F1 Terminkalender

Zur Zeit sind keine Eintrge vorhanden!

Kommentar der Woche

  • Woche 16| Applaus für Sergio Perez von !NS!DE-RAC!NG-Redakteur Michael Zeitler. Weiterlesen...

Serie: Alle 22 F1-Fahrer - 16. Romain Grosjean

Geschrieben von: Michael Zeitler.

Serie: Alle 22 F1-Fahrer - 16. Romain Grosjean

von Michael Zeitler

 

Romain Grosjean hat großes Potenzial, aber auch eine hohe Fehlerquote.

| Melbourne (!NS!DE-RAC!NG) -

Grosjean: „Crashjean“
Ein paar F1-Fans früherer Tage werden sich noch an Andrea de Cesaris erinnern, auch bekannt als Andrea de Crasheris. Der Name ist Omen: Viele Unfälle, besonders in seinem McLaren-Jahr 1981. Doch der Italiener ist nicht alleine: Über die Jahre gab es natürlich schon viele F1-Piloten, die als Unfallfahrer bekannt waren. Da war zum Beispiel Riccardo Patrese, der nach der Massenkollision am Start des Italien GP 1978 sogar für ein Rennen gesperrt wurde. Ronnie Peterson verlor damals im brennenden Wrack sein Leben – wohl auch durch ärztliches Dazutun. Besonders bitter war für Patrese danach die Ächtung der anderen Fahrer, wer einmal den Hohn hat, braucht für Spott nicht zu sorgen – und wird das auch so schnell nicht mehr los. Obschon nach vier Jahren der Freispruch erfolgte: Patrese war an Monza 1978 gar nicht schuld!

Grosjean_001_Alastair_StaleyLAT

Dann gab es aber auch Crash-Piloten, die es trotzdem zu was brachten, aber noch mehr hätten erreichen können. Der legendäre Gilles Villeneuve zum Beispiel: Sein Ferrari war entweder Schrott oder siegreich. Der Mythos: Villeneuve näherte sich dem Limit von oben, drehte sich im Training immer wieder – bis er sein Limit gefunden hat. Die anderen Fahrer nähern sich dem Limit von unten, werden also immer schneller – bis die Grenze des machbaren erreicht war. 1979 und 1982 war Villeneuve ein heißer Titelkandidat (erst sein Sohn Jacques brachte den WM-Titel 1997 mit in die Familienchronik), aber 1979 scheiterte er am konstant fahrenden Teamkollegen Jody Scheckter, 1982 am tödlichen Unfall in Zolder.

Patrese und Villeneuve – beides Crash-Piloten, aber ganz unterschiedlich: Patrese war immer wieder die Nummer zwei, bei Brabham, wie bei Williams, im Schatten von Nelson Piquet wie Nigel Mansell. Villeneuve war ein Alphatier, ihn liebten die Fans, Teamchefs und sogar die Konkurrenten. Wohin wird die Reise für Romain Grosjean gehen? In beinahe jedem zweiten Rennen endet sein Einsatz schon nach der ersten Runde, mit einem Crash. In der Regengischt des Malaysia-Tropenrennens riss er Michael Schumacher aus dem Rennen, in Monaco Kamui Kobayashi – in Belgien ein Viertel des Fahrerfeldes! Und mit was für einem Knaller: Erst kollidierte er mit Lewis Hamilton, die Räder verhackten sich und Hamilton schob den Lotus Renault aber mitten in das für die enge La-Source-Haarnadelkurve bremsende Feld. Fernando Alonso war die Abschussrampe: Grosjean flog über den Ferrari, verfehlte nur um wenige Zentimeter den Kopf des Spaniers, noch enger flog das Wrack an Alonsos Händen vorbei. Auch Alonso und Hamilton flogen durch die Luft, die beiden Sauber-Piloten wurden ebenfalls aus dem Rennen gerissen – ein Riesenschock für alle Beteiligte. Die Bilanz, Gott sei Dank: Nichts passiert!

Der WM-Leader, egal wer es 2013 sein sollte, muss sich in Spa besonders vor Grosjean hüten: Bei jedem Auftritt des Franzosen in Spa räumte er den WM-Leader in Runde eins ab: 2009 den damaligen Brawn-Piloten Jenson Button, 2012 Fernando Alonso. Grosjean hat beim Belgien GP noch nicht eine einzige Runde beenden können!

Das Gegenteil von Grosjean? Teamkollege Kimi Räikkönen: Ruhig, besonnen, eben cool (Iceman!) – und konstant. Bis auf eine Runde (Kimi verirrte sich in Interlagos in der Auslaufzone) hat Räikkönen alle Runden der gesamten Saison 2012 absolviert – und die war mit 20 WM-Rennen die längste in der F1-Geschichte! Der Punktevergleich zwischen Räikkönen und Grosjean fällt daher deutlich aus: 207:96 WM-Punkten.

Das Tempo der beiden liegt aber so weit nicht auseinander. Gerade in der ersten Saisonhälfte wurde Grosjean von vielen renommierten Fachzeitschriften sogar die Rolle des Geheimfavoriten auf GP-Siege zugesprochen. Räikkönen brauchte eine gewisse Zeit um die Eigenschaften der neuen Pirelli-Reifen zu lernen. In China ging es für den Weltmeister von 2007 innerhalb der letzten drei Runden von Rang zwei auf einen Platz außerhalb der Top-10 und damit den WM-Punkten zurück! Wenn Grosjean im Rennen blieb, dann war er oft auf dem Niveau von Räikkönen: Erst ein knallhartes Duell seitens des Finnen ausgangs der Boxengasse brachte ihn beim Ungarn GP an Grosjean vorbei – das war ein Duell auf Augenhöhe, sowohl das Rad-an-Rad-Duell, als auch der Zweikampf der beiden im Rennen.

Grosjean hat also Potenzial, könnte statt ein Riccardo Patrese auch ein Gilles Villeneuve werden. Aber er muss seine Aggressivität am Start in den Griff bekommen, nicht das Rennen in der ersten Kurve gewinnen wollen, nicht im dichten Startgetümmel verzweifelt nach imaginären Lücken suchen. Die Rennkommissare von Spa wollten Grosjean Bedenkzeit (für seine Fahrweise) einräumen und sperrten ihn für den Italien GP – in Japan krachte er wieder am Start mit einem anderen Fahrer (dieses Mal Mark Webber) zusammen. Seine Reaktion: Dieses Mal sei er zu vorsichtig (!) gewesen…

Talent, das steht außer Frage, hat er aber auf jeden Fall: In Valencia war er im Eiltempo auf dem Weg zum Sieg, dann streikte wie zuvor bei Sebastian Vettel die Lichtmaschine. Es hätte der erste Sieg eines Franzosen seit Olivier Panis werden können. Panis gewann 1996 im Ligier Mugen Honda den Monaco GP, ein Chaosrennen mit nur vier Wagen im Ziel!

Dabei wird immer wieder debattiert: Ist Grosjean überhaupt ein Franzose? Vor 26 Jahren wurde er jedenfalls in der Schweiz geboren, hat einen Schweizer als Vater, aber eine Französin als Mutter. Aus der Schweiz hat er für seine Rennkarriere aber viel weniger Unterstützung erhalten, also steht für Grosjean fest: Mindestens im Motorsport tritt er als Franzose auf. Interviews auf Deutsch gibt er nur äußerst ungern. Das Problem mit der eindeutigen Nationalität gibt es bei vielen Fahrern. Von Bertrand Gachot (Luxemburger? Belgier? Franzose?), bis hin zu den ganz urzeitlichen GP-Stars wie Guy Moll (Algerier oder doch Franzose?), oder zu den aktuellen F1-Piloten wie Nico Rosberg (lebt in Monaco, finnischer Vater (Ex-Weltmeister Keke Rosberg), deutsche Mutter).

Bei Grosjean kommt der Verwirrung vielleicht auch daher, weil der Name Grosjean immer mit der Schweiz in Verbindung gebracht wurde: Sein Vater Christian Grosjean war selbst Rennfahrer, fuhr neben Bobrennen auch in der schweizer Formel-3. Romains Großvater Fernand Grosjean war ein bekannter Skirennläufer, nahm 1948 und 1952 an den Olympischen Spielen teil – eben für die Schweiz.

Und es gibt ihn auch: Den seriösen Romain Grosjean: Neben seiner Berufung als Rennfahrer geht er auch noch seinem Beruf nach: Bankangestellter! Anzug und Krawatte statt Rennoverall, aber den Anzug trägt er nicht nur in der Bank: Sondern im Juni 2012 auch auf dem Standesamt, als er Marion Jollés heiratete – eine Französin. Kennen gelernt haben sie sich in der Formel-1: Sie arbeitet im französischen Fernsehen, interviewt ihren Mann vor und nach dem Rennen. Da wird es schwer, Berufliches und Privates zu trennen.

Und es gibt auch den erfolgreichen Grosjean: 2007 holte er sich für ART im zweiten Anlauf den Titel in der F3-Euroseriesm, 2008 und 2011 wurde er jeweils GP2-Asia-Meister – keiner schaffte das bisher zwei Mal. Inzwischen ist die GP2-Asia mit der GP2-Hauptserie verschmolzen. Die gewann Grosjean auch: 2011 für das DAMS-Team, wo Lotus- und damit auch Grosjean-Teamchef Eric Boullier einst Teammanager war und seine Nachwuchsfahrer aus dem Gravity-Kader heute noch parkt. Der gute Draht zu Boullier dürfte Grosjean für 2013 auch das F1-Cockpit eingebracht haben.

Seine F1-Bilanz
2009 Gesamt-23. im Renault
2012 Gesamt-8. im Lotus Renault

Wir haben 36 Gäste online

Next Race:

© 2008 - 2013 !R Redaktionsgemeinschaft / !NS!DE-RAC!NG Online Magazin
Ein Angebot der RTV-WORLD MediaGroup - Fa. Roland Schäfges: Katzenberger Weg 114 - 56727 Mayen - www.rtv-world.de - redaktion@inside-racing.de