F1 Terminkalender

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Kommentar der Woche

  • Woche 16| Applaus für Sergio Perez von !NS!DE-RAC!NG-Redakteur Michael Zeitler. Weiterlesen...

Blog: Gentlemen, start your engines!

Geschrieben von: Johannes Mittermeier.

 

In einer Woche heißt Melbourne die Formel 1 willkommen. Die Vorfreude ist riesig. Weil keiner mehr warten will. Mein loses Gedankengut im Startcountdown.

 

Erste Ampel.

 

Sie stehen parat. Wie rennbereite Pferde in engen Startboxen, dicht an dicht, tobend, schnaubend, angriffslustig. Der Schnellste wird gewinnen, oder der Cleverste, der Effizienteste oder der Glücklichste. Alles kann passieren, nichts ist gewiss. Es ist das Unvorhersehbare, was den Kitzel erzeugt, das Fieber, die Spannung, das Kribbeln, die Lust. Das ist Sport, wie er sein sollte, mit einem Ablauf, der immer wieder demselben Muster folgt, immer wieder dieselben Protagonisten kennt, immer wieder dasselbe Drama inszeniert. Und doch immer wieder neu ist, weil kein Ei dem anderen gleicht und kein Rennen dem nächsten. Diese Simplizität verleiht der Sache ihren Reiz und bürgt dafür, dass eben dieser nicht verloren geht. Er wird von einem Rahmen gehalten, in dessen innerem Zirkel sich Anfangsausstattungen, Bedingungen, Gegebenheiten verändern. Fortwährend und unaufhaltsam. Gewollt und scharfsinnig. Mit Gewinnern und Verlierern.

 

Zweite Ampel.

 

Wir sehen den Teamchef des Krösus, nein, eigentlich sehen wir nur hypernervöse Beine, die von einem Hocker zucken, schnell, hastig, zappelig, und wir wissen: Die Anspannung bricht sich Bahn. Wir basteln weiter am Bühnenbild, von innen nach außen sozusagen, vom unkontrollierten Wippen der Beine zu ihrem Ursprung. Das Rennen befindet sich in den letzten Zügen, der blaue Wagen mit der Startnummer eins liegt an der Spitze, doch wird die Mannschaft feiern dürfen in wenigen Minuten, wird sie die Augenblicke auskosten können, wenn sich Schinderei in Ausgelassenheit auflöst? Oder wird eine Materialschwäche, ein Fahrfehler alle Anstrengungen, alle Bemühungen, alle Nachtschichten und Überstunden vernichten, in einem Wimpernschlag, ohne Vorankündigung, mit erniedrigender Machtlosigkeit? Im Motorsport kehrt erst Ruhe ein, wenn die Zielflagge gefallen ist. Wer vorher feiert, tut dies oft umsonst. To finish first you first have to finish. Sagen die Briten.

 

Dritte Ampel.

 

Die Formel 1 fährt auf einem Pfad der permanenten Mutation, nichts bleibt wie es ist, nicht die Autos, nicht die Strecken, schon gar nicht die Regeln. Das Drehbuch ist teuer und zunehmend unerschwinglicher in einer Zeit, die vom Kapitalismus gesteuert wird. So zieht die Bühne ihre Kreise auf dem ganzen Planeten, verlagert ihren Schwerpunkt in Märkte, die Milch und Honig versprechen, und die Hauptdarsteller müssen parieren in diesem angepassten Metier. Zahlenden Gästen wird von der Direktion ein Schauplatz der Etikette geboten, sie betreten ihn, flanieren und vermehren ihren Einsatz, indem ein Sportprodukt angepriesen wird, das in Wirklichkeit eine Plattform der Wirtschaftlichkeit repräsentiert. Aber da sind wir wieder bei diesem Rahmen, der das Gebilde trägt. Nicht der einfache Fan auf dem Grashügel liefert die elementaren Baustoffe, sondern diejenigen, die sich größenwirksam in Kleider mit Krawatte und Nadelstreifen geschwungen haben. Am Ende des Tisches sitzt ein kleiner, weißhaariger Brite von beträchtlichem Alter und reibt sich genüsslich die Hände. Darin hat er Übung, dieser Mister, denn er ist ein herrschender Vertreter der praktizierten Profitmaximierung.


Vierte Ampel.

 

Ein enger Raum. In der Mitte schales Licht. Ringsum sind Umrisse zu erspähen, die Konturen irgendwelcher Gestalten, schwer zu sagen, da nicht präzise zu identifizieren in diesem Ambiente. Dann ein Zoom. Schwarzer Aufzug, dunkle Sonnenbrille. Ein Mund wie ein dünner Strich. Rauch, viel Rauch, der die Umgebung einnebelt und ihr einen anrüchigen Charme verleiht. So muss es sein. Niemand will seine Trümpfe aufdecken, bloß nicht zu früh, bloß nicht unbedacht, bloß nicht im falschen Moment. Die Zigarre liegt horizontal in der stickigen Luft, gehalten nur durch den hervorgeschobenen Unterkiefer. Noch mehr Rauch, noch mehr Qualm. Es sind wohlüberlegte Aktionen, Übereifer gehört nicht dazu, und jeder weiß: Gleich wird hier etwas passieren. Es knistert.

Die Formel 1 wirkt wie ein brachialer Schlagabtausch auf grauem Asphalt, bei dem die rasenden Helden durch ihren Tollkühn über Sieg und Niederlage entscheiden, in Höllenmaschinen mit unkalkulierbarem Risiko. Aber diese Vorstellung ist ein ausgebleichtes Abziehbild der Historie. Heute werden am Reißbrett Masterpläne seziert, bei denen es auf die Feinheiten ankommt, die Akribie im Hintergrund, die emotionslosen Berechnungen. Die Kunst liegt darin, Umweltströme korrekt auszuwerten - und eiskalt für den eigenen Vorteil zu nutzen. Ein Pokerspiel. Mit allem, was dazu gehört, inklusive Rauch und Qualm, und zwar immer dann, wenn sich die Theorie in der Realität beweisen muss. Karamba, Karacho, Volldampf voraus! Durchdrehende Räder und die Zirkulation am gesuchten Limit. Wer seine Schaltzentrale im Gasfuß vergräbt, verliert schon vor dem Start. Autorennen sind Kopfsache geworden. Abwarten, analysieren, zuschlagen. Strategisches Management bei Tempo 300. Herz und Hirn für ein Halleluja.

 

Fünfte Ampel.

 

Der jüngste Dreifachweltmeister der Geschichte, der auch jüngster Vierfachweltmeister werden will. Ein spanischer Stier, dessen Beutezug sechs Jahre erfolglos war. Eine neue Ära in Chrom, der das mexikanische Speedy-Gonzales-Gen eingepflanzt wurde. Ein Freundschafts-Doppel aus alten Kindheitstagen, das dem Stern endlich eine frische Politur verpassen muss. Schweizer, die keine Favoriten sind, aber auch kein Geheimtipp mehr. Unter einem Dach: Ein Finne mit trockenem Humor und ein Franzose mit Verbesserungsbedarf. Und hinten die adaptierten Verhaltensweisen aus der Schule - die Neuen drängeln sich sogleich geballt in den letzten Reihen. Sie machen sich fertig zu einer langwierigen, kräftezehrenden Tour um den Globus, von der australischen Abenddämmerung über den malaysischen Monsun, durch den monegassischen Tunnel, die italienische Tradition, hinein in die belgische Senke, die asiatische Scheinwelt, bis zum brasilianischen Adventssingen. Im Werkzeugkasten liegt das schwarze Gift, das nach ein paar Kilometern seine Dosis ausspuckt. Und, klar, ein passives System, das den aktiven Part noch verstärken soll. Die Kreuzigung des Rennsports. Flügel zu, Action tot.

 

Am nächsten Sonntag um sieben Uhr morgens mitteleuropäischer Zeit ist das erst einmal völlig egal. Genau wie alles andere egal ist, wenn 22 Monopostos in die Startaufstellung rollen. Die sportpolitischen Streitigkeiten, die fehlende Budgetobergrenze, künstliche Überholhilfen, langweilige Retortenstrecken, die Show-Effekthascherei, einfach alles. Warum? Weil fünf rote Ampeln erlöschen. Manchmal kann eine Lösung so banal sein. Auf geht‘s mit Gebrüll. JM

 

 

-> mittermeiers-sportblog.de

 

 

 

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