!NS!DE RAC!NG diskutiert: Hat Sutil eine zweite Chance verdient?

 

Ein Thema, zwei Meinungen. In dieser Woche sprechen wir über Adrian Sutil und die Berechtigung seines Formel-1-Comebacks.

 


| Die Kaugummi-Verhandlungen bei Force India haben endlich ein Ende. Die erste Testfahrten in Jerez spulte Paul di Resta noch alleine ab, das zweite Cockpit schimmerte jungfräulich unberührt. Erst drei Wochen vor Saisonbeginn rangen sich die Inder zu einer Entscheidung in der Fahrerfrage durch. Adrian Sutil erhält „seinen“ Platz zurück, den er 2012 an Nico Hülkenberg hatte abtreten müssen. Wir sind geteilter Ansicht darüber, ob der 30-jährige zurecht wieder in der Formel 1 mitmischt.

Pro

Johannes Mittermeier: Er hat seine Klasse bewiesen

 

Adrian Sutil ist eine sichere Bank geworden. Force India weiß, was es an ihm hat, was sie erwarten können und was nicht. Die Erfahrung von 90 Formel-1-Rennen hat den Deutschen im Laufe seiner Karriere in der Königsklasse reifen lassen. Zu Beginn galt er im - allerdings auch hoffnungslos unterlegenen - Vorgängerteam Spyker als gelegentlicher Renn-Rüpel. Der Ruf zehrte von so mancher Einlage im Rallycross-Style, Blechschaden und Feindkontakten. Doch parallel mit dem Aufstieg des Rennstalls ins sichere Mittelfeld steigerte sich Sutil als Fahrer. Unfälle wurden seltener, Zielankünfte häufiger, Punkte gewöhnlicher. Den handfesten Nachweis seiner Klasse lieferte Sutil in seiner vorerst letzten F1-Saison 2011. Er schlug den hochgelobten Teamkollegen Paul di Resta, der immerhin zum „Rookie“ des Jahres gewählt wurde, und schloss die Gesamtwertung auf einem respektablen neunten Rang ab. Kaufen konnte sich Sutil für den Ehrenplatz hinter den vier Top-Teams freilich wenig, Force India ersetzte ihn durch Nico Hülkenberg. Und auch wenn sich das Team mit dieser Entscheidung sportlich bestimmt nicht verschlechterte: Unter objektiven Gesichtspunkten mangelte es an zweifelsfreiem Verständnis der Ablösung Sutils - nicht nur mir.


Die leidige „Disco-Affäre“, diese Anklage wegen Körperverletzung und seine (medialen) Folgen, darf bei der Bewertung der Qualität eines Rennfahrers keinen Pfahl im Dachträgerwerk einnehmen. Deshalb tut es überhaupt nichts zur Sache, was damals im Detail passierte. Es zählt die Leistung auf der Strecke, nicht ein einmaliger Vorfall während einer undurchsichtigen Nacht irgendwo in China.


Die Rückkehr nach einem Jahr der Zwangspause stellte Sutil auf eine harte Gedulsprobe. Schlussendlich setzte er sich in der faktischen Ausscheidung gegen Jules Bianchi durch. Dass er nichts verlernt hat, demonstrierte Sutil bei eben jenen Testfahrten in Barcelona. Dem voll im Saft stehenden di Resta konnte er trotz fehlender Fahrpraxis mit Leichtigkeit Paroli bieten.


Contra

Michael Zeitler: Bianchi wäre die bessere Wahl gewesen


Ob Adrian Sutil die zweite Chance verdient hat, das lässt sich so leicht nicht beantworten. Der Deutsche beendete die Saison 2011 als Neunter, kann also so schlecht nicht gewesen sein. Aber in diesem Fall muss man auch schauen, was denn die Alternativen gewesen wären. Und die wahrscheinlichste Alternative wäre Jules Bianchi gewesen. Klammern wir wirtschaftliche Faktoren aus und konzentrieren wir uns nur auf den sportlichen Aspekt, dann finde ich: Bianchi wäre die bessere Wahl gewesen.

 

Seit 2007 fährt er in verschiedenen Klassen im Formel-Sport – immer unter den besten drei. Natürlich hat Sutil mehr Erfahrung, aber Bianchi hat in den vergangenen Jahren auch immer wieder F1 getestet, 2012 für Force India sogar einige GP-Freitage.

 

Sutil dagegen hatte in der Formel-1 Startschwierigkeiten, hat seinen Hang zu Kollisionen zwar abgelegt, aber ist nicht perfekt konstant. Das zeigt auch seine bisher beste Saison 2011, als er in Saisonhälfte eins sich sogar dem Rookie Paul di Resta beugen musste. Die Highlights setzten auch immer andere. Als Force India einen Hand am Siegerpokal hatte (Belgien 2009) war es Giancarlo Fisichella und nicht Adrian Sutil, der die Kastanien aus dem Feuer holte. Ich jedenfalls hätte lieber Bianchi genommen.

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