!NS!DE RAC!NG diskutiert: Braucht die Formel 1 eine Frau?

Ein Thema, zwei Meinungen. In dieser Woche geht es um die strittige Frage, ob auch weibliche Rennfahrerinnen in der Königsklasse antreten sollten.

!NS!DE RAC!NG diskutiert: Braucht die Formel 1 eine Frau?

von Michael Zeitler und Daniel Geradtz

Ein Thema, zwei Meinungen. In dieser Woche geht es um die strittige Frage, ob auch weibliche Rennfahrerinnen in der Königsklasse antreten sollten.

| Daytona (!NS!DE-RAC!NG) - Mit der Pole-Position zum Daytona 500 hat Danica Patrick wieder eine Frage entfacht: Braucht der moderne Motorsport Frauen? Wir haben uns dieser Frage einmal angenommen und geben unsere Meinungen dazu ab.

ProMichael Zeitler: Doppeltes Zuschauerinteresse?

Braucht die Formel-1 eine weibliche Pilotin? Natürlich ist sie bis auf fünf Ausnahmen immer ohne ausgekommen, hat trotzdem spannende Geschichten geschrieben, packenden Sport geboten und dazu geführt, dass der GP-Sport zu einer der weltweit beliebtesten Sportarten aufgestiegen ist. 

Trotzdem: Ja, die Formel-1 braucht eine Frau. Keine, die nur aus PR-Gründen mitfährt, sondern eine, die auch wirklich schnell ist. Aber bei PR-Gründen sind wir auch gleich beim zentralen Argument: Eine weibliche F1-Pilotin wird die Aufmerksamkeit steigern. Bei einer mittelprächtig guten Rennfahrerin wird das nur die kurzfristige Aufmerksamkeit steigern. Wenn dann alles gut läuft, dann bekommt das Team, das die Frau verpflichtet, dadurch vielleicht neue Sponsoren. 

Aber wenn die Frau dann auch noch richtig stark ist, um Punkte, Siege und Titeln kämpft, dann wird die Aufmerksamkeit auch langfristig gesteigert. Genaue Zahlen dazu gibt es nicht, aber die meisten F1-Fans sind doch männlich. Sollte jetzt eine Frau in der Formel-1 fahren, werden sich vielleicht noch mehr Frauen für die Formel-1 interessieren, immerhin wollen sie dann vielleicht sehen, wie sich die Frau in einer bisher als Männergesellschaft geltenden Sportart schlägt. 

Egal ob Leichtathletik, Fußball oder Wintersport – überall treten Männer und Frauen getrennt gegeneinander an. Im Motorsport nicht. Dieser Vorteil muss genutzt werden. Bei der Nordischen Ski-WM treten die Nationen im Skispringen gemischt gegeneinander an, mit je zwei männlichen und zwei weiblichen Skispringer. Bei den Fans kommt das gut an. Und auch im Rennsport würde das gut ankommen, das zeigen schon alleine die Reaktionen auf die Daytona-Pole von Danica Patrick in der NASCAR. Und malen wir uns den interessantesten Fall aus: Eine Rennfahrerin kämpft gegen einen Rennfahrer um den WM-Titel – vielleicht sind beide sogar noch verheiratet… 

 

ProDaniel Geradtz: Unter den aktuellen Bedingungen nicht!

Die Formel 1 braucht im Augenblick keine Frauen. Der Grund liegt auf der Hand. In allen olympischen Sportarten und auch darüber hinaus gibt es eine strikte Trennung zwischen männlichen und weiblichen Teilnehmerfeldern. Die aus Historie gewachsene Unterscheidung hat oft einen ganz einfachen Grund: Frauen war es damals oft nicht gestattet, Sport in Wettkampfform zu betreiben. Heutzutage wird häufig die körperliche Ungleichheit als Begründung herangezogen. 

Im Motorsport, immerhin eine sehr moderne Sportart, gab es nie eine geschlechtsspezifische Unterscheidung, also bemühten sich immer wieder Frauen, darin Fuß zu fassen. Doch alles nur mit mäßigem Erfolg. Aktuelle Beispiele aus Langstrecke, Tourenwagen und Formel zeigen eins ganz deutlich, für Frauen ist und bleibt die Rennerei eine schwierige Angelegenheit. Leider haben sie gegen die männlichen Kontrahenten in den meisten Fällen einen schweren Stand. Einzig Danica Patrick kann in den USA einigermaßen mithalten. Was man folglich bräuchte, wäre eine Rennserie nur für Frauen. Doch wäre diese stark genug? In Europa muss man ganz klar feststellen, dass alles unterhalb der Formel 1 nur sehr schwer bestehen kann. Dass eine Rennkategorie ausschließlich für Damen große Aufmerksamkeit erzeugen würde, kann als gesetzt betrachtet werden. Genug, um dauerhaft auf einer gesunden finanziellen Basis bestehen zu können, meiner Meinung nicht. Allzu schnell waren Nischenserien wie A1 Grand Prix und Superleague Formula von der Bildfläche verschwunden. 

Sollte es tatsächlich eine schnelle Frau geben, die sich durch starke Leistungen in den Nachwuchskategorien auszeichnet, könnte diese gerne in die Königsklasse aufsteigen. Aber unter den aktuellen Voraussetzungen, in denen Frauen mehr PR-Mitarbeiter als Rennfahrer sind, kann die Formel 1 gerne darauf verzichten. Genau das ist auch der Grund, weshalb die DTM Hersteller nach sieben Jahren erstmals auf weibliche Beteiligung verzichten werden. 

 

Ist Todt besser als Mosley?
 

 

Wir haben 29 Gäste online

Next Race:

© 2008 - 2013 !R Redaktionsgemeinschaft / !NS!DE-RAC!NG Online Magazin
Ein Angebot der RTV-WORLD MediaGroup - Fa. Roland Schäfges: Katzenberger Weg 114 - 56727 Mayen - www.rtv-world.de - redaktion@inside-racing.de