IndyCar: Die Kanadier in der IndyCar

Benutzerbewertung: / 0
SchwachPerfekt 

Mit James Hinchcliffe gibt es wieder einen kanadischen IndyCar-Sieger. Ein Rückblick

IndyCar: Die Kanadier in der IndyCar

 von Michael Zeitler

 

Mit James Hinchcliffe gibt es wieder einen kanadischen IndyCar-Sieger. Ein Rückblick.

| St. Petersburg (!NS!DE-RAC!NG) - Alle guten Dinge sind halt eben doch drei. James Hinchcliffe geht in seine dritte IndyCar-Saison, nach einem Jahr für Newman Haas jetzt zum zweiten Mal im Team von Michael Andretti. Dass er da zum potenziellen Siegerkreis zählt, ist klar: Ryan Hunter-Reay holte sich letztes Jahr für Andretti immerhin den Titel in der amerikanischen Formel-1. Aber dass Hinchcliffe gleich den Auftakt in St. Petersburg gewinnt, überraschte dann doch. Hinchcliffe hat den kleinen Fehler von Penske-Pilot Hélio Castroneves gnadenlos ausgenutzt und sich die Führung und den Sieg erkämpft.

Damit haben nun beide Kanadier im Feld schon einen IndyCar-Lauf gewonnen. Der Sieg von Alex Tagliani ist aber lang her: 2004 gewann er in einem von Rocketsports eingesetzten Lola Ford das Rennen in Road America. Als Tagliani gewann, hatte Kanada die Blütezeit in der Meisterschaft, denn 2003 holte sich Paul Tracy für Forsythe den Titel. Tracy ist offiziell noch nicht zurückgetreten, aber ein Vollzeit-Cockpit bekommt der stämmige Liebling der Fans schon seit Jahren nicht mehr. In St. Petersburg deutete der 44-Jährige jetzt an, wohl doch nicht mehr an einem IndyCar-Rennen teilzunehmen.

Tracy, der 1994 für das Benetton-Team einen F1-Test absolvierte, aber ähnlich wie Juan-Pablo Montoya in der Formel-1 wohl nie froh geworden wäre, ist auf alle Fälle der erfolgreichste Kanadier in der Geschichte der IndyCar: 31 Rennen hat er gewonnen, das erste 1993 in Long Beach in einem Penske Chevrolet, das letzte 2007 in Cleveland für das Forsythe-Team. Es hat auch kein Kanadier mehr IndyCar-Rennen bestritten wie Tracy: Er kommt auf 281 Starts, Tagliani inzwischen auf 188, Ed Carpentier (jahrelang neben Tracy bei Forsythe und immerhin Gewinner von fünf IndyCar-Läufen) auf 157.

Dahinter rangiert schon Scott Goodyear. Er fuhr 136 Rennen, wovon er fünf gewann. Wie Tracy wäre auch Goodyear beinahe Meister geworden: 2000 holte er in einem von Panther betreuten G-Force Oldsmobile die Vizemeisterschaft. Heute ist Goodyear nur noch in Kanada einigermaßen bekannt – es gab einfach so viele Kanadier in der IndyCar. Immerhin deren 35.

Der vielleicht talentierteste: Greg Moore, auf den schon die F1-Teams ein Auge geworfen haben: Sauber und McLaren wollten den Forsythe-Piloten Ende der 90er Jahre in die Formel-1 holen. Moore blieb aber vorerst in der IndyCar: Ein Vertrag mit dem besten Team der Geschichte,  Penske, für 2000 war längst unterschrieben, als er 1999 in Fontana bei einem fürchterlichen Crash mit zahlreichen Überschlägen erst 24-jährig tödlich verunglückte. Insgesamt gewann Moore fünf IndyCar-Rennen, alle für Forsythe. Das Team von Gerry Forsythe, der als Teilhaber von BAR 1999 auch in der Formel-1 Fuß fasste, war so etwas wie das kanadische IndyCar-Team, obschon auch Forsythe und seine Mannschaft aus Amerika kommt. Auch Jacques Villeneuve, der 1996 zum bisher einzigen kanadischen F1-Weltmeister wurde, fuhr auch schon für Forsythe Rennen. Er wurde 1995 Meister, gewann auch fünf Rennen.

Der vielleicht schillernste kanadische Rennfahrer war Villeneuves Vater: Gilles Villeneuve. In der IndyCar war der nie unterwegs, aber eben für Ferrari in der Formel-1. Dessen Bruder Jacques Villeneuve Senior andersrum: In der Formel-1 nie für ein Rennen qualifiziert, in der IndyCar aber ein Sieger: 1985 gewann er in Elkhard Lake einen Lauf im March Cosworth.

Die IndyCar-Geschichtsbücher kennen aber noch drei weitere kanadische IndyCar-Sieger: Ira Vail siegte 1917 auf einem Hudson in Minneapolis, Peter Henderson im selben Jahr in Chicago auf einem Duesenberg. Das Rennen fand damals in einem Holzoval statt – die Amerikaner gingen schon immer eigene Wege, auch bei den Rennstrecken! Hal Robson trug sich außerdem 1946 in die Siegerlisten ein.

Kanadier in der IndyCar sind also nicht erst eine Erfindung der Moderne. Der erste Kanadier: Billy Bourque 1909 auf einem Rennwagen von Knox, einem US-amerikanischen Automobilhersteller, den es seit fast 100 Jahren nicht mehr gibt. Der erste Kanadier beim Indy-500: Arthur Miller 1910 auf einem Warren-Detroit.

Von den 35 Kanadiern waren manche erfolgreich, manche sind nur Fußnoten. Manche haben aber auch prominente Verwandte: Billy Foster zum Beispiel ist der Cousin von David Foster, der als Musikproduzent unter anderem schon für Stars wie Bryan Adams, Célin Dion oder Michael Jackson gearbeitet hat. Billy Foster war ein sehr guter Freund von US-Rennlegende Mario Andretti, dem F1-Weltmeister von 1978. 1967 verstarb Foster aber bei einem Nascar-Rennen.

Ludwig Heimrath und sein gleichnamiger Sohn fuhren auch IndyCar-Rennen, Der Papa mit einem eigenen Team und einem eingesetzten Eisert Chevrolet. Sein bestes Resultat war ein achter Platz, sein Sohn kann das toppen: In Miami 1988 wurde er in einem Lola Cosworth Siebter. Auch Cliff Hucul setzte ein eigenes Team ein – und fuhr mit einem McLaren Offenhauser im Zeitraum von 1977 bis 1981. Eldon Rasmussen ließ sogar sein eigenes IndyCar bauen: Rascar, bestückt mit einem Foyt-Motor. Beim Indy-500 1977 wurde er damit 13.

Weil das Indy-500 von 1950 bis 1960 auch zur Fahrermeisterschaft der heutigen Formel-1 gehörte, würde heute auch beinahe Allen Heath in den F1-Statistiken auftauchen. Er scheiterte 1952 aber am Versuch einen Kuzma Studebaker für das Rennen zu qualifizieren. Bei einem anderen legendären Rennen gab es bis heute erst einen siegreichen Kanadier: Beim 24-Stundenrennen von Le Mans. John Duff gewann 1924 zusammen mit Frank Clement auf einem Bentley. Zwei Jahre später fuhr er für Miller weniger als eine Hand voll IndyCar-Rennen.

Ein nächstes kanadisches Talent taucht auf dem Horizont bereits auf: Scott Hargrove gewann in St. Petersburg beide Rennen der US-amerikanischen Formel-2000 im Cape-Team. Die F2000 ist noch die einzige Nachwuchsserie in den Staaten, die noch ein starkes Fahrerfeld aufweist: 26 Fahrzeuge gingen in Florida ins Rennen.

Sliderfoto: IndyCar Series


Add a comment
Wir haben 15 Gäste online

Next Race:

© 2008 - 2013 !R Redaktionsgemeinschaft / !NS!DE-RAC!NG Online Magazin
Ein Angebot der RTV-WORLD MediaGroup - Fa. Roland Schäfges: Katzenberger Weg 114 - 56727 Mayen - www.rtv-world.de - redaktion@inside-racing.de