F1: Britische Rennwagen - Wie alles anfing

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Wie es dazu kam, dass die meisten F1-Flitzer heute in Großbritannien gebaut werden.

F1: Britische Rennwagen - Wie alles anfing

von Michael Zeitler

Wie es dazu kam, dass die meisten F1-Flitzer heute in Großbritannien gebaut werden.

| Barcelona (!NS!DE-RAC!NG) - Nur Ferrari (Italien), Sauber (Schweiz) und Toro Rosso (Italien) lassen ihre F1-Rennwagen nicht in Großbritannien bauen, alle anderen Teams haben ihren Sitz auf der Insel. Red Bull mag mit österreichischer Lizenz, Force India mit indischer und Marussia mit russischer Lizenz fahren, aber de facto sind auch sie britisch. Genau wie auch das Mercedes-Werksteam!

Was heute normal ist, war früher exotisch. Den ersten britischen GP-Boliden gab es erst 1908 beim Frankreich GP, also erst im dritten Jahr (ein Austin). Die Renngrößen waren die Autonationen Italien, Frankreich und Deutschland, weniger Großbritannien. Aber aus England kommen die ersten Privatteams, die eigene Fahrzeuge bauten. England legte damit den Grundstein einer Teamphilosophie, wie sie heute zwar professioneller, aber de facto noch immer da ist. Aber wer erinnert sich heute schon noch an die Pioniere?

An Raymond Mays zum Beispiel. Er war selbst ein guter Rennfahrer, fuhr in den 30er Jahren bei Bergrennen, aber auch bei GP-Rennen. 1933 gründete er mit einigen anderen Leidenschaftlern das ERA-Team. Typisch für die damaligen Rennteams: Der Patriotismus. Hinter ERA steckt English Racing Automobiles. Später gab es auch BRM (British Racing Motors) oder BRP (British Racing Partnership).

Mit ERA ging aber in den 30er Jahren alles los. Eigentlich wollte man einen großen GP-Rennwagen auf Kiel legen. Doch der GP-Sport wurde immer professioneller: Die immer gigantischer werdenden Automobilkonzerne aus Frankreich, Italien und Deutschland pumpten viel Geld in den Sport, oftmals auch staatlich gefördert. Da konnte ein kleines Rennunternehmen wie ERA nicht mithalten. Also entschied man folgerichtig: Die kleinere Voiturette-Klasse tut’s auch, also quasi die heutige GP2-Meisterschaft. Doch damals gab es nicht wie heute mit Dallara einen Einheitschassishersteller, sondern die Teams bauten auch in der kleinen GP-Klasse die Fahrzeuge selber oder kauften eben welche von verschiedenen Herstellern.

Der Patriotismus im Herzen: Mays verfolgte mit ERA bereits ein Ziel, was er mit BRM später verfeinerte: Möglichst viele britische Firmen vereinen. Und viele britische Kräfte: Reid Railton wurde von der Passion getrieben, Geschwindigkeitsrekorde auf Land und auf Wasser aufzustellen und konstruierte dafür entsprechende Gefährte. Er war nun einer der Techniker für ERA. Dick Seaman, der später auch Mercedes-Werkspilot im GP-Sport wurde, fuhr ebenfalls mit ERA-Rennwagen. Die wurden übrigens auch verkauft. Bekanntestes Beispiel ist das adelige Brüderpaar aus Thailand: Prince Bira und Chula Chakrabongse. Auch bei GP-Rennen der großen Wagen tauchten ERA-Rennwagen immer wieder auf.

Nach dem Zweiten Weltkrieg ging es mit ERA weiter, auch wenn inzwischen Leslie Johnson die Firma übernommen hat. Raymond Mays gründete mit BRM nämlich ein neues Projekt. Johnson fuhr beim Großbritannien GP 1950, dem ersten Grand Prix in der neu gegründeten F1-Weltmeisterschaft, auch selbst einen ERA, schied allerdings aus. Bob Gerard wurde aber wie auch später beim Monaco GP Sechster. Nach ein paar Jahren schloss ERA aber seine Pforten.

Dafür wurde BRM zu einem Spitzenteams. Laut dem Internetlexikon Wikipedia sollen 1000 britische Firmen an BRM beteiligt gewesen sein. Die prominenteste: Rolls Royce, mit dem Bau der Kompressoren beauftragt. 1951 tauchte ein BRM erstmals in der WM auf, mit Reg Parnell am Steuer. Am Ende sprang Rang fünf und damit ein WM-Punkt heraus. BRM arbeitete sich immer weiter nach vorne. 1962 sah man sich am Gipfel: Graham Hill wurde im BRM Weltmeister! Danach der rapide Fall des Teams von Alfred Owen: Skurrile Projekte wie den 16-Zylinder H16-BRM in der Saison 1966. Schon 1974 schien das Team am Boden zu liegen, Ende 1977 schloss es aber endgültig seine Pforten.

Zu dem Zeitpunkt gab es das BRP-Team schon gar nicht mehr. Das wurde von Ken Gregory und Alfred Moss gegründet, dem Vater der Rennlegende und Dauer-F1-Vizemeister Stirling Moss. Alfred fuhr selbst Rennen, etwa 1924 beim Indy-500 auf einem Fronty Ford. Anders als ERA und BRM setzte BRP zunächst Kundenchassis von Cooper und Lotus ein, erst 1963 und 1964 gab es eigene BRP-Rennwagen. Das Highlight war ein zweiter Platz von Stirling Moss auf einem Cooper BRM beim Großbritannien GP 1959.

In der Zeit gab es immer mehr britische Rennteams. Eines der F1-Pioniere war auch noch das Vanwall-Team von Tony Vanderwell. Er war zunächst auch einer der Hintermänner von BRM, dann gründete er sein eigenes Team, erst mit Kundenfahrzeugen (sogar von Ferrari!), dann auch mit eigenen Chassis. Nach dem Vanwall 1958 mit Tony Brooks, Stirling Moss und Michael Lewis-Evans die Konstrukteursmeisterschaft gewann, sah man sich am Ziel. Vanderwell, dem es gesundheitlich immer schlechter ging, zog sich zurück, auch wenn es bis 1960 noch gelegentliche Gaststarts von Vanwall gab.


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