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Serie: Alle 22 F1-Fahrer - 22. Mark Webber

Geschrieben von: Michael Zeitler.

Serie: Alle 22 F1-Fahrer - 22. Mark Webber

von Michael Zeitler

 

Mark Webber im Portrait: Im Schatten von Sebastian Vettel.

| Melbourne (!NS!DE-RAC!NG) -

Webber: Ein Geben und Nehmen
Will Red Bull das Duell im eigenen Stall nur vom Ausufern zähmen oder gleich ganz unterbinden? Es gibt Rennställe, die verfolgen offen und kundig eine Nummer-1-Philosophie: Ferrari seit jeher, jetzt mit Fernando Alonso, schon vor Jahren mit Michael Schumacher unter Rennleiter Jean Todt: Der Franzose ließ schon bei Peugeot den Sieg bei der Dakar 1987 mittels eines Münzwurfes zwischen Jacky Ickx und Ari Vatanen entscheiden (für den Finnen). Flavio Briatore hatte auch immer einen Starfahrer (Michael Schumacher bei Benetton, Fernando Alonso bei Renault) und einen Wasserträger im zweiten Auto. Anders ist McLaren: Hier wird offen gefahren, schon zwischen Niki Lauda und Alain Prost, zwischen Ayrton Senna und Alain Prost, zwischen Kimi Räikkönen und Juan-Pablo Montoya, zwischen Fernando Alonso und Lewis Hamilton – oder auch zuletzt zwischen Lewis Hamilton und Jenson Button, um nur einige Beispiele zu nennen.

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Wo ist Red Bull einzuordnen? Offiziell macht man keine Stallregie, aber wenn’s eng wird, ergreift man nicht selten pro Sebastian Vettel Stallorder. Weil Vettel ein Nachwuchsfahrer aus der Red-Bull-Schmiede ist? Vielleicht. Andererseits könnte es auch daran liegen, dass Mark Webber einfach nicht konstant genug ist. 2010 war er lange auf dem Niveau von Sebastian Vettel, erst ein selbstverschuldeter Crash in Südkorea beendete alle WM-Träume. 2011 hatte er gar keine Chance, aber 2012 war er wieder besser als Vettel, als der Rote Bulle noch etwas bockte, nachdem per Reglement sein Auspuff kastriert wurde. Je stärker der Red Bull Renault wurde, desto stärker wurde auch Vettel im teaminternen Duell mit Mark Webber.

Je mehr Chancen Webber verstreichen lässt, desto unwahrscheinlich wird es, dass er nach Jack Brabham und Alan Jones der dritte australische F1-Champion wird. Die biologische Uhr (Webber ist 36 Jahre alt) tickt gegen ihn – und Red Bull wird irgendwann Webber gegen einen anderen Fahrer austauschen. Dass Webber 2013 überhaupt noch bei Red Bull fährt, war seine freie Entscheidung: Gespräche gab es mit Ferrari und hätte er abgewartet, bis sich der Abgang von Lewis Hamilton bei McLaren herauskristallisiert hatte, er wäre sicherlich ein Topkandidat als neuer Teamkollege von Jenson Button geworden. Button versus Webber – es wäre ein packendes Duell geworden. Weniger spannend wäre es zwischen Fernando Alonso und Mark Webber bei Ferrari ausgegangen, das wusste Webber, daher entschied er sich für einen Verbleib bei Red Bull. Zu sehr ist Ferrari auf Alonso fokussiert.

Mark Webber – ein ständiges Geben und Nehmen, austeilen und einstecken. Doch er gibt mehr, als er nimmt. Er nahm die Möglichkeit Ferrari eben nicht an, sondern gibt Red Bull ein weiteres Jahr seine Unterstützung. Im Winter kritisierte Red-Bull-Konsulent Dr. Helmut Marko aber ausgerechnet, die fehlende Hilfeleistung von Mark Webber im Finale 2012 gegen Fernando Alonso. Aber für die Kollision zwischen Sebastian Vettel und Bruno Senna konnte Webber nichts, das muss sich schon Vettel selbst auf die Fahnen schreiben. Webber hat eingesteckt – und geschwiegen, ganz wie es sich für einen Gentleman gehört.

Aber wenn das Fass überläuft, dann haut er auch auf den Tisch: Wie zum Beispiel nach dem Sieg beim Großbritannien GP 2010. Webber und Vettel hatten beide hervorragende Chancen auf den WM-Titel, Red Bull aber nur zwei neue Frontflügel. Einen bekam folgerichtig Vettel, den anderen Webber. Dann ging der Flügel an Vettels Red Bull kaputt – und nun musste Webber seinen abgeben. Nicht immer verleiht Red Bull Flügel, manchmal nimmt einem Red Bull genau diese auch weg. Webbers Antwort: Der Sieg einerseits, der legendäre Spruch „Nicht schlecht für eine Nummer zwei“ am Boxenfunk nach der Siegesgratulation andererseits.

Gentleman Webber – nach ihm soll eben nicht die Sintflut kommen, sondern möglichst wieder ein neuer GP-Star aus Australien oder zumindest aus der Region, also Neuseeland. Webber erinnerte sich, als ihm der Rugby-Spieler Mitte der 90er Jahre mit umgerechnet 60.000 Euro unter die Arme griff, als er neben einigen Einsätzen in der Formel-Holden (so etwas wie die australische GP2) auch in Europa in der Formel-Ford Fuß fasste, er dafür aber eben dieses Geld brauchte. Ein Nehmen, das seither ein vielfältiges Geben zur Folge hatte: Will Powers Karriere hing 2004 am seidenen Faden, also finanzierte Webber mit einer Spritze von rund 500.000 Euro den Wechsel Powers in die IndyCar-Serie, der amerikanischen Formel-1. Den Titel dort verpasste der Australier nun seit drei Jahren in Folge ganz knapp. Power läuft Gefahr der Stirling Moss der IndyCar zu werden – mehrmals Vizemeister, ein Top-Pilot, aber nie ganz oben.

Webber gibt aber auch in der GP3: Nicht nur seinen Namen für das MW-Arden-Team, das die Familie Horner leitet (daher soll sein Verhältnis zu Red-Bull-Teamchef Christian Horner auch sehr gut sein), sondern auch seine vollste Unterstützung. Und die GP3 fährt immerhin im Rahmenprogramm der Formel-1, wenn andere F1-Fahrer also voll auf ihren Job fokussiert sind. Ein Webber-Schützling ist dabei Mitch Evans, 2012 Meister in der GP3, natürlich in Webbers Team.

Mark Webber liebt die Herausforderung, vielleicht bleibt er auch deshalb Teamkollege an der Seite Sebastian Vettels. Jedenfalls veranstaltet Webber seit Jahren in seiner Heimat das Extremsportevent Tasmania Challenge. 2009 stürzte Webber dabei schwer, zog sich komplizierte Beinbrüche zu, fuhr aber trotzdem tapfer in der Formel-1. Überlebt hat Webber auch einen Horror-Abflug in Le Mans 1999 im Mercedes-Sportwagen.

Australien trägt Webber im Herz – einer seiner größten Triumphe daher der fünfte Platz beim Debüt in Melbourne 2002: Im unterlegenen Minardi Asiatech! Gemeinsam mit Teamchef Paul Stoddart, der ihn schon 2000 in sein F3000-Team (Arrows Junior) und in die Formel-1 als Arrows- und Benetton-Testfahrer brachte, feierte Webber auf dem Siegerpodest mit den heimischen Fans den sensationellen fünften Platz. Minardi, 2005 und 2006 zwei Jahre Williams, aber sonst war sein F1-Zuhause immer der Rennstall in Milton Keynes, erst noch unter Jaguar, seit 2007 unter Red Bull. 144 Rennen fuhr er für das britische Rennteam, so viel wie sonst keiner: Mark Webber (144), Sebastian Vettel (75), David Coulthard (71), Eddie Irvine (50), Rubens Barrichello (49), Christian Klien (46), Johnny Herbert (32), Pedro de La Rosa (30), Jan Magnussen (24), Antônio Pizzonia (11), Jos Verstappen (9), Luciano Burti (5), Justin Wilson (5), Vitantonio Liuzzi (4) und Robert Doornbos (3).

Wie zuhause er sich bei Red Bull auch immer fühlt: Der Kämpfer Mark Webber wird wieder alles geben – um aus seiner Sicht hoffentlich erstmals den WM-Titel entgegen zu nehmen. Gegen Vettel wird das freilich schwer, aber Webber wird besonders auf verschiedenen Strecken eine echte Herausforderung für Vettel werden: Strecken wie in Monaco (erster F3000-Sieg, erstes F1-Podest 2005 im BMW Sauber, zwei GP-Siege 2010 und 2012) und Silverstone (Sieg 2001 in der Formel-3000 mit Super Nova, zwei F1-Siege 2010 und 2012) liegen Webber besonders gut. Auch wenn seine Leistungen nicht konstant sind: Hier ist er immer konstant einer der ganz schnellsten. Für Red Bull ist das wichtig, Webber ist sich sicher: „Mein Sieg in Silverstone gegen Fernando Alonso hat die WM zugunsten von Sebastian Vettel entschieden!“

Seine F1-Bilanz
2002 Gesamt-16. im Minardi Asiatech
2003 Gesamt-10. im Jaguar Ford
2004 Gesamt-13. im Jaguar Ford
2005 Gesamt-10. im BMW Williams
2006 Gesamt-14. im Williams Cosworth
2007 Gesamt-12. im Red Bull Renault
2008 Gesamt-11. im Red Bull Renault
2009 Gesamt-4. im Red Bull Renault
2010 Gesamt-3. im Red Bull Renault
2011 Gesamt-3. im Red Bull Renault
2012 Gesamt-6. im Red Bull Renault

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