!NS!DE RAC!NG diskutiert: Ist die Formel 3 EM besser als die GP3?

Ein Thema, zwei Meinungen. In dieser Woche geht es um die strittige Frage, wie die Formel 3 Europameisterschaft Im Vergleich zur GP3 einzuordnen ist.

!NS!DE RAC!NG diskutiert: Ist die Formel 3 EM besser als die GP3?

von Florian Hafner und Daniel Geradtz

Ein Thema, zwei Meinungen. In dieser Woche geht es um die strittige Frage, wie die Formel 3 Europameisterschaft Im Vergleich zur GP3 einzuordnen ist.

| Monza (!NS!DE-RAC!NG) - In zehn Tagen geht es los. Dann wird die neue Formel 3 Europameisterschaft erstmals im Rahmen der Tourenwagen Weltmeisterschaft in Monza ein Rennen austragen. Die Serie ist maßgeblich aus der Formel 3 Euroserie entstanden und somit aus dem Begleitprogramm der DTM. Dort wird sie auch in Zukunft ihre Heimat haben. Von den insgesamt zehn Rennwochenenden finden sieben im Rahmen der DTM statt.

ProFlorian Hafner: Das Gesamtkonzept der Formel 3 EM überzeugt.

Der Formel 3 Europameisterschaft mag man unterstellen, sie sei “neu”. Das wäre es dann aber auch schon, der Rest ist erprobt und altbekannt. Daher kann man eigentlich sicher behaupten, dass Kinderkrankheiten der neuen Serie nicht auftreten werden. Die Boliden, der F312 von Dallara, wird bereits seit einem Jahr eingesetzt und ist noch für drei weitere Saisons homologiert. Der südkoreanische Reifenhersteller Hankook lieferte für die Vorgängermeisterschaft, der Formel 3 Euro Series, bereits im letzten Jahr Reifen. Lediglich für Piloten aus anderen Serien sind diese neu. Und auch Die Motoren waren stets zuverlässig. Des weiteren trifft man zudem auf wohlbekannte Fahrer- als auch Teamnamen.

Dazu kommt, dass die Europameisterschaft mit 30 festeingeschrieben Fahrer ein hochkonkurrenzfähiges Feld stellt, was zudem auch unter der Schirmherrschaft der FIA steht. Namen wie Harry Tincknell, Tom Blomqvist, Felix Rosenqvist und Ferrari-Protegé Raffaele Marciello als auch alle namhaften Teams wie Carlin, Mücke, Van-Amersfoort und Doubel R sind auf den Starterlisten zu finden. Mit Tatiana Calderon aus Kolumbien und Michela Cerruti aus Italien fanden sogar zwei Rennfahrerinnen den Weg in die Formel 3 Europameisterschaft.

Und auch in den sogenannten „Sporting Regulations“ überzeugt die F3-EM. Am Freitag haben die Fahrer annähernd zwei volle Stunden Zeit, um sich mit Bolide und Strecke vertraut zu machen, bevor am selben Tag noch zwei Qualifying-Sessions abgehalten werden. Für die drei Rennen an jedem Wochenende wird so die Startaufstellung ermittelt ohne das bekannte Format in GP2/GP3 der „Reverse-Grid“ Startaufstellung. Somit wird garantiert, dass ein unverschuldeter Ausfall nicht mit einer extrem schlechten Startposition im folgenden Rennen bestraft wird, sondern ganz allein vom jeweiligen Fahrer bestimmt wird. Und auch das einheitliche Punktesystem, dass dem der Formel 1 gleicht und für jeden Lauf angewandt wird, garantiert maximale Gleichheit und ist unkompliziert. Alles in allem garantiert die Formel 3 Europameisterschaft viel Fahrzeit in einem extrem gut besetzten Fahrerfeld. Mit inklusive in der Meisterschaft ist außerdem noch die sogenannte „Ravenol Team Trophy“.

 

 

ProDaniel Geradtz: Ein Vergleich ist ungerecht für beide Serien.

Meiner Meinung ist es nicht gerecht, die Formel 3 (EM) mit der GP3 zu vergleichen. Denn die Formel 3 ist eine klassische Nachwuchsserie, die die ersten Gehversuche junger Piloten im Formelsport ermöglicht. Hinzu kommt, dass in dieser Kategorie mit dem Masters in Zandvoort und dem Macao Grand Prix zwei renommierte Einzelevents ausgetragen werden, die eine Rennkarriere maßgeblich beeinflussen können. Ein Großteil der Fahrer muss schlichtweg eine Formel 3 Meisterschaft durchlaufen, um überhaupt Chancen in der höher gestellten GP3 zu haben. Die GP3 ist wiederum auf dem Weg zur Formel 1 kein Muss. Es gibt Ausweichprogramme wie beispielsweise die World Series by Renault, in denen man ebenfalls aus der F3 kommend bis zur größten Klasse eine gute Ausbildung im Motorsport erhält.

Die Formel 3 ist eine Rennsportkategorie, die schon seit Jahrzehnten existiert. Daher gibt es auch Teams mit einer langen Tradition. Die GP3 ist dagegen wesentlich jünger. Viele der Mannschaften, die in der Meisterschaft antreten, sind erst in den letzten zehn Jahren gegründet worden. Das bringt frischen Wind in die Serie. Gleiches gilt für die verhältnismäßig jungen Teamchefs, denn immer öfter versuchen sich erfahrene Formel 1 und immer noch im Geschäft aktive Piloten wie Ralf Schumacher, Mark Webber oder Tiago Monteiro als Teamchefs. Sie können ihren Schützlingen stark behilflich sein.

Ein Vorzug der GP3 kann aber gleichzeitig auch ein Nachteil sein: man fährt im Umfeld der Formel 1. Sicherlich bringt es einige positive Aspekte mit sich. Es gibt immer eine Live-Fernsehübertragung, Zuschauer auf den Tribünen und ein professionelles Umfeld. Gleichzeitig wirkt sich das Diktat der Königsklasse aber auch auf den Zeitplan aus. Weil an den drei Renntagen vor der Formel 1 immer eine große Lücke im Zeitplan freigehalten wird, gehen der GP2 und GP3 Zeit verloren, in der man durchaus weitere Trainingseinheiten stattfinden lassen könnte. Braucht die Formel 1 unter Umständen ein bisschen länger wegen schlechten Wetters oder sonstigen Gründen, so geht dies häufig auf Kosten der GP3, die vor allem samstags als letzter Programmpunkt ansteht. Das erste Rennen wird dann verkürzt oder fällt in Ausnahmefällen gar ganz aus. Trotz alledem ist die GP3 ein gutes Sprungbrett. Die beiden ersten Meister Esteban Gutiérrez und Valtteri Bottas sind inzwischen in der Formel 1 angekommen, die Toppiloten aus dem vergangenen Jahr Mitch Evans und Daniel Abt sind ebenso aufgestiegen. Der Weg in die Königsklasse ist aus der GP3 wesentlich kürzer als aus der Formel 3.

Ist die Formel 3 EM besser als die GP3?
 

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