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Serie: Alle 22 F1-Fahrer - 3. Giedo van der Garde

Geschrieben von: Michael Zeitler.

Serie: Alle 22 F1-Fahrer - 3. Giedo van der Garde

von Michael Zeitler

Giedo van der Garde hat Berufliches und Privates nicht getrennt.

2013 erstmals in der Formel 1: Giedo van der Garde ©Caterham| Melbourne (!NS!DE-RAC!NG) - Man muss eben doch hartnäckig bleiben, wenn man es zum F1-Fahrer bringen will. Seit Jahren versucht es Giedo van der Garde – jetzt hat es geklappt. Vor sechs Jahren kletterte er zum ersten Mal in einen F1-Rennwagen: Im Juli 2007 hetzte er den Spyker Ferrari um die Strecke in Silverstone. Van der Garde wollte damals auf Nummer sicher gehen: Er hatte anfangs sogar Verträge zwei F1-Teams in der Tasche: Super Aguri und Spyker. Den ersten unterzeichnete er mit dem japanischen Rennstall, dann aber erschien ihm der Wechsel zu einem Team im Besitz einer niederländischen Investorengruppe (die Familie Mol, die noch immer Minderheitsanteile am Force-India-Team hält) und einem niederländischen Sportwagenhersteller (Spyker) für die Zukunft als viel versprechender – und wohl auch als reizvoller. Das Hickhack ging vor Gericht weiter – und der Automobilweltverband FIA verweigerte Van der Garde die Ausstellung der Superlizenz. Somit war der geplante Trainingseinsatz beim Australien GP schon vor den ersten Metern abgesagt.


Sechs Jahre liegen zwischen dem ersten F1-Test in Silverstone 2007 bis zum ersten Grand Prix 2013 in Australien, den er im Caterham Renault bestreiten wird. Wieder ist also ein Sportwagenhersteller der Besitzer eines Teams, für das Van der Garde starten wird. Dieses Mal ist es aber ein Hersteller aus Großbritannien. Dass F1-Fahrer nach der ersten Probefahrt so lange warten müssen, ist ungewöhnlich. Sebastian Vettel kam 2007 und testete 2005 im BMW Williams das erste Mal seine Rennqualitäten hinter einem F1-Test. Zwei Jahre lagen auch zwischen der ersten F1-Ausfahrt von Fernando Alonso 1999 und seinem Debüt 2001 – beides im Minardi-Rennstall. Auch Mark Webber (erster Test 2000 im Benetton Supertec, Debüt 2002 im Minardi Asiatech) brauchte zwei Jahre, Lewis Hamilton (erster Test 2004, Debüt 2007 jeweils im McLaren), sowie Nico Rosberg (2003 erster Test, 2006 Debüt jeweils für Williams) warteten drei Jahre.

Wer musste eigentlich in der F1-Historie zwischen ersten F1-Test und erstem F1-Rennen lange warten? Ralph Firman, der dem Schauspieler Pierce Brosnan wie ein Zwillingsbruder gleicht und dessen Vater eigene Rennwagen herstellt (2013 für die neue britische Formel-4), durfte 1995 den McLaren Mercedes ausprobieren. 2003 fuhr er für ein Jahr bei Jordan – ohne Erfolg. Der Italiener Fabrizio Barbazza fuhr 1993 seine ersten Rennen für Minardi. Den ersten Test gab es bereits 1985, im Osella Alfa Romeo. Barbazza hätte nicht so lange warten müssen, hätte er sich 1991 bei seinen Einsätzen für AGS qualifizieren können. Aber das schaffte er nie. Der König des Wartens ist aber Allan McNish, jetzt bei den Sportwagen eine nicht wegzudenkende Größe. Ab 1990 testete er regelmäßig für McLaren, 1993 für Benetton, 1995 für Lola. Aber erst Toyota holte den Schotten in die Formel-1 – bei der Premierensaison des japanischen Automobilherstellers 2002!

Aber es gibt auch einen Fahrer im aktuellen Fahrerfeld, der länger warten musste als Van der Garde: Pastor Maldonado. Der Venezuelaner probierte sich 2004 im Minardi Ford und überzeugte. Aber bis Maldonado es ins F1-Grid schaffte vergingen sieben Jahre: 2011 debütierte er im Williams Cosworth. Zwischen Van der Garde und Maldonado gibt es durchaus Parallelen: Auch Maldonado war jahrelang in der GP2 unterwegs, beide haben sehr gute finanzielle Unterstützung. Aber da hören die Gemeinsamkeiten auch schon auf: Maldonado beispielsweise wurde GP2-Meister, was Van der Garde nie schaffte.

Dabei versuchte er es vier Mal (genauso lange brauchte Maldonado bis zum Titelgewinn). 2009 stieg er bei iSport in die GP2 ein und gewann auch drei Rennen. Aber trotzdem langte es nur zu Platz sieben in der Endabrechnung. 2010 änderte sich das Team (Addax), aber die Platzierung blieb. Immerhin zwei Plätze nach vorne ging es 2011, aber Van der Garde war dennoch eine der Enttäuschungen der Saison. Schließlich war der Niederländer als einer der Titelfavoriten in die Saison gestartet. Am Ende musste er sich sogar seinen Addax-Teamkollegen Charles Pic beugen. Der Franzose wird jetzt auch 2013 wieder sein Teamkollege, jetzt aber in der Formel-1 bei Caterham.

Van der Garde war 2012 bereits als Freitagstestfahrer bei Caterham aktiv. Und er fuhr für die Mannschaft von Tony Fernandes auch in der GP2. Caterham wollte Van der Garde unbedingt, schließlich sollte er als erfahrener Fahrer beim Aufbau der GP2-Mannschaft helfen. Jetzt schaffte er es sogar zur Beförderung ins F1-Team. Darauf hat Van der Garde seit Jahren hingearbeitet. Bereits vor zwei Jahren sah es sehr gut aus für Van der Garde. Bei Marussia und sogar bei Williams hatte er dank seiner großzügigen Geldgeber Chancen auf einen Stammplatz.

Aber sogar niederländische Fans fragen sich: Wieso unterstützen die Niederländer Van der Garde finanziell, nicht aber das riesen Talent Robin Frijns, der sich 2013 mit der Testfahrerrolle bei Sauber begnügen muss? Die Antwort hat mit Vitamin B zu tun: Van der Garde hat die Tochter des schwerreichen niederländischen Milliardärs Marcel Boekhoon geheiratet. Ihm gehört unter anderem die Modemarke McGregor, die in der Formel-1 schon immer wieder als Sponsor auftaucht. Immer wieder wird das Bild der bösen Schwiegermutter gezeichnet, aber des spendierfreudigen Schwiegervaters. Bei Van der Garde trifft zweites voll zu, erstes nicht.

Was haben Frijns und Van der Garde gemeinsam? Beide wurden bereits Meister der Formel-World-Series-by-Renault. Frijns 2012 mit dem Fortec-Team. Schon diese Saison konnte sich Frijns nur leisten, weil er eine halbe Million Euro Preisgeld mit dem Titel in der Formel-Renault-2.0-Eurocup abräumte. Im Team des Deutschen Josef Kaufmann. Van der Gardes Meisterschaft liegt bereits fünf Jahre zurück: 2008 wurde er im P1-Team Meister, das Roy Volcini gehörte. Er war in der Formel-1 bereits als Mechaniker im Brabham-Team involviert, hat P1 inzwischen aber an den österreichischen Ex-Speedway-Fahrer Walter Grubmüller verkauft und arbeitet inzwischen beim britischen Nachwuchsrennstall Comtec.

Van der Garde ist also der aktuelle niederländische F1-Pilot – aber die Hoffnungen ruhen auf zwei andere. Natürlich Frijns, der zuletzt in jedem Jahr einen bedeutenden internationalen Titel abräumte. Und noch mehr auf Nyck de Vries. Er soll der nächste Lewis Hamilton werden, wird von McLaren genauso aufgebaut wie der Weltmeister von 2008. 2013 fährt er im Eurocup für das finnische Koiranen-Team und gilt als einer der Titelfavoriten – als Kartweltmeister von 2011.

So schlecht ist Van der Garde aber nicht. Bei seinen F1-Auftritten war er immer grundsolide, auch in der GP2 blieb ihm der ganz große Sprung zwar versagt, aber er war immer konstant vorne dabei. Und den Titel in der WSbR räumt man nicht einfach so ab. In der WSbR hat er das Duell gegen Pic auch schon mal gewonnen: In seinem Meisterjahr 2008, als er gegen Pics Tech-1-Teamkollegen Julien Jousse kämpfte, aber Pic ganz schön im Schatten stand.

Gegen andere aktuelle F1-Piloten musste Van der Garde aber auch schon Niederlagen einstecken. Zum Beispiel gegen Sergio Perez, der 2010 bei Addax Vizemeister wurde und fast doppelt so viele Punkte ergatterte wie Van der Garde im selben Team. Oder 2006, als Van der Garde in seiner dritten F3-Euroseries-Saison (2005 fuhr er für das Team von Ex-F1-Weltmeister Keke Rosberg) sich teamintern bei ASM Paul di Resta und Sebastian Vettel beugen muss.

Jetzt ist Van der Garde am Ziel seiner Träume: Er ist F1-Pilot. Doch jetzt muss das nächste Ziel heißen: Charles Pic zu schlagen. Und das wird schwer genug – wie die Vergangenheit zeigte. Pic hat aber auch einen Vorteil: Er fuhr 2012 für Marussia bereits seine F1-Debüt-Saison.

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