F1: Adams - Bezahlfahrer, der beinahe Geschichte verhindert hätte

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Bezahlfahrer gab es schon immer. Wir erinnern an einen, der beinahe Geschichte verhindert hätte.

F1: Adams - Bezahlfahrer, der beinahe Geschichte verhindert hätte

 von Michael Zeitler

 

Bezahlfahrer gab es schon immer. Wir erinnern an einen, der beinahe Geschichte verhindert hätte.

| Melbourne (!NS!DE-RAC!NG) - Das klingt mächtig unspektakulär: Zwei Rennen, ein Ausfall, einmal 16. Aber hinter Philippe Adams steckt eine interessante Geschichte: Er war der Mann, der um ein Haar das F1-Debüt von Michael Schumacher verhindert hätte! Nicht, weil Adams unter den mehr als 20 Bewerbern bei Jordan war, die wegen des frei werdenden Cockpits von Bertrand Gachot Schlange standen – so wie Stefan Johansson und Keke Rosberg zum Beispiel. Sondern weil Adams vor der Saison bei Jordan für die Formel-3000 im Gespräch war, der Stufe unterhalb der Formel-1. Adams soll 140.000 Pfund für ein Jordan-Cockpit bezahlt haben, aber dann fuhren plötzlich Damon Hill und Vincenzo Sospiri für Jordan.

Eddie Jordan hatte die Rechnung aber ohne Adams gemacht: In Belgien konnte der Belgier mit den Ordnungshütern zuschlagen und ein Großteil des Materials beschlagnahmen. Erst als F1-Chefvermarkter Bernie Ecclestone Jordan die 140.000 Pfund auf den Tisch legte, die er an Adams bezahlen musste, konnte Jordan beim Belgien GP 1991 starten – und damit auch erstmals der spätere F1-Rekordweltmeister Michael Schumacher.

Diese Story zeigt: Philippe Adams war ein Bezahlfahrer wie aus dem Bilderbuch. Auch sein F1-Cockpit 1994 bei Lotus hat er nur bekommen, weil er 500.000 US-Dollar auf den Tisch gelegt hat – für nur zwei Rennen! Das Traditionsteam Lotus, bis heute in beinahe allen Statistiken hinter Ferrari, McLaren und Williams der vierterfolgreichste Rennstall der F1-Geschichte, technisch auf jeden Fall der mit den genialsten Erfindungen dank Colin Chapman, lag damals in den letzten Atemzügen auf dem Sterbebett. Nur mit Bezahlfahrer hielt sich Lotus noch über Wasser. Nicht weniger als sechs Fahrer kamen zum Zug: Pedro Lamy, Alessandro Zanardi, Mika Salo, Eric Bernard, Johnny Herbert und eben Philippe Adams.

Heute ist Adams stolz darauf, es je in die Formel-1 geschafft zu haben. Dafür wurden die Konten der Firmen seines Vaters etwas erleichtert, doch recht üppig sollen sie davor schon nicht gewesen sein. Böse Spekulationen rankten sich darum, angeblich wollten einige Lotus-Sponsoren deshalb sogar ihre Aufkleber für die Rennen entfernen lassen.

Auch sportlich war Adams Debüt turbulent: Regen verhinderte, dass Adams ordentlich trainieren konnte beim Debüt vor heimischen Publikum in Spa. Im Rennen qualifizierte er sich als 26., fand dann aber nicht einmal seinen Startplatz – so wie Michael Schumacher in Ungarn 2012. Damals wurde abgebrochen, bei Adams interessierte das keinen. Im Rennen war er nur eine Fußnote, klebte mit seinem Lotus Mugen Honda ständig im Heck vom Simtek Ford, der von Jean-Marc Gounon gefahren wurde. Nachdem Adams von Jordan-Pilot Rubens Barrichello überrundet wurde, drehte sich Adams ins Aus. Beim Portugal GP wurde er 16., was den letzten Platz entsprach, mit vier Runden Rückstand.

Adams, der heute, 43 Jahre alt, Seat-Verkaufsmanager in Belgien ist, hatte im Motorsport aber durchaus Erfolge: Zwischen 1989 und 1992 fuhr er vier Jahre in der Formel-3, drei Mal in Großbritannien, einmal in Japan. 1992 wurde er in Diensten von Alan Docking Racing Vizemeister hinter dem späteren IndyCar-Ass und BAR-F1-Sportdirektor Gil de Ferran. 1993 gewann er sogar die britische Formel-2, mit fünf Siegen aus sechs Rennen. Aber die Serie war damals recht schwach besetzt. Aus dem gesamten Fahrerfeld schaffte es neben Adams nur Enrico Bertaggia ebenfalls in die Formel-1. Nach dem GP-Sport fuhr Adams in Belgien und Italien noch Tourenwagenrennen.


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