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Kommentar der Woche

  • Woche 16| Applaus für Sergio Perez von !NS!DE-RAC!NG-Redakteur Michael Zeitler. Weiterlesen...

Serie: Alle 22 F1-Fahrer - 7. Jean-Eric Vergne

Geschrieben von: Michael Zeitler.

Serie: Alle 22 F1-Fahrer - 7. Jean-Eric Vergne

 von Michael Zeitler

 

Jean-Eric Vergne scheint das Toro-Rosso-Duell zu gewinnen.

| Melbourne (!NS!DE-RAC!NG) -

Vergne: Sein Vater ist am Ziel
Alle Hoffnungen der Scuderia Toro Rosso ruhen in James Key. Der Brite gilt neben Adrian Newey als einer der besten F1-Autobauer. Und Keys Aussagen geben auch Grund zur Hoffnung: Bei Toro Rosso sei das Potenzial sogar noch größer als bei Sauber! Und hier legte Key bereits einen Wagen auf Kiel, der mit Sergio Perez in Malaysia 2012 beinahe den Sieg eingefahren hat. Noch kein Key-Auto hat ein F1-Rennen gewonnen, aber beinahe: Nicht nur in Malaysia 2012, sondern auch in Belgien 2009, als Giancarlo Fisichella den Force India Mercedes erst auf Pole-Position, dann beinahe auf das mittlere Treppchen des Siegespodestes stellte. Fisichella wurde aber knapp geschlagen – von Ferrari-Pilot Kimi Räikkönen.

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Die Ressourcen von Toro Rosso sind deswegen so groß, weil man der Tochterrennstall der Weltmeistertruppe ist: Red Bull gehört auch Toro Rosso zu 100%, auch wenn es immer wieder Gerüchte über einen Verkauf des Rennstalls gibt. Toro Rosso ging 2006 aus dem jahrelangen Hinterbänkler Minardi hervor, aber Teamchef Franz Tost hat dank Red Bull eine gute Basis gebaut, die noch besser wird, wenn Kundenchassis erlaubt werden. Dann wird Toro Rosso wohl gänzlich mit Red-Bull-Fahrzeugen an den Start gehen.

Immer wieder Red Bull – aber genau darum geht es bei Toro Rosso: Man soll eine Ausbildungsstätte junger Piloten sein. In der Hoffnung, dass eines Tages einer von ihnen sich als GP-Star erweisen wird und Sebastian Vettel bei Red Bull beerben könnte. Die Fahrer, die sich jetzt bei Toro Rosso beweisen dürfen sind eben Jean-Eric Vergne, sowie Daniel Ricciardo. Das Ziel ist der Aufstieg zu Red Bull, der Gegner der eigene Teamkollege. Dieser Grundsatz gilt zwar immer, besonders aber bei Toro Rosso.

Bisher zog sich Jean-Eric Vergne dabei achtbar aus der Affäre. Mehr noch: Er schloss seine Debütsaison sogar einen Platz und ein paar Punkte vor Daniel Ricciardo ab. Dabei hatte Ricciardo einen kleinen Vorteil: Er fuhr schon 2011 zehn F1-Rennen, wenn auch nur für das Hinterbänklerteam HRT. Aber Ricciardo hatte dadurch einen deutlichen Erfahrungsvorteil gegenüber Vergne. Aber das war auch 2010 der Fall, als Jean-Eric Vergne zur Saisonmitte hin bei Tech-1 das Cockpit von Brendon Hartley übernahm und aus dem Stand heraus Ricciardo herausfordern konnte.

Das zeigt auch die Härte, die im Red-Bull-Kader herrscht. Fahrer stehen enorm unter Druck. Auf der einen Seite sind sie viel näher als andere an einem F1-Cockpit, ja sogar an einem WM-fähigen GP-Boliden dran. Auf der anderen Seite der Medaille müssen Leistungen her, sonst wird man fallen gelassen wie eine heiße Kartoffel – gerne auch mitten in der Saison. So wie Lewis Williamson 2012, aber eben auch so wie Brendon Hartley 2010. Der Neuseeländer hat seither seine Karriere nicht mehr richtig in Schwung bekommen. Dafür war das eben eine Steilvorlage für Vergne.

Dabei sollte Vergne 2010 eigentlich eine ganze Saison in der WSbR absolvieren, für das französische SG-Team. Doch der Rennstall zog sich noch vor dem Saisonstart zurück, also startete Vergne erst einmal nur in der britischen Formel-3, dann kam die WSbR dazu. In der Formel-3 wurde er in Diensten des Carlin-Teams der erste Franzose überhaupt, der den Titel auf der Insel gewinnen konnte. Vielleicht auch der letzte, denn der britischen Formel-3 geht es alles andere als gut. Die F3-Europameisterschaft, sowie die GP3-Serie (in der Vergne 2010 ebenfalls wenige Rennen für Tech-1 bestritt) sorgen für eine Mini-Starterliste in der britischen Formel-3.

Dabei galt die britische Formel-3 immer als der Gradmesser für neue F1-Talente. Viele spätere F1-Champions gingen durch diese Schule. Natürlich hatte Frankreich schon viele sehr gute Rennfahrer, aber jahrelang eben auch eine eigene F3-Meisterschaft. Daher kamen nicht viele Franzosen in die britische Formel-3 – und so konnte Vergne überhaupt erst der erste Franzose mit dem Titel in der britischen F3 werden.

Einen jungen, hoffnungsvollen Franzosen wollte Jean-Marie Vergne schon immer finden: Der Vater von Jean-Eric Vergne hat in Frankreich eine eigene Kartstrecke. Wer hier überzeugte kam gerne in den Genuss seiner Unterstützung. Aber keiner von diesen Fahrern schaffte es in die Formel-1. Am nächsten war wohl Emanuele Collard. Er war in den 90er Jahren F1-Testfahrer für Ligier, Benetton und Prost, stand mehrmals knapp vor dem F1-Debüt. Etwa nach dem Beinbrüchen von Olivier Panis beim Kanada GP 1997. Jean-Marie Vergnes Traum erfüllte sich aber erst mit seinem eigenen Sohn – damit kann er wohl mehr als gut lernen. Vergne ist wohl stolz wie Oskar auf seinen Sohnemann.

Auf der Kartbahn des Vaters fing für Jean-Eric Vergne also alles an. Es folgte der Aufstieg in die Formel-Renault. Im 2.0-Eurocup fand er allerdings seinen Lehrmeister im Spanier Albert Costa: Er holte sich 2009 im deutschen Motopark-Academy-Team den Titel, während Vergne für SG knapp unterlegen war. Costa schaffte es ohne die Unterstützung von Red Bull aber nicht ansatzweise bis in die Formel-1, ist 2012 sogar nur noch die Megane-Trophy gefahren.

Aber die Unterstützung von Red Bull muss man auch erst einmal bekommen. Auch wenn viele Experten die ausgewählten Nachwuchsfahrer durch Red-Bull-Juniorcoach und Ex-F1-Fahrer Dr. Helmut Marko nicht immer für die besten Fahrer am Markt halten. Aber manche Topstars lehnen das Angebot von Red Bull ja auch ab, etwa Nicolas Hülkenberg, oder auch Sauber-Testfahrer Robin Frijns, oder GP2-Pilot Felipe Nasr. Bei Red Bull angekommen muss man eben aber auch erstmal anders als Hartley und Williamson bei Red Bull bleiben. Vergne hält das schon seit 2007 durch! 2010 absolvierte er seinen ersten F1-Test im Toro Rosso Ferrari.

In der Formel-World-Series-by-Renault wurde Jean-Eric Vergne dann auch nicht Meister: Den Kontrahenten hat er im eigenen Stall gehabt, bei Carlin: Robert Wickens. Der Kanadier entschied ein packendes Finale in Barcelona damals gegen Vergne, am Start kamen sich beide sogar in die Quere – aber das war eher die Schuld von Vergne. Wickens war damals ebenfalls in einem Förderkader, allerdings bei Marussia und dort bekommt eben ein Bezahlfahrer das Cockpit. Inzwischen ist Wickens Mercedes-Junior, entfernte sich allerdings mit dem Wechsel in die DTM auch von der Formel-1.

Fehler wie damals in der WSbR passierten Vergne 2012 so gut wie nie. Während die ganze Formel-1 über Crashpiloten wie Romain Grosjean und Pastor Maldonado schimpfte waren beide Toro-Rosso-Piloten 2012 beinahe ohne Fehler unterwegs! Ganz im Gegenteil: Manchmal wurden sie sogar schuldlos abgeräumt. Der prominenteste Crash für Vergne war freilich der in Singapur, als er von Rekordweltmeister Michael Schumacher abgeräumt wurde. Vergne reagierte lässig, routiniert.

Vergne sammelte im Rennen auch mehr Punkte als Ricciardo. So richtig repräsentativ ist das aber auch nicht, dafür war Toro Rosso in der Regel einfach zu weit von den Punkteplatzierungen entfernt. Bei nur gelegentlichen Punktefahrten spielt auch das Glück des Tüchtigen immer wieder eine Rolle. 2013 soll das aber anders werden – eben  dank James Key. Dann will Toro Rosso Rang sechs in der Konstrukteurswertung und regelmäßige Punkteplatzierungen.

Seine F1-Bilanz
2012 Gesamt-17. im Toro Rosso Ferrari

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