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Serie: Alle 22 F1-Fahrer - 23. Sebastian Vettel

Geschrieben von: Michael Zeitler.

Serie: Alle 22 F1-Fahrer - 23. Sebastian Vettel

 von Michael Zeitler

 

Zum Abschluss der Serie ein Portrait über Weltmeister Sebastian Vettel.

| Melbourne (!NS!DE-RAC!NG) - 

 Vettel_001_GettyRBCVettel: Eher Schumacher als Fangio
Irgendwann wird man größenwahnsinnig – zumindest gilt das für die Statistik. Die klangvollsten Namen der F1-Historie haben es nicht geschafft, drei Titel hintereinander zu gewinnen: Niki Lauda wurde durch seinen Feuercrash am Nürburgring 1976 daran gehindert, Ayrton Senna durch das Mega-Stallduell mit Alain Prost bei McLaren, Jackie Stewart schaffte es nicht einmal, zwei Titel hintereinander einzufahren. Sebastian Vettel setzte sich 2012 mit dem dritten Titelgewinn in Folge über all diese Fahrer hinweg. Doch jetzt wird die Statistik eben größenwahnsinnig: Alle Fahrer, die bisher drei Mal in Serie Weltmeister wurden, schafften es auch ein viertes Mal: Juan-Manuel Fangio zwischen 1954 und ’57, sowie Michael Schumacher zwischen 2000 und 2004. Vettel wäre der erste Fahrer, der dem dritten Streich keinen vierten folgen lassen würde!

 

Fangio oder Schumacher – wessen Titelserie ähnelt die von Vettel am meisten? Der „krummbeinige“ Fangio holte seine Meisterschaften alle auf unterschiedlichen Rennfahrzeugen: 1954 im Maserati und Mercedes, 1955 für Mercedes, 1956 für Ferrari, 1957 wieder für Maserati. Fangio wechselte die Rennställe wie die Unterwäsche, aber eine Konstante blieb: Sein Abonnement auf den WM-Titel. Schumacher baute den Erfolg jahrelang auf: Gemeinsam mit Teamchef Jean Todt, Technik-Guru Rory Byrne und Chefstratege Ross Brawn entstand um Schumacher das Dream-Team der Scuderia Ferrari, das zwischen 2000 und 2004 unschlagbar war. Nur 2003 wurde es im Titelrennen eng, aber der Siegeszug von BMW Sauber mit Schumachers Bruder Ralf und dessen Teamkollege Juan-Pablo Montoya hielt nur einen Sommer lang, Kimi Räikkönen punktete mit dem McLaren Mercedes fleißig, aber weil der Neuwagen nie kam, konnte Räikkönen auch nur einen Grand Prix gewinnen.

Niki Lauda, heute einer der Chefs des F1-Teams Mercedes, stand als Fahrer zeitlich zwischen Fangio und Schumacher. Wenn schon er sagt, dass seinerzeit F1-Fahren was ganz anderes war als früher (dasselbe sind nur noch die vier Räder), dann ist schon die Zeit ein Argument dafür, dass Vettels Siegeszug eher dem von Schumacher gleicht. Und doch sind sie so verschieden: Nur die Saison 2011 war von Vettel wirklich dominierend, 2012 erlebte die Formel-1 gerade in der ersten Saisonhälfte eine Reihe von verschiedenen Siegern – und 2010 stand vor dem Finale sogar Vettels Teamkollege Mark Webber in der Tabelle vor dem Deutschen!

So gesehen ist die Vettel-Dominanz zumindest spannend. Das F1-Feld ist so eng wie nie beisammen, gerade die schnell abbauenden Pirelli-Reifen sorgen für Abwechslung – auch auf dem Siegerpodest. Trotzdem wünschte sich F1-Chefvermarkter Bernie Ecclestone im Winter, dass die Red-Bull-Siegesserie beendet wird. Denn eins ist auch klar: Nur durch Showelemente wie die Pirelli-Reifen ist die Vettel-Dominanz nicht erdrückender: Im Qualifying holte Vettel inzwischen 36 Pole-Positions und liegt damit in der ewigen Bestenliste hinter Michael Schumacher und Ayrton Senna schon auf Platz drei! Wäre ein GP-Rennen eine Spazierfahrt von Pole zum Sieg wie in der Ära Schumacher gewesen (und das soll seine Leistung keinesfalls schmälern), die Vettel-Bilanz wäre in den vergangenen drei Jahren wohl noch deutlicher gewesen.

Eingebremst werden Vettel und Red Bull schon durchs Reglement: Der angeblasene Auspuff wurde vor der Saison 2012 verboten, das kostete dem Team mehrere Zehntelsekunden – und erst das machte die WM 2012 so spannend. 2013 darf man erwarten, dass dieser Nachteil sich längst egalisiert hat. Arbeiten Ferrari (Qualifying) und McLaren (Zuverlässigkeit) aber an ihren Problemen, dann bekommt Vettel ein (WM-) Problem!

Sebastian Vettel – hinter ihm steht ein echtes Siegerteam. Angefangen beim Teamchef Christian Horner: Selbst ein mittelprächtiger F3000-Fahrer, schon damals im familieneigenen Rennteam. Das Arden-Team gibt es noch heute, expandiert sogar: Neben der F3000-Nachfolgerserie GP2 ist Arden auch in der GP3 und in der Formel-World-Series-by-Renault unterwegs, unter anderem in Zusammenarbeit mit Caterham. Auch zwischen dem F1-Team Caterham und Red Bull gibt es gewissen Techniktransfer. Horner wollte erst sein Arden-Team in die Formel-1 hieven, aber nachdem Übernahmegespräche mit Eddie Jordan scheiterten, bekam er das Angebot von Red Bull deren F1-Equipe zu leiten. Es ist anzunehmen, dass die Verbindung über Dr. Helmut Marko lief, das Bindeglied zwischen Red-Bull-Konzernchef Dietrich Mateschitz, sowie dem englischen F1-Team in Milton Keynes. Damit ist Marko, der Ex-F1-Fahrer, der eigentliche Chef des Rennstalls. Der Österreicher kümmert sich seit Jahren auch um das Nachwuchsprogramm von Red Bull, setzte dafür auch ein eigenes F3000-Team ein – daher kennt er wohl auch Horner, und daher ist Marko der wichtigste Förderer von Vettel. Aber nicht der einzigste.

Nicht zu vergessen ist Meister-Konstrukteur Adrian Newey. Keiner hat mehr WM-Autos gebaut, als er: 1992 war er verantwortlich für den Williams Renault, mit dem Nigel Mansell endlich den lang ersehnten F1-Titel gewann. Es ging weiter mit Alain Prost 1993 (Weltmeister beim Comeback!), Damon Hill 1996 (erster Weltmeister-Sohn, der auch die F1-WM gewann) und Jacques Villeneuve 1997. Während der Kanadier seinen Titel holte (den letzten für Williams bis heute), wechselte Newey zu McLaren und mit ihm holte Mika Häkkinen 1998 und 1999 die Weltmeisterschaft. Und dann gehen eben die drei Red-Bull-Weltmeisterschaften mit Vettel auf sein Konto. Damit hat er sich den Traum erfüllt, einen kleinen Rennstall vom Mittelfeld an die Spitze zu führen – das schaffte Newey Ende der 80er Jahre March nicht. Ihm fehlte damals wohl das Geld, über das Red Bull angeblich über so viel wie kein anderer Rennstall verfügt.

Marko, ein bedeutender Förderer von Vettel – aber nicht der einzigste. Zu Beginn der F1-Karriere von Vettel gab es die brennende Frage: Wem gehört er eigentlich? BMW oder Red Bull? Bei BMW Sauber gab er 2007 beim USA GP seinen F1-Einstand, nachdem Robert Kubica diesen schweren Crash beim Kanada GP hatte, den wohl brutalsten der letzten Jahre. Noch im Laufe der Saison wechselte Vettel zu Toro Rosso, seither ist er vor allem eines: Ein Red-Bull-Pilot. Das erste große Highlight Vettels war der Sieg beim Regen-GP in Italien im Toro Rosso Ferrari – es war eine absolute Sensations-Geschichte, die nur der Sport schreiben kann.

Vettel ist auch der erste Red-Bull-Nachwuchsfahrer, der mehr als nur ein Mittelfeld-Fahrer war. Gewiss, schlecht war keiner der Red-Bull-Junioren, aber groß heraus kam bisher eben nur Vettel. Peter Sauber (Red Bull war damals noch Sponsor des Sauber-Teams) wollte Enrique Bernoldi 2001 trotz intensiver Red-Bull-Bemühungen nicht einmal unter Vertrag nehmen, stattdessen setzte er lieber auf den völlig grün hinter seinen Rennsportohren gewesenen Kimi Räikkönen. Bernoldi kam bei Arrows unter, aber machte nur einmal auf sich aufmerksam, als er in Monaco rundenlang eine rollende Schikane für den damaligen McLaren-Topfahrer David Coulthard war. Christian Klien war gut, aber nicht herausragend, vielleicht besser als der coole Vitantonio Liuzzi, artiger als der aufmüpfige Scott Speed (sein Ende – gleichbedeutend mit dem Anfang von Vettel – bei Toro Rosso soll eine Folge eines Handgemenges mit Teamchef Franz Tost gewesen sein), aber am Ende auch wieder draußen, wie auch Sébastien Buemi aus der Schweiz und Jaime Alguersuari.

Doch ohne Gerhard Noack (er entdeckte auch schon Michael Schumacher) wäre Vettel nie soweit gekommen, dass BMW oder Red Bull überhaupt nur auf ihn aufmerksam zu werden. Noack war einer der wichtigen Geldgeber ganz zu Beginn der Laufbahn Vettels. Vater Norbert Vettel sagte 2009 im Interview mit „Zeit online“: „Den Umstieg vom Kart in die Formel-BMW haben wir damals nur mit Hängen und Würgen geschafft. Auf einmal mussten wir 150.000 Euro aufbringen. Heute kostet eine Saison in der Formel-BMW doppelt so viel. Das hätten wir damals nicht geschafft.“ Die Formel-BMW (Vettel gewann sie 2004 im Mücke-Team mit 18 Siegen aus 20 Rennen!) gibt es in dem Format nicht mehr, aber auch andere Einsteiger-Formel-Serien sind nicht billiger, eher im Gegenteil. Nicht nur Williams-Anteilseigner Toto Wolff fürchtet, dass die hohen Kosten im Rennsport viele Talente auf der Strecke liegen lässt. So gut wie die Bezahlfahrer, die in die Formel-1 kommen auch sind, aber viele können sich den Rennsport gar nicht leisten. Fast auch Sebastian Vettel nicht.

Norbert Vettel war übrigens selbst Mal Rennfahrer: Hobbymäßig fuhr er einige Bergrennen, 2012 kehrte er als Legenden-Starter in den VW-Scirocco-Cup zurück. Das Format mit den Legendenstarter zieht immer wieder Fans zu den Strecken: Andere Gaststarter waren beispielsweise Ex-F1-Weltmeister Damon Hill, oder der Skispringer Andreas Kofler – auch der Ex-Skispringer Sven Hannawald, aber der fährt ja ohnehin in der ADAC GT Masters Rennen.

Seine F1-Bilanz:
2007 Gesamt-14. im BMW Sauber/Toro Rosso Ferrari
2008 Gesamt-8. im Toro Rosso Ferrari
2009 Gesamt-2. im Red Bull Renault
2010 Gesamt-1. im Red Bull Renault
2011 Gesamt-1. im Red Bull Renault
2012 Gesamt-1. im Red Bull Renault

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