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Kommentar der Woche

  • Woche 16| Applaus für Sergio Perez von !NS!DE-RAC!NG-Redakteur Michael Zeitler. Weiterlesen...

Serie: Alle 22 F1-Fahrer - 12. Esteban Gutiérrez

Geschrieben von: Michael Zeitler.

Serie: Alle 22 F1-Fahrer - 12. Esteban Gutérrez

von Michael Zeitler

 

Wie stark ist Esteban Gutiérrez wirklich?

| Melbourne (!NS!DE-RAC!NG) -

Gutiérrez: Er kann nur überraschen
Die Aufgabe eines F1-Debütanten ist nie leicht. Die von Esteban Gutiérrez aber besonders schwer. Es fällt viel zusammen:

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1) Mit Nicolas Hülkenberg hat Gutiérrez einen äußerst flotten Teamkollegen. Der Deutsche hätte 2012 beinahe den Brasilien GP gewonnen und wechselt als große deutsche Nachwuchshoffnung zu Sauber. Hülkenberg wird die klare Nummer eins: Schon die Sitzanpassung im Winter feierte Sauber über die Medien. Von Gutiérrez hörte man wenig. Der Vorteil von Gutiérrez: Der Mexikaner kennt das Team seit 2009, ist seither Testfahrer – da war noch der Automobilhersteller BMW Besitzer von Sauber. Hülkenberg hat bei Williams und Force India gezeigt, dass ein paar Rennen Einfindungsphase braucht. Bei Williams gab Hülkenberg allerdings sein F1-Debüt, bei Force India sein F1-Comeback. Und jedes Mal hatte er mit Rubens Barrichello und Paul di Resta routinierte Teamkollegen an seiner Seite. Gutiérrez wird selbst ordentlich Zeit für die Eingewöhnung brauchen. Er wird es schwer haben gegen Hülkenberg.

2) Das Sauber-Team hat eine der besten Saison der Teamgeschichte hinter sich. Für Teamgründer Peter Sauber war wohl nur die Saison 2001 besser, als Sauber sogar Konstrukteurs-Vierter wurde. Aber 2001 war man nicht so nahe an einem ehrlich herausgefahrenen GP-Sieg dran wie 2012 (Sergio Perez in Malaysia). Die BMW-Ära war für Sauber noch erfolgreich: 2008 gewann Robert Kubica in Kanada das bisher einzige Rennen des schweizer Rennstalls. Und dann gab es natürlich noch die Sportwagen-Weltmeisterschaften mit Mercedes und mit dem Juniorenteam aus Michael Schumacher, Heinz-Harald Frentzen und Karl Wendlinger. An eine so gute Saison wie 2012 anzuknüpfen, wird für Sauber schwer, eine gewaltige Herausforderung. Aber man wird an diesen Leistungen gemessen werden – auch die Fahrer, auch Esteban Gutiérrez. Er wird stets mit Sergio Perez verglichen werden, seinem mexikanischen Vorgänger.

3) Esteban Gutiérrez hat den Ruf des Bezahlfahrers. Für die meisten ist die Sache so klar wie ein Gebirgsbach: Gutiérrez fährt für Sauber, weil das Team mexikanische Gönner hat – und zwar sehr prominente: Immerhin wird Sauber von Telmex gesponsert, eine Telekommunikationsmarke (führend in Lateinamerika) aus dem Hause von Carlos Slim – dem reichsten Mann der Erde! Der Mexikaner wurde schon mit dem Kauf des Ende 2008 besitzlosen Honda-Teams in Verbindung gebracht. Mit der Escuderia Telmex fördert er viele junge Rennfahrer, darunter Sergio Perez und Esteban Gutiérrez. Das nächste Slim-Projekt: Die Rückkehr des Mexiko GP! Die Begeisterung im mittelamerikanischen Staat ist seit den tollen Rennen von Perez riesen groß.

4) Esteban Gutiérrez steht voll im Schatten von Sergio Perez. Das wird sich 2013 kaum ändern. Perez fährt dann für das Topteam McLaren, Gutiérrez nur für das Mittelfeld-Team Sauber. Es wird schwer werden, sich die Unterstützung der Fans zu sichern. Und das kann auch Auswirkungen auf seine Geldgeber haben: Versagt er in deren Augen, dann wird es für 2014 ganz eng. Zumal Telmex eh schon Wechselabsichten zu Sauber unterstellt werden. Slim würde wohl gerne auch Rennen gewinnen.

5) Esteban Gutiérrez steht bei Sauber enorm unter Druck. Fruchten seine Leistungen nicht, dann könnte es ganz schnell wieder vorbei sein mit der Formel-1. Sauber heuerte jedenfalls schon Robin Frijns als Testfahrer an. Der Niederländer gilt als der Nachwuchsmann des Jahres 2012: Auf Anhieb holte er sich für das Fortec-Team den Titel in der Formel-World-Series-by-Renault, eine Meisterschaft, die inzwischen so ernst genommen wird, wie die GP2. Hier konnte Gutiérrez den Titel nicht an Land ziehen.

Doch sind all diese Handicaps in Wahrheit gar keine? Sind sie sogar Vorteile? Man kann all das zusammenfassen in: Man erwartet von Esteban Gutiérrez eigentlich gar nichts. Im Umkehrschluss heißt das: Er kann eigentlich nur gewinnen. Fährt er gut, dann sind alle überrascht, fährt er nicht gut, dann ist auch keiner enttäuscht – schließlich gilt der 21-Jährige eh nur als Bezahlfahrer.

Aber ist der schlechte Ruf wirklich berechtigt? Gutiérrez galt einmal als einer der hoffnungsvollsten Nachwuchsfahrer. 2008 schlossen sich die deutsche und die britische Formel-BMW zur europäischen Formel-BMW zusammen. Die daraus entstandene starke Meisterschaft gewann kein geringerer als Gutiérrez im Team des Deutschen Josef Kaufmann. Kaufmann hat alle drei Sauber-Piloten die ersten Gehversuche im Formel-Sport ermöglicht: Nicolas Hülkenberg (2005 Meister) und Esteban Gutiérrez (2008 Meister) in der Formel-BMW, Testfahrer Robin Frijns 2011 im Formel-Renault-2.0-Eurocup (Meister).

Für den Titel gewann Gutiérrez einen F1-Test im BMW Sauber. Dabei muss er beeindruckt haben, denn seither ist er als Testfahrer an Bord, steigt 2013 zum Stammfahrer auf. Er kam als Testfahrer ins Team, als man die Unterstützung von BMW hatte und daher nicht auf die mexikanischen Geldgeber angewiesen war. Das mag jetzt anders sein, denn jetzt ist Sauber wieder ein Privatrennstall.

Die Mexikaner sind immer jung: Ricardo Rodriguez war lange der jüngste F1-Pilot aller Zeiten, aber Esteban Gutiérrez war beim ersten F1-Test erst 18 Jahre alt – und damit jünger als Rodriguez bei dessen ersten F1-Ausfahrt. Kein Mexikaner war jünger, als er das erste Mal einen F1-Boliden bestieg. Und keiner war jünger, als er das erste Mal einen internationalen Titel im Motorsport errang, so wie Gutiérrez 2008. 2010 schließlich wurde Gutiérrez auch noch erster GP3-Meister, in einem stark umkämpften Feld, aber mit dem Toprennstall ART hinter sich.

Woher kommt der schlechte Ruf also? Da gibt es viele Gründe: Erstens ist Gutiérrez Bezahlfahrer und egal ob Sergio Perez, Pastor Maldonado, Vitaly Petrov – oder eben Esteban Gutiérrez: Wer fürs F1-fahren bezahlt, der gilt erstmal als schlecht. Dabei ist ein F1-Debüt heute nicht mehr anders machbar (außer man ist in einem Förderprogramm einer F1-Mannschaft) – und das war auch früher normal: Auch Michael Schumacher bekam das F1-Cockpit 1991 bei Jordan nicht umsonst, der schnelle Wechsel zu Benetton erfolgte auch, weil Jordan zu viel Geld verlangte. Das zumindest bestätigte der damalige Mercedes-Rennleiter Jochen Neerpasch im Interview mit !NS!DE-RAC!NG.

Zweitens ist da der Kanada GP 2011. Sergio Perez war zuvor in Mexiko im Quali schwer gestürzt. Die Ärzten kamen zur Diagnose: Start in Kanada möglich. Die Untersuchung erfolgte aber erst in Montréal. Sauber musste damit rechnen, dass Perez für Kanada ausfällt – und tat das auch. Trotzdem ließ man Gutiérrez zu hause, nahm ihn nicht mit nach Kanada. Als Perez wegen Unwohlsein wieder aus dem Sauber Ferrari stieg, holte Sauber Pedro de La Rosa als Ersatz – eine Schmähung für Gutiérrez.

Drittens war das die GP2-Karriere von Gutiérrez. Dass er 2011 Jules Bianchi unterlag, machte Sinn: Der Franzose fuhr schon 2010 für ART in der GP2, Gutiérrez kam neu. Er wurde nur Gesamt-13. Aber 2012 wurde es auch gegen James Calado eng und der Brite war jetzt der Frischling. Am Ende hatte Calado mehr Pech, wurde nur Fünfter, Gutiérrez immerhin Dritter. Auch die Saison 2009 in der F3-Euroseries war nicht unbedingt stark: Jules Bianchi wurde Meister, war auch schon ein Jahr weiter. Die anderen Gutiérrez-Teamkollegen: Valtteri Bottas, auch in der ersten Saison, wurde Dritter, Gutiérrez selbst nur Neunter. Nur Adrien Tambay, der Sohn des ehemaligen F1-Fahrers Patrick Tambay, war als 21. schlechter – aber er fuhr auch nicht alle Rennen.

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