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Serie: Alle 22 F1-Fahrer - 6. Daniel Ricciardo

Geschrieben von: Michael Zeitler.

Serie: Alle 22 F1-Fahrer - 6. Daniel Ricciardo

 von Michael Zeitler

 

Daniel Ricciardo - der typische australische Surferjunge.

| Melbourne (!NS!DE-RAC!NG) -

Ricciardo: Locker, lockig – locker zum Erfolg
Das würde Sinn machen: Mark Webbers Red-Bull-Cockpit übernimmt ab 2014 ein Red-Bull-Junior, aber einer, der wie Webber aus Australien kommt. Eben Daniel Ricciardo. Dazu muss er sich aber erst einmal gegen Jean-Eric Vergne teamintern bei Toro Rosso durchsetzen. Und da sah es 2012 noch etwas schlecht aus.

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Vieles spricht dafür, dass Ricciardo den Weg von Vitantonio Liuzzi einschlagen wird. Beide haben viele Gemeinsamkeiten. Liuzzi kommt aus Italien, Ricciardo zwar aus Down Under, aber der Name verrät es bereits: Er hat zumindest italienische Wurzeln. Deswegen würde Ricciardo eines Tages auch gerne für Ferrari fahren. Wie jeder Mann mit italienischem Blut schlägt irgendwo ein Ferrari-Herz. Mit Ferrari kam Ricciardo bisher noch nie in Verbindung, Liuzzi schon eher. Der galt als absolutes Naturtalent, wurde Kart-Weltmeister, besiegte in diesem Gefährt auch F1-Rekordweltmeister Michael Schumacher und dominierte dann auch die F3000-Meisterschaft 2004 nach Strich und Faden. Die Formel-3000 war die Vorgängerserie der heutigen GP2, also der Meisterschaft unterhalb der Formel-1. In der war Ricciardo nie unterwegs: Er startete im Konkurrenzprodukt der GP2, der Formel-World-Series-by-Renault.

Meister wurde Ricciardo in der WSbR aber nie: 2010 unterlag er im Tech-1-Team dem Carlin-Piloten Mikhail Aleshin aus Russland um nur zwei Punkte. 2011 wechselte Ricciardo ins tschechische ISR-Team, musste aufgrund von parallel stattfindenden F1-Terminen aber vier Rennen auslassen – zu viel um im Titelrennen ein Wörtchen mit zu reden. Am ärgsten war aber die Tatsache, dass Jean-Eric Vergne ihm Ende 2010 vom Stand aus zwar nicht die Butter vom Brot nahm, aber zumindest auf einem Niveau mit Ricciardo fuhr. Vergne stieg damals erst in der zweiten Hälfte anstelle von Brendon Hartley in die WSbR zu.

Die zweite Gemeinsamkeit von Ricciardo mit Liuzzi ist der Charakter. Beide wirkten locker. Liuzzi mit Ohrringen und Flipflops, Ricciardo mit seinem ansteckenden Lachen – und seinen Locken. Trevor Carlin kennt Ricciardo noch aus der gemeinsam Zeit in der britischen Formel-3, wo Ricciardo für sein Team die Meisterschaft holte: „Daniel ist der Prototyp des australischen Surferjungen – locker, aber im Auto fest entschlossen“, hat der Brite im Vorjahr gegenüber „Autosport“ verraten. Die Einstellung ist gesund: Was nützt einem der Erfolg, wenn man ihn nicht genießen kann? Spaß im Leben gehört dazu. Und den hat Ricciardo sichtlich. Man muss sich nur immer wieder vergegenwärtigen: Diese Jungen sind erst Anfang 20, aber haben im Positiven Sinne schon ein irres Leben geführt und so einiges erlebt.

Die Eigenschaft locker wird aber immer wieder synonym verwendet mit: Nicht ehrgeizig genug. Das war schon bei Liuzzi der Fall und erste kritische Stimmen werden auch schon gegenüber Ricciardo wach. Aber damit muss man leben. Man frage nur nach bei Kimi Räikkönen: Wenn es läuft, dann ist er der Star schlechthin, aber sobald die Ergebnisse zu wünschen übrig lassen, dann wird dem Finnen wieder mangelnde Motivation nachgeworfen. Da kann er noch so oft in die Kameras plärren: „So ein Schmarr’n, der da über mich verzapft wird.“

Die dritte Gemeinsamkeit mit Liuzzi: Beide sind im Nachwuchsprogramm von Red Bull. Damit ist der Aufstieg in die Formel-1 für beide in greifbare Nähe gerückt, aber der Fall Liuzzi zeigt, wie schnell es vorbei sein kann. 2007 fuhr er die letzte Saison für Toro Rosso, wurde dann von Sebastian Vettel an die Wand gefahren, konnte sich aber bis Ende 2011 noch mit Einsätzen bei Force India und HRT in der Formel-1 halten. Wenn Ricciardo Toro Rosso verlassen muss, dann wird das eng: Eher wird er dann wie seine unmittelbaren Toro-Rosso-Vorgänger Sébastien Buemi und Jaime Alguersuari ohne Cockpit dastehen, denn dafür würde Ricciardo einfach zu wenig Geld mitbringen. Die Zeiten, in denen alle F1-Fahrer gut bezahlt werden sind längst vorbei. Das Gegenteil ist inzwischen der Fall.

Aber was ist die wichtigste Gemeinsamkeit mit Liuzzi? Der unglaubliche Naturspeed! Liuzzi zeigte das im Kart und in der Formel-3000, Ricciardo lässt es speziell im Qualifying immer wieder aufblitzen. So wie in Bahrain 2012, als er den eigentlich nicht wirklich konkurrenzfähigen Toro Rosso Ferrari auf Startplatz sechs stellte. Im Rennen war die Freude darüber schnell verflogen: Innerhalb kurzer Zeit wurde Ricciardo durchgereicht auf eine Platzierung außerhalb der Top-10 und damit den Punkten.

Seine starke Quali-Pace kam schon bei seinem Debüt 2011 zur Geltung. Ab dem Großbritannien GP kaufte Red Bull Ricciardo ja ins HRT-Team ein. Gegen Vitantonio Liuzzi gewann Ricciardo dann das Quali-Duell mit 6:3! Aber Ricciardo ging in der Saison 2011 durch ein Wechselbad der Gefühle. Mit dem HRT Cosworth hatte der heute 23-Jährige das schlechteste Fahrzeug im Feld, er konnte also gar keine Bäume ausreißen. Das Problem war aber auch, dass HRT nicht die Kapazitäten hatte, immer zwei gleichwertige F1-Boliden herzurichten. Darüber beschwerten sich schon zwei der HRT-Piloten 2010 (Christian Klien und Bruno Senna). Vielleicht ist es so zu erklären, dass Ricciardo beim Indien GP gegen Narain Karthikeyan, der für ein Rennen wieder zurückkehrte, im Quali und Rennen schlecht aussah! Gegen Karthikeyan! Aber eben auch bei dessen Heim-GP – und der Indien-Premiere.

Vielleicht war aber auch das Doppelprogramm aus Formel-1 und Formel-World-Series-by-Renault nicht wirklich hilfreich. Ricciardo fuhr ja seine Saison mit ISR fertig. Der ständige Wechsel zwischen dem HRT Cosworth und dem Dallara Renault hat wahrscheinlich nicht wirklich geholfen. Aber das Ziel bestand ja von Anfang an darin, bei den zehn F1-Rennen für die Saison 2011 zu lernen. Und genau das machte er dann eben.

Doch dafür waren seine Leistungen 2012 nicht gut genug. Im Quali superschnell, im Rennen meistens auch keine Fehler. Auch nicht in Abu Dhabi, als in der Safety-Car-Phase Sebastian Vettel beinahe in den Toro Rosso Ferrari von Ricciardo geknallt war. Ricciardo konnte da nichts dafür, auch wenn er hinterher von Red Bull scharf kritisiert wurde. Bremsmanöver um Bremsen und Reifen in der Sicherheitsphase auf Temperatur zu halten sind alles andere als ungewöhnlich. Da muss sich der Hinterherfahrende eben drauf einstellen.

Aber Ricciardo setzte in den Rennen einfach zu wenig Highlights. Jean-Eric Vergne gewann am Ende das Duell bei Toro Rosso nach Punkten mit 16:10. Natürlich ist das nur bedingt repräsentativ, weil Toro Rosso nur fallweise in der Lage war, in die Punkte zu fahren und daher eine gehörige Portion Glück auch vonnöten war. Aber die Tendenz, dass Vergne im Rennen, Ricciardo im Quali der schnellere Mann war, verfestigte sich über die gesamte Saison. Ricciardo soll laut Toro-Rosso-Teamchef Franz Tost aber der Fahrer sein, der besser Setups erarbeitet, technisch bewanderter ist. Die Mischung aus beidem, so der Österreicher, wäre ein absoluter Topfahrer…

Das bisherige Highlight von Daniel Ricciardo in der Motorsport-Laufbahn war garantiert der Gewinn der britischen F3-Meisterschaft 2009. Im Jahr davor unterlag er noch im Formel-Renault-2.0-Eurocup dem neuen Williams-F1-Pilot Valtteri Bottas, der damals für Motopark Academy fuhr, während Ricciardo für das französische SG-Team unterwegs war.

Seine F1-Bilanz
2011 Gesamt-27. im HRT Cosworth
2012 Gesamt-18. im Toro Rosso Ferrari

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