F1 Terminkalender

Zur Zeit sind keine Eintrge vorhanden!

Kommentar der Woche

  • Woche 16| Applaus für Sergio Perez von !NS!DE-RAC!NG-Redakteur Michael Zeitler. Weiterlesen...

Meine Meinung: Der schlimmste Funkspruch

Geschrieben von: Johannes Mittermeier.

 

Gestern haben wir (gewollt) überdreht den Hauskrach bei Red Bull auf die Schippe genommen. Wer derartige Angriffsflächen auf dem Silberteller offeriert, muss damit rechnen, dass sich gierige Parasiten darauf stürzen. Doch die Vorkommnisse in Malaysia produzierten keinesfalls nur humorvolle Nachwehen. „Sebastian Vettel  hat die Maske abgenommen“, schrieb eine Zeitung. Man muss es nichtmal auf den verweigerten Nichtangriffspakt beziehen.


 

 

| Bravo, applaudieren die einen, endlich einer, der sich dem manipulierten Spiel der Teamorder widersetzt, der nicht vor den Bossen kuscht, der dem Regime trotzt. Endlich ein Racer!

 

Skandalös, wüten die anderen über einen, der sein Ego über den Teamgedanken stellt, der bei verabredetem Waffenstillstand den Gegner im eigenen Lager hinterrücks niederstreckt. Eine Schande!

 

Sebastian Vettel hat die Gemüter entzweit und erhitzt. Über dem Rennausgang des Großen Preises von Malaysia wird immer das berühmte Geschmäckle liegen. Ich persönlich schließe mich ausnahmslos den Kritikern an. Vettels Vorgehen erfolgte gezielt und war vor allem link. Er beging ein unfaires Foul an einem Widersacher, der ihn sprichwörtlich nicht hatte kommen sehen. Eine Blutgrätsche von hinten in die Beine. Im Fußball gibt es dafür die rote Karte und drei Spiele Sperre, in der Formel 1 anscheinend den Siegespokal und die WM-Führung. Die Entschuldigungen auf der Pressekonferenz machen nichts besser. Ob es nun echte Einsicht oder PR-Heuchelei war, ist eine Bagatelle. Die tiefste Reue lässt sich leicht weinerlich vortragen, wenn man weiß, dass einem die 25 Punkte keiner mehr nehmen kann. Egal, wie ihr Zustandekommen hinterher analysiert / gerechtfertigt / entschuldigt wird. Papier ist geduldig.

 

image_proxy_large-3Vettel gewann das Rennen, doch er war kein Sieger in Sepang. Das liegt am verweigerten Nichtangriffspakt, für mich jedoch in erster Linie an einem weiteren Vorfall. Im Schatten der Stallorder-Debatte ist er in den Hintergrund gerückt, dieser Funkspruch des Deutschen aus der ersten Rennhälfte. Beim Wechsel von Intermediates auf Slicks war er bekanntlich hinter „Kollege“ Webber zurückgefallen. Als er dem Australier (geringfügig) näher rückte, sendeten die weltweiten TV-Anstalten dieses Team-Radio von Vettel an seine Kommandozentrale: „Mark is too slow“, beschwerte er sich, ein billiger Versuch der Tränendrüse. Doch das Verheerende folgte erst: „Get him out of the way!“

 

Räumt ihn aus dem Weg. Es ist der schlimmste Funkspruch, den ich je gehört habe. Viel schlimmer noch als Jean Todts „Let Michael pass for the championship“-Gebelle damals in Österreich. Besonders, in welchem Ton Vettel diese widerliche Aufforderung von sich gab, verurteile ich auf‘s Schärfste. Genervt, fast schon gelangweilt und angeödet hörte er sich an, als ob es normal wäre, sich auf diesem Niveau über jemanden zu unterhalten. Jemanden, der noch dazu dieselben Farben trägt.

 

Räumt ihn aus dem Weg. Wie das allein abgesondert klingt. Und wie das aus Vettels Mund klang. Da schwang Verachtung mit, Überheblichkeit, so viel Arroganz und Ignoranz, das man sich schämen sollte. Seht her, hier komme ich, der Weltmeister, also fahr mal lieber ganz schnell zur Seite, sonst... Und überhaupt, wer bist DU eigentlich!?

 

Wie „slow“ der Mark unterwegs war, hat Vettel danach gesehen. Vor den abschließenden Stopps hatte Webber einen komfortablen Puffer von fünf Sekunden. Ohne die anschließende „Kommunikationsproblematik“ wäre er mühelos zum Sieg gebraust. Vettel verhielt sich gestern wie eine verzogene Göre, die heulend zu Mama rennt und mit ihrem großen Bruder wiederkommt, wenn ihr etwas nicht passt. Sein Verhalten war eines Weltmeisters unwürdig.

 

Der Red-Bull-Star muss aufpassen. Nicht, weil er drastische Konsequenzen seines Arbeitgebers fürchten braucht. Wer feuert schon einen dreifachen Champion? Es geht um Außendarstellung und Wahrnehmung. Das Image des sympathische Kerls mit Lausbuben-Grinsen und erfrischend anderem, unbekümmertem Auftreten, dieses Image schwindet allmählich dahin. Nicht erst seit Malaysia. Vielleicht ist es ganz natürlich, dass im (maximalen) Erfolg Veränderungen einsetzen. Schleichend, aber doch feststellbar. Vettel ist kein guter Verlierer, mehr noch: Vettel hasst es zu verlieren. Das ist für einen Sportler die denkbar günstigste Voraussetzung, und für einen Rennfahrer, diese spezielle Spezies, das Lebenselixier schlechthin. Die Netten werden nie Weltmeister, nur die mit der gewissen Portion Killerinstinkt. Und dennoch gebietet es der Sportsgeist, in der Niederlage Größe zu zeigen. Genau da hat Vettel Nachholbedarf, aber genau da konstruiert das öffentliche Bild seine Basis. Weil Niederlagen die ehrlichsten Vermittler des Charakters sind. Im Moment des Sieges fröhlich zu lächeln, der Strahlemann zu sein, der den Menschen gefällt - das ist nicht allzu schwer.

 

Im Übrigen: Auch Webber legte keine astreinen Manieren an den Tag. Der klar ersichtliche Mittelfinger nach dem beinhart geführten Zweikampf mag ein Resultat seiner aufgestauten Wut sein. Einen Schulterklopfer verdient er sich damit nicht. Das war überflüssig.

 

Räumt ihn aus dem Weg. Vor Unsportlichkeiten wimmelte es nur so in der Tropen-Sauna. Vettel hat gestern einen Grand Prix gewonnen, aber an Anstand verloren. Und sicherlich an Freunden. JM

 


-> mittermeiers-sportblog.de

 

 

Bildquelle: Getty Images / Red Bull Content Pool

 


Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren

Wir haben 98 Gäste online

Next Race:

© 2008 - 2013 !R Redaktionsgemeinschaft / !NS!DE-RAC!NG Online Magazin
Ein Angebot der RTV-WORLD MediaGroup - Fa. Roland Schäfges: Katzenberger Weg 114 - 56727 Mayen - www.rtv-world.de - redaktion@inside-racing.de