F1: Yoong - Mit Wasserski schneller als im Minardi

Benutzerbewertung: / 0
SchwachPerfekt 

Alex Yoong war der bisher einzige malaysische F1-Pilot.

F1: Yoong - Mit Wasserski schneller als im Minardi

 von Michael Zeitler

 

Alex Yoong war der bisher einzige malaysische F1-Pilot.

| Sepang (!NS!DE-RAC!NG) - Jazeman Jaafar hat die Geschichtsbücher des Nachwuchssports bisher nicht neu geschrieben. Aber verglichen mit dem, was Alex Yoong – Malaysias bisher einziger F1-Pilot – vor seinem Aufstieg in die Königsklasse des Motorsports erreicht hat, ist das äußerst viel versprechend. Yoong kam 2001 bei Minardi in die Formel-1 – sechs Jahre, nachdem er sein letztes Rennen gewonnen hat! 1995 wurde er Vizemeister in der Formel-Asia, einer Rennserie, die unter anderem von Yoongs Vater Hanifah Yoong Yin Fah aus dem Boden gestampft wurde. Yoong Senior, dessen Eltern aus China kommen, war selbst Rennfahrer, genauso wie auch Alex Yoongs Mutter Joanna Bean, eine Britin.

Nach der Formel-Asia versuchte sich Yoong in der asiatischen Formel-Renault, stieg 1998 in einen Dallara Mitsubishi des Portman-Teams in die britische Formel-3 um. Ein Jahr später fuhr er für das Monaco-Team von Ex-F1-Pilot Lamberto Leoni in der heutigen Auto-GP-Meisterschaft, wurde aber auch für wenige Rennen in der GP2-Vorgängerserie Formel-3000 gemeldet. In Spa kam es dabei zu einem Horrorunfall mit Justin Wilson. Yoongs Helm wurde dabei zerstört, der Malaysier selbst blieb Gott sei Dank unversehrt.

Auch in der Formel-3000 wurde es also nichts mit dem Erfolg für Alex Yoong. Also ging er nach Japan, fuhr dort 2000 und 2001 für das Le-Mans-Team in der Formel-Nippon. Zwei siebte Plätze waren das beste Resultat von Yoong – das in Verbindung mit einigen Sponsorengelder aus Malaysia reichten, um den Platz von Tarso Marques bei Minardi einzunehmen. Malaysia drängte damals in die Formel-1: 1999 gab es den ersten Malaysia GP im WM-Kalender, viele Sponsoren sahen in der Formel-1 eine ideale Werbeplattform. Und Minardi brauchte das Geld.

Yoong blieb 2002 bei Minardi an Bord, fuhr aber nicht alle Rennen: Bei drei konnte er sich nicht qualifizieren, zwei wurde er durch Anthony Davidson ersetzt. Yoong wurde als einer der schlechtesten F1-Piloten in der Geschichte verpönt. Dabei hatte er es auch nicht leicht: Mit Fernando Alonso und Mark Webber hatte er zwei superschnelle Teamkollegen, der Minardi Asiatech war gewiss alles, nur kein Siegerauto. Mit ihm war man am hinteren Ende des Feldes fest gemauert. Doch das ändert nichts daran, dass Yoong auch seinen – wenn auch sehr starken (sie fahren beide heute noch) – Teamkollegen deutlich hinterher hinkte. Mehrfach gab es Ablösegerüchte. Sogar der IndyCar-Pilot Bryan Herta, der inzwischen ein eigenes IndyCar-Team leitet, war als Ersatz im Gespräch. Tatsächlich musste Yoong auch kurz Davidson weichen, schraubte in Malaysia aber seine Mitgift nach oben und kehrte zurück.

Aber mit der Saison 2002 war die F1-Laufbahn von Yoong endgültig beendet. Sein bestes Resultat: Rang sieben beim Chaosrennen in Australien 2002, aber dafür gab es damals noch keine Punkte. Er wechselte ins US-amerikanische Pendant, in die IndyCar-Serie. Für Dale Coyne fuhr er heute 36-Jährige die Saison aber nicht fertig, weil die Sponsoren sich zurückzogen. Dabei hatte die IndyCar-Laufbahn von Yoong sehr viel versprechend begonnen: Auf Anhieb fuhr er auf Rang neun, auf der legendären wie spektakulären Piste in Laguna Seca. Yoong besiegte damit renommierte Fahrer wie Ex-Meister Jimmy Vasser oder auch den aktuellen IndyCar-Meister Ryan Hunter-Reay!

Es ist die Ironie des Schicksals, dass er nach der Formel-1 auf die Siegesstraße zurückkehrte. Besonders in der A1GP-Serie war er erfolgreich, gewann immerhin vier Rennen. Die Serie wurde 2005 als Nationen-Meisterschaft aus der Taufe gehoben und war sehr beliebt – auch bei den Rennfahrern. Es fuhren ausrangierte F1-Piloten wie eben Yoong in der Meisterschaft, aber auch aufstrebende Talente wie der heutige Sauber-F1-Pilot Nicolas Hülkenberg. Malaysia war bei der Sache sehr engagiert dabei. Während viele Länder sich die Dienste von bekannten Rennställen aus der GP2 oder sogar dem IndyCar-Team von Michael Andretti sicherten, baute Malaysia ein eigenes Team auf. Vier Rennen gewann Yoong für dieses Team, in dessen Management er dann auch tätig war.

Deshalb galt Yoong auch als einer der Kandidaten für den Teamchefposten des heutigen F1-Teams Caterham, als der malaysische Geschäftsmann Tony Fernandes das Team aus der Taufe hob. Tatsächlich wurde Yoong auch von Fernandes engagiert, aber eher als Nachwuchscoach. Unter seinen Fittichen stand unter anderem Nabil Jeffri.

Alex Yoong – heute bleibt ihm der Titel erster F1-Pilot aus Malaysia, erster IndyCar-Pilot aus Malaysia und auch erster Pilot in Le Mans aus Malaysia: 2007 holte er in einem Lola Judd vom heutigen WSbR-Team Charouz Rang acht – als Teamkollege von Jan Charouz und dem Deutschen Stefan Mücke. Noch erfolgreicher als im Motorsport war Yoong auf Wasserski, wurde auf diesen sogar malaysischer Meister. Seine beiden jüngeren Schwestern Aaliyah Yoong und Philippa Yoong sind auf den Wasserskiern noch erfolgreicher, holten sogar schon Goldmedaillen bei den SEA-Water-Games. Dass Malaysier in dieser Disziplin so stark sind – so hört man böse Zungen – ist kein Wunder, bei diesen Regengüssen, die die Formel-1 in Sepang schon erlebt hat, liegt nichts näher als Wasserski. Und ein Oberzyniker meint: Yoong wäre auf Wasserski vielleicht sogar schneller als im Minardi gewesen…


Add a comment
Wir haben 54 Gäste online

Next Race:

© 2008 - 2013 !R Redaktionsgemeinschaft / !NS!DE-RAC!NG Online Magazin
Ein Angebot der RTV-WORLD MediaGroup - Fa. Roland Schäfges: Katzenberger Weg 114 - 56727 Mayen - www.rtv-world.de - redaktion@inside-racing.de