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Serie: Alle 22 F1-Fahrer - 17. Kimi Räikkönen

Geschrieben von: Michael Zeitler.

Serie: Alle 22 F1-Fahrer - 17. Kimi Räikkönen

von Michael Zeitler

 

Passend zum heutigen Sieg geht es in unserer Serie mit Kimi Räikkönen weiter.

| Melbourne (!NS!DE-RAC!NG) -

Räikkönen: Akzeptierte Faulheit
Das war doch in der Schule schon so: Da gab es diejenigen, die fleißig lernten und gute Noten schrieben – aber eben auch talentierte Schüler, die für gute Noten eben nicht so viel tun mussten. Ja klar: Und es gab den großen Rest…

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Kimi Räikkönen ist ein F1-Pilot, der eben nicht viel tun muss: Natürlich hält sich auch der 33-Jährige körperlich fitt, natürlich erscheint auch Kimi zu jedem Rennen und Training pünktlich, natürlich ist auch Kimi ehrgeizig und sucht mit seinen Mechanikern nach Setuplösungen für den anstehenden Grand Prix. Aber Räikkönen scheut zum Beispiel die Medien, also räumt ihm sein Lotus-Team weniger PR-Termine ein. Auch hält er nichts von den F1-Giganten-Computerspielen, mit denen inzwischen wichtige Vorarbeiten vor den Rennen getätigt werden. Manche Teams beschäftigen eigene Simulator-Testfahrer. Bei Williams greift zum Beispiel Ex-F1-Pilot Christian Klien ans Steuer. Die moderne Art des F1-Testfahrers. Räikkönen kann sich damit wenig anfreunden, also braucht er darin auch nicht zu testen.

Einen solchen Stand muss man sich aber freilich erst einmal erarbeiten. Kimi Räikkönen macht nun Mal was er will – und wenn das den anderen nicht passt, dann halt nicht. Räikkönen liebt das F1-fahren, aber hasst das Drumherum. Also gab’s das F1-Comeback nur unter den von Räikkönen geforderten Bedingungen. Vielleicht scheiterten auch deshalb die Verhandlungen mit Williams, ebenfalls eine mögliche Andockstelle Räikkönens für 2012.

Räikkönens Einstellung zum Sport ist durchaus etwas anders, aber nicht schlechter. Er kennt sich jedenfalls aus, weiß, dass James Hunt genau ein solcher Fahrer war wie er: Ideallinien auf der Strecke – und Ideallinien abseits davon. Zumindest hier macht Kimi Räikkönen nicht mit: Er ist seit Jahren verheiratet, mit einer bildschönen Miss-Scandinavia. Aber Räikkönen genießt das Leben, trinkt gerne Mal einen und vielleicht auch dann noch einen, wenn der Durst eigentlich schon nachgelassen hat. Räikkönens Ruf, viel zu oft mal was zu trinken, ist aber wohl eine Medien-Konstruktion. Die beißen sich eben gerne Mal an einem Thema fest und wenn dann auf der Videoplattform Youtube auch noch ein Video auftaucht, dass zeigt, wie Räikkönen angetrunken von einer Yacht in Monaco fällt, dann ist schnell mal ein Medien-Bild entstanden. Da haben James Hunt und Konsorten in den 70er Jahren ganz andere Feiern hinter sich: Der Brite soll mit Niki Lauda angeblich auch am Biertisch den Wettbewerb gesucht haben – bei den Tests am nächsten Tag schlief er daraufhin ein!

Kimi Räikkönen und immer wieder James Hunt: Beim Monaco GP 2012 fuhr er mit einem James-Hunt-Helm, 2007 tauchte Kimi sogar bei Schneemobilrennen unter dem Pseudonym James Hunt auf. Räikkönen zeigt: Die Formel-1 kann noch Spaß machen, wenn man sich selbst eben nicht so bierernst (Mist, schon wieder) nimmt. Ende 2009, als Räikkönen abgetreten ist, hat man das dem Finnen als fehlende Motivation ausgelegt. Was er selbst immer bestritten hat, ist 2012 wieder ein Thema gewesen – immer dann, wenn Räikkönen den Erwartungen hinterherfährt. Das lag 2012 in Saisonhälfte zwei am Lotus Renault, das lag 2009 vielleicht aber auch an der teaminternen Ferrari-Politik pro Felipe Massa, über die immer wieder spekuliert wurde.

Feierlaune, Faulheit – und dann gibt es noch das dritte Vorurteil über Kimi Räikkönen: Die Wortkargheit. Weggefährten von Räikkönen beteuern: Er kann auch ganz anders. Räikkönen erklärte 2012 seine Medienscheue so: „Am wenigsten Lust habe ich auf doofe Fragen.“ Vielleicht sollten sich also eher die Journalisten an die Nase greifen und die Fragen überdenken?

Bleiben wir bei der Faulheit: Solange die Leistungen stimmen, macht Kimi Räikkönen alles sicher. Und wer ein solches Comeback wie er 2012 hinlegt, als wäre er nie weg gewesen, der darf von sich behaupten, dass sein Talent vieles wettmacht. Sein pures Racing-Talent. Lotus wusste schon, wieso man Kimi Räikkönen so viele Freiheiten eingeräumt hat: Nur wenn man Kimi ein perfektes Umfeld gibt, fühlt er sich richtig wohl. Für Erfolg ist das eine Grundvoraussetzung. Aber wie gut passen Räikkönen und Lotus wirklich zusammen? Immer wieder gibt es Spekulationen über Unstimmigkeiten. Es ist wohl eher eine Zweckbeziehung.

Kimi Räikkönen kann sich gewisse Vorzüge (keine Simulator-Tests, weniger PR-Arbeit) aber auch leisten: Seit er 2001 in die Formel-1 gekommen ist, hat sich Räikkönen einen guten Ruf erarbeitet. Nach nur einem Jahr bei Sauber wechselte er 2002 zu McLaren – seither fährt Räikkönen nur für Topteams. Immer wieder gewinnt er, so wie zuletzt beim Abu Dhabi GP 2012, so wie erstmals in Malaysia 2003. Es war auch das Jahr, in dem er erstmals um den Titel kämpfte, aber wie 2005 gingen ständig die Mercedes-Motoren im McLaren oder andere technische Elemente kaputt. 2007 wechselte er zu Ferrari – und wurde dank McLaren Weltmeister, weil sich bei McLaren Fernando Alonso und Lewis Hamilton im „Krieg der Sterne“ selbst behinderten. Es blieb der bisher einzige WM-Titel für Räikkönen, danach gewann Felipe Massa so ein bisschen Überhand gegen Räikkönen.

Räikkönen und Red Bull – auch das ist eine besondere Beziehung. 2001 war Red Bull noch gegen Räikkönen: Man wollte unbedingt den eigenen Nachwuchsfahrer Enrique Bernoldi bei Sauber parken. Vom Brasilianer zeigte sich Sauber aber weniger angetan, argumentierte zuerst, man wolle einen Piloten mit mehr Erfahrung, wie Olivier Panis zum Beispiel. Dann aber der Knüller: Sauber verpflichtete Räikkönen! Ärger bei Red Bull, Ärger aber auch mit dem Automobilweltverband FIA: Kimi Räikkönen fuhr bis dato erst 23 Rennen – in der Zweiliterklasse der Formel-Renault. Zugegeben die Rennen waren beeindruckend, aber das qualifizierte ihn noch nicht einmal für eine Superlizenz. Nach zähen Ringen stellte die FIA dem Finnen eine Lizenz auf Probe aus (vier Rennen) – doch davon redete bald schon keiner mehr.

Nach dem F1-Abgang Ende 2009 kreuzten sich die Wege von Kimi Räikkönen und Red Bull wieder: Räikkönen stieg bei Citroën in die Rallye-Weltmeisterschaft ein, gesponsert von Red Bull! Immer wieder gab es daraufhin Gerüchte, Räikkönen könnte ein F1-Comeback bei Red Bull geben. Und noch heute denken viele: Räikkönen 2014 bei Red Bull – alles mindestens möglich.

Räikkönens Bruder Rami Räikkönen kann indes nicht in seine Fußstapfen treten. Zwar fährt er weiterhin Rallye-Rennen, aber Rami probierte es auch im Formel-Sport: In Kimis WM-Jahr 2007 fuhr Rami Räikkönen in der finnischen Formel-3 und wurde Gesamt-Dritter. Sein Team war damals die Koiranen-Mannschaft, die 2013 in die GP3 einsteigt. Es blieb die einzige Saison im Formel-Sport. Seine beiden Söhne fahren inzwischen auch schon Kartrennen.

Die letzte Saison in der Formel-1 könnte Kimi Räikkönen fahren. Mit erst 33 Jahren hätte er durchaus noch gute Jahre vor sich, aber Kimi Räikkönen ist spontan, entscheidet aus dem Bauch heraus – und könnte sich jeder Zeit wieder zurückziehen. Seine zweite Motorsport-Leidenschaft bleibt der Rallye-Sport, aber nach dem Rallye-Unfall von Robert Kubica im Februar 2011 will Lotus keine Rallye-Einsätze erlauben. Vielleicht wäre aber auch das die Luft zum atmen, die Räikkönen braucht.

Wie stark wird Kimi Räikkönen 2013 sein? Alles hängt von Lotus ab: Auch 2012 hat man im Entwicklungsrennen mit den Topteams wieder nicht mithalten können. Dieses Mal verzockte man sich mit dem Doppel-DRS. Finanziell ist man durch einige neue Sponsoren aus der USA aber wieder besser dabei. Lotus greift die Topteams an – Räikkönen war schon 2012 dank seiner konstanten Leistungen Gesamt-Dritter.

Seine F1-Bilanz
2001 Gesamt-10. im Sauber Petronas
2002 Gesamt-6. im McLaren Mercedes
2003 Gesamt-2. im McLaren Mercedes
2004 Gesamt-7. im McLaren Mercedes
2005 Gesamt-2. im McLaren Mercedes
2006 Gesamt-5. im McLaren Mercedes
2007 Gesamt-1. im Ferrari
2008 Gesamt-3. im Ferrari
2009 Gesamt-6. im Ferrari
2012 Gesamt-3. im Lotus Renault

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