cevert geschlagen geben. Erst in Italien hatte Hunt im Qualifying wieder einen seiner schweren Unfälle. Da der March Ford bis zum Rennen nicht mehr repariert werden konnte, musste er den Grand Prix auslassen. In Amerika kam er gestärkt wieder zurück und wurde 2. beim USA GP.

Hesketh und Hunt – das schien eine für die Zukunft viel versprechende Paarung zu sein, denn Hesketh hatte Geld und lockte mit diesem Geld hochkarätige Konstrukteure wie Harvey Postlethwaite an, die sich im Winter vor der Saison 1974 um den Bau eines eigenen Hesketh-GP-Boliden beschäftigten. Der wurde aber erst mit Verzug fertig und so musste Hunt die ersten beiden Rennen noch mit dem alten Kunden-March fahren. Mit dem Hesketh Ford 308 erreichte Hunt nur gelegentlich das Ziel, dann aber stets weit vorne. Von seinen 5 Zielankünften beendete er 3 auf dem Podest, 4 in den Punkten. Und außerhalb der WM gewann er bereits F1-Rennen!

1975 setzte er das auch in der WM um, denn er beendete den Holland GP als Erster. 3 weitere Podestplätze bescherten ihm am Ende einen 3. Platz in der Gesamtwertung und eine gute Ausgangslage auf dem Transferkarussell, den er hatte für 1976 eine Reihe von Angeboten. Neben Lotus wollte in auch Bernie Ecclestone in seinem Brabham-Team und eben McLaren, um nur mal bei den großen Teams zu bleiben. Laut Hunt waren die Verhandlungen mit Ecclestone am weitesten. Aber der Deal, den Bernie vorschlug, gefiel Hunt weniger. Er sollte einen Brabham mit Ford-Cosworth fahren wie ihn die Werksmannschaft 1975 einsetzte, während die Stammfahrer Carlos Pace und Carlos Reutemann einen BT 45 mit Alfa-Romeo-V12-Triebwerken pilotieren sollten. Mit Lotus wurde man sich finanziell nicht einig. Das hört sich dann so an: Colin Chapman (Lotus-Chef): „James verlangte Geld wie ein Weltmeister, aber er war kein Weltmeister.“ James Hunt: „Lotus war offensichtlich der Ansicht, dass ihre Fahrer gratis Gas geben würden. Die Verhandlung mit Lotus hat mich effektiv 3 Stunden meines Lebens gekostet. Ich habe bei denen nicht mal was zu Essen bekommen.“ Blieb noch McLaren, denn dort zögerte Emerson Fittipaldi noch mit der Vertragsunterzeichnung. McLaren wollte mit Fittipaldi weitermachen und schlug Hunt vor, dass er einen 3. McLaren Ford pilotieren dürfe, falls Hesketh die Saison 1976 nicht mehr in Angriff nehmen würde. Bald wurde aber klar, wieso Fittipaldi so zögerte: Er wechselte ins brasilianische Team seines Bruders Wilson Fittipaldi. Also kam Hunt als Fittipaldi-Ersatz natürlich gerade recht.

Was wäre gewesen wenn...
... James Hunt 1976 zu Lotus gewechselt wäre?
Wäre er 1976 Weltmeister geworden?
Mit Sicherheit nicht! Lotus war 1976 zu schwach für den WM-Titel. Die Weltmeisterschaft wäre zwischen anderen Fahrern entschieden worden, aber nicht um die Personalie Hunt. Lotus erreichte 1976 mit Andretti nämlich nur einen Sieg - und das war das Chaosregenrennen in Japan.
Wer wäre 1976 Weltmeister geworden?
Nicht wenige sind überzeugt: Niki Lauda wäre ohne seinen Unfall locker Weltmeister geworden. Und auch mit dem Unfall war es zwischen ihm und Hunt verdammt eng. Wäre als Lauda ohne Hunt Weltmeister geworden? Vielleicht, vielleicht wäre es aber auch der Fahrer geworden, der für Hunt bei McLaren gefahren wäre, also eventuell Ronnie Peterson. Jochen Mass, der neben Hunt 1976 bei McLaren fuhr, wird ein WM-Titel jedenfalls nicht zugetraut.
Hunt mit Lotus - Was wäre daraus geworden?
James Hunt hätte genauso am Nr.1-Status von Mario Andretti gelitten wie es auch Ronnie Peterson tat. 1978 war Lotus wieder das beste Team und es war quasi schon eine Garantie, dass einer der Lotus-Fahrer Weltmeister werden würde. Peterson war oft der schnellere Fahrer, doch anders, als 1973, als er ebenfalls bei Lotus fuhr und sehr wohl offen gegen Emerson Fittipaldi fahren durfte (worauf man die WM aber an Jackie Stewart verlor und Fittipaldi zu McLaren flüchtete), war er ein Wasserträger von Andretti. Das ging soweit, dass Peterson sogar mit mehr Benzin im Tank ins Qualifying geschickt wurde, um sich ja hinter Andretti zu qualifizieren, und selbst das klappte nicht immer. Hunt wäre es genauso ergangen. Wäre Hunt also 1976 zu Lotus gewechselt, wäre er vermutlich nie F1-Weltmeister geworden.

Emerson Fittipaldi wechselte also 1976 zu McLaren und war damit plötzlich einer der Kandidaten um den WM-Titel. Ferrari schien mit Niki Lauda zwar vor allem zur Beginn der Saison unschlagbar, doch beim Deutschland GP auf dem Nürburgring gab es den wohl bekanntesten Feuerunfall – den Feuercrash von Lauda, den der Österreicher fast mit dem Leben bezahlen musste. Lauda musste ein paar Rennen aussetzen, kam völlig überraschend überhaupt wieder zurück in den GP-Sport und war bis zum Finale noch vor Hunt in der Weltmeisterschaft! Doch Im Regenrennen von Japan hatte Niki Lauda keine Lust, sein Leben noch einmal zu riskieren und er gab auf. Hunt wurde 3. und damit knapp vor Lauda F1-Weltmeister! Der Japan GP 1976 hatte Folgen: Bei Ferrari brach intern Streit aus, vor allem, weil sich die Verhältnis als gar nicht mal so schlimm erwiesen. Lauda verkrachte sich mit der Teamleitung immer mehr und Rennleiter Daniele Audetto musste seinen Hut nehmen.

EINEN AUSFÜHRLICHEN RÜCKBLICK ÜBER DIE SAISON 1976 GIBTS BEI HISTORY -> SAISONS

Nach dem Titelgewinn 1976 wollte Hunt seinen Titel 1977 natürlich verteidigen. Aber zu Beginn der Saison musste der Brite mit dem McLaren Ford M23 aus dem Vorjahr Vorlieb nehmen, und auch als der neue McLaren Ford M26 kam, dauerte es eine Weile, bis der Bolide siegfähig war. Ab Mitte der Saison galt jedoch die Faustregel: Kam Hunt ins Ziel, gewann er auch. Dummerweise passierte genau das aber nur 3 Mal. Mehr als Platz 5 war nicht drin. Doch das dies noch nicht der Tiefpunkt der Talfahrt war, wurde Hunt 1978 vor Augen geführt. Die Saison wurde von Lotus zwar eh dominiert, aber Hunt und McLaren wirkten auch im Kampf mit dem Rest der Teams nicht gerade stark. Nur ein einziges Mal – beim Frankreich GP als Dritter – durfte Hunt aufs Podium kraxeln! In der Endabrechung kam er nicht einmal in die Top 10 der Weltmeisterschaft! Der Tiefpunkt der Saison 1978 war aber der Italien GP in Monza: Hunt löste damals den Startunfall aus, der Ronnie Peterson in eine Flammenhölle schickte, die er nicht überlebte. Jahrelang galt Riccardo Patrese als Schuldiger, doch nicht Patrese, sondern Hunt berührte den Lotus Ford von Peterson.

Seine Dienste bei McLaren wurden nicht mehr gebraucht. Ferrari sah das Feuer in Hunt aber noch nicht erloschen und arbeitete daran, Hunt zur Scuderia zu holen. Der Deal scheiterte aber aus welchen Gründen auch immer, also ging Hunt zu Wolf. Nach 7 Rennen, wovon er nur den Südafrika GP als 8. beenden konnte, langte es Hunt und er beendete seine F1-Karriere. Einen Schlussstrich wollte James aber vorerst noch nicht ziehen. Bei Ligier startete er eine Anfrage, ob er denn einen Ligier-Boliden kaufen könnte. Er wollte ihn privat einsetzen, denn Gerüchten zu Folgen tat sich Hunt wieder mit ehemaligen Hesketh-Mannen zusammen (Hesketh ging Mitte 1978 verschwunden) und versuchte mit diesen einen neuen Rennstall aus dem Boden zu stampfen. Ligier aber hatte kein Interesse, einen Boliden zu verkaufen, merkte aber offenbar, dass Hunt noch Lust am Rennsport hatte. Also versuchte Ligier ihn ins Team zu holen, vor allem weil man auch selbst einen Ersatzfahrer brauchte: Patrick Depailler stürzte nach dem Monaco GP beim Drachenfliegen ab und fiel erstmal aus. Passenderweise beendete Hunt auch nach dem Monaco GP sein Abenteuer mit Wolf. Hunt und Ligier wurden sich aber nicht einig, also versuchte Brabham sein Glück: Man bot Hunt für 1980 ein Cockpit, das mit 2 Millionen US-Dollar dotiert werden sollte. Aber auch das fand Hunt nicht attraktiv. Er kommentierte lieber F1-Rennen für die Zuschauer. Erst 10 Jahre später arbeitete er an einem Comeback: Für das Mercedes-Werksteam HWA absolvierte er einen DTM-Test, auch mit der IndyCar-Serie liebäugelte Hunt. Konkret wurde aber beides nicht.

F1-WM-Statistik: James Hunt
3341 Führungskilometer (Rang 24)
179 Punkte (Rang 46)
92 Rennen (Rang 68)
24 Starts aus der Ersten Reihe (Rang 23)
23 Podestplätze (Rang 37)
23 angeführte Rennen
14 Pole Positions (Rang 18)
10 Siege (Rang 25)
8 Schnellste Rennrunden (Rang 33)
4-mal knapp außerhalb der Punkteränge (Rang 57)
2 Disqualifikationen (Rang 14)
2 Tripples (Rang 19)
1 WM-Titel (Rang 15)
Pole-Position-Quote: 15,054% (Rang 23)
Durchschnittlicher Rückstand auf Pole Position: 1,757% (Rang 29)
Siegquote: 10,870% (Rang 29)
Durchschnittliche Startposition: 7,054 (Rang 38)
Ausfallquote: 50% (Rang 209)
Alle 10 GP-Siege von James Hunt
Holland GP 1975: James Hunt vor Niki Lauda (Ferrari)
Spanien GP 1976: James Hunt vor Niki Lauda (Ferrari)
Frankreich GP 1976: James Hunt vor Patrick Depailler (Tyrrell Ford)
Deutschland GP 1976: James Hunt vor Jody Scheckter (Tyrrell Ford)
Holland GP 1976: James Hunt vor Clay Regazzoni (Ferrari)
Kanada GP 1976: James Hunt vor Patrick Depailler (Tyrrell Ford)
USA GP 1976: James Hunt vor Jody Scheckter (Tyrrell Ford)
Großbritannien GP 1977: James Hunt vor Niki Lauda (Ferrari)
USA GP 1977: James Hunt vor Mario Andretti (Lotus Ford)
Japan GP 1977: James Hunt vor Carlos Reutemann (Ferrari)
GP für Teams
1. McLaren (1976-’78): 49 GP
2. Hesketh (1973-’75): 36 GP
3. Wolf (1979): 7 GP
Qualiduell mit Teamkollegen
James Hunt
– Ian Scheckter 1:0
James Hunt – Harald Ertl 3:0
James Hunt – Brett Lunger: 3:0
James Hunt – Jochen Mass 31:2
James Hunt – Gilles Villeneuve 1:0
James Hunt – Bruno Giacomelli 6:0
James Hunt – Patrick Tambay 15:0
Gesamt: James Hunt – Teamkollege 60:2

Wir haben 78 Gäste online

Next Race:

© 2008 - 2013 !R Redaktionsgemeinschaft / !NS!DE-RAC!NG Online Magazin
Ein Angebot der RTV-WORLD MediaGroup - Fa. Roland Schäfges: Katzenberger Weg 114 - 56727 Mayen - www.rtv-world.de - redaktion@inside-racing.de